Eines Tages

Eines Tages stand ich am Ufer des Mississippi.
(Keine Erzählung.)
Das Hochwasser führte in dem ihm eigenen
beschleunigten Fließen
mit sich 1 gedunsene Kuh 1 gedunsenes Schwein
1 gedunsenen Baum 1 gedunsenen Strauch.
Nicht aber den Dampfer mit Rad.

Als ich mich unbeobachtet sah
tauchte ich eine Hand in das Kadaverwasser
meiner Kindheit.
Das ist keine Erzählung.
Das ist der Augenblick.

Niemand behaupte

Niemand behaupte
ich sei taub.
Allabendlich höre ich
die Unrast der Sterne.

Niemand behaupte
ich sei blind oder lahm.
Ich nehme Stock und Stein
bis zum jähen Ereignis.

Niemand behaupte
ich hätte zu träumen versäumt.
Ich werde nicht nach Tibet reisen
und auch nicht nach Tanger.
Mir träumte
ich fände den Weg
nicht zurück.

Zwei verlassene Stühle im Park

bei Einbruch des Herbstes

Als alle im Haus waren
fielen meuchlings die Blätter
zerzauste der Wind das Gestühl
den Pelz des nahenden Wolfs
und sammelte unsre Bedenken.

An ein Kind

Wenn wir lange genug warten,
dann wird es kommen.
Heute noch, fragt das Kind.
Heut oder morgen. Ein Schiff,
mußt du wissen, braucht Zeit.
So weit und breit wie das Meer.
Dann bist du groß.
Dann steigen wir ein
und machen die Reise.
Zusammen. Wir beide.
Und jeder auf seine Weise.

Ende des Sommers

Wir haben uns lange genug
herumgetrieben
jetzt fällt die Sonne
in Ohnmacht
sie kann nicht mehr

Die Bäume hören auf
die Welle kommt nicht mehr
wie gewöhnlich sind die Dinge geworden
wie gewöhnlich

Die Wette war ich eingegangen
daß dieser Sommer bliebe

erstellt am 28.3.2011