Die Frankfurter Kunsthalle Portikus zeigt die bundesweit erste institutionelle Einzelausstellung der 1955 geborenen, in New York lebenden Malerin Amy Sillman. Unter dem Titel „The All-Over“ präsentiert sie eine malerische Serie, ein Künstlerheft und einen Animationsfilm. Eugen El hat sich Sillmans Ausstellung angesehen.

Ausstellung in Frankfurt

Nach Rosa kommt Grün

Ausstellungsansicht Amy Sillman, the ALL-OVER, Portikus
Foto: Helena Schlichting. Courtesy: Portikus, Frankfurt am Main

Dicht an dicht stehen 24 gleich große Leinwände in der Frankfurter Kunsthalle Portikus. Sie füllen den Ausstellungsraum aus. Für ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland hat die 1955 in Detroit geborene, in New York lebende Malerin Amy Sillman eigene Zeichnungen vergrößert und im Tintenstrahldruckverfahren auf die Leinwände übertragen. Im nächsten Schritt hat sie mit Gesso-Kreide, Gouache und Tinte über die Drucke gemalt. Sillman ist seit 2015 Professorin für Malerei an der Frankfurter Städelschule. Die vergangenen Monate hat sie in Frankfurt verbracht, die meisten Bilder sind indes noch in New York entstanden. Der Titel der Ausstellung, „The All-Over“, bezieht sich auf einen vom Kunstkritiker Clement Greenberg geprägten Begriff. Damit umschrieb Greenberg die Aufhebung von Figur und Grund in der Malerei von Jackson Pollock. Nun seien es Sillmans Leinwände, die den Portikus „All-over“, also flächendeckend bespielten, sagt Portikus-Kurator Fabian Schöneich.

Sillmans Motive changieren zwischen Abstraktion und Figuration. Oft sind es Farbflächen und malerische Gesten. Gelegentlich meint man, Gegenständliches wie eine Hand oder einen Kopf zu erkennen. Viel Schwarz kommt zum Einsatz, aber auch Violett- und Magentatöne, die womöglich noch eine Spur aus dem letzten Jahr verfolgen. Als das Kunsthaus Bregenz 2015 eine Ausstellung von Sillmans Arbeiten zeigte, reiste die Künstlerin in die österreichische Stadt. Dort entdeckte sie viel Rosa – an Fassaden und in Innenräumen. Sillman übernahm den Farbeindruck für ihre Präsentation im Kunsthaus und strich Wände in Rosa an. Die Malerei des Abstrakten Expressionismus, auch als New York School bekannt, gilt als eine wichtige Inspiration für Sillmans Werk. Sie selbst nennt dabei Namen wie Willem De Kooning und Cy Twombly. In den 1970ern sei die New York School an den Kunsthochschulen in den USA regelrecht verboten gewesen, erzählt die Künstlerin. Vor allem Frauen hätten damals diese Malereitradition neu für sich entdeckt.

Für die Frankfurter Schau hat Amy Sillman ein Künstlerheft in Leporello-Form produziert, das im Ausstellungsraum ausliegt. Es beinhaltet einige Motive der bedruckten und bemalten Leinwände, kurze zeitgenössische und historische Texte sowie eine Geschichte, die von Sillman selbst verfasst wurde. Sie beschreibt einen dramatisch-tragikomischen Ausflugstag mit ihrer Malereiklasse. Erwerben kann man das Heft, indem man einen Euro in den weit offenen Mund einer Keramikfigur wirft. Die Münze wird gleichsam wieder ausgeschieden und landet in einem Eimer. Dieselbe Figur taucht auch in einem kurzen Animationsfilm auf, der im Eingangsbereich der Ausstellung zu sehen ist. Der Film vermittelt eine düster-märchenhafte, bisweilen brutale Stimmung und kommt ohne eine eindeutige Erzählung aus.

Ihre Arbeiten auf Leinwand sieht Amy Sillman als „Malerei mit Mitteln der Animation“. Sie habe keine „heldenhaften Einzelwerke“ schaffen wollen, sagt Sillman und lässt einen (unbewussten) Seitenhieb auf die parallel im Städel Museum laufende, „Die Helden“ betitelte Baselitz-Ausstellung vermuten. Tatsächlich wirken Sillmans Gemälde wie eine Bildsequenz. Sie gibt zu, die Leinwände relativ schnell produziert zu haben. Die Eile sieht man ihnen an, die Ausführung wirkt etwas uninspiriert und maschinell. Für die gesamte Ausstellung sei außerdem das Prinzip des Loop wichtig, betont Sillman – für die Leinwände ebenso wie für das Leporello-Heft und die Animation. Nach Semesterende reist Amy Sillman zurück in die USA. In einer ihrer nächsten Werkreihen werde sie bestimmt auch ihre Eindrücke aus Frankfurt verarbeiten, erzählt sie außerdem. Das werde sich, wie schon in Bregenz, bei der Farbwahl niederschlagen. „Alles ist so grün hier!“, sagt sie.

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erstellt am 14.7.2016

Amy Sillman
Amy Sillman
Ausstellung in Frankfurt

Amy Sillman: The All-Over

2.Juli – 4. September 2016

Portikus

Ausstellungsansicht Amy Sillman, the ALL-OVER, Portikus
Foto: Helena Schlichting. Courtesy: Portikus, Frankfurt am Main