Zwei Tage nach der Veröffentlichung seines neuen Albums ist David Bowie völlig überraschend gestorben. Isa Bickmann erinnert an Bowies letzten öffentlichen Auftritt und empfiehlt die gerade erschienene CD „Blackstar“.

Zum Tod von David Bowie

Die Farbe der Trauer

Die Kollegen fragen, ob ich nicht etwas zum Tod von David Bowie schreiben kann. Was könnte das sein, was nicht ohnehin in der Tagespresse stehen wird? Und einen Rückblick auf ein derart reichhaltiges Künstlerleben zu verfassen, wäre wohl kaum angemessen in einem rasch geschriebenen, tagesaktuellen Artikel zu leisten. Ein persönliches Statement aufsetzen, als Fan? Etwas über die Innovationen in seiner Musik und seinen Einfluss schreiben? Über die produktive Fähigkeit zur Teamarbeit, die teilweise zu Jahrzehnte dauernden Kollaborationen führte? Über die 100 von ihm empfohlenen Bücher? Über seine Wandelfähigkeit und Neugier? Darüber, wie er sein Werk vorantrieb, in dem er sich aus vielen Schnipseln der Kultur – Literatur, Film, Malerei – bediente? Nun, in gewisser Weise hatte ich das ja schon nach dem Besuch der Londoner Ausstellung vor zwei Jahren an diesem Ort getan (Sie gastiert gerade in Groningen). Vielleicht dann doch eher festhalten, dass man mit seinem Sinn fürs Timing hadert?

Vor einem Monat, am 7. Dezember 2015, besuchte David Bowie die Premiere seines Musicals „Lazarus“ in einem kleinen Off-Broadway-Theater, dem New York Theatre Workshop. Das war sein letzter öffentlicher Auftritt. Das Stück besteht aus vielen alten, aber neu arrangierten Bowie-Songs, eingebunden in eine Art David-Lynch-Szenario, und beruht auf seiner Darstellung des Newton aus „Der Mann, der vom Himmel fiel“, jenem Film von 1976, der von dem Scheitern eines Außerirdischen an der Menschheit handelt. Die Kritiken waren positiv, die Schauspieler hervorragend, die Laufzeit wurde verlängert (http://www.nytw.org/). Dann erschien am vergangenen Freitag, an seinem 69. Geburtstag, das neue Album „Blackstar“, das rasant schnell auf Platz eins der Charts schoss. Es wurde hochgelobt von Musikfreunden und gut besprochen von der Kritik. Zwei Tage später stirbt er nun, zwei Tage nach der Veröffentlichung.

Das neue Album ist ein Hörgenuss, experimentell, voller jazziger Elemente, Breakbeats, hymnischer Tonläufe und ziemlich aufgeladen mit Düsternis, die sich jetzt nach der Nachricht vom Tode und von der vor 18 Monaten diagnostizierten und vor der Öffentlichkeit verborgenen Krebserkrankung noch einmal anders liest. Textzeilen wie „Look up here, I’m in heaven/I’ve got Scars that can’t be seen …“ („Lazarus“) oder „Sue, the Clinic called/the X-Ray’s fine…“ („Sue“), I'm trying to/I'm dying to (“Dollar Days”) und andere mehr lassen sich nun auch autobiografisch interpretieren. Im Video zu „Lazarus“ trägt der Sänger eine Augenbinde, zwei Knöpfe markieren die Augen. Er liegt in einem Bett in einem weiß gekachelten Raum. Das CD-Cover ziert ein schwarzer Stern auf weißem Grund, das Booklet ist tiefschwarz, mit schwarzer glänzender Schrift auf schwarzem Papier. Die Farbe der Trauer kleidet diesen Nachlass perfekt. In einer Sonderedition der CD gab es einen kleinen Pin mit schwarzem Stern dazu: Die Fans können nun ihrer Trauer auch nach außen Ausdruck geben. Eigentlich fehlt nun noch eine Autobiografie. Aber wer weiß? Für Überraschungen war David Bowie ja schon immer gut.

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erstellt am 11.1.2016

David Bowie
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Blackstar

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Musikvideo David Bowie, »Blackstar«