In der schwarzen Komödie „Men & Chicken“ lässt der dänische Regisseur Anders Thomas Jensen fünf seltsame Wesen, Menschen mit tierischen Elementen, auf die Zuschauer los. Die düstere, kunstvolle Kulisse, kluge Dialoge und ein tolles Schauspielteam machen aus dem Film etwas Besonderes, meint Riccarda Gleichauf.

Filmkritik

Tierische Jungs

Den Wunsch, am eigenen Nachwuchs pränatal herumzubasteln, um nichts mehr dem Zufall zu überlassen, mag es in Zeiten, in denen alles planbar zu sein scheint, vermehrt geben. Was dabei herauskommen kann, wenn ganz nach dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ gehandelt wird, führt uns die groteske, schwarze Komödie „Men & Chicken“ vor.

Zehn Jahre nach dem preisgekrönten Werk „Adams Äpfel“ lässt der dänische Regisseur Anders Thomas Jensen fünf seltsame Wesen auf die Zuschauer/innen los. Die Story beginnt mit der Suche nach dem eigenen Ursprung. Nachdem die Brüder Elias und Gabriel von ihrem verstorbenen Vater erfahren, dass sie adoptiert worden sind und die Mütter die Geburt der Söhne nicht überlebt haben, machen sie sich auf den Weg, um zumindest ihren Erzeuger zu finden. Er soll in mittlerweile hohem Alter auf der Insel Ork leben. Als sie dort eintreffen, erwarten sie drei Halbbrüder, erkennbar an der Hasenscharte, die jeder von ihnen trägt, in einem von Tieren bevölkerten, heruntergekommenen Gutshof. Zunächst herrscht Neid und Zwietracht zwischen ihnen, die sich durch wilde Schlägereien untereinander mit ausgestopften Lebewesen kanalisiert. Die Sehnsucht nach Frauen eint die wilde Bande zuletzt, und sie begeben sich auf die Suche nach ihnen. Seltsamerweise gibt es auf der ganzen Insel kaum mehr Menschen, geschweige denn junge Frauen. Die letzten ihres Geschlechts sitzen in einem Altersheim. Eine Tatsache, die die Jungs, die seit Jahren nur den Umgang mit dem Vieh pflegen, nicht abschreckt.

Mit einem herausragenden Mads Mikkelsen („Dänische Delikatessen“, „Adams Äpfel“) in einer der Hauptrollen, ist es ein irritierend-komischer Genuss zu beobachten, wie die tierischen Elemente, die in den fünf Brüdern stecken, immer wieder hervorbrechen und zu unabsehbaren, völlig skurrilen Geschehnissen führen. Nur mit dem Philosophenbruder Gabriel (David Dencik) scheint es noch eine eigene Bewandtnis zu haben, weil er irgendwie „normaler“ wirkt als seine Halbbrüder. Elias und Gabriel ist es verboten, in die Kellergewölbe des Hauses vorzudringen. Da ein Tabu aber aufgestellt wird, damit es gebrochen werden kann, wird das dunkle Rätsel um ihre Herkunft zuletzt gelüftet. Die düstere, kunstvolle Kulisse, kluge Dialoge und ein tolles Schauspielteam machen aus dem Film etwas Besonderes – einen von der Sorte, die man nicht vergisst. Zartbesaitete Zuschauer/innen sollten allerdings vorsorglich ein paar Schnäpse extra trinken, damit ihnen am Ende nicht der letzte (gequälte) Lacher im Hals stecken bleibt. Großes Kino!

Filmtrailer „Men & Chicken“

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erstellt am 14.1.2016

Men & Chicken
Regie: Anders Thomas Jensen
Darsteller: Mads Mikkelsen, David Dencik, Nicolaj Lie Kaas, Sören Malling, Nicolas Bro
Dänemark/Deutschland, 2014, 100 Min.

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