18.10.2017 - Nichts als die Unwahrheit

Die kleinen Schummeleien sind nicht selten Indizien für eine große Lebenslüge. An ihren Früchtchen werdet ihr sie erkennen.

17.10.2017 - Selbstjustiz

Selbstgerechtigkeit ist die sicherste Weise, einsam zu werden. Nur wenig ist unerträglicher als ein Mensch, der seinen eigenen Ansprüchen so verzweifelt und vergeblich hinterherläuft, dass er, weil er an ihnen… Weiterlesen

16.10.2017 - Misstrauensantrag

Eine Vertrauenskrise spitzt sich zu, wenn sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit stellt, ohne dass Inhalte noch eine Rolle spielen müssen, ja mit ihrer Hilfe das Vertrauen gar wiedergewonnen werden… Weiterlesen

15.10.2017 - Tiefgründig

Wie Pflanzen sich unterscheiden lassen in Flachwurzler und Pfahlwurzler, so auch die Argumente in schwache und starke. Nur dass die besonders guten Gründe eher den Gedanken beigesellt sind, die nicht… Weiterlesen

14.10.2017 - Schön lebendig

Zu den Geheimnissen des ungelebten Lebens gehört nicht nur, dass es lebendiger ist, als es seine Bezeichnung glauben macht. Sondern vor allem, dass es nicht in dem Maße verschwindet, wie… Weiterlesen

13.10.2017 - Belebt, gelebt, verlebt

Die schönste Form, von einem Problem befreit zu werden, ist nicht dessen Lösung. Sondern dass die Frage, die sich mit ihm verbunden hat, sich mit der Zeit weggelebt hat. „Die… Weiterlesen

12.10.2017 - Schadstoffe

Vielleicht reicht es aus, Kultur zu definieren als Anstrengung, der Langeweile zu schaden.

11.10.2017 - Der Glanz des Schillernden

Koketterie ist die eindeutige Andeutung von Zweideutigkeit. Oder die zweideutige Anspielung auf das Eindeutige.

10.10.2017 - Bist du mir böse?

„Böse“ ist im Denken oft gut. Und dort allemal besser aufgehoben als im Handeln.

09.10.2017 - Grobian

Meist ist es ein vergebliches Unterfangen, die Groben durch Feinheit zu beschämen. So wie das laut Dröhnende nicht dadurch verschwindet, dass man sich ihm still entgegenstellt.

08.10.2017 - Fragiles Gleichgewicht

Der letzte Stand der Dinge ist immer der Zustand, nach dem eine Sache gekippt wird.

07.10.2017 - Mitte und Maß

Denken wir uns das Mittelmaß als die Erfindung einer Gesellschaft, die ihrer selbstzerstörerischen Gewaltexzesse überdrüssig geworden ist und jedesmal an den Folgen irgendeiner Vereinseitigung, einer Verabsolutierung, eines sturen Festhaltens von… Weiterlesen

06.10.2017 - Was wir Platon verdanken

Nichts ist für die Weisheit eine größere Versuchung als die, mächtig zu sein. Und in nichts zeigt sich ihre Überlegenheit deutlicher als darin, diesem Reiz nicht zu erliegen. Macht und… Weiterlesen

05.10.2017 - Die Tiefen der Oberfläche, das Oberflächliche der Tiefe

Eine der wichtigsten Unterscheidungen, die wir im Leben lernen, ist die zwischen Innen und Außen. Sie bestimmt, was wir am Ende als unsere Identät ausgeben, was zu uns gehören soll… Weiterlesen

04.10.2017 - Natürlich

„Natur“ heißt, was auffällig wird, sobald es wider oder über uns steht: als Elementargewalt eines Sturms, zerstörerische Wucht eines Erdbebens, brachiale Flutkatastrophe, als erhabenes Lichtschauspiel am Nachthimmel, als überreiche Farbenpracht… Weiterlesen

03.10.2017 - Der gute Hirte

Als die Schafe ausgebrochen und auf die Straße gelaufen waren, versuchte der Neuankömmling im Dorf die Tiere vergeblich wieder einzufangen. Sie waren wendiger, schneller als er, spielten mit seiner Entschlossenheit.… Weiterlesen

02.10.2017 - Der klügste Rat

Der beste Rat ist einer, worauf ein anderer fast von allein gekommen wäre, so dass er ihn sich selber hätte geben können; zum Glück aber die Einsicht nicht gefunden hat,… Weiterlesen

01.10.2017 - Dem Wahren, Schönen, Guten

In der Rangfolge der Vorschriften steht die Logik mit ihren Denkgesetzen an oberster Stelle. So lang nicht entscheidbar ist, was wahr genannt zu werden verdient, suchen Regeln der Ethik und… Weiterlesen

30.09.2017 - Ist doch egal

Gelassenheit ist die noble Variante der Wurschtigkeit, Empörung die vornehme Form der Wut. Als Tugend entpuppt sich oft nicht das Gegenteil des Lasters, sondern der maßvolle Umgang mit ihm.

29.09.2017 - Einkaufsmeilen

“Ich gehe bummeln“, hieß es früher beim Aufbruch zum Stadtbesuch, einem ganz und gar nicht absichtslosen, indes zeitintensiven Schlendern durch die Einkaufspassagen im Zentrum. Der moderne Flaneur wusste, welche Geschäfte… Weiterlesen

28.09.2017 - Luxusproblem

Zu den Begleiterscheinungen des Alters gehört, dass die Zeit als Luxus erfahren wird, nicht zuletzt weil man mit ihr nicht mehr unbedarft verschwenderisch umgehen kann. Oft erstaunt, dass Menschen, sobald… Weiterlesen

27.09.2017 - Launig, launisch

Einer der geschicktesten Kunstgriffe politischer Rhetorik ist die Umdeutung von Launen in Zwangsläufigkeiten.

26.09.2017 - Neiddebatte

In den Reigen der Wahlsieger und Wahlverlierer, die sich, auch in der kurzen öffentlichen Zerknirschung, zeigen, als wären sie die wahren Gewinner einer Bürgerentscheidung, durch die vor allem erst einmal… Weiterlesen

25.09.2017 - Zähne zeigen

Nicht dass ihm das Lachen im ganzen vergangen ist, aber die Art, wie es sich über die vielen Jahre verändert hat, und das, worüber es sich nicht mehr freuen kann,… Weiterlesen

erstellt am 03.2.2017

Kolumne

NOTIZEN von Jürgen Werner

In der Kolumne NOTIZEN schreibt der Philosoph Jürgen Werner täglich Gedankensplitter nieder, nicht auf Papier, aber in seinem Blog. Faust-Kultur gibt sie regelmäßig in Auszügen wieder. Die Kurzform ist die Kunst derer, die keine Zeit haben. Aber auch das Maß der Verdichtung, das ein Gedanke oder eine Beobachtung verträgt. So mag sich später entscheiden, ob der rasch skizzierte Satz nach einer Auslegung verlangt, die beiläufige Bemerkung vertieft werden will. Notizen sind unentschlossen. Am meisten faszinieren sie, wenn der Zufallsfund genau konstruiert ist und die knappe Art aussieht, als sei alles gesagt. Von Jürgen Werner ist jüngst im Frankfurter Verlag tertium datur das Buch »Tagesrationen. Ein Alphabet des Lebens« erschienen, ein Band, der mit erhellenden Reflexionen und aphoristischen Pointen dem Selbstverstehen des Menschen den Weg bereitet. (Texte © Jürgen Werner)