In ihrem 1980 entstandenen, einstündigen Porträt des Jazzmusikers Albert Mangelsdorff lässt Lucie Herrmann ausschließlich Mangelsdorff und seine Musik sprechen. Das Filmporträt ist nun auf DVD erschienen. Es gibt nun posthum Auskunft über Mangelsdorff Spiel- und Arbeitsweise, aber auch über seine Biographie, berichtet Thomas Rothschild.

Albert Mangelsdorff (1928-2005)

Der Solist

Der Jazz ist längst keine amerikanische Angelegenheit mehr. Die ganze Welt, Europa und auch Deutschland – und zwar, bis zur Wiedervereinigung, sowohl die DDR wie auch die Bundesrepublik – haben zu dieser Kunstform wichtige Beiträge geleistet und bieten ihr heute, bei aller Unterschätzung insbesondere durch die finanzielle Förderung, eine Heimat, wenn die USA versagen.

Unter den deutschen Jazzern von Weltformat aber war Albert Mangelsdorff der primus inter pares. Das Leid aller Bläser: ihre Instrumente lassen nur das einstimmige Spiel zu. Einige Solisten haben versucht, das Manko auszugleichen, indem sie gleichzeitig zwei Instrumente bliesen. Bei der Zugposaune freilich ist das nicht möglich. Mangelsdorffs Pioniertat bestand darin, dass er das mehrstimmige Spiel durch den Einsatz der Vokalstimme und manchmal auch durch das Hörbarmachen der Obertöne zwar nicht erfunden, wohl aber weiterentwickelt und dabei eine außerordentliche Virtuosität und Kunstfertigkeit erlangt hat. Albert Mangelsdorff hat die Posaune, die zuvor lediglich in Combos und Big Bands eine wichtige Rolle eingenommen hatte, zu einem Soloinstrument gemacht. Dass ihm das Publikum, nicht allein in Deutschland, dabei mit Interesse und Aufmerksamkeit gefolgt ist, spricht dafür, dass es keineswegs nur kommerziellem Schwachsinn verfällt.

Lucie Herrmann verzichtet in ihrem einstündigen Porträt von 1980, das jetzt als DVD vorliegt, auf filmische Mätzchen und lässt ausschließlich Mangelsdorff und seine Musik sprechen. Sie selbst ist weder im Bild zu sehen noch zu hören. Albert Mangelsdorff fiel stets durch seine Ernsthaftigkeit auf, durch die Abwesenheit von Selbstdarstellung, die in der konkurrierenden Rockmusik einen hohen Stellenwert hat. Das Filmporträt gibt nun posthum Auskunft über seine Spiel- und Arbeitsweise, aber auch über seine Biographie, die zugleich die Bedeutung des Jazz für seine Generation illustriert. Zwar bekennt Mangelsdorff, dass das Solospiel seit den siebziger Jahren immer stärker im Mittelpunkt seines Interesses stand. Aber die Namen der Musiker, mit denen er gespielt hat, haben bis heute einen guten Klang. Ganz am Schluss rezitiert er aus dem Off ein Gedicht von Wilhelm E. Liefland, dem viel zu früh verstorbenen genialischen Jazzkritiker.

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erstellt am 18.8.2016

Albert Mangelsdorff
Albert Mangelsdorff, Filmstill »Oh Horn!« © Lucie Herrmann

Lucie Herrmann (Produktion, Regie)
Oh Horn! Albert Mangelsdorff – Posaune
DVD, 2015

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Oh Horn! Albert Mangelsdorff – Posaune