Buddy Rich zählt zu den Superstars des Jazz-Schlagzeugs. Zu den Stars des Rock'n'Roll gehörte Eddie Cochran. Zur gleichen Zeit, in der Rich und Cochran ihre Erfolge feierten, reüssierte in Frankreich Georges Brassens, der bis heute als einer der größten Schöpfer und Interpreten des Chansons gilt. Thomas Rothschild hat sich neu aufgelegte Aufnahmen der drei Musiker angehört.

CD

Um 1960

Buddy Rich stand stets ein wenig im Schatten von Art Blakey und Max Roach. Aber ohne Zweifel: er gehört zu den Superstars des Jazz-Schlagzeugs. Jetzt liegen in einer Box mit fünf CDs seine LPs aus den Jahren 1957-1962 vor. Der Titel „The Complete Buddy Rich“ freilich ist irreführend. Er bezieht sich auf die Gesamtedition, von der die zur Besprechung vorliegende Box nur ein Teil ist. Buddy Rich hat ab 1946 und bis zu seinem Tod im Jahr 1987 noch jede Menge LPs aufgenommen.

Buddy Rich ist kein Egomane. Er passt sich seiner Umgebung, ob in Combo-Formation oder in der Big Band, an. Mit Buddy Rich musizierte die Creme des Jazz jener Jahre, und so findet man auf den CDs eine ganze Menge wunderbarer Soli, etwa von Kenny Drew, dem ganz jungen Mike Mainieri, dem Flötisten Sam Most, dem kürzlich verstorbenen Saxophonisten Phil Woods oder von Benny Golson. Leider enthalten die Boxen keine Informationen zu den Besetzungen.

Ein besonderer Leckerbissen sind die kollegialen Schlagzeugwettbewerbe aus den Jahren 1959 und 1962, die sich Buddy Rich mit Max Roach und Gene Krupa geliefert hat. Die damals noch ganz junge Stereotechnik kommt diesem Wettkampf entgegen, während die zwei Titel aus dem bereits 1952 live aufgenommenen legendären Drum Battle mit Gene Krupa unter der elenden Aufnahmequalität leiden. Man kann hier auch den hervorragenden Sänger Buddy Rich kennenlernen. Seine Ausdeutungen von Standards lassen sich ohne Abstriche mit jenen von Nur-Sängern messen. Man möchte es kaum glauben, wie zart und einfühlsam der Dummer, der so kräftig dreinschlagen kann, einen Song wie „When The World Was Young“ interpretiert.

Die Aufnahmen stammen aus der Zeit des Aufstiegs einer Musikrichtung, die den Jazz marginalisierte: des Rock'n'Roll. Zu den Stars jener Jahre gehörte Eddie Cochran. Seinen größten Erfolg hatte der mit 21 tödlich Verunglückte mit dem Song „C'mon everybody“, der auch mit dem abgeänderten, rhythmisch weniger effektvollen Schlussvers „Let's get together“ auf den Markt kam. Cochran beherrschte so ziemlich alle Spielarten des Rock'n'Roll und der Schnulze, die damals en vogue waren. Wenn man die 22 Titel von zwei seiner 1962 posthum veröffentlichten LPs plus 8 Bonus Tracks anhört, von denen er viele, meist zusammen mit seinem Manager Jerry Capehart, selbst geschrieben hat, drängt sich zu jedem einzelnen ein Vorbild aus dem Repertoire von Elvis Presley auf. Mit „Blue Suede Shoes“ von Carl Perkins und „Long Tall Sally“ trat Eddie Cochran sogar in direkte Konkurrenz mit Elvis und mit Little Richard.

Zur gleichen Zeit, in der Buddy Rich und Eddie Cochran ihre Erfolge feierten, reüssierte in Frankreich ein Jahrhunderttalent in einem ganz anderen Genre. Georges Brassens galt und gilt zu Recht bis heute als einer der größten Schöpfer und Interpreten des Chansons. Fast alle deutschen Liedermacher, Franz Josef Degenhardt, Walter Mossmann, Hannes Wader, Wolf Biermann, Reinhard Mey, wurden durch ihn angeregt und beriefen sich auf ihn. Er war, anders als etwa Gilbert Bécaud oder Édith Piaf, nicht ein Sänger der großen Geste. Wir sehen ihn vor uns, wie René Clair ihn in seinem Film „Porte des Lilas“ („Die Mausefalle“) gezeigt hat: mit der Gitarre in der Ecke einer Kneipe sitzend, eher unauffällig. Sein Gesang und sein Gitarrenspiel hatte nichts Auftrumpfendes. Er erzählte mit seinen anarchistischen, die Bürgerwelt verspottenden Chansons deutlich artikulierend kleine Geschichten. Was für Bob Dylans Texte immer wieder behauptet wird – für jene von Brassens traf es mit Sicherheit zu: Sie waren Literatur ohne Abstriche. Brassens vermied jede Schlamperei, im Versmaß wie im Reim. Er nutzte in seinen Strophenliedern die Möglichkeiten des Walzertakts und des Galopps, liebte den Tonartenwechsel. Text und Melodie mussten passgenau übereinstimmen. Viele haben seine Lieder, auch in Übersetzungen, gecovert, aber am Ende vermisst man auch bei den gelungeneren Versionen doch seine tiefe, warme, intime Stimme. Die kann man in einer technisch perfekt aufbereiteten Zusammenstellung von 58 seiner Chansons hören. Sechs LPs aus den Jahren 1952-1962 sind auf 2 CDs enthalten. Sie sind nicht gealtert. Ein Beiheft liefert in englischer Sprache einen guten Überblick über Brassens' Leben und Werk.

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erstellt am 11.3.2016

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