Das Werk des iranisch-deutschen Dichters SAID bewegt heute mehr denn je, findet Maryam Aras und gratuliert SAID zu seinem siebzigsten Geburtstag. In seiner Lyrik und seinen Essays reflektiert er beharrlich über das Leben im Exil, sein mal liebevolles, mal leidvolles Verhältnis zur deutschen Sprache, und zu seinem Europa, dessen Idealen er sich trotz der aktuellen Politik verbunden fühlt. SAID lebt und arbeitet seit 1965 in München.

SAID zum 70. Geburtstag

Im Niemandsland, vorläufig für immer

Die Staatslärmungen hier
Dort das wachende Wort
Hinter jedem Strauch
ein Gott
und auch er murrt
Zikaden schließen die Augen
Und vergessen uns
Nichts in ihrem Lied verrät
Dass sie bald sterben müssen

Am 25. Juni 2009 druckte die Frankfurter Rundschau ein Gedicht auf ihrer Titelseite, Schwarz auf Grün. Unter den knappen Zeilen die Erklärung, dieses Gedicht hätte der iranisch-deutsche Schriftsteller SAID für die jungen Aktivisten im Iran geschrieben, dass sie nicht ihr Leben riskierten, damit später selbsternannte Reformer ihre Macht festigen könnten.

Doch so kam es, nach dem kurzen Sommer der Hoffnung, in dem auch überall in Europa die Vertriebenen des Regimes und deren Kinder auf die Straßen gingen. Nach weiteren vier Jahren politischer Hetzjagd wurde das verblasste Grün der Hoffnung zum Violett der Mindestkompromisse, über die fortan der neue Präsident Hassan Rouhani mit dem Regime handelseinig wurde. Einige Aktivisten wurden zu Startup-Gründern, Demonstranten zu Wartenden in den Schlangen der europäischen Schalter iranischer Fluglinien.

Exil und Exil-Opposition

Zwei, die bis heute nicht zurückkehren können, begegnen sich das erste Mal 1966 in München. Zwei junge Männer damals, fast noch Jungs. Beide kommen aus Teheran, sind Aktivisten der Konföderation Iranischer Studenten (CISNU) und lernen die neue Sprache schnell. Der jüngere, Said, studiert Politikwissenschaften und wird schließlich SAID, der Dichter und Essayist. Der ältere ist mein Vater. Er zieht etwas später nach Köln, wo Leben und Arbeiten für ausländische Studenten wirtlicher ist als in München. Er wird Ingenieur, und schließlich, Lehrer für Mathematik und Philosophie.

Said und mein Vater gehören zu einer einer Generation, die heute fast wie aus der Zeit gefallen wirkt: die sich mit gewissem Stolz selbst als politische Flüchtlinge bezeichnen. Die, noch fast als Kinder ins Exil gegangen, ihren Eltern nicht viel zu verdanken haben; niemandem viel zu verdanken haben, außer sich selbst und ihren Freunden, die fortan ihre Familie waren. Für die der blaue Pass der Staatenlosen fester Bestandteil ihrer Identität war und die Zugewandtheit zur deutschen Kultur ebenso existenziell wie die totale Ablehnung kultureller Assimilation. „Sei nicht so deutsch, mein Herz“, sagte mein Vater mir manchmal – das bedeutete: Verzage nicht, sei hartnäckig bei Rückschlägen und gegenüber Autoritäten.

Als Kind der zweiten Generation, für das Persisch mehr eine geliebte Melodie ist als die Form, in der ich mich ausdrücke, kann ich nur erahnen, dass nicht zu verzagen für die beiden jungen Männer aus Teheran ein über viele Jahre oder gar Jahrzehnte andauernder Kampf war. Der Schriftsteller SAID ist nun 70 Jahre alt geworden, hat 53 Jahre seines Lebens in Deutschland verbracht. Beinahe ein ganzes Leben im Exil. Zunächst aus freien Stücken: Als er 1965 seine Heimat verließ, wollte er vor allem raus aus dem repressiven Mief der Pahlawi-Ära und Kafka im Original lesen lernen. Die politische Aktivität, die ihn zu Beginn der Islamischen Republik dann endgültig ins Exil zwang, setzte erst in München ein: Hier kam er in Berührung mit der gut organisierten Studentenopposition, wurde Teil der Konföderation iranischer Studenten, die den Internationalismus und Antiimperialismus der deutschen '68er mitgeprägt hat und mit ihrer Vernetzung in den linksliberalen Medien dafür sorgte, dass das glitzernde Image des Schah-Regimes auch hierzulande kippte. Said war in den 1970ern einige Jahre lang Vorsitzender der deutschen CISNU, bis er SAID, der Dichter und Essayist wurde.

Wie die meisten Linken kehrte er 1979 kurz in den Iran zurück, um wenig später desillusioniert und vorerst für immer zurückzukehren ins Exil. Davon handeln seine ersten deutschen Lyrikveröffentlichungen: zunächst voller Erwartungen („Die Angst,/ den ersten Unbekannten/ in dieser Sprache anzusprechen,/ verflog, als er mir/ wortlos die Zigarette aus der Hand nahm/ und damit seine eigene ansteckte.“), dann immer ernüchterter ob der Heimat, die nicht mehr die alte ist, und der neuen Ideologie, die überall um sich greift:

Geliebte,
auf diesen Straßen kann ich
nicht einmal Deine Hand halten.
Wie verspottet hier
die Liebe ist.
Wo ich sterbe,
ist meine Fremde.
(Aus „Wo ich sterbe, ist meine Fremde“ 1987)

Europa und seine Flüchtlinge

Liebe und Exil, Spiritualität und Tod – um diese Themen kreist SAIDs Schaffen seit nunmehr vierzig Jahren. Neben zahlreichen Gedichtbänden, Prosaliteratur und Kinderbüchern hat er auch politische Essays veröffentlicht. In „ein kind auf der suche nach europa“ („Das Niemandsland ist unseres“, 2010) verhandelt er künstlerische und politische Aspekte seines Verhältnisses zu Europa:

will das kind mit einer handvoll gedichte das exil überrumpeln und dessen semantik, die die flucht durch einen gedankenstrich ersetzt? das kind schreibt gedichte, um fortzugehen – es hat zu oft abschied genommen, ist zu selten gestorben, um zu bleiben. es schreibt gedichte in einer fremden sprache, um bruchstücke seiner identität zu sammeln. gleicht diese identität nicht einem fluch? … das kind schreibt gedichte gegen das fremdsein und wird durch seine gedichte fremd. das gedicht, die schmale brücke zur kindheit, ein ort des vergessens – wo die flucht zu ende ist?

Die deutsche Sprache, die ihm, obwohl immer Exilant bleibend in 'seiner Fremde', eine neue Behausung gewährt, ist für SAID Herausforderung und Selbstermächtigung zugleich. Seine Art, fremd zu sein, wie er sagt. Doch das 'Kind', das sich einst angezogen vom Europa Camus' und Sartres auf den Weg machte, hadert mit seinem Europa, mit seinem Deutschland, das heute vor allem der Logik der Macht und des Marktes zu folgen scheint:

was für ein europa! … erst giftgas, dann die masken dagegen; nachher den gasspürpanzer und zuletzt die medikamente. Europa, du verkaufst nicht nur alles, du willst auch alles kaufen. Und der exilierte liest in deinen zeitungen, wo überall auf er welt deine bürger einfallen, die harte währung in den taschen: in zimbabwe zum golfspielen, in peru zum kinderholen, in thailand zum erwerb jungen fleisches, in paraguay zur farmgründung, in indien zum organpflücken. Und voller verwunderung bemerkt er, dass du zwei drittel dieser welt 'entwicklungsländer' nennst, um ihnen überall zu hilfe zu eilen zu können – mit dem erfolg, dass diese immer ärmer werden, und du immer reicher. Und er fragt sich, ob diese divergenz die logische folge deiner freiheit ist?

Said als politischer Flüchtling

Said ist die wichtigste literarische Stimme einer Generation politischer Flüchtlinge, die den Anfang der iranischen Community in Deutschland begründet hat und gerade durch ihre Migrationsgeschichte das kulturelle Leben und das Selbstverständnis dieser Gemeinschaft ausmachen. Gleichzeitig ist es eine Migrationsgeschichte, die auch innerhalb der eigenen Community (wenn es diese eine denn gibt) in Vergessenheit gerät, und die es so nicht mehr geben könnte. Politisch zwar der Verfolgung und Repression des Pahlawi-Regimes ausgesetzt, jedoch diffus: ein durchwühltes Zimmer im Münchener Studentenwohnheim, Verunglimpfung als Agent Moskaus in der iranischen Presse. Bleiberecht hätten Said und viele seiner Freunde wohl nach heutigen Maßstäben erst in den 1980er Jahren erhalten. Heute aber schreitet die Abschottung Europas voran, bekommen nicht wenige IranerInnen, die in den vergangenen Jahren im Gefängnis saßen, in Deutschland nicht mehr als eine Duldung und ziehen sich in ein zweites, inneres Exil zurück.

Schreiben gegen ein zweites Exil

Gerade der persönliche Kampf gegen ein zweites Exil der Sprachlosigkeit ist charakteristisch für Saids Werk: „Das Niemandsland ist unseres“ heißt sein Essayband von 2010, ein programmatischer Titel. Durch sein Sich-Aneignen der deutschen Sprache und seine literarische Stimme, die einerseits auf das Wesentliche reduziert, andererseits durch Sprachbilder aus dem Persischen erweitert ist, schreibt er gegen die Isolation an. Er hat es geschafft, sowohl hier als auch dort zu leben – im Geiste einer besseren Heimat und in einem neuen Zuhause. Diese neue Behausung ist nicht nur München, sondern vor allem seine deutsche Sprache. Ein Dritter Raum, durchmessen mit den Schritten der Poesie. Doch was ist geblieben von den alten Idealen? In einer iranischen Community, die sich gerade in zweiter Generation nicht selten über ein elitäres Persertum definiert, tritt ein politisches Selbstverständnis heute in den Hintergrund. 'Dinosaurier' nennt sich die post-coup Generation selbstironisch (Coup d'État 1953). Immer öffentlich Kritiker geblieben, bringen sie Freunde und Familie zum Flughafen, während sie winkend am Gate zurückbleiben. Um welchen Preis?

deinetwegen, europa, wegen der liebe zu dir, haben wir uns in unserem eigenen volk isoliert; weil wir der jugendliebe die treue hielten, nicht zuletzt, um uns selbst nicht zu verraten. so haben wir dich – aber auch uns – verteidigt, als ayatollah chomeini, dieser falsche messias der barfüßigen, deine kultur verderbt und deine freiheit pornographisch nannte. du aber fielst uns in den rücken: denn deine 'freie presse' lieferte für diese thesen des chomeini unfreiwillig den beweis; sie verfiel in hysterie und zog über die sarazenen her.

Aktuelles von gestern

Sich selbst treu zu bleiben, ist eine Sache, dabei nicht in Nostalgie zu ertrinken, eine andere. Zu SAIDs kreativen Stärken gehört, ein Suchender geblieben zu sein. Was nicht bedeutet, dass Altes obsolet ist; gerade die Hörspiele über u.a. Exil und Heimatverlust, die er zwischen 1981 und 2001 für verschiedene ARD-Anstalten geschrieben hat, erscheinen trotz spartanischer Produktion seltsam heutig. So ist das Zwiegespräch „Ich und der Schah“ (SFB 1982) zwischen dem Autor und dem ehemaligen Monarchen, der inzwischen selbst zum Flüchtling geworden ist, nicht nur eine Lektion darin, wie die Diktaturen des Pahlawi-Regimes und der Islamischen Republik zusammenhängen, sondern vielmehr ein eindrücklicher Blick in die seelischen Abgründe der Heimatlosigkeit. Der Flüchtling SAID (gesprochen von Udo Samel) skizziert dem krebskranken Schah (Armin Mueller-Stahl) 1979 die Stationen seiner letzten Irrfahrt durch Botschaften, Luftwaffenstützpunkte und hochgesicherte Kliniken. Die meisten seiner großen Verbündeten haben sich von ihm abgewandt. Keiner will ihn. Den Hörer beschleicht ein unwohles Mitgefühl.

In „Sir Alfred Exterritorial“ (SWF 1997) spitzt SAID das Schicksal eines Exilanten zu, der, in die Mühlen der europäischen Einwanderungsbürokratie geraten, sein Leben im Terminal Eins des Pariser Flughafens Charles de Gaulles fristet. Die Lebensgeschichte des Oppositionellen Mehran Karimi Nasseri wurde auch 2004 von Steven Spielberg verfilmt, mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Jenseits von Hollywood interessiert sich SAID für den Menschen im Zwischenland des Flughafens. Im ersten Abschnitt versucht ein Flüchtlingskommissar ein genaues Datenblatt Sir Alfreds zu erstellen – und scheitert an einem Leben, das in kein Formular passt. Nach einer Pressekonferenz, die den ewig Wartenden weiter verschreckt, begegnet ihm die gute Fee Europa, die ihm einen richtigen Pass anbietet. „Ich möchte nicht“, sagt Sir Alfred auf Persisch. Halt findet er am Ende des Tages nur in seiner täglichen Routine, den Menschen und Gegenständen im Terminal. Darin, zu warten.

Und weiter

In den letzten Jahren schien es ruhiger zu werden um SAID. 2013 veröffentlichte er den Prosaband „parlando mit le phung“ – ein berührender Abschied einer geendeten Liebe. Im Mai 2016 erschien dann ein neuer Gedichtband, am 2. Juni erhielt er im Rathaus Schweinfurt den Friedrich-Rückert-Preis der Stadt. Der große deutsche Orientalist des 19. Jahrhunderts übersetzte nicht nur den Koran in einer poetisierten Fassung, er übertrug Ferdousis Königsbuch, und – zum ersten Mal aus dem Persischen ins Deutsche – Sa'dis Rosengarten. Was aber der große Rückert nie gewagt habe, so dessen heutiger Herausgeber Rudolf Kreutner in seinem Grußwort, sei in einer der vierundvierzig Fremdsprachen, die er beherrschte, auch selbst zu dichten – so wie SAID es brillant tue.

Sein aktueller Gedichtband „auf der suche nach dem licht“ verdeutlicht, dass SAIDs Suche andauert. In lose zusammenhängenden Abschnitten zu Wort und Sprache, Stadt, Natur und Liebe und Tod nähert sich SAID in seiner oft abstrakten Sprache diesen Themen immer wieder neu. Dem gelben Leineneinband vorangestellt ist ein Zitat Leonard Cohens: „There is a crack in everything. That's how the light gets in.“ So könnte man meinen, die Suche nach den Brüchen und Rissen ist in den Gedichten ebenso präsent wie die nach dem Licht: „nachts legt sich die stadt schlafen/ das fenster trägt den mond fort/ ohne begierde zerreissen die hunde die dunkelheit/ das licht/ sinkt auf den asphalt und bricht/ nur der weiße traum der bewohner/ wideretzt sich der matten vernunft des todes“

Die Stadt, das ist im Zweifelsfall immer Teheran. Teheran, mit den tausend Gesichtern. Teheran, die Unbezwingbare:

die stadt läuft hinter mir her
und übersieht die blicke der
          wechselnden einheimischen
sie meint sie altere nicht
inzwischen hat sie doch den schatten verloren
und behauptet mein wort sei ihr schatten genug
dabei überhört sie mich und meine rede
sie hat eigens eine sprache erfunden
für unsere notgespräche
sie fordert nichts von mir ein
sie befragt nicht die erde
und folgt mir im gleichschritt
bis sie in meine kindheit ausfranst

Und Teheran, wie sie in der Erinnerung des 'Kindes' ist. Mit der das Kind verbunden bleibt. Mehr als Formsache ist die Anordnung der Gedichte im Buch: Meist gehören die Texte einer Doppelseite sinnhaft und/oder ästhetisch zusammen. So folgt neben dem obigen Gedicht:

die stadt erinnert sich
an meine kinderaugen
in den kalten nächten beruhigt sie ihre hyänen
          mit traumresten
unter der bluse trägt sie ein licht
das blendet die lärmenden gastgötter
bevor sie sich nach meinem fleisch umsehen
ihr brautkleid hat viele umstürze erlebt
ohne sein weiß zu verlieren
sie denkt sich die welt aus mit ihren
          papiernen provinzen
malt ihre lippen rot
und legt forellen aus
für meine nackten kinderfüße

Teheran ist eine Frau. Und egal welche falschen Gottesanbeter auch kommen mögen, sie wird überleben. Das Licht findet sich tatsächlich oft bei den Frauen in SAIDs Gedichten. Das verwundert nicht, denn mag es auch schwerfallen, sein Werk einer bestimmten Tradition zuzuordnen (seine geistigen Weggefährten sind der Meister der persischen Neuen Dichtung, Ahmad Schamlu, ebenso wie Rilke, Erich Fried und Walt Whitman), so fallen doch die Zusammenhänge von Liebe, Spiritualität, Wahrheit und Tod ins Auge. Laut der mystischen Philosophie des Lichts, die im 12. Jahrhundert in Iran von Sohrewardi begründet wurde, kann der Mensch die Essenz der Dinge nur durch intuitives Erkennen, durch Illumination, erfassen. Dieses intuitive Wissen steht im Gegensatz zu diskursivem Wissen – ein Gegensatz, den SAID in seinem Essay „ein blinder, zwei flüsse“ seiner deutschen (diskursiven bzw. dialogischen) und persischen (intuitiven, monologischen) Sprache zuschreibt. Sohrewardi (1153 geboren in Zandjan, gestorben 1191 in Aleppo) erkennt nur letzteres als wahres Wissen an, denn das absolute Licht sei göttlich und das Gegenüber nur in seiner Ganzheit zu verstehen. Die Liebe zu einer Person, auch die körperliche Liebe, ist in der mystischen Dichtung Irans oft mit der Liebe zu Gott gleichgesetzt worden. So, ließe sich schlussfolgern, sucht SAID seine Spiritualität durch Brüche und Schatten. Das ewige Licht bricht sich auf Teherans Straßen oder verfängt sich im Haar einer Geliebten („deine brüste/ zwei hungrige säugetiere/ deine zunge lungert umher/ derweil fängt dein haar das licht/ und ergibt sich meinen küssen/fließende gebärden tragen uns fort/ der raum wartet vergebens/ keiner von uns nennt einen namen“). Doch manchmal ist es auch die Abwesenheit des Lichts, die Ruhe und Schutz bietet: „ich erzähle der nacht von dir/ bis sie aus ihrem käfig tritt und unserer sprache füttert/ dein blick/ bestimmt die dimensionen des raums/ und benennt seine verwerfungen“. Vielleicht ist es aber auch ein und das selbe – Tag und Nacht, der Spalt und das Licht, das durch ihn hin durchfällt.

Ihren blauen Pass haben SAID und mein Vater längst gegen einen grünen eingetauscht. So viel ich weiß, weil es so unkomplizierter ist zu reisen. Als nach über 50 Jahren alle Papiere ausgefüllt, der Einbürgerungstest bestanden, ließ der Bewilligungsbescheid ungewöhnlich lange aus sich warten. Mein Vater schüttelte den Kopf. Vielleicht bereut er es schon, dachte ich. Den Stempel unter ihre Freiheit bekommen Andersdenkenden in Europa erst nach einer eingehenden Sicherheitsüberprüfung. Auf dass sie nie ganz ankommen, ewig Suchende bleiben, im Niemandsland. Oder wie SAID es mit den Worten Rückerts in seiner Dankesrede sagte: „mit jeder sprache mehr/ die du erlernst, befreist/ du einen bis daher/ in dir gefangenen geist“.

Kommentare


Konstanze - ( 06-07-2017 10:21:17 )
Lieber Said,
wie wunderschön, auf diese Weise von Dir zu lesen! Ganz herzlichen Gruß und Wünsche zu möglichst viel Glück auch in den kommenden Jahren! Vielleicht magst Du Dich mal melden?
In alter, nie vergessener Freundschaft,
Konstanze

Gert Heidenreich - ( 06-07-2017 12:00:36 )
Lieber Freund, nun also auch Du! Welcome to the Club, mögen die Musen Dich sanft trage, denn je älter wir werden, um so zerbrechlicher.... ich wünsche mir von Dir noch sehr viele nachhaltige Gedichte und Essays, und Dir wünsche ich von Herzen ein sehr langes, sehr gutes Leben!
Gert

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erstellt am 26.6.2017

SAID, Foto: Kritzolina / Wikimedia Commons
SAID, Foto: Kritzolina / Wikimedia Commons

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