Erzählung

der rockstar

(to all the girls i loved before)

Von Ankalina Dahlem

vergi (i was born under a wondering star) trat eben vom bild zurück und erkannte, dass sie die geilsten quallen der kunstgeschichte gemalt hatte.

sie war hungrig und lernte ihn beim essen kennen.
„let’s do lunch!”
der rockstar (to all the girls i loved before) – viel hatte sie von ihm gehört – er sollte großartige musik machen und hatte die größte kunstsammlung von ganz deutschland in seinem keller gebunkert.
da saß er nun, murmelte und schlürfte mit einer serviette um den
hals gebunden seine suppe runter.
aber sie hatte einen faible für schräge vögel und keine weiteren pläne für den nachmittag. so hatte sie auch nichts dagegen, mit ihm – und nur, weil er sie fragte – in die nächste bar zu ziehen.

sie dachte sich, er ist süß. sie soffen bis morgens um 4, auf der suche nach einer neuen kneipe gingen sie arm in arm wie oma und opa durch die dunkle stadt. (morning has broken)
aber heim ging sie allein – (i feel so broken i wanna go home),
telefonnummern wurden nicht ausgetauscht.
ein paar tage später sahen sie sich auf der straße wieder.
„mensch, vergi – du hier!”
vergi dachte sich: „es ist doch nur frankfurt, nicht n.y. – warum also die verwunderung?” (schwarz weiß wie der schnee, so ist die sge !”)

der rockstar wollte unbedingt ihre telefonnummer haben. (0190333)
vergi gab sie ihm nicht.
aber das nächste mal.
beim nächsten zusammentreffen, beim essen. er setzte sich zu ihr. vergi erzählte ihm, dass sie nicht mehr lange in der stadt bleiben wolle. es sollte nach los angeles gehen. (it never rains in californa).
der rockstar wollte nach rio. (her name was lola, she was a show girl, with yellow feathers in her hair!) das sollte das mekka für stars und sternchen sein, und die neueste haute vaulte für kunstsammler gab sich dort das stell-dich-ein.
„komm mit mir!”
vergi konnte nur die nase rümpfen und stumm den kopf schuetteln.
(love on the rocks, just buy me a drink, i tell you some lies).
der rockstar fing an, von los angeles zu erzählen – was die alle dort für einen körperkult betreiben. er war schon zu parties eingeladen, wo das personal nackt bediente, „oben in beverly hills!” (don’ t get cought in beverly hills)

er berichtete von parties, auf denen frauen rüstungen anhatten und mit motorsägen zwischen den beinen die funken sprühen ließen. (and the sun goes down on santa monica boulevard)
vergi erzählte ihm von freundinnen, die bei einfach nur so es ist sonnenschein im schwimmbad sich die brüste zeigten, mit versetzen und verkleinerten brustwarzen, gepuschten und nicht gepuschten titten. (sunshine, sunshine reggae)
anderseits machte sie den umkehrschluss, dass das männer ja ebenso machen …
der rockstar war verwundert: „wie?”
„ja, auf der toilette, habe sie schon von berichtet bekommen. gucken männer, wie der andere pinkelt und wie groß sein schmock ist. also, so könnten es vielleicht auch vierzigjährige frauen im schwimmbad tun – sich selbst die brüste zeigen…. ist ja kein massieren!”
der rockstar war entsetzt und entzückt – er verabschiedete sich mit den worten: „so einen tollen lunch hat er schon seit jahren nicht gehabt – sie müssen wieder abends ausgehen!”

(a good heart this days is hard to find)
er lud sie zu einem konzert ein. vergi lag aber tot krank im
bett. ging nicht. der rockstar klingelte an: „wo sie denn bleibe?”
dann rief er an, wollte mit ihr kaffee trinken gehen. da sie aber mit ihrem hund im wald joggte, um sich schon für sprühende funken in los angeles zu stählen, konnte sie nicht.

bald hatte er wieder ein engagement. sie holte ihn direkt backstage ab.
in einem kleinen silbernen kleidchen sah sie doch so aus, als wäre sie eine background sängerin, die in glitter-kleidchen den mund heftig bewegen. (as the snow flies on a cold an grey chicago mornin)
es regnete in strömen. sie musste lächeln bei dem gedanken, dass sie sich die haare gerade heute geföhnt hatte – absurd – und jetzt tackelte sie durch die prasselnde gischt. (i am sailing)

in einer kleinen kneipe waren sie die einzigen gäste.
vergi erinnerte sich an ein edward-hopper-gemälde. so sahen sie jetzt aus. sie einsam und er nervös. er musste rauchen. (smoke on the water, fire in the sky)
wieder war durch den regen marschieren angesagt. unter einem riesigem zusammengeklappten sonnenschirm retten sie sich in trockenheit.
„darf ich dich küssen?” (bright eyes – burning like fire, bright eyes, how can you close an fail)
sie gingen wieder in eine kneipe. eine art vorhölle. mit den merkwürdigsten menschen. ein arzt war auch dabei. ja, das war germanien. sie freute sich, dass sie es bald geschafft hat abzuhauen. er brachte sie zum taxi.

„was ist dein lieblingstier?”
vergi antwortete schnell: „okapi!”
er brach zusammen. er schmiss sich morgens um 6 auf die straße und strampelte hilflos mit den beinen. irritiert schaute sie ihn aus dem fortfahrenden taxi an.
„meins auch!”, schrie er dem fahrenden taxi hinterher.
vergi überlegte sich, ob sie diesen mann wirklich wiedersehen wollte. sie wollte. denn eigentlich liebte sie theatralische ausbrüche!

(got a licence to kill)
sie trafen sich bei einem österreicher. es regnete wieder. sie unterhielten sich ausgezeichnet.
“vergi, kennst du schneehasen, diesen kleinen weißen hoppler mit den großen ohren?”
„mit den puschelschwänzchen?”
„ja, vergie – genau die, die mag ich und ich will dich nehmen wie einen schneehasen, du musst dich mal richtig durchpusten lassen. ich habe ein konzert in bielefeld, magst du mit mir hin?”
vergi stellte sich vor, sie sitze auf einer mülltonne in einem hinterhof von neapel, der mann die hose runtergelassen, sein gemächt in sie gepresst, beide wippend, sie mit weißen puschelohren auf dem kopf, sitzend umzingelt von italienischen straßenkötern, die nicht wussten, ob sie ihm zuerst in die waden oder eier beißen oder ihr in die weißen puschels…
nein, wie ein schneehase will sie es nicht besorgt bekommen.

aber einen ausflug machen war keine verkehrte idee:
„sehen wir uns nicht in dieser welt, dann in bielefeld!”
sie trafen sich unter der großen uhr am hauptbahnhof. vergi war ein bisschen aufgeregt. es gab immer schwierigkeiten mit der bahn.

ein wunderbares konzert.
(everybody was kung fu fighting) jeder wollte zu ihm, jeder stellte sich vor, jeder wollte mal seine hand küssen dürfen. (he, he ich bin der goldene reiter, ich bin der typ dieser stadt)
dem rockstar schien das alles nicht viel auszumachen. sehr wahrscheinlich hatte er sich daran schon gewöhnt. morgens um drei ging es mit dem zug wieder nach frankfurt zurück.

er war ganz aufgeregt. er hatte sich verliebt.
„vergi, was nun?”
„was nun?”
„es geht nicht! falscher ort, falsche zeit!”
(don’ t you wish your girl friend was hot like me). ruhig sah sie ihn an.
„weißt du, dass gott im himmel gerade jetzt über dich lacht? falscher ort, falsche zeit, so was gibt es nicht!”
„jetzt geht es mir besser!”
„warum geht es dir jetzt besser?”
„weil du es jetzt weißt!”

er wollte das lokal verlassen, einen absprung finden. sie wollte noch sitzen bleiben – fast wurde er handgreiflich und schrie: „wir sind zusammen hierher gegangen, wir werden zusammen das lokal verlassen.” (shout, shout let it all out, I’ m talking to you). ruhig, wie unter starken tabletten, stand sie auf und verließ mit ihm das lokal. mit seinem auto fuhren sie wieder durch den regen auf die andere mainseite.

„kapierst du es nicht, ich muss weg, ich kriege sonst den absprung nicht!”
(hit the road jack, don’ t you come back no more, no more!)

im main wurde eine wasserleiche gefunden. bis jetzt konnte die polizei sie noch nicht identifizieren.

erstellt am 28.3.2011

Alle Zeichnungen: © Ankalina Dahlem