Pizzan – Pizza – Pítsa

Isländisch

Wer durch die Straßen von Reykjavík geht und In- und Aufschriften sieht, wundert sich, dass er in dieser scheinbar exotischen Sprache das eine oder andere Wort wiedererkennt. Hús ist offensichtlich Haus, ganga ist gehen, langur und lengi erinnern beide an lang und haben auch diese Bedeutung, nämlich langur als Adjektiv und lengi als Adverb. Manchmal hilft das Englische weiter, z.B. klukka ‚Uhr‘ (engl. clock), lif ‚Leben‘ (engl. life), vika ‚Woche‘ (engl. week). Das ist weniger verwunderlich, als es scheint. Denn das Isländische gehört zur selben Sprachfamilie wie die anderen skandinavischen Sprachen und wie eben auch das Deutsche und Englische: zur Familie der germanischen Sprachen. Das ist nicht so leicht zu hören, wenn Isländer sprechen, aber leicht zu erkennen, wenn man Geschriebenes sieht. Die Isländer selber können fast alle Englisch, aber mit dem globalisierten Italienischen, hapere es, so denkt man, wenn man die Ankündigung Pizzan sieht, dabei an Pizzerien denkt und sich aus diese Wortform keinen Reim machen kann. Aber wenn man in einer der schönen Buchhandlungen in der Innenstadt eine Grammatik aufschlägt, lernt man, dass im Isländischen, anders als im Deutschen, der Artikel nach dem Substantiv steht: -n ist der bestimmte Artikel, und Pizzan heißt nichts anderes als Die Pizza, sozusagen die Pizza schlechthin, die Pizza aller Pizzen. Übrigens sind die Isländer, sonst liebenswürdig, bei der Eingemeindung von Fremdwörtern geradezu rabiat: Neben der Schreibung pizza, wie überall auf der Welt, gibt es auch schon die Schreibung „wie man’s spricht“, also pítsa. Und noch eine sprachliche Entdeckung kann man machen, ohne Linguist zu sein: Von den phonetischen Zeichen, die man in der Schule gelernt hat, um englische Wörter auszusprechen, stammen zwei Buchstaben aus der isländischen Schrift, nämlich Þ (wie in engl. thought) und ð (wie in engl. this). In Island sieht man diese Buchstaben allenthalben. Übrigens ist das Universal-Wörterbuch Isländisch von Langenscheidt, laut Aufkleber „Ideal für die Reise“, in Wahrheit ziemlich nutzlos. Von dem, was einem beim Gang durch die Stadt so an Wörtern begegnet, sucht man das meiste in diesem Wörterbuch vergebens. Es ist vermutlich das einzige Wörterbuch der Welt, in dem nicht einmal steht, wie man für danke sagt.

erstellt am 31.8.2011

Straßenwerbung in Reykjavík

Reykjavík ist auch deshalb eine besondere Stadt, weil das Straßenbild frei von Werbung ist. Dafür gibt es Wandmalereien aller Art: dekorativ und informativ, karikaturistisch und künstlerisch. Und manchmal werden die Wandflächen auch für Werbung genutzt: Hier eine ältere Werbung, für ein Geschäft für Herrenmoden an der Haupteinkaufsstraße, auf der auch der isländische Buchstabe ð vorkommt.