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Anlässlich der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft betrachtet Otto A. Böhmer in seinem Essay die Beziehung vor allem deutscher Intellektueller zum Fußball im Wandel der Jahrzehnte. Jürgen Roth und Eckhard Henscheid, Ror Wolf und weitere Autoren kommen dabei zu Wort.

Intellektuelle und der Fußball

Faszination und Skepsis

Vor der EM, danach sowieso, melden sich die Experten zu Wort, was auch für eine Klientel gilt, die schon von Haus aus alles besser weiß: die Intellektuellen. Wir wissen, dass sich schon Kafka für Fußball interessierte, auch Sartre und Camus, wir sind darüber informiert, dass der Philosoph Heidegger de n Fußballspieler Franz Beckenbauer bewunderte, weshalb er auch bei einer anstehenden Länderspiel-Übertragung bereitwillig Sein und Zeit vergaß und sich zu seinem Nachbarn begab, der, im Gegensatz zu den Heideggers, einen Fernseher besaß. Allerdings sollte man nicht verschweigen, dass es unter den Intellektuellen auch erklärte Fußball-Gegner gibt. Der Philosoph Konrad Paul Liessmann etwa prägte den Terminus von der „Literaturunfähigkeit des runden Leders“, der Medienwissenschaftler Jochen Hörisch schrieb „Fußball ist Unsinn. Unsinn, für den grotesk viel Zeit, Geld und Aufmerksamkeit verschwendet wird“. Und Martin Walser setzte noch eins drauf, er notierte: „Sinnloser als Fußball ist nur noch eins: nachdenken über Fußball.“ Anders als der gewöhnliche Fan, der sich vom Fußball nur möglichst gut unterhalten lassen will, möchte ihn der Intellektuelle hinterfragen. Die Folge ist, dass von fußballkritischer Unterversorgung keine Rede sein kann, im Gegenteil. Schon vor zehn Jahren, als die Deutschen daran gingen, das sog. Sommermärchen zu begehen, an dem, aus heutiger Sicht, wohl einiges nicht ganz geheuer war, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“: „Alles, ausnahmslos alles wird im Augenblick für diese Fußball-Weltmeisterschaft zugerichtet, die gesamte Sphäre formerly known as öffentlicher Raum; es gibt praktisch kein Draußen mehr … Und die Intellektuellen sind wieder mal schlimm verstrickt und schreiben Milliarden von irrsinnig elaborierten Fußballbüchern, die kein Mensch braucht, weil man entweder Fußball schaut oder lieber liest, und dann ist das eine Entscheidung gegen den Fußball.“

Dieser Einsicht wird sogar aus den eigenen Reihen zugestimmt. Der Schriftsteller Jürgen Roth, einer der führenden deutschen Fußball-Autoren, sagte in einem Interview: „Ich bin ja nicht ganz unbeteiligt an dieser tsunamiartigen Welle und darf mir daher auch das Urteil herausnehmen, dass sicherlich über 95 % all dieser Bücher nur zu sagen ist: Und dafür mussten Bäume sterben!“

Sportler von der traurigen Gestalt

Gemessen an der Strahlkraft, die der Fußball für sich reklamiert, kommt er allerdings bemerkenswert unattraktiv daher. In „Gott ist rund“, einem der besten Fußballbücher, schreibt Dirk Schümer: „Für Freunde formvollendeter Leibesübungen ist der Fußball ästhetisch unerträglich … Statt Annäherungen des menschlichen Körpers an abstrakte Maximen der Schönheit bekommt der Zuschauer beim Fußball nichts als Grobmechanik geboten. Wollte man einen grätschenden Verteidiger mit O-Beinen und verschlammtem Trikot fragen, was der Goldene Schnitt sei, so würde der arme Kerl gewiss an sein Jahresgehalt denken – und nicht daran, dass aller Sport bei den alten Griechen einst als Götterdienst galt, als Feierstunde der Schönheit in einer hässlichen Welt.“ Einen Schönheitspreis kann man mit dem Fußball nicht gewinnen, und auch seine Akteure werden, für sich betrachtet, nur negativ auffällig. Schümer: „Schon die Körper der Spieler sind gewöhnlich nicht geeignet, bei all denen erotische Schauer auszulösen, die sonst für Männerschönheit empfänglich sind. Die einzigen durchtrainierten Muskelpartien bilden nicht Brust, Gesäß oder Bauch, sondern Waden und Oberschenkel, die – überproportional und von der Schussbewegung gekrümmt – den Träger häufig zu einem Watschelgang verurteilen. (…) Zu allem Unglück werden diese Durchschnittsgestalten dann auch noch in unvorteilhafte Uniformen gesteckt. Mit Leibchen, kurzer Hose und Kniestrümpfen erinnert selbst ein Modellathlet fatal an einen Untertertianer bei den Bundesjugendspielen … In bunter, numerierter Unterwäsche stellt sich der Fußballer, nur schwer von seinen Kameraden unterscheidbar, mit ihnen in einer Reihe auf und singt mit kläglicher Stimme seine Hymne. Dann rennt er auf dem gefahrlos ebenen Rasen hin und her und auf und ab. Zuweilen bekommt er mal einen Ball, vor den er treten darf. Der Fußballer ist der Sportler von der traurigen Gestalt.“

Die Sportler von der traurigen Gestalt haben sich indes, keiner weiß, warum, unverzichtbar gemacht. Dies gilt, mehr noch als für die Fans, für die Medien, die den Fußball als werbewirksames Publikumsspektakel entdeckt haben und meinen, ihn pausenlos bedienen zu müssen. Das erzeugt Überdruss und Abnutzungserscheinungen.

Die Argumente gegen den Fußball sind stichhaltig, man kann sie kaum widerlegen. Dennoch erliegt auch der aufgeklärte Intellektuelle seiner Faszination, die sich bislang allen Deutungsversuchen entzogen hat. Der Philosoph und Sportsoziologe Gunter Gebauer hat sich mit diesem Thema beschäftigt. Er sinnt der „Poetik des Fußballs“ nach – so auch der Titel seines Buches – und kommt dabei zu bedenkenswerten Ergebnissen. Gebauer sieht den Fußball als Spiegel unserer Kultur, in dem, oft auch als Zerrbild, Macht und Ohnmacht, Gewinn und Verlust, Zufall und Gewalt vorgeführt werden. Die Identifikationsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben, sind beträchtlich: „Die Spieler dürfen gegenüber dem Ball keinen Stolz haben, sondern müssen ihn hinnehmen wie ein Schicksal. Dennoch ist er nicht übermächtig: Es gibt herausragende Spieler, die ihn bezwingen können. Dies ist ein Ideal der Moderne: Alles wird zwischen den Menschen entschieden; man kann das Schicksal meistern. Der Spielraum, den sich ein Spieler verschafft, gibt diesem Größe. Darin liegt etwas Aristokratisches, aber auch etwas Verschlagenes. Der Fußballheld ist ein gemischter Charakter, zusammengesetzt aus dem Hohen und dem Niedrigen, ein zweideutiger Held, eine Kippfigur.“

Spielkultur statt Kämpfen, Ackern und Grätschen

Das Interesse der Intellektuellen für den Fußball hat eine Geschichte, die, so wie auch der Fußball selbst, nationale Besonderheiten aufweist. In Deutschland wird diese Geschichte anders erzählt als etwa in Spanien oder England. Dort haben sich Autoren wie Javier Marias oder Nick Hornby als Fußballfans geoutet, die ihre Passion zum literarischen Gegenstand machen und, so wie der Fan in der Fankurve, darin aufgehen. In Deutschland hingegen, das einen Ruf als selbsternanntes Land der Dichter und Denker zu verteidigen hat, wird die Beziehung der Intellektuellen zum Fußball kritischer und mit Vorbehalten gesehen. Für die Vorbehalte sind die Intellektuellen selbst zuständig, die dafür Sorge tragen, dass sie nicht zu sehr in Begeisterung geraten. Eine solche insgesamt eher sorgenvolle als begeisterungsfähige Haltung gehört anscheinend zu unserem Naturell und ist aus einer philosophischen Tradition erwachsen, in der die Theorie als höchste Form der Praxis galt. Es bedurfte besserer Zeiten, um die von Skrupeln geplagten Intellektuellen näher an den Fußball heranzurücken. Diese Zeiten kamen Ende der sechziger Jahre, als sich eine generelle Aufbruchstimmung breitmachte. Sie war zunächst nur jugend- und protestbewegt, wollte den gesellschaftlichen Umschwung, griff dann aber auch auf Lebensbereiche über, die an sich als gefestigt galten, nun aber auf listige Weise unterwandert wurden. Auch der Fußball gehörte dazu, der auf einmal ganz anders daherkam: Nicht mehr um deutsche Tugenden wie Kämpfen, Ackern und Grätschen ging es, sondern um Spielkultur. Zwei Spieler waren es im besonderen, die den neuen Geist des Fußballs verkörperten: Franz Beckenbauer und Günter Netzer. Der eine stand für eine Leichtigkeit der Berufsausübung, die aus Handwerk Kunsthandwerk machte, der andere brachte, abschaubar auch an seiner äußeren Erscheinung, einen wiederkehrenden, allerdings nicht immer zugreifenden Hauch von Genialität aufs Spielfeld, der bei den Ästheten unter den Zuschauern Entzücken hervorrief. Der Name Günter Netzer wurde zum Synonym für eine Fußballkunst, die man in deutschen Landen so noch nicht vorgeführt bekommen hatte. Nun ließen sich auch die Intellektuellen begeistern und nahmen Netzer, der nicht gefragt wurde, in ihre Kreise auf. Für die meisten Fußball-Intellektuellen ist die deutsche Nationalmannschaft von 1972, die erst unangefochten Europameister und zwei Jahre später, dann allerdings schon mit mehr Mühe, Weltmeister wurde, das Maß aller Dinge geblieben. Sie wurde zum Objekt der Verklärung, das, mit Blick auf die offensichtlich minderbemittelten Nachfolger, manch emphatischen Nachruf erhielt. „Schöner konnte Fußball nicht mehr gespielt werden“, schrieb etwa der Literaturkritiker Helmut Böttiger, „die weiten Pässe Günter Netzers atmeten den Geist der Utopie, plötzlich befand man sich im Offenen, und die langen Haare des Regisseurs mit Schuhgröße 47 – diese langen Haare, die im Mittelfeld wehten (…), wollten mehr. Sie wollten etwas anderes, es ging um Entgrenzung, um Loslösung vom sicher Geglaubten.“

Das mutet übertrieben an. Andere Intellektuelle sahen den glanzvollen Fußball der siebziger Jahre denn auch deutlich nüchterner. Jürgen Roth, ohnehin kein Freund der Fußball-Prosa des Kollegen Böttiger, konstatierte: „Je größer die Projektion ist, und je gewandter, feuilletonistischer sie daherkommt, desto unschärfer ist der analytische Blick.“ In dieser denkwürdigen Zeit, als die Intellektuellen den deutschen Fußball nicht mehr schlecht redeten, sondern ihn regelrecht schön fanden, traten zwei Dichter auf den Plan, die man als passende Ergänzung zum Kreativ-Duo Netzer-Beckenbauer begreifen konnte: Ror Wolf und Eckhard Henscheid. Ror Wolf nahm den kuriosen Metaphernreichtum der Fußballsprache beim Wort und setzte ihn in Collagen um, die das Geschehen in den Stadien mit eigenwilliger Poesie unterlegten. In seinem Buch „Die heiße Luft der Spiele“ heißt es: „Während nun Rupp Wild Moll Lutz Dulz Popp Pott Kik Solz Schütz Olk Peehs Maas Görts Rühl Gress Greif Regh Löhr Strehl über den Ball sensten und säbelten ihn schleppten schoben traten trieben stoppten schlenzten vorlegten anschnitten hochlöffelten an den Pfosten bolzten über das Lattenkreuz schaufelten an die Stange nagelten in die Wolken droschen, quollen dichte Rauchschaden heran, Held heizte ein, Sturm machte Dampf, es qualmte im Mittelfeld, es brannte im Strafraum, es kochte auf den Rängen, die Bälle klatschten knallten platzten pfiffen hart aufgepumpt zischten rauschten wischten vorbei explodierten im langen Eck tropften ab kamen als Aufsetzer Abpraller kissenweich als schön schwebende Bogenlampen sanft leise kaum hörbar über die Mauer abgefälscht glashart als Trockenschüsse und Lattenkracher kaum sichtbar schwirrten vorüber donnerten dröhnten und schlugen fünfunddreißigmal ein an diesem zehnten Tag tropften vom Kopf rutschten und pochten zappelten hingen plötzlich und klebten plötzlich weit unterschätzt im Netz und klingelten plötzlich und alles schien jetzt nach Wunsch zu verlaufen.“

Eckhard Henscheid kleidete den Fußball ins kunstvoll Anekdotische, wertete ihn auf über die Sprache, die sich so gravitätisch und ernsthaft gab, dass sie komisch wirken musste. 1979 veröffentlichte er in der Satire-Zeitschrift Titanic eine „Hymne auf Bum Kun Cha“, den damaligen koreanischen Stürmerstar der Frankfurter Eintracht:

„(…) Tapfres Korea! Du schenktest uns Cha! – Festlicher klinge mein Saitenspiel! Denn lang/ Lieb ich dich, Cha, schon, drei Monde – Drei Monde schon fällt dein verjüngendes/ Licht auf die scheinbar gealterte Eintracht. Wir/ Sahen dich erstmals, Lieblicher, gegen Stuttgart -/ und das Herz war bezaubert, verzaubert bald/ Gar. Ach! Wie du da Förster, den Holzer,/ Versetztest und Martin, den Rammler, so daß selbst/ Sie dein Lob dann sangen – wie du dich/ Schlängeltest durch die Abwehr – um endlich,/ Endlich, kurz nach der Halbzeit, hoch in die/ Lüfte dich reckend, die Flanke von Borchers/ Nahmst mit der Stirn, der klugen, das/ Leder versenktest im rechtesten Toreck – es war/ Wie ein Herzkrampf, ein schöner, in Freude und/ Ahnendem Jubel in eins/ … Am Abendhimmel blühte ein Frühling auf, und/ Sein Name war Cha. Die Eintracht aber, jahrlang/ Von Klippe/ Zu Klippe/ Geworfen, glühte mit dir, o mein Trauter, zu/ Neuschönem Glanze. Aus dem Schlaf des/ Dornröschens erwachte die alte, die beinah’/ Vergeß’ne Primadonna sehr rasch. Vergessen das Alter/ Grabowskis, vergessen der Streit mit dem Trainer./ O neues heilig’ Herz der Mannschaft! Uns zur/ Erhabenen Lust stürmst du. Schönster, so viel ich/ Sah. Seither, wie der Vogel des Waldes über die/ Wipfel fliegt, schwingst du, Zierer, leichter und/ Mühlos und sonder Gewalt dem Tore dich zu, dem/ Beschützten – Östling unter Deutschen,/ Und ihnen dennoch verwandt in der Seele,/ Nah auch in Tordrang und Technik und/ Teilung des Raumes in all seiner Tiefe … —/ Kenntnisreicher Künstler am schwarzweißen Balle!“

Schwindende Begeisterung

Jede Begeisterung aber legt sich, kühlt ab und wird vom Alltag aufgenommen, der nicht nur der Feind aller Liebenden ist, sondern auch die Sternstunden des Fußballs vergilben lässt. 1972 hatte die deutsche Mannschaft geglänzt, 1974 wurde sie Weltmeister, blieb dabei aber nicht ungeschlagen, denn in der Vorrunde leistete sie sich ein nie erwartetes 0:1 gegen die DDR. Nach der WM, bei der sich Deutschlands Finalgegner Holland, das zuvor den ansehnlichsten Fußball gespielt hatte, als der eigentliche Sieger fühlte, wurde es schwieriger für den deutschen Fußball; die Intellektuellen begannen wieder zu nörgeln. Ror Wolf entwickelte andere Interessen, er gab seinen Abschied vom Fußball bekannt. Im Abspann seines 1994 erschienenen Buches „Das nächste Spiel ist immer das schwerste“ heißt es: „Die Welt ist zwar kein Fußball, aber im Fußball, das ist kein Geheimnis, findet sich eine ganze Menge Welt. (…) Ich habe mir den Luxus geleistet, mit einer gewissen Hartnäckigkeit bei der Sache zu bleiben. Das war womöglich kein marktgerechtes Verhalten, aber es ist ein bestimmtes Maß an Verrücktheit und Besessenheit nötig, um sich mit diesem Gesellschafts-Spiel einzulassen, mit seiner Komik und seiner Trauer, seiner aufplatzenden Riesenlust und dem großen Jammer, der selbst noch die Sesselmenschen vor ihren Fernsehgeräten packt und ins tiefste Elend stürzt. – Der Behauptung allerdings, dass ich mich nun ausreichend mit diesem Thema beschäftigt habe, widerspreche ich nicht. Der Fall ist beendet.“

Auch Eckhard Henscheid verlor zusehends die Lust, Fußball zum literarischen Gegenstand zu machen. Er glaubte, alles, fast alles zum Thema gesagt zu haben. Von Jürgen Roth befragt, was denn den allmählichen Distanzierungsprozess ausgelöst habe, äußerte sich Henscheid ein wenig zögerlich: „Ich überlege selber noch. Einen einzigen, isolierbaren Grund gibt es nicht. Es könnten auch biologische Gründe sein – dass eine Lebensform, eine Kunstform, die man dreißig, vierzig Jahre lang spannend und anregend gefunden hat, ihre Kräfte aufgezehrt hat. Das kann mit Romanen oder Opern genauso passieren.“

Dieses unerquickliche Gefühl kennt jeder, der alt und älter wird und seine Begeisterungsfähigkeit, allein schon aus körperlichen Gründen, schwinden sieht. Auch der aktuelle Spielbetrieb kommt dann nicht mehr gut weg. Henscheid: „Der neue Typ Fußballer z.B., das ist mein Eindruck, wird immer ahistorischer und lebt nur noch in der schieren dummen Hier-und-heute-Gegenwart. (…).“

Das Gefühlserlebnis Fußball ist eine Sache, es in Worte zu fassen eine andere. Wer als Literat ansetzt, ein grandioses Fußballspiel zu grandioser Prosa umzugießen, kommt immer schon zu spät – ihn bestraft das Leben, für das der Fußball steht. Dirk Schümer: „Für einen Autor, der mit der linken Hand die vermeintliche ‚Stimmung’ auf Platz und Tribüne einfängt, um daran dann seine Theorien über die Gesellschaft zu explizieren, ist der Fußball schlicht zu umfassend. – Sperrige Texte aus unsinnlichen Buchstaben sind zu schwach, dieses Gesamtkunstwerk zu fassen. Über Fußball kann man nicht schreiben. (…) Fußball ist eine Sucht, die den Süchtigen bis zum Grab begleitet.“ Eine Sucht, die kompliziert anmutet, aber ganz einfach zu erklären ist, was schon Volker Finke, Erfolgstrainer a.D., wußte: „Fußball ist nicht kaputtzukriegen. Man braucht keine gemeinsame Sprache, man spielt einfach zusammen. Es gibt keine einfachere und zugleich faszinierendere Spielidee: zwei Tore, da einen rein, da keinen rein, fertig.“

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erstellt am 03.6.2016

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