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Der Verein „Jugend für Dora“ engagiert sich seit nunmehr zwanzig Jahren für KZ-Überlebende. In Nordhausen präsentiert sich der Verein mit einer sehenswerten kleinen Ausstellung, berichtet Bruno Laberthier.

Erinnerungskultur

Stationen und Meilensteine

Eine Ausstellung des Vereins Jugend für Dora e.V. in Nordhausen

Von Bruno Laberthier

Zwei Jahrzehnte gehen an keinem Verein spurlos vorüber. Auch „Jugend für Dora“ e.V., das 1995 ins Leben gerufene und von ehemaligen Häftlingen des Nazi-Konzentrationslagers Mittelbau-Dora tatkräftig unterstützte Ensemble junger engagierter Thüringerinnen und Thüringer, nimmt sich da nicht aus. Das heißt, ein wenig doch. Bei den Vereinstreffen geigt man sich zwar schon mal die Meinung, lässt die des anderen aber nicht nur zu, sondern sucht und findet gemeinsame Nenner.

„Vielleicht ist dein Grün mein Blau“, hieß die Kompromissformel in einer der Debatten einmal. Jetzt wurde daraus der Titel einer kleinen Ausstellung, bei der Jungmitglieder und alte Hasen aus der Gründungszeit die taffen und tapferen, manchmal tristen und immer trubeligen 20 Jahre Vereinsleben dokumentieren. Die Ausstellung ist noch bis März 2016 in der ehemaligen Feuerwache der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora zu sehen.

Gezeigt werden Stationen und Meilensteine der Vereinsarbeit. Diese reichen vom Aufruf zur Teilnahme in der Thüringer Allgemeinen über die zahlreichen Projekte und Exkursionen an Erinnerungsstätten außerhalb Nordhausens bis zu den Workcamps im Sommer, bei denen Erinnerungsarbeit handfest wird, wenn Vereinsmitglieder gemeinsam mit jungen Gästen aus aller Welt auf dem Gelände der Gedenkstätte die Fundamente der Häftlingsbaracken freilegen und markieren. Als wichtiger kalendarischer Fixpunkt fungiert im „Jugend für Dora“-Jahr außerdem der Jahrestag der Befreiung der Dora-Lager im April. Hier sind die Vereinsmitglieder nicht mehr wegzudenken als zugleich zupackende und einfühlsame Begleiter der ehemaligen Häftlinge, die im hohen Alter an den für sie nicht nur im übertragenen, sondern auch im ganz konkreten Sinn traumatischen Ort zurückkehren.

Zwei Projekte und ein Ausstellungsstück verdienen es, besonders hervorgehoben zu werden. Dem Thema Flüchtlingsschicksal und Migration nahm sich der Verein bereits vor Jahren an und dokumentiert seine Aktivitäten in einem Film, der Stimmen und Eindrücke von Betroffenen präsentiert, die in Nordthüringen eine vorübergehende Bleibe gefunden haben. Die Medienstation verlässt man dabei einerseits nachdenklich, andererseits fasziniert vom ausgeprägten Gespür der Jeunes engagés für Themen, die demnächst – sprich, heute – unter den Nägeln brennen. Klar und deutlich bezog „Jugend für Dora e.V.“ dazu schon im fünfzehnten Jahr seiner Existenz Position.

„Die Zukunft der Zeitzeugen“ heißt das zweite hervorstechende Projekt. Wie wollt ihr erinnert werden, fragten die Vereinsmitglieder die Überlebenden der Mittelbau-Lager, und was können wir tun, damit euer Wunsch Erinnerungspolitik wird? Die Fragestellung zeigt erneut den hohen Grad an Geschichtsbewusstsein und die ausgeprägte Sensibilität für aktuelle und anstehende Fragestellungen. Vor allem aber manifestiert sich dabei der Wille, das, was es zu gestalten gibt, nicht (nur) den üblich-verdächtigen Erinnerungslandschaftsgärtnern aus Kultur und Politik zu überlassen. „Jugend für Dora“ will kein Teil des memorialen Ziergartens Deutschland sein, sondern grassroot bleiben.

Und dann ist da noch das besondere Ausstellungsstück. Dass Vereinsleben mehr ist als nur Projektarbeit und Selbstverpflichtung, wird an einem Spaghetti-Kochtopf augenscheinlich. Jugend für Dora kultiviert nicht nur das, was (und wie sich) sozusagen nach außen hin zu erinnern lohnt, sondern hat auch eine Binnenkultur des Kochens und Klönens entwickelt, von der die Ausstellung erzählt. Bisweilen wird dabei der einen das grün vorgekommen sein, was dem anderen blau war. Beide haben es so stehen gelassen, alle haben davon profitiert und setzen sich nun mit diesem Stück material culture, dem Kochtopf, ein verdientes und vor allem – es ist ein bescheidener Alltagsgegenstand – sehr „Jugend für Dora“-typisches Denkmal.

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erstellt am 19.10.2015

Ausstellungsansicht „…vielleicht ist dein Grün mein Blau …“

Ausstellung in Nordhausen

„…vielleicht ist dein Grün mein Blau …“

20 Jahre Engagement. Eine Ausstellung des Vereins Jugend für Dora e.V.

Vom 26. September 2015 bis 28. März 2016

KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, ehemalige Feuerwache

Ausstellungsansicht „…vielleicht ist dein Grün mein Blau …“

Ausstellungsansicht „…vielleicht ist dein Grün mein Blau …“