Shirin Kumm

Shirin Kumm, in Teheran, Persien, geboren, lebt seit den achtziger Jahren in Frankfurt. Sie übersetzt, schreibt Gedichte und Prosa.

Ihre Bücher u.a.:

Der Blick hinab Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
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Royadesara, Frankfurter Verlagsanstalt, 2003

Identitätssuche

Es begann damit
dass ich die Pässe tauschte
Salam gegen Guten Tag
Tooman gegen Mark
Wasser gegen Wein.

Sie versank dann allmählich
meine Identität
in Bestrebungen zu bestehen
begreifen
trennen, ordnen
reifen
in gescheiterten Versuchen
Gott zu retten
den Einzigen mit vielen Namen
Allah, God, Dieu, Khoda …
im Liebesgeflüster in fremden Sprachen
süßen Verheißungen, die zerbrachen
bis ich mich gänzlich verlor.

Im Gewand einer Wortschöpfung
taucht sie nun wieder auf
meine verlorene Identität
ich suche nicht mehr
frage nicht mehr nach
was für ein geschenkter Fund!

Die Identitätsfrage ist geklärt
sonnenklar – ich Narr
weshalb war ich nicht selbst daraufgekommen?
Ich bin hier eine Frau
mit MIGRATIONSHINTERGRUND.

Shirin Kumm

Schneegedicht

Buchstabe für Buchstabe
fing ich dich ein
im ersten Schnee
hinter meinem Fenster

Im Morgengrauen
noch im Halbschlaf
eilte ich hin
um dich zu begrüßen
Leise warst du mir
auf und davon
geschmolzen

Shirin Kumm

erstellt am 08.8.2010

Shirin Kumm
Shirin Kumm, fotografiert von Ramune Pigagaite