17.08.2017 - Kenntnisreich

Einen Menschen kennen meint, immer wieder davon überrascht zu sein, dass einen nichts überrascht, was man zu sehen und zu hören bekommt. Das ist grundverschieden von der Weise, wie wir… Weiterlesen

16.08.2017 - Fremd

Schon durch die Nennung bleibt „fremd“ nicht mehr fremd. Es hat sich eingefügt in die vertraute Grammatik einer Sprache, gerät unversehens durch die Beschreibung, was es denn nun genau sei,… Weiterlesen

15.08.2017 - Person und Werk

Niemand widerspricht dem Satz, dass der Mensch nicht auf seine Taten reduziert werden dürfe, stärker als der Künstler. Und keiner lebt von dieser Unterscheidung mehr als er. Denn jedes neue… Weiterlesen

14.08.2017 - Heilsame Unterbrechung

Im Gespräch mit der „Wirtschaftswoche“ zur Psychopathologie des digitalen Alltagslebens: „Das ,Es‘ der digitalen Technik hat sich, psychoanalytisch gesprochen, an die Stelle des ,Ich‘ gesetzt. Die Faszination des Digitalen beruht ja darauf,… Weiterlesen

14.08.2017 - Freund, Feind

Es gibt Freundschaften, die sich als gepflegte Feindschaften darstellen. Umgekehrt ist das nicht möglich.

13.08.2017 - Mehr loben, besser schmeicheln

Das ideale Interview beginnt mit einer ausgedehnten Lob- und Schmeichelrede auf den Gesprächspartner, die genau so lang dauert, bis dieser beginnt, sich um Kopf und Kragen zu reden.

12.08.2017 - Betrug durch Grammatik

Selten wird grammatikalisch heftiger betrogen als in dem Satz: Ich warte. Was ist das für ein „Ich“, das sich selbst zum Passiv verdammt, sich zurücknimmt bis zur Selbstaufgabe, in eine… Weiterlesen

11.08.2017 - Spiel mit dem Feuer

Das „Spiel mit dem Feuer“ ist metaphorisch der Ort, an dem die Sprache der Wirklichkeit am nächsten kommt.

10.08.2017 - Boden unter den Füßen

Es ist eines der größeren metaphorischen Missverständnisse zu glauben, es gebe ein himmlisches Glück. Im Gegenteil. Glück hat mit Erdung zu tun, ist ein anderer Name für Erträglichkeit und Getragensein.… Weiterlesen

09.08.2017 - Nur nichts verpassen

Wann der Urlaub gelungen ist? Wenn wir wieder verstehen, wie viel wir versäumen, wenn wir meinen, nichts versäumen zu dürfen.

08.08.2017 - Die alte Alternative

Was den Menschen früher die Ur-Alternative gewesen ist, die zu beachten ihnen das Leben gerettet hat: zu erkennen, wann ein Angriff sinnvoll und wann Flucht geboten ist, findet sich wieder… Weiterlesen

07.08.2017 - Eins, zwei, uneins, entzweit

Seltsam, dass wir Menschen uns so oft einig sind in dem, was wir ablehnen, und nicht selten zerstritten in dem, was uns verbindet.

06.08.2017 - Das ideale Leben

Die ideale Lebensform: Es glückt. Was Freud zum Kernsatz seiner Psychoanalyse erhebt: dass das Ich die Ansprüche des Es konstruktiv begrenzen soll, verkennt die Tiefendimension dessen, was nicht bloß subjektiv und… Weiterlesen

05.08.2017 - Stein auf Stein

Der wichtigste Werkstoff beim Bau eines Hauses: langer Atem.

04.08.2017 - Entkoppelung

Es steckt eine gehörige Portion Romantik im Gebrauch der alten Drohung, dass die Strafe auf dem Fuße folge. Wo die Konsequenzen sich von den Handlungen gelöst haben, durch die sie… Weiterlesen

03.08.2017 - Große Verbote

„Es gibt kein großes Glück ohne große Verbote“, so stimmt Robert Musil sein Hohelied an auf die Grenze, die es zu achten und zu überschreiten gilt, gleichermaßen.* Was aber ist… Weiterlesen

02.08.2017 - Quelle aller Querelen

Der Grundkonflikt, auf den sich der Ärger, den Menschen einander zufügen, zurückführen lässt: der eine will ständig darüber reden; der andere würde am liebsten über alles schweigen.

01.08.2017 - Heute so, morgen so

Das Talent zu schnellen Entscheidungen ist oft nichts als die Unfähigkeit, feste Bindungen einzugehen.

31.07.2017 - Hierarchien für Flachköpfe

Befreit von den Verkrustungen formaler Hierarchie glauben viele Organisationen, auf Rangordnungen ganz verzichten zu können. Flache Strukturen, das einheitliche Du als Zeichen entspannter Kommunikation, der Verzicht auf den strengen Dresscode,… Weiterlesen

30.07.2017 - Im Griff des Großmauls

Warum siegt Frechheit? Der Vorteil der Chuzpe ist ihr Vorsprung. Indem sie die Gleichräumlichkeit einer Kommunikation überraschend aufkündigt und sich auf ein tabuisiertes Niveau begibt, kann sie schnell handeln, ohne… Weiterlesen

29.07.2017 - Kunst der Anarchie

In einem Rechtsstaat ist Anarchie die Gefahr schlechthin – und zugleich seine Rettung als einer Institution, die sich lebendig entwickelt. Sie beginnt immer als Anarchie der Sprache, die sich um… Weiterlesen

28.07.2017 - Bühnentalent

Die Unterhaltungskünstler im Leben, in deren alltäglicher Gegenwart die Gelegenheit zur Langeweile gering ist, sind meist Menschen mit leicht komplizierten Seelen. – Joachim Fest, einer der klugen Köpfe und viele… Weiterlesen

27.07.2017 - Open end

Wenig bereitet mehr Verdruss als eine Geschichte, die nicht zu Ende erzählt werden kann – mit einer Ausnahme: dem Cliffhanger, der das Prinzip der Fortsetzung entlarvt, die nichts anderes ist… Weiterlesen

26.07.2017 - Erzählfaden

Die Hauptaufgabe von Geschichten: Lebensverhältnissen, die viel zu verschlungen sind, um sie in Worte zu fassen, Sinn zu geben. Erzählungen vereinfachen; Vereinfachungen sind die Bedingung dafür, dass eine Sache bedeutsam… Weiterlesen

erstellt am 03.2.2017

Kolumne

NOTIZEN von Jürgen Werner

In der Kolumne NOTIZEN schreibt der Philosoph Jürgen Werner täglich Gedankensplitter nieder, nicht auf Papier, aber in seinem Blog. Faust-Kultur gibt sie regelmäßig in Auszügen wieder. Die Kurzform ist die Kunst derer, die keine Zeit haben. Aber auch das Maß der Verdichtung, das ein Gedanke oder eine Beobachtung verträgt. So mag sich später entscheiden, ob der rasch skizzierte Satz nach einer Auslegung verlangt, die beiläufige Bemerkung vertieft werden will. Notizen sind unentschlossen. Am meisten faszinieren sie, wenn der Zufallsfund genau konstruiert ist und die knappe Art aussieht, als sei alles gesagt. Von Jürgen Werner ist jüngst im Frankfurter Verlag tertium datur das Buch »Tagesrationen. Ein Alphabet des Lebens« erschienen, ein Band, der mit erhellenden Reflexionen und aphoristischen Pointen dem Selbstverstehen des Menschen den Weg bereitet. (Texte © Jürgen Werner)