Ein Aug, in Streifen geschnitten, / wird all dem gerecht – so lauten die letzten Verse aus Paul Celans Gedicht „Weißgrau“ aus dem Band Atemwende, die Ingo Ebener nicht nur zu verstehen versucht. Sie dienen ihm auch als Ausgangspunkt einer zweiteiligen, kurzen Geschichte der Blindheit. Teil I führt von Celan zu Platon, Kant und Descartes.

Essay zur Blindheit, Teil 1

Das geschnittene Auge

Von Ingo Ebener

In seinem einflussreichen Kommentar zu Gedichten Celans schreibt Hans-Georg Gadamer mit Blick auf das Gedicht „Weißgrau“ (1) die in meinen Augen erstaunlichen Sätze:

Die Kraßheit der Bilder vom abgeschnittenen Ohr und vom in Streifen geschnittenen Auge gibt diesem Gedicht sein einzigartiges Gepräge. Man muß und man soll eine Art von Widerwillen gegen die Kraßheiten empfinden, die einem hier zugemutet werden, um sie durch Begreifen zu überwinden. (2)

Gadamers „wilde Falschlektüre“ (3) besteht – trotz des festgestellten, einzigartigen Gepräges – vor allem in dem Bedürfnis etwas durch Begreifen zu überwinden. Denn behaupten die – von mir ausgeschnittenen – Verse „Ein Aug, in Streifen geschnitten, / wird all dem gerecht“, bei denen es überdies gar nicht klar ist, ob es sich überhaupt um Bilder handelt (4), nicht viel mehr eine Gerechtigkeit, die sich streifenweise einem Zugriff (durch Begreifen) entzieht? Sicherlich muss man – anders als Gadamers seltsame hermeneutische Lesart es suggeriert – weder Kraßheiten noch Widerwillen gegen diese empfinden. (5) Vielleicht genügt es jedoch, auch den ausgeschnittenen Versen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, indem man nicht nur einer Perspektive blind vertraut, sondern sich der Blindheit selbst aussetzt, um vielleicht durch diese zum Sehen gelangen zu können. In diesem Essay möchte ich nicht viel mehr als gegen Gadamer nachweisen, dass sich die körperliche Ausgedehntheit des Auges nur mit Gerechtigkeit verbinden lässt, wenn Celans Verse keine bloße Destruktion im Sinne einer Zerstörung bedeuten.

Ein Aug wird all dem gerecht. Dieser Satz behauptet die Einheit oder wie man auch sagen könnte die Rundheit des Auges. (6) Der Einschub / Einschnitt, der auf „Ein Aug“ folgt, geschieht nicht nur auf semantischer Ebene, sondern zeigt sich auch den Augen des Lesenden. Letzteres aber nur, wenn die Augen unversehrt sind und funktionieren. Diese rein funktionelle Ebene des Auges hinterfragen (reflektieren) Celans Verse radikal, sie zerschlagen, entsetzen, zerschneiden sie sogar. (7) Dabei scheint einmal die Blindheit Resultat aus dieser Forderung zu sein – ein zerschnittenes Auge ist schließlich seiner Sehfähigkeit beraubt –, in einer anderen Hinsicht jedoch ermöglicht sie – wie ich noch weiter ausführen werde – erst das Sehen. Eine Bestätigung dieser Behauptungen sehe ich auch in einer früheren Fassung der Verse, die sich in der Tübinger Ausgabe finden lässt:

Ein Ohr, abgetrennt, lauscht. Ein Aug.
Über auf- und nieder-
in Streifen geschnitten,
wird all dem gerecht. (8)

Ein Ohr (9) abgetrennt von der Abtrennung durch Kommata und dadurch (frei) lauschend, steht selbst im Vers noch auf der Ebene des Auges, das so auf die sich ereignende Schnittfolge Über auf-und-nieder blickt, die selbst durch und d.h. in zwei Streifen geschnitten (10) ist.

Doch implizieren Celans Verse auch die Konsequenz, dass ein ungeschnittenes, d.h. vollständiges und sehfähiges, Auge ungerecht ist? Und wenn es ungerecht ist, dann gilt es zu fragen, in welchem Maße dies der Fall ist? Die naheliegendste, offensichtlichste Antwort hierfür wäre, dass sich dieser Frage schlicht entzogen wird. Dennoch wäre es denkbar, dass einerseits ausgesagt wird, dass das Maß des Auges auf der Ebene der Gerechtigkeit nur eingeschränkt funktioniert und andererseits in der Abschneidung menschlicher Schwächen hinsichtlich einer übergeordneten Perspektive, die Alles in den – wenn auch zerschnittenen, aufgeteilten – Blick nimmt, besteht. Nur wer alles sieht, mit offenen Augen liest und erblickt, verhält sich jedem und allem wirklich offen und gerecht und zeigt sich nicht blind gegenüber der Welt, erblickt und überblickt (hat und behält den Überblick). Ein schneidender Blick schneidet, trennt ab, ein abgeschnittener Blick ist selbst beschnitten, abgetrennt von einem Ganzen, erfasst nicht, was eigentlich in seiner Reichweite liegen müsste, verliert sich also auf halber Strecke, verliert sich in etwas, was für ihn Ferne bedeutet, zu fern ist, obwohl es nah sein müsste. Mit Argusaugen bewaffnet, kann doch der hundertäugige (11), augengestirnte Argus in Ovids 1. Metamorphose (12) nicht absehen, nicht voraussehen, welches Schicksal er erleiden wird. Seine Blicke, die doch in alle Richtungen weisen müssten, ermöglichen ihm nicht den Überblick, nicht den Durchblick, nicht die klare Sicht.

In seiner Politeia untersucht Platon nicht nur die Bedingungen und Möglichkeiten eines gerechten Staates, sondern stellt sich auch der Frage, worin das Wesen der Gerechtigkeit überhaupt besteht. Im Gespräch des Sokrates mit Thrasymachos wird die Frage aufgeworfen, ob sich mit etwas anderem als dem Auge sehen und mit etwas anderem als den Ohren hören lässt. (13) In Walter Bröckers Deutung wird hier die eigentümliche areté des Auges in ihrer Funktionalität dargestellt, die das Auge dann als ein gutes Auge erscheinen lässt, wenn es gut sieht. (14) Neben dieser körperlichen oder natürlichen Seite gibt es auch diejenige der Seele, für die das Äquivalente gilt. „Sorgen, Herrschen, Beraten und überhaupt Leben ist das Geschäft der Seele“, wobei für Bröcker die areté der Seele Gerechtigkeit ist. (15) Wenn es also zwar ein Verhältnis der Äquivalenz zwischen Seele und Augen gibt, das in der Eigentümlichkeit der aretai begründet ist, dann kann im platonischen Sinne jedoch nicht von einer Gerechtigkeit des Auges gesprochen werden, die Celans Verse evozieren.

Vielleicht lässt sich ein weiterer Anlauf nehmen, wenn das Auge nicht mehr in seiner bloßen Funktionalität, sondern in seiner Sinnlichkeit betrachtet wird. Kant versucht die menschlichen Sinne in seiner Anthropologie in pragmatischer Hinsicht dahingehend zu fassen, dass er sie einem systematischen Vergleich unterzieht. Der Sehsinn wird von Kant als edelster Sinn, der der reinen Anschauung nahe kommt (und Kant denkt dies zweifellos nicht nur wörtlich), charakterisiert. Doch für Kant ist der Sehsinn nur zu einer (bloß) mittelbaren Empfindung fähig: Die Augen können die (Gegenstände der) Realität nicht erfassen, sie nicht begreifen wie Hände. (16) Die Augen müssen sich augenscheinlich und das läuft auf menschliche Konvention (Evidenz, Beweis) hinaus, auf sich selbst verlassen können. Doch, wenn wir das Erfassen der Dinge mittels der Augen zum Maßstab machen, erliegen wir nicht einem bloßen Schein, der nicht nur selbst abhängig von der Sonne bzw. den Lichtverhältnissen ist?

Descartes' Schrift La Dioptrique enthält nicht nur eine Verbindung von Auge und Schneiden (17), sondern kann auch als Zeugnis für Descartes' Faszination für Blindheit gelesen werden, denn Descartes geht dort ausdrücklich von einem – von Geburt an – blinden Menschen aus, von dem man sagt, dass er mit den Händen sehen kann oder doch mithilfe eines Stockes in der Lage ist den Sehsinn zu ersetzen. Dabei dient Descartes das Beispiel des Blinden, um die Wahrnehmung des Lichts zu erläutern:

[..] mais considérez-la en ceux qui, étant nés aveugles, s'en sont servis toute leur vie, et vous l'y trouverez si parfaite et si exacte qu'on pourroit quasi dire qu'ils voient des mains, ou que leur bâton est l'organe de quelque sixième sens qui leur a été donné au défaut de la vue. Et, pour tirer une comparaison de ceci, je désire que vous pensiez que la lumière n'est autre chose, dans les corps qu'on nomme lumineux, qu'un certain mouvement ou une action fort prompte et fort vive qui passe vers nos yeux par l'entremise de l'air et des autres corps transparents en même façon que le mouvement ou la résistance des corps que rencontre cet aveugle passe vers sa main par l'entremise de son bâton. (18)

Der Blinde hat ein Gefühl für die, wenn auch – durch Stock oder Hände – vermittelte oder übermittelte Berührung mit den Körpern seiner Umgebung oder Umwelt. Es ist so betrachtet nicht nur die Tat des Körpers, der sich eines Hilfsmittels bedient, um eine natürliche Unvollständigkeit auszugleichen, die einen Gegenstände nicht durch die Sicht erfassen lassen, sondern auch eine Möglichkeit, überhaupt Körperliches fühlbar zu machen:

Car, comme notre aveugle peut sentir les corps qui sont autour de lui, non seulement par l'action de ces corps lors-qu'ils se meuvent contre son bâton, mais aussi par celle de sa main lorsqu'ils ne font que lui résister, ainsi, faut-il avouer que les objets de la vue peuvent être sentis non seulement par le moyen de l'action qui, étant en eux, tend vers les yeux, mais aussi par le moyen de celle qui, étant dans les yeux, tend vers eux. (19)

Der Blinde berührt mit dem Stock einen Körper und weiß dabei, um welchen Körper es sich handelt. Er kann also auch durch die bloß vermittelte Berührung Körper voneinander differenzieren, da der Stock selbst eine Verlängerung des eigenen Körpers darstellt und über die Nerven der Hand bis ins Gehirn hinein überträgt. Descartes ist hier sogar der Auffassung, dass diese Bewegung/Berührung bis in die Seele hinein fortgeführt wird (20):

Comme, lorsque l'aveugle, dont nous avons parlé ci-dessus, touche quelques corps de son bâton, il est certain que ces corps n'envoient autre chose jusques à lui, sinon que, faisant mouvoir diversement son bâton, selon les diverses qualités qui sont en eux, ils meuvent par même moyen les nerfs de sa main, et ensuite les endroits de son cerveau d'où viennent ces nerfs; ce qui donne occasion à son âme de sentir tout autant de diverses qualités en ces corps qu'il se trouve des variétés dans les mouvements qui sont causés par eux en son cerveau. (21)

Die Körperberührung erreicht einen blinden Fleck der Reflexion. Dabei bleibt auch die Differenz zwischen Objekten und Objektbildern undurchsichtig. Die Ähnlichkeit zwischen Bildern und Objekten erscheint Descartes als notwendige Täuschung. Mit der Dioptrique muss die Blindheit in Kauf genommen werden, um das Sehen (Licht) zu erlangen. So gesehen kommt die Blindheit nicht nur vor jedem Sehen, sondern ermöglicht dieses auch. Muss daher nicht auch Schopenhauer korrigiert werden, wenn er denkt, dass die Welt als Vorstellung „mit dem Aufschlagen des ersten Augens“ beginnt, denn vor jedem ersten Augenblick, steht die Blindheit. (22 )

1 Paul Celan, Die Gedichte, Kommentierte Gesamtausgabe in einem Band, herausgeben und kommentiert von Barbara Wiedemann, Frankfurt am Main 2005, S. 177. Alle zitierten Gedichte Celans entstammen, wenn nicht anders vermerkt dieser Ausgabe.

2 Hans-Georg Gadamer, Wer bin Ich und wer bist Du?, in: ders., Ästhetik und Poetik 2: Hermeneutik im Vollzug, Tübingen 1993, S. 406.

3 Jay M. Bernstein, „Die Sprache des Toten von Stein und Stern“: Adorno, Derrida, Celan und das Buch der Natur, in: Derrida und Adorno, Zur Aktualität von Dekonstruktion und Frankfurter Schule, herausgegeben von Eva L.-Waniek und Erik M. Vogt, Wien 2008, S. 28.

4 Man denke nur an Celans Ausführungen in der Meridian-Rede über das Gedicht „mit seinen Bildern und Tropen“, das „somit der Ort [wäre], wo alle Tropen und Metaphern ad absurdum geführt werden wollen“. Paul Celan, Der Meridian, in: ders. Gesammelte Werke 3. Band, Frankfurt am Main 1986, S. 199.

5 Man darf allerdings auch Gadamer zugestehen, dass er sich beim Lesen der Verse an die Szene aus dem Film „Un chien andalou“ von Luis Buñuel erinnert haben mag. Dort wird das Auge einer Frau mit einer Rasierklinge zerschnitten. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Celan den Film kannte. Barbara Wiedemann weist in ihrem Kommentar zumindest auf die Szene aus dem Film hin. (Vgl. Die Gedichte, a.a.O. S. 721) Trotzdem darf hier nicht vergessen werden, dass sich Celan – wie er mehrfach betonte – trotz gewisser Sympathien niemals zum Surrealismus hinzugerechnet hat. Sollte Celan beim Schreiben diese Szene vor Augen gehabt haben, so sprechen die Verse innerhalb des Gedichts doch eine ganz andere, eine eigene Sprache.

6 Das Auge bei Celan erscheint oftmals, in seiner organischen, körperlichen Form und wie die Blicke des Auges sich (und uns) die Welt und die Zeit (wir sprechen von Augenblicken) erschließen, als ein Offenes oder auf ein Offenes hin, so vollzieht sich – geradezu inversiv oder elliptisch – der Rückgang oder Rückblick in die Innerlichkeit.

7 Werner Hamacher hat in Celans Schreiben Motive Benjamins aufgespürt, die von durchschlagender, entsetzender und zerschneidender Kraft sind. Vgl. Werner Hamacher, HÄM. Ein Gedicht Celans mit Motiven Benjamins, in: Jens Mattern, Gabriel Motzkin und Shimon Sandbank (Hg.), Jüdisches Denken in einer Welt ohne Gott – Festschrift für Stéphane Mosès, Berlin 2001, S. 173-197.

8 Paul Celan, Atemwende, Tübinger Ausgabe, bearbeitet von Heino Schmull und Christiane Wittkop, Frankfurt am Main 2000, S. 22.

9 Zweifellos verdiente das Ohr ebenfalls eine ausführliche Untersuchung. Der obligatorische Verweis auf Vincent van Gogh (Vgl. Wiedemann S.721) muss wenigstens um den Hinweis auf Celans intensive Lektüre von Blanchots Aufsatz „La folie par excellence“ ergänzt werden, der Karl Jaspers früher Arbeit Strindberg und van Gogh vorangestellt ist. Blanchot allerdings lässt van Goghs Ohr links liegen und widmet sich lieber dem späten Hölderlin, bei dem „die Dichtung da Tiefe [erlangt], wo die Krankheit ihn gerade erfaßt hat, ohne daß dabei die Krankheit, selbst als Erfahrung der Tiefe, notwendig wäre, um diese Entwicklung zu erklären: die dichterische Kraft ist am Extrempunkt auf die Krankheit getroffen, hat ihrer aber nicht bedurft, um dorthin zu gelangen.“ (Berlin 1998, S. 22f.) Blanchots umsichtiges Folgen Hölderlins führt ihn sogar bis zur Blindheit: „An einem bestimmten Moment muß er [der Dichter – I.E.] blind werden. Er steigt in die Nacht hinab, die Nacht, die einen gräßlichen Stumpfsinn hervorruft, sein Herz aber bleibt wach, um diese Wachheit des Herzens, die dem Erscheinen des Lichtes vorausgeht und die es möglich macht, ist die beherzte Ahnung des Tagesanbruchs (Chiron).“ (Ebd. S. 25f.)

10 Vielleicht durchzieht sich hier auch nur ein Riss, zersplitterte Schrift, ein Splitter im Auge wie in Maurice Blanchots Schrift „La folie du jour“ oder ein Sprung wie in Rilkes Gedicht „Der Blinde“.

11 Hegel hat den hundertäugigen Argus in seiner Ästhetik bekanntlich „zu einem tausendäugigen Argus“ als Gebilde der Kunst vervielfältigt, „damit die innere Seele und Geistigkeit an allen Punkten gesehen werden“ kann. Hegel, Ästhetik I, in: ders., Werke in 20 Bänden, Bd. 13, Frankfurt am Main 1970, S. 203.

12 Vgl. Ovid, Metamorphosen, dt. von Erich Rösch, München 2004, Verse 625-727. Argus wird, obwohl er immer ein Auge offen hat (um Io bewachen zu können), auf Auftrag des Jupiters durch Hermes eingeschläfert und getötet. Celan, der Ovids Metamorphosen gut kannte, könnte auch auf diese Szene mit Versen wie diesen angespielt haben: „So schlafe und mein Aug wird offen bleiben“ („So schlafe“, Mohn und Gedächtnis, 46); „Ein Aug, offen“ („Ein Aug, offen,“ Sprachgitter, 109), „Es wird noch ein Aug sein“ („Zuversicht“, Sprachgitter, 93).

13 Vgl. Platon, Politeia, in: ders. Sämtliche Werke Band 2, übersetzt von Friedrich Schleiermacher, Reinbek 1994, 352 e.

14 Vgl. Walter Bröcker, Platos Gespräche, Frankfurt am Main 1967, S. 222.

15 Ebd. Schleiermacher und Bröcker geben eidos mit Auge wieder. Damit wird das eidetische Sehen in seiner Bedeutungsvielfalt beschnitten, da Bereiche des Bildes, der Vorstellung und auch des Erinnerns unaufgerufen bleiben.

16 Vgl. Immanuel Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, in: ders. Werkausgabe Band 12, herausgegeben von Wilhelm Weischedel, Frankfurt am Main 1977 §11-21, BA 40-58.

17 „[S]i, prenant l’œil d’un homme fraîchement mort, ou, au défaut, celui d’un bœuf […] vous coupez […] les trois peaux qui l’enveloppent […] puis, l’ayant recouverte […] de la coquille d’un œuf […] vous y verrez, non peut-être sans admiration et plaisir, une peinture, qui représentera fort naïvement en perspective tous les objets qui seront au dehors […].“ René Descartes, La Dioptrique, Discours Cinquième, in: ders. OEuvres de Descartes, publieés par Victor Cousin, Paris 1824, S. 42. Hervorhebungen stammen von mir!

18 René Descartes, La Dioptrique, Discours Premier, a.a.O. S. 6f.

19 René Descartes, La Dioptrique, Discours Premier, a.a.O. S. 8.

20 Die Bilder der erfassten Gegenstände formieren sich für Descartes nicht nur über die Augen, sie passieren auch das Gehirn. (Vgl. Descartes, La Dioptrique, Discours Cinquième, a.a.O. S. 52).

21 René Descartes, La Dioptrique, Discours Quatrième, a.a.O. S. 39f.

22 Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung I, Buch I § 7.

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erstellt am 05.10.2015

Paul Celan

Paul Celan Passfoto von 1938

»Vielleicht genügt es jedoch, auch den ausgeschnittenen Versen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, indem man nicht nur einer Perspektive blind vertraut, sondern sich der Blindheit selbst aussetzt, um vielleicht durch diese zum Sehen gelangen zu können.«

»Doch, wenn wir das Erfassen der Dinge mittels der Augen zum Maßstab machen, erliegen wir nicht einem bloßen Schein, der nicht nur selbst abhängig von der Sonne bzw. den Lichtverhältnissen ist?«

»Descartes' Schrift La Dioptrique kann auch als Zeugnis für Descartes' Faszination für Blindheit gelesen werden, denn Descartes geht dort ausdrücklich von einem – von Geburt an – blinden Menschen aus, von dem man sagt, dass er mit den Händen sehen kann oder doch mithilfe eines Stockes in der Lage ist den Sehsinn zu ersetzen.«