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Schlagzeilen machte die Frankfurter Buchmesse 2017 vor allem mit Auseinandersetzungen rund um die Präsenz rechter Verlage. Die Vergabe des Buchpreises und des Friedenspreises wurden hingegen kaum diskutiert. In seinem Nachtrag zur Buchmesse widmet sich Martin Lüdke dem Zustand der Buchbranche und des Literaturbetriebs.

Frankfurter Buchmesse 2017

Kein Grund zur Klage?

Der Deutsche Buchpreis ist vergeben. Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ebenso. Gegen Robert Menasse ist nichts zu sagen. Über Margaret Atwood auch nicht. Gott allein weiß, warum die Jury zu dieser Entscheidung kam. Es fragt sich jetzt nur, ob diese beiden Preise noch ihren Zweck erfüllen. Die Auflagen der Buchpreisträger gehen seit Jahren kontinuierlich zurück. Und die Bedeutung des Friedenspreises sinkt mit solchen Preisträgern, deren literarisches Gewicht auf der moralischen Waage gewogen wird.

Sei’s drum. Kein Grund zur Klage. Auch wenn es immer was zu meckern gibt.

Immerhin ist die Frankfurter Buchmesse so etwas wie die Jahreshaupt- und Vollversammlung einer Branche, die es gute zwei Jahrhunderte lang geschafft hatte, Geist zu deklarieren und damit Geld zu generieren, also ihr an sich recht schnödes Geschäft glanzvoll zu kaschieren.

Verlage und Buchhandel haben eine starke Lobby. Mittels Buchpreisbindung und verminderten Mehrwertsteuersatz beharrt diese Branche auf Privilegien, deren Begründung vielleicht tatsächlich einmal galt, aber in der Zwischenzeit längst ausgehöhlt worden ist.

Dabei läuft der Laden, zugegeben, schlecht. Ja sogar immer schlechter. Es sind drastische Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Die Auflagen heutiger Bestseller wären vor einigen Jahren noch mitleidig belächelt worden. Der Branche geht es tatsächlich schlecht. Wo es, zumal für kleine Buchhändler, noch etwas zu verdienen gäbe, da schnappt ihnen Amazon das Geschäft weg. Hinzu kommt: Es wird, speziell im Bereich der gehobenen Belletristik, immer weniger gelesen. Wo einst mal Werther war, ist heute Twitter. Das einstige Bildungsbürgertum ist aus der Zeit gefallen. Bildung gibt’s bei Google. Die großen Lexika-Verlage wie Brockhaus & Co. haben ihren Betrieb längst eingestellt. Online ist die Devise. Es schrumpft allerorten. Die einst so stattlichen Vorschauen der großen Publikumsverlage, umfangreich und glanzvoll ausgestattet, sind unterdessen zu dünnen Heftchen zusammengedampft. Man schrumpft sich halt gesund. Und wer nicht weiter schrumpfen kann, der macht halt dicht. Eine Branche am Abgrund?

Da sei der Börsenverein vor. Dort nämlich wird die Stimmung gemacht und einer gelangweilten Öffentlichkeit verkauft. Mag die Lage auch noch so düster sein, die Branche lässt sich nichts anmerken. Die Stimmung, scheint es, ist nach wie vor gut. Wer den Kopf in den Sand steckt, muss die Aussicht nicht fürchten.

Doch, gemach, gemach. Die Branche mag schrumpfen. Der Betrieb hingegen, der brummt. Je weniger die Leser lesen, desto häufiger werden sie Hörer. Zuhörer. Nur halbwegs bekannte Autoren garantieren volle Säle. Und ein Kehlmann, gar ein Houellebecq schaffen es mühelos, dass sich die Leute um Eintrittskarten prügeln. Das heißt, auf eine schlichte Formel gebracht. Nicht die Literatur ist am Ende, wie es einst in Anlehnung an Enzensberger einmal proklamiert wurde. Im Gegenteil. Der Betrieb brummt. Die traditionelle Form des Vertriebs von Büchern ist auf der Auslaufspur. Dafür wird gehört. Die Verfasser stellen sich öffentlich aus – und lesen laut vor. Und dieser Laden läuft, wie sich auf der Frankfurter Buchmesse eindrucksvoll gezeigt hat.

Also: Branche schrumpft. Betrieb brummt. Kein Grund zur Klage.

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erstellt am 20.10.2017

Buchpreisträger Robert Menasse liest im Rahmen von OPEN BOOKS im Frankfurter Römer, Foto: Alexander Paul Englert