Eine der bekanntesten Musiken zu einem Western ist die von Elmer Bernstein für „The Magnificent Seven“ – „Die glorreichen Sieben“. Sie ist im Film ständig präsent und hat sich über ihn hinaus verselbständigt. Sie kann als Filmmusik für den Western schlechthin gelten, meint Thomas Rothschild.

Filmmusik

Die Kennmelodie des Marlboro-Mannes

Filmgenres schaffen sich ihre Konventionen. Die sind nötig, damit jene überhaupt als Genres erkennbar sind, sich gegenüber anderen Genres abgrenzen lassen. Auch die Musik, die für einzelne Genres verwendet wird, folgt Konventionen. Schon nach wenigen Takten weiß der Zuschauer, was er zu erwarten hat. Science-Fiction bevorzugt Synthesizerklänge, insbesondere, wenn sie in den Weltraum entführt – als hätte irgendwer den Stratosphären Geräusche abgelauscht. Tremolierende Streicher kündigen im Thriller eine Gefahr oder einen Spannungshöhepunkt an. Auch für den Western haben sich schon frühzeitig musikalische Muster herausgebildet, die sofort identifizierbar sind: ein synkopierter Rhythmus, der galoppierende Pferde imitiert, typische Akkordfolgen und Instrumentierungen, und wenn Mexikaner auftreten: Anleihen bei der mexikanischen Folklore.

Filmmusik ist eine Spielart der Tonmalerei. Von wenigen avantgardistischen Experimenten außerhalb Hollywoods abgesehen, verdoppelt oder verstärkt sie, was das Bild zeigt. Auch im Western wiederholen sich die charakteristischen Musikschemata, die die Weite der Prärie beschwören, das Chaos einer Schlägerei, die bevorstehende Gefahr aus dem Hinterhalt oder die Spannung vor den Showdown.

Eine der bekanntesten Musiken zu einem Western neben jener zu „High Noon“ von dem um eine Generation älteren Dimitri Tiomkin ist die von Elmer Bernstein (nicht zu verwechseln mit Leonard Bernstein) für „The Magnificent Seven“ – „Die glorreichen Sieben“. Sie ist im Film ständig präsent und hat sich über ihn hinaus verselbständigt. Sie kann als Filmmusik für den Western schlechthin gelten – jedenfalls für den amerikanischen Western, ehe Ennio Morricone im Italowestern seinen eigenen Stil durchgesetzt hat. Hört man diese Musik in geballter Zusammenfassung, stellt man fest, dass sie mit einem minimalen thematischen Material auskommt. Man könnte diese Folge von Fragmenten als Thema mit Variationen klassifizieren. Die allerdings beherrscht Bernstein, der seine Komposition auf der vorliegenden Aufnahme des Original-Soundtracks selbst dirigiert, vollendet. Mit unterschiedlichen Instrumentierungen, Tempi, Lautstärken schafft er es, für die diversen Stimmungen des Films die jeweils ideale Untermalung zu finden. Bei dieser Musik erstehen die entsprechenden Bilder vor dem inneren Auge des Hörers, selbst wenn er sich an den fünfundfünzig Jahre alten Film von John Sturges – ein Remake von Akira Kurosawas „Sieben Samurai“ von 1954 – nicht mehr erinnert oder ihn gar (eine schreckliche Vorstellung) nicht kennt.

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erstellt am 06.1.2016

The Magnificent Seven
Original Soundtrack
CD
Soundtrack Factory/in-akustik 606350

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Filmmusik zu „The Magnificent Seven“ (Ausschnitt)