Der Literaturwissenschaftler Boniface Mongo-Mboussa ist 1962 in der Republik Kongo geboren. Er zählt zu den renommierten Kritikern französischsprachiger Literatur. Sein Weg führte ihn von Kongo Brazaville zum Studium nach Leningrad und von dort nach Paris, wo er heute lebt und arbeitet. Mongo-Mboussa ist literarischer Berater des Salon africain der Genfer Buchmesse und Dozent für frankophone Literaturen am Pariser Sarah Lawrence College. Zudem zeichnet er verantwortlich für die Literaturkritik in der Zeitschrift Africultures, die – in Paris herausgegeben – das kreative Schaffen Afrikas kritisch begleitet. Muepu Muamba und Cornelia Wilß sprachen anlässlich der Litprom-Literaturtage Weltwandeln in französischer Sprache 2017 in Frankfurt mit Boniface Mongo-Mboussa über falsche Mythen und Metaphern, Geschichte und Gedächtnis, Paris, seine Eliten und warum es dort kein Haus für die Kulturen Afrikas gibt.

Gespräch mit Boniface Mongo-Mboussa

Afrika begehren

Cornelia Wilß: Ihr Buch „Désir d’Afrique“ ist eine Zusammenstellung aus Gesprächen und Essays mit und von interessanten Persönlichkeiten aus Afrika; es erschien in der Reihe continents noirs bei Gallimard. Der Titel ist auf den ersten Blick zweideutig zu verstehen: Wer begehrt Afrika? Sind es die Europäer, die die Schätze Afrikas begehren? Oder anders: Was meint aus afrikanischer Perspektive, über das Verlangen nach Afrika zu schreiben und nachzudenken?

Boniface Mongo-Mboussa: (lacht) Ich wusste am Anfang gar nicht, wie ich das Buch nennen sollte. Ich wollte einen ansprechenden Titel finden, der interessant klingt. Mir ging es darum, jenseits der medialen Darstellung in Europa, in denen immer von den Problemen Afrikas die Rede ist, zu zeigen, dass „Afrika“ in Europa als solches gar nicht sichtbar ist.

Doch es ist gerade das unsichtbare Afrika, das durch und durch begehrenswert ist. Es sind diese wunderbaren Landschaften, diese phantastischen Farben, ja, wir haben auch friedliche Momente. Afrika ist ein kulturell reicher und vielseitiger Kontinent. Die Wiege der Menschheit – all dies bleibt unsichtbar. Selbst unsere eigenen Kinder, die in Europa aufwachsen …. sobald man mit ihnen über Afrika spricht, dann haben sie unmittelbar diese Hölle im Kopf.

Cornelia Wilß: Ist dieses Unsichtbar-Sein des kulturellen Erbes Afrikas eine Folge des kolonial verzerrten Blicks, den Europa gegenüber Afrika noch immer einnimmt?

Boniface Mongo-Mboussa: Die Sache ist komplizierter. Es ist nicht nur der kolonialistische Blick auf Afrika. Vielleicht sind wir selbst einfach zu träge und unternehmen nichts dagegen. Es nutzt nichts, immer nur mit dem Finger auf die anderen zu zeigen. Wenn Sartre gesagt hat, die Hölle – das sind die anderen –, dann müssen wir uns fragen, ob ein Teil dieser Hölle nicht auch in uns liegt.

Schauen wir uns doch einmal das afrikanische Kino an. Da wird doch auch viel mit dem Klischee des Exotischen gearbeitet; es ist einfach grauenhaft. Man nennt diese stereotypen Filme mit den „typischen“ Hütten auch „cinéma calebasse“. Wir sagen, solche Filme „laufen neben der Wüste“. Sie haben ästhetisch und politisch keine Bedeutung.

Cornelia Wilß: Sie denken, es ist also eine Frage der Selbstdarstellung, nicht nur das Resultat europäischer Projektionen?

Boniface Mongo-Mboussa: Ja und nein! Wir müssen sehr aufpassen, nicht in diese Falle zu tappen. Die Ethnologen, die über die Dogons geforscht haben, wiesen zurecht darauf hin, dass die Beziehungen zwischen Unterdrücker und Unterdrückten durchweg sehr komplex sind; das kann man nicht nur von einer Seite aus betrachten. Ich gebe Ihnen ein Beispiel, das mich schmerzt:

In der IV. Republik (1946 – 1958), also vor der Befreiung der afrikanischen Staaten, waren Vertreter aus unseren Staaten an höchster Stelle in Frankreich präsent. So war Felix Houphouë-Bogny, der spätere Staatspräsident von Cote d’Ivoire, Staatsminister unter Charles de Gaulle. Auch Léopold Sédar Senghor war nicht nur ein Freund von Pompidou, als dieser Kabinettchef unter de Gaulle war. Senghor war auch Minister im Kabinett von Edgar Faure. Gaston Monerville, der in Französisch-Guayana aufwuchs, war französischer Senatspräsident in Frankreich: Der afrikanische Kontinent war damals in Paris durchaus prominent vertreten. Davon ist heute nichts mehr übrig.

Cornelia Wilß: Knüpft dieser Verlust an Einfluss und Präsenz, den Sie als schmerzlich beschreiben, an die auch hier angesprochene Diskussion über die – sagen wir – unwuchtige Beziehung zwischen dem Zentrum Paris und den früheren Kolonien in Afrika an? Sind die afrikanischen Staaten für Frankreich in kultureller Hinsicht nur von peripherem Interesse?

Boniface Mongo-Mboussa: Ja, es ist doch einfach nicht zu glauben. In Paris gibt es nicht einmal mehr ein winziges Inselchen – etwa wie ein Haus für die Kulturen Afrikas. Das kulturelle Afrika ist aus der französischen Öffentlichkeit schlichtweg verschwunden. Ich bin häufig zu Gast im Lateinamerika-Haus und im Haus für die arabische Welt; das sind wichtige Anknüpfungspunkte für einen kulturellen Austausch im Pariser Kulturleben. Ein solches Afrika-Haus müsste in einer Kulturhauptstadt wie Paris, aber auch in Tokyo, in New York doch ganz selbstverständlich sein. Und es könnte genau den wichtigen Rahmen abgeben, um ein anderes Afrikabild präsentieren zu können. Verschwände der Verlag Présence Africaine auch noch, dann existierte in Paris überhaupt kein Ort mehr, um einen konstruktiven Diskurs über „Afrika“ zu führen.

Cornelia Wilß: Ist diese Haltung ein Ausdruck der Ignoranz oder des Desinteresses an den Kulturen Afrikas?

Boniface Mongo-Mboussa: Ich weiß es nicht, ob man denkt, dass Kultur in unserem Verhältnis zueinander nicht wichtig ist. Auch in dieser Frage kann man nicht immer die anderen zum Sündenbock machen. Wir Afrikaner müssen unsere Kulturen zeigen. Nehmen wir einmal das Bild vom Iran. Lange Zeit galt ein Stereotyp, dass Iran das Land der Bärtigen sei. Dann kam von heute auf morgen Abbas Kiarostami mit seinen wunderbaren Kinofilmen, und auf einmal fand sich der Iran wieder auf der Weltkarte. Iran ist nicht mehr das Land der Bartträger, es ist der Iran des berühmten Cineasten Kiarostami. Sogar Schauspielerinnen wie Juliette Binoche wollten mit im drehen. Das ist die Macht der Kultur. Mit drei, vier Filmen hat er es geschafft, dass ein anderer Iran um die Welt gegangen ist, gespiegelt durch den Blick eines Cineasten, obwohl Iran auch ein Land der Peripherie ist.

Muepu Muamba: Ist die Ignoranz Afrika gegenüber nicht auch eine logische Folge dessen, welchen Platz uns Frankreich zugewiesen hat? Denn Kongo Brazzaville, Kamerun und Tschad haben doch wie gesagt während des Zweiten Weltkrieges noch eine große Rolle gespielt. Aber nachher sind die Länder nicht mehr als wichtig angesehen worden. Warum? Ich denke, wir haben auch von afrikanischer Seite her akzeptiert, dass unsere Länder marginalisiert wurden.

Boniface Mongo-Mboussa: Genau. Vor zwei Jahren ist ein Buch mit dem Titel La France libre fut africaine erschienen, geschrieben vom Kanadier Eric Jennings. Gleich zu Beginn zitiert Jennings den Politiker und Ethnologen Jacques Soustelle, (der im Übrigen für den Verbleib Algeriens innerhalb des französischen Staatsverbandes war). Soustelle erklärt, dass die französischen Widerständler behaupteten, der Widerstand gegen Nazi-Deutschland spielte sich in Frankreich ab; die Widerständler in London behaupteten natürlich, der Widerstand spielte sich in London ab. Doch weil Soustelle ehrlich war, räumte er ein, dass Franzosen und Engländer Unrecht hätten. Denn man müsse zugestehen: la réstistance – der Widerstand hat in Afrika begonnen.

Auch deswegen ist ein Haus für afrikanische Kulturen in Paris wichtig. Wir brauchen einen konkreten Ort, um das Erinnern an diese Narrative nicht zu verlieren. Die Leute müssen begreifen, dass wenn wir heute nach Frankreich reisen, dies nicht tun, weil wir Hunger haben. Es ist in unserer Geschichte begründet; wir haben mitgeholfen, Frankreich zu befreien. Ich möchte gerne an Félix Éboué erinnern. Als Gouverneur des Tschad war er maßgeblich daran beteiligt, dass sich Französisch Äquatorialafrika an das „Freie Frankreich“ unter Führung de Gaulles anschloss.

Die Franzosen wollen natürlich nicht zugeben, dass sie ihre Befreiung von den Nazis auch den „Negern“ zu verdanken haben. Sie pflegen ein anderes Selbstbild von sich als Grande Nation und leugnen, dass wir an ihrer Geschichte einen positiven Anteil haben. Wenn Senghor und andere afrikanischen Politiker damals mehr Druck gemacht hätten, dann wären wir heute präsenter in Paris.

Doch wenn jemand dieses historische Bewusstsein nicht hat. Ein Mensch wie Sarkozy zum Beispiel, dann kann man ihm vielleicht gar nicht verübeln, dass er – als er während seiner Präsidentschaft nach Dakar kam – sagte, Afrikas „Drama ist, dass der Afrikaner nicht genug in die Geschichte eingetreten ist“. Vielleicht war das nicht bös(artig) gemeint, aber so geht es nicht. Leuten wie ihm müssen wir diese Erinnerungen dringend ins Gedächtnis rufen.

Muepu Muamba: Wenn wir über das kulturelle Gedächtnis der Franzosen sprechen, sollten wir auch einmal über die Straßenbenennungen nachdenken. Wir haben wichtige historische Persönlichkeiten aus Afrika, die sich in den Straßen von Paris widerspiegeln sollten. Aber sie spielen in der Erinnerungskultur der Stadt gar keine Rolle.

Boniface Mongo-Mboussa: Ja, es gab in der IV. Republik wichtige Personen aus Afrika, die im Zentrum des Pariser Machtgefüges waren. Aber auch im Ersten Weltkrieg 1914/1918 haben Afrikaner Frankreich unterstützt. Georg Clemenceau hat einen General-Gouverneur eingesetzt, den Senegalesen Blaise Diagne, und das ist wichtig zu wissen, weil dieser half, dass Clemenceau die Unterstützung von 60.000 senegalesischen Scharfschützen für die französische Armee bekam.

Cornelia Wilß: Müssen die Afrikaner Europa gegenüber viel lautstärker werden, um Gehör zu finden?

Boniface Mongo-Mboussa: Es ist nicht unbedingt eine Frage der Lautstärke; wir haben einfach nicht das richtige Instrumentarium. Wir bräuchten ein institutionell verankertes System an Kommunikationsmitteln, welches es uns erlaubt, historisches Wissen vertiefend weiterzugeben. Wir können viel sagen; wir können viel fordern, aber das läuft oft ins Leere. Es ist ja schön, wenn ich wie jetzt nach Frankfurt komme, da kann ich ja zufrieden sein, aber das bleibt eben eine Momentaufnahme. Und ich gehe wieder zurück ….

Cornelia Wilß: Aber wäre es nicht auch die Aufgabe gerade der Intellektuellen, der Schriftsteller und Schriftstellerinnen für das afrikanische kulturelle Gedächtnis in der Welt, für ein kulturelles Domizil in Paris und anderswo zu sorgen?

Boniface Mongo-Mboussa: Wir müssen als Schriftsteller versuchen, diese Dinge im Gedächtnis weiter wirken zu lassen, das ist richtig, andererseits sind wir auf die entsprechenden Strukturen und Institutionen angewiesen. Zum Beispiel bräuchten wir Kulturzentren und Versammlungsräume. Das hinzubekommen, ist aber doch eine Frage des politischen Willens der einflussreichen Eliten, die uns bei einem solchen Anliegen unterstützen sollten.

Muepu Muamba: Tzvetan Todorov hat in seinem Buch Die Angst vor den Barbaren (Nous et les Autres) das Verhältnis des „wir“ zu den „anderen“ beleuchtet und geschrieben, dass die französische Elite eben genau diese idealen theoretischen Vorstellungen hatte und darauf stolz war, aber das reale Leben hat mit diesem intellektuellen Leben nichts zu tun..

Boniface Mongo-Mboussa: Ja, ja, genau. Paris ist eine Chimäre. Es muss alles schnell gehen; jedermann ist eilig. Es herrscht ein unglaublicher Rhythmus, das geht den Nicht-Parisern aus Frankreich ja nicht anders mit dieser Stadt. Es gibt nicht viel Zeit, zu diskutieren, sich mit Freunden zu treffen.

Muepu Muamba: 1932 hat der Schriftsteller Paul Nizan eine Flugschrift gegen die philosophische Elite Frankreichs verfasst, es heißt Die Wachhunde (Les chiens de gard). Denkst du, dass unsere philosophischen Eliten aktuell auch nur Wachhunde sind, die mit den herrschenden Machtverhältnissen verflochten sind, wie der Journalist Serge Halimi es in seinem Buch Die neuen Wachhunde (Les nouveaux chiens de garde) behauptet?

Boniface Mongo-Mboussa: Was du, Muepu, da über Nizans Kritik sagst, ist so wahr! Ich gebe Dir gegenüber ehrlich zu, dass ich sogar manchmal heimlich eine Träne vergieße. Zuweilen erscheint es mir nach einer Diskussion so, als ob manche afrikanischen Schriftsteller oder Intellektuelle vergessen haben, woher sie kommen und ihre Geschichte verleugnen. Der Krieg von 1914 ist schon lange zu Ende, aber wir mimen weiterhin den „Nègre banania“. „Ah kiadi“ … Ach wie erbärmlich!“

Cornelia Wilß: Warum zieht Paris auch heute noch Intellektuelle aus Afrika an? Sind das nur pragmatische Gründe? Weil dort viele große Verlage sind, weil es „freier“ ist … hatte und hat diese Stadt eine besondere Ausstrahlung?

Boniface Mongo-Mboussa: Das sind nicht nur wir Afrikaner in Paris. In den siebziger Jahren kamen viele Intellektuelle aus Lateinamerika hierher. Oder Leute sind aus den USA emigriert. Paris hatte und hat zeitlos eine große Anziehungskraft, und das Verhältnis, das man – auch ich – zu dieser Stadt entwickelt, ist ein zwiespältiges. Denn schließlich entdeckt man sich selbst in diesem komplexen Umfeld. Ja, wir entdecken uns in dem Moment, wenn wir in Paris leben.

Das hat auch James Baldwin erlebt. Er ist 1948 vor dem Rassismus in den Vereinigten Staaten nach Paris ins Exil geflohen. Auch weil er Homosexueller war. In Paris wurde damals viel über die Négritude diskutiert. Aber Baldwin erlebte in Paris, dass große Unterschiede zwischen US-amerikanischen Schwarzen und Schwarzen aus Afrika gemacht wurden. Die französische Polizei hat immer davor zurückgeschreckt, bei Demonstrationen Schwarze aus den USA festzunehmen oder zu belangen. Mit Schwarzen aus Afrika sind sie viel härter umgegangen.

Das hat auch zum Ende des Mythos der Einheit der Négritude beigetragen. Viele schwarze Amerikaner, die eigentlich wieder zurück in ihr afrikanisches Mutterland wollten, stellten fest, dass sie US-Amerikaner geworden waren. Da hat Baldwin uns einen Dienst erwiesen, dass der Mythos, alle Schwarzen – ob Amerikaner und Afrikaner – sind durch die Négritude vereint, zerschlagen worden ist.

Cornelia Wilß: Reden wir zum Schluss bitte über das Lachen. Das Lachen spielte im traditionellen Afrika eine große Rolle. Ist das Lachen im modernen Afrika dasselbe?

Boniface Mongo-Mboussa: Ich bin froh, dass wir darauf zu sprechen kommen: Wenn wir über das befreiende Lachen sprechen, möchte ich an das berühmte Grinsen des griechischen Philosophen Demokrit (den man auch den „lachenden“ Philosophen“ genannt hat) erinnern.

Demokrit ist kein Afrikaner. Doch im traditionellen Afrika….ach wie viel findet man da von dem alten Demokrit: Das Lachen, der Humor, der zugleich Weisheit ist. Das ist es, was Afrika trotz all seiner Tragödien am Leben lässt. Und ich kann auch mit Überzeugung sagen, dass das Lachen den Atlantik überquert hat.

Louis Armstrong lachte wie ein Kind, manchmal so, als sei er zurückgeblieben, aber hinter seinem Lachen …. ach wie viel Schmerz und ach wie viel Weisheit. Alles was ich dazu sagen möchte, ist, dass es eine Kontinuität zwischen dem Lachen des traditionellen Afrika und dem Lachen des zeitgenössischen Afrika gibt …. und schauen wir doch in diesem Moment nach Afrika. Um nicht an den Ufern unserer beiden „Kongos“ stehen zu bleiben.

Man muss in die Gandas (Straßenrestaurants) gehen, die Bars besuchen, um dieses laute kräftige Lachen zu vernehmen. Betrachten Sie die kraftvollen Malereien von Cheri Samba; lauschen Sie der Musik von Franco, sehen Sie diese Stärke und diesen Abstand, die der Protest gegenüber dem Wirklichen einnimmt; lesen Sie Le Pleurer-Rire von Henri Lopèz oder La vie et demie von Sony Labou Tansi. Dann werden Sie verstehen.

Cornelia Wilß: Kann Lachen befreien?

Boniface Mongo-Mboussa: Es ist doch so: Wenn ich lachen kann, kann ich auf Abstand gehen zu einer Situation, die mir als schwierig erscheint. Ich habe versucht, eine Doktorarbeit zu diesem Thema zu schreiben, weil mich das interessiert. Diese wurde nicht veröffentlicht, aber ich habe mich lange Zeit damit auseinandergesetzt. Ich habe mein Studium in der Sowjetunion begonnen, bin dann nach Frankreich gekommen und dachte, ich werde verrückt …. . Ich hatte das Glück, damals Steppenwolf von Herrmann Hesse lesen zu können, den Roman habe ich verschlungen. Später habe ich Seminare zum Thema “Humor” besucht. Es war eine große Erleichterung für mich, als ich erkannte, dass Lachen auch eine philosophische Dimension hat.

Cornelia Wilß: Aber was hat damals das Gefühl ausgelöst, wie Sie gerade sagten, dass sie dachten, verrückt zu werden …

Boniface Mongo-Mboussa: Es geht wieder um die Bilder, die wir im Kopf haben. Das Bild, welches wir Afrikaner uns von Frankreich gemacht haben, das war schier unglaublich. Es war so ein aseptisches Idealbild, man kann sich das kaum vorstellen. Alle haben immer gesagt, du musst unbedingt nach Frankreich. Wir dachten, alles sei so, wie es in Paris Match abgebildet ist. Und mit diesem Bild im Kopf komme ich also in Paris an und lande erst einmal am Gare du Nord (alle lachen). Dann habe ich gedacht, es wird besser werden, aber es gab nur das. Das hat mich verrückt gemacht. Nichts war so, wie ich es mir bis dahin vorgestellt hatte. Wie ich schon sagte: Paris ist ein Chimäre.

Das Gespräch führten Muepu Muamba und Cornelia Wilß

Marianne Crux hat das Gespräch im Frankfurter Literaturhaus gedolmetscht.

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erstellt am 17.7.2017

Boniface Mongo-Mboussa
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