Laura Garavaglia wurde 1956 in Mailand geboren. Heute lebt und arbeitet sie in Como. Sie schreibt für die Kulturseiten der Zeitungen „Il Giornale“, „Il Corriere di Como“, „L’Ordine“ und unterrichtet Italienisch und Literatur an der Oberschule. Laura Garavaglia, die ihr ganzes Leben lang an Dichtung interessiert war, ist Gründerin und Präsidentin der Kulturvereinigung „La casa della Poesia di Como“, Haus der Poesie in Como, und Kuratorin des Internationalen Poesiefestivals „Europa in versi“, das jedes Jahr in Como stattfindet. Sie ist auch am Festival Parolario, der Ausstellung für Zeitgenössischer Kunst Miniartextil in Como und dem Festival Poestate in Lugano beteiligt. Dazu ist sie in der Jury der Literaturpreise „Antonio Fogazzaro” und „Premio Internazionale di Poesia e Narrativa Europa in versi“. Sie gehört dem PEN Club Italiens und der Schweiz an und dem Licéo Poetico von Benidorm in Spanien.
Ihre Gedichte wurden in mehrere europäische Sprachen und ins Japanische übersetzt und sind in verschiedenen Gedichtsammlungen veröffentlicht, ebenso in Literaturmagazinen außerhalb Italiens. Darüber hinaus schreibt sie Literaturkritiken für einige literarische Online-Magazine und arbeitet mit den Verlagen LietoColle und I Quaderni del Bardo von Stefano Donno zusammen.
Laura Garavaglia ist fasziniert von der Konvergenz der Poesie und der Naturwissenschaft. Die sprachliche Präzision der Dichtung und die Intuition und die Phantasie, die in der Wissenschaft erforderlich sind, hat sie in ihren Gedichten gern thematisiert. In ihrem jüngsten Zyklus „Numeri e Stelle“ kennzeichnet sie in einer Art Widmungspoesie die Charakteristika von Pythagoras, Archimedes, Al-Khwarizmi, Fibonacci, Descartes, Gauss, Galois, Cantor, Riemann, Ramanujan und Turing mit ihren konzentriert-knappen, und doch einfühlsam-schönen Versen.
Die hier veröffentlichten Gedichte sind ihren Bänden „La Simmetria del Gheriglio“ und „Numeri e Stelle“ entnommen. (-ert.)

Italienisch und Deutsch

Gedichte

Von Laura Garavaglia

Aus „La vita e il sogno“ (Das Leben und der Traum)

Il mare ardesia a scaglie.
In superficie liquida la luce.
Sciolgo intuizioni nel lavello.
Non parola che scorga all’orizzonte
né vento che rinforzi i pensieri
né doverosa voglia di un ritorno.
Solo la consapevolezza amara
che tutto nella vita è breve sogno.

Aus „Numeri e Stelle“ (Zahlen und Sterne)

La musica delle sfere

                                          (Pitagora)

Tutto il segreto della serie armonica
Nell’urna colma d’acqua
Percossa dal martello.
La strada che corre tra numeri e note
uniti nella luce.
Formula e suono, sequenza di frazioni
Unica dimensione de bellezza.

I numeri di Fibonacci

                            (Leonardo Pisano detto Fibonacci)

Quel ponte tra Oriente e Occidente
costruito sui numeri.
Capivi la grandezza dei commercianti arabi
e il tuo genio stupiva gli astanti
alla corte di Federico II.
L’astratta perfezione di quei segni
la successione magica nascosta
nella bellezza alchemica della conchiglia
e l’enigma del falco nel suo volo
descritti tempo dopo da Pacioli,
divina proporzione.

La funzione zeta

                             (Bernhard Riemann)

La bellezza di un verso nell’armonia dei primi.
La musica dei numeri composta sulle onde.
Non è rumore bianco
L’orchestra matematica dei primi.
E sulla retta magica tra zeri ed infiniti
Scrivevi l’armonia della natura.
Il peso inconsistente della vita
su fogli fitti di formule, di simboli
ridotti presto in cenere dalla fiamma del camino.

Übertragung ins Deutsche: Caroline Lüderssen

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erstellt am 01.5.2017

Laura Garavaglia
Laura Garavaglia

Das Meer schiefergraue Schuppen.
An der Oberfläche flüssiges Licht.
Ich löse Vorahnungen im Waschbecken auf.
Kein Wort, das am Horizont erscheint
kein Wind, der den Gedanken Kraft gibt
oder der gebotene Wunsch einer Rückkehr.
Nur das bittere Bewusstsein
dass alles im Leben nur ein kurzer Traum ist.

Sphärenmusik

                                          (Pythagoras)

Das ganze Geheimnis der harmonischen Folge
in der mit Wasser randvollen Urne
auf die der Hammer schlägt.
Der Weg, der zwischen Zahlen und Tönen verläuft
die im Licht verbunden sind.
Formel und Klang, Sequenz von Teilungen,
das einzige Maß von Schönheit.

Die Fibonacci-Zahlen

                             (Leonardo Pisano genannt Fibonacci)

Jene Brücke zwischen Osten und Westen
aus Zahlen errichtet.
Du hast die Größe der arabischen Kaufleute verstanden
und dein Genie erstaunte die Anwesenden
am Hofe Friedrichs II.
Die abstrakte Perfektion jener Zeichen
die geheimnisvolle Reihe, verborgen
in der alchymischen Schönheit der Muschel
und das Geheimnis des Falkenflugs,
was später Pacioni beschrieben hat,
das göttliche Maß.

Die Zetafunktion

                             (Bernhard Riemann)

Die Schönheit eines Verses in der Harmonie der Primzahlen.
Die Musik der Zahlen komponiert in den Wellen.
Kein weißes Rauschen
Ist das mathematische Orchester der Primzahlen.
Und auf der magischen Geraden zwischen Null und Unendlich
Schriebst du die Harmonie der Natur.
Das unbeständige Gewicht des Lebens
auf Zetteln, eng mit Formeln, mit Symbolen beschrieben
bald zu Asche geworden durch das Feuer im Kamin.