Rudij Bergmann hat die Produktion des Mannheimer „Rings des Nibelungen“ von Achim Freyer filmisch begleitet. Bergmann beobachtet, stellt aber auch Fragen. Nicht nur die Sänger, der Regisseur und der Dirigent kommen zu Wort, sondern auch die Repräsentanten der vielen Berufe, die der Zuschauer sonst nicht zu Gesicht bekommt, berichtet Thomas Rothschild.

DVD

Hinter den Kulissen

Von Thomas Rothschild

Rudij Bergmann, erfahren in der Herstellung von Hintergrundsberichten aus dem Theater, hat die Produktion des Mannheimer Rings von Achim Freyer begleitet. Das Ergebnis liegt nun auf zwei DVDs mit dem etwas gestelzten Titel „Vom Werden des Mannheimer Rings“ (Bergmann hat es mit den substantivierten Verben) vor und sollte Wagner-Fans in gleichem Maße erfreuen wie Opernliebhaber, die einmal einen Blick hinter die Kulissen werfen möchten. Bergmann beobachtet, stellt aber auch jede Menge Fragen, und zwar nicht nur an die Sängerinnen und Sänger, den Regisseur und den Dirigenten, sondern auch an die Repräsentanten der zahlreichen Berufe, die der Zuschauer gemeinhin nicht zu Gesicht bekommt. Denn Theater und mehr noch Oper ist ein Kollektivwerk. Ohne die Maskenbildner, die Techniker, die Beleuchter, die Inspizienten, die Kostümschneider, die Statisten und viele mehr geht gar nichts.

Rudij Bergmann ist nur ausnahmsweise vor der Kamera zu sehen. Die Fragen lässt er nur stehen, wenn sie für das Verständnis nötig sind. Ansonsten beschränkt er sich auf die Antworten seiner Gesprächspartner. Der vierteilige Film, der den vier Teilen des „Rings“ folgt, wurde erkennbar mit großer Sorgfalt und zeitaufwändig montiert. Bergmann liebt Zwischenschnitte, seine Einstellungen sind meist kurz, manchmal fragmentarisch. Er nutzt auch die Möglichkeit des Split Screen, ohne den Gegenstand der filmischen Eitelkeit zu opfern. Gelegentlich wünschte man sich, dass er und die Kamera etwas ausdauernder an einer Szene blieben. Achim Freyer spricht davon, dass er bei den Proben häufig Änderungen vornehme. Das würde man gerne sehen, mitsamt den Gründen für die Änderungen und den Überlegungen, die ihnen voraus gehen.

Überhaupt ist Freyer, der von sich selbst sagt, dass er ein schüchterner Mensch sei, ein kluger und angenehmer Gesprächspartner. Seine Arbeitsweise, die von Respekt für die Mitarbeiter geprägt ist, wird in dem Film erahnbar. Einige Informationen fehlen dann doch: Welche „Grammatik“ liegt seiner Gestensprache zugrunde? Wieviel Freiheit lässt er dabei den Darstellern? Wie lange haben die Proben gedauert? Es ist immer wieder von Zeitknappheit die Rede, in welchen Dimensionen sie sich jedoch bewegt, wird nicht mitgeteilt. Aber selbst ein Film von insgesamt 4 ¾ Stunden kann wohl nicht alles enthalten, was man gerne wüsste. Wobei erschwerend hinzukommt, dass die Fragen, die die Betrachter an den Film, an die Inszenierung und an Wagner haben, zumindest so vielfältig sind wie die Interpretationsmöglichkeiten des „Rings des Nibelungen“.

Kommentare

Kommentar eintragen









erstellt am 01.10.2015

Vom Werden des Mannheimer Rings
Eine filmische Begegnung von Rudij Bergmann
DVD, 284 Minuten
Arthaus Musik 109112

DVD bestellen

DVD-Trailer Vom Werden des Mannheimer Rings