Rasch nach ihrem Lyrik-Debüt „Froher Wahnsinn“ hat Ria Endres ihren zweiten Gedichtband mit dem Titel „Augen auf Augen zu“ veröffentlicht. Er ist durchzogen von Namen, Themen und Titeln der bildenden Kunst. Von Isa Genzkens „Nofretete mit der Sonnenbrille“ über Ai Weiwei, Julian Beck bis zu Matisse und Dürers Bruder. Aber auch ihr großes Poem „Frankfurt pointillistisch“ ist bevölkert von Monet, Richter, Ratgeb, Grünewald, Bacon und Rousseau. Natürlich gibt es in diesem Buch auch ganz anders geartete Gedichte, von denen wir drei kürzere vorstellen.

Gedichte

Augen auf Augen zu

Zeitlang

ich hab so Zeitlang nach dir
steh manchmal an der Tür
seh deinen Schatten in der Mitte
und höre deine leisen Schritte

das ist doch nur ein armer Reim
doch er kann sehr beruhigend sein
ich taumle hin ich taumle her
und wart auf deine Wiederkehr

ach wiederkehren tust du nicht
die kleinen Hände machen nie mehr Klöße
verbergen jetzt dein Angesicht
und sagen: fürcht dich nicht

schau lieber in dein Morgenlicht

Abendreim

schwarzer See
schwarzer Fluß
Mutter kam ins Wanken
Himmelstüre öffnet sich

rasende Gedanken
luzide auf der
Wäscheleine schwanken

Räume
Bäume
Zäune
Schäume

Mutter ins Museum
Schluß

Biographie kurzangebunden

herumkommen
Koffer tragen

davonkommen
danke sagen

ankommen
Türen schlagen
Uhren klagen
Zimmer schwankt
und zuckt im Schlaf
Kindermelodie
der Ziehharmonika
in der Jalousie

wer will mich hier
verjagen

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erstellt am 26.6.2016

Ria Endres. Foto: privat
Ria Endres. Foto: privat

Ria Endres
Augen auf Augen zu
Gedichte 2014–2015
Broschiert, 104 Seiten
ISBN 978-3-89086-359-7
Rimbaud Verlag, Aachen 2016

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