24.04.2018 - Frei von Vorsätzen

Beim Gedanken an ein letztes Gericht, das über das Leben abgehalten wird, um es endgültig zu bewerten, erschrak er. Wie würde sein Bemühen, sich aus allem herauszuhalten, für nichts Verantwortung… Weiterlesen

23.04.2018 - Selbstbezug

Viele Wissenschaftler schreiben nur noch, um zitiert zu werden; und sie zitieren, um überhaupt etwas zu schreiben zu haben.

22.04.2018 - Die Erfindung des Neids

Der Neid ist ein Meister des Fadenscheinigen. Was er an Gründen nicht vorbringen kann, die Leistungen eines anderen zu schmälern, schafft er, indem er sich selber zur willkürlichen Instanz von… Weiterlesen

21.04.2018 - Was fürs Auge

Die oft angestrengte Intimität, die sich in beengten Hotelzimmern für das reisende Paar einstellt, wird noch gesteigert durch die inzwischen obligatorisch offene Anordnung des Bads. Keine Dusche mehr, in die… Weiterlesen

20.04.2018 - Die Illusion einer Zukunft

Die Illusion der Generationengerechtigkeit: eine Zukunft, die sich nicht in dem Maße verbraucht, wie andere an ihr teilhaben. Ihr Fehlschluss ist die Vorstellung, dass das, was unbestimmt ist, auch unbegrenzt… Weiterlesen

19.04.2018 - Sei ehrlich

Die ehrlichste unter allen anthropologischen Bestimmungen: Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das sich mit sich selbst überfordert.

18.04.2018 - Wo Denken aufhört

Das Lachen bewahrt das Denken vor seiner eigenen Abgründigkeit.

17.04.2018 - Pazifismus als Geschäftsmodell

Es gehört zum modernen Pazifismus, sofern er nicht nur eine moralische Gesinnung darstellt, sondern sich politisch einmischt, dass er zwischen zwei wachstumsstarken Branchen bestens gedeiht: Er leistet sich eine hochinnovative… Weiterlesen

16.04.2018 - Doppelter Boden

Das vielleicht wichtigste Merkmal eines Lebensstils ist seine Eigenschaft, soziale Gewissheit zu vermitteln. Da mag einer sich schrill inszenieren, bunt, laut und kratzbürstig daherkommen, sich um Konventionen nicht scheren –… Weiterlesen

15.04.2018 - Allerweltphänomen Kommunikation

Im Maße, wie Textnachrichten und Mails die elektronischen Eingänge fluten, zeichnet sich eine Gegenbewegung ab: Sobald einer Bitte nachgekommen, eine Aufforderung erfüllt, die fehlende Information geliefert wurde, bricht der Austausch… Weiterlesen

14.04.2018 - Bedürftigkeit

Der Gesunde ist genauso bedürftig wie der kranke Mensch, nur dass er diese Bedürftigkeit ganz und gar verstecken kann.

13.04.2018 - Blickwinkel

Wirklich neu ist nur das, was unsere Perspektiven zu verschieben in der Lage ist.

12.04.2018 - Fragt sich nur: Wozu?

Was nutzlos ist, kann beides sein: unnütz und mehr als nützlich.

11.04.2018 - Die Welt von morgen

Kaum eine Zäsur wie der Antritt eines neuen Konzernlenkers, die nicht begleitet ist von der Mahnung, sich auf dem Erreichten trotz allen Stolzes, an den pflichtschuldig erinnert wird, nicht auszuruhen.… Weiterlesen

10.04.2018 - Geschmacksgrenzen

Der Geschmack ist nicht nur eine untrügliche Instanz für das eigene Qualitätsempfinden. Er sorgt zugleich für das Maß an Quantität, das dem Menschen zuträglich ist. Da mag eine Melodie noch… Weiterlesen

09.04.2018 - Technischer Fortschritt

Mit dem Fahrzeug, das über künstliche Intelligenz durchs Verkehrschaos gelenkt wird, ist die Technik endlich zu sich selbst gekommen: Sie ist nichts als Selbstbewegung – Automobilität – und Selbstgesetzgebung, Autonomie.… Weiterlesen

08.04.2018 - Nichts zu verbergen

Das, was sichtbar ist, entstand einst aus dem, was verborgen bleibt und erhält seine Bedeutsamkeit in dem Maße, wie es die Erinnerung bewahrt, nicht alles zeigen zu können. Jedes Wort… Weiterlesen

07.04.2018 - Anatomie des Alkohols

Ganz unterschiedlich sind die anatomischen Wirkungen des Alkohols. Das Bier, um mit dem Getränk zu beginnen, von dem Nietzsche meinte, es sei zu viel davon in der deutschen Intelligenz, sehr… Weiterlesen

06.04.2018 - Die Armut des Reichtums

Ohne Vermögen ist nicht nur der, welcher wenig besitzt, sondern auch jener, der nichts begehrt. Nur dass sich diese Form der Seelenlosigkeit nicht lindern lässt wie Geldnot. Die Armut, unbedürftig… Weiterlesen

05.04.2018 - Oben und unten

Es ist der rätselhafteste Aspekt in einem sonst unaufgeregten Angestelltendasein: dass die Frage, wie der oder die es so weit hat bringen können, nicht durch die schlichteste aller Antworten zu… Weiterlesen

04.04.2018 - Sie sind entlassen!

Die vielleicht probateste Methode, sich der eigenen Macht zu versichern, ist Unberechenbarkeit. Solange sie in ihrer Willkür verlässlich ist, bleibt sie sichtbar und spürbar. Aus dem Potentialis „Ich könnte, wenn… Weiterlesen

03.04.2018 - Helden des Alltags

Von einem gewissen Alter an wandeln sich die Heldentaten. Nun handeln die Geschichten über die ungeheuren Prüfungen, die ein gewöhnlicher Alltag stellt, nicht mehr vom erfolgreichen Verbalwiderstand gegen den Chef… Weiterlesen

02.04.2018 - Warenwelt

Nie ist ein Buch auf sein eigentliches Ansinnen, gelesen zu werden, stärker verdichtet wie in dem Moment, da es druckfrisch als Belegexemplar zu seinem geistigen Vater zurückkehrt – zu dem,… Weiterlesen

01.04.2018 - Erstes und letztes Wort

Die Osternachtsliturgie der Kirchen umfasst in ihren Lesungen das gesamte Testament, vom Schöpfungsmythos über die Befreiungserzählungen bis zu den Berichten über das leere Grab. Der Bogen, der damit gespannt wird,… Weiterlesen

erstellt am 03.2.2017

Kolumne

NOTIZEN von Jürgen Werner

In der Kolumne NOTIZEN schreibt der Philosoph Jürgen Werner täglich Gedankensplitter nieder, nicht auf Papier, aber in seinem Blog. Faust-Kultur gibt sie regelmäßig in Auszügen wieder. Die Kurzform ist die Kunst derer, die keine Zeit haben. Aber auch das Maß der Verdichtung, das ein Gedanke oder eine Beobachtung verträgt. So mag sich später entscheiden, ob der rasch skizzierte Satz nach einer Auslegung verlangt, die beiläufige Bemerkung vertieft werden will. Notizen sind unentschlossen. Am meisten faszinieren sie, wenn der Zufallsfund genau konstruiert ist und die knappe Art aussieht, als sei alles gesagt. Von Jürgen Werner ist jüngst im Frankfurter Verlag tertium datur das Buch »Tagesrationen. Ein Alphabet des Lebens« erschienen, ein Band, der mit erhellenden Reflexionen und aphoristischen Pointen dem Selbstverstehen des Menschen den Weg bereitet. (Texte © Jürgen Werner)