Die Malerin Sarah Schoderer war schon mehrfach in Kenia. Eine Auswahl von dort entstandenen Zeichnungen sowie sechs neue Gemälde sind nun in der Frankfurter Galerie Perpétuel zu sehen. Eugen El stellt die junge Künstlerin vor.

Porträt

Brückenschläge

Die Künstlerin Sarah Schoderer

Von Eugen El

Eine andere Perspektive entwickeln, jenseits der großen Metropolen des Westens: Diese Motivation führte die Frankfurter Malerin Sarah Schoderer schon mehrfach nach Kenia. Angefangen hatte alles vor einigen Jahren durch die Freundschaft zum kenianischen Künstler Paul Onditi, der an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung studierte. 2013 folgte die erste Reise. Schoderer, Absolventin der Frankfurter Städelschule, hatte während ihrer Aufenthalte in Nairobi zwar auch „die schönen Dinge“ gesehen. Doch sei ihr auch extreme Armut begegnet. Vor allem im Arbeiterviertel Huruma sei das Leben für unsere Begriffe menschenunwürdig, erzählt die 1984 geborene Künstlerin. Schoderer hat das Viertel, in dem sie zuletzt auch wohnte, zeichnerisch dokumentiert. „Es geht darum, die schlichten Lebensumstände und die Menschen zu würdigen“, sagt Schoderer. Eine Auswahl von in Kenia entstandenen Zeichnungen sowie sechs neue Gemälde sind nun in der Frankfurter Galerie Perpétuel zu sehen.

Sarah Schoderer zeichnete als teilnehmende Beobachterin. Mit Freunden hatte sie in Nairobi einen kleinen, kioskartigen Shop betrieben, den sie auf einem der Blätter einfing. Die Zeichnungen zeigen Alltagsszenerien, aber nur selten Menschen. Wir sehen Wasserbehälter für Kleiderwäsche, eine typische Kochecke, die Feuerstelle einer Behausung außerhalb der Hauptstadt, auf einer Wäscheleine hängende Kleidung. Die Serie umfasst insgesamt etwa dreißig Blätter. Elf davon werden nun präsentiert. Sie wirken kompositorisch stimmig. Gekonnt setzt Schoderer Kontraste. Deutlich ausformulierte Flächen wechseln sich mit eher angedeuteten ab.

Die Zeichnung ist für Sarah Schoderer der einfachste und schnellste Weg, künstlerisch zu arbeiten und einen persönlichen Zugang zu Dingen zu finden. In der Malerei hingegen stellen sich ihr viele formale Fragen. Das Erzählerische tritt dabei in den Hintergrund. Schoderer malt pastos, erzeugt mit kurzen Pinselstrichen Bildräume, in die sie einzelne Gegenstände oder Figuren setzt. Bezüge zur Stilllebenmalerei sind Schoderer wichtig. Die aktuellen Gemälde sind allesamt in Frankfurt entstanden und doch zeigen sie Spuren der jüngsten Kenia-Reise. Die Galeriewand ist in Anlehnung an dortige Innenräume in hellem Türkis und Braun angestrichen. Ein Großformat zeigt eine dunkelhäutige Frau, auf einem Bett sitzend. Ist die rötlich-warme Farbpalette als eine Reminiszenz an Afrika zu verstehen? Die Künstlerin verneint. Sie glaube nicht an Symbolik in Farben. Ein anderes Gemälde zeigt einen Kerosinkocher und einen Kanister, Motive, die auf Schoderers Zeichnungen aus Nairobi zurückgehen. Die Gegenstände und Figuren dienen Sarah Schoderer als eine Rückkopplung zur Realität, als „Zweifel“. So möchte sie eine „kritische Distanz zu reinem Formalismus“ erreichen.

Schoderers künstlerische Haltung spiegelt sich auch in ihrer Einstellung zum Leben. „Es geht nicht um mich alleine, sondern auch um die Menschen“, sagt die Künstlerin. Mit ihrer Arbeit möchte sie den Menschen und den Orten Würde verleihen. Nach Kenia hält Schoderer indes weiterhin Kontakt, um zukünftige Projekte möglich zu machen. Intensive, ehrliche Freundschaften hätten sich inzwischen entwickelt. Europa und Afrika, Kunst und Leben, Abstraktion und Gegenständlichkeit: In ihrem Werk geht es Sarah Schoderer um Brückenschläge. Man darf sie eine engagierte Künstlerin nennen.

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erstellt am 13.11.2015

Sarah Schoderer Foto: Eugen El

Ausstellung in Frankfurt

Sarah Schoderer

SOME FLOWERS FROM KENYA

30. Oktober 2015 – 8. Januar 2016

Galerie Perpétuel
Oppenheimer Straße 39
60594 Frankfurt am Main

Zeichnung von Sarah Schoderer, 2015

Sarah Schoderer woman, 2015, Öl auf Leinwand