Der Ruhm der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm hat den jüngeren Bruder Ludwig Emil, Maler und Kunstprofessor, überschattet. Seine Geburtsstadt Hanau hat zwar einen Ludwig-Emil-Grimm-Preis für bildende Kunst gestiftet, auch wurde im Stadtzentrum eine lebensgroße Bronzestatue aufgestellt, doch blieb er weniger bekannt als die märchensammelden Brüder. Nun erscheinen seine Erinnerungen in einer Prachtausgabe der Anderen Bibliothek. Als »Erinnerungen aus meinem Leben« 1911 posthum erschienen, gibt Ludwig Emil Grimms autobiographische Beschreibung einen Eindruck von dem kulturellen Zusammenhang in Deutschland – in Hessen! – in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wie es sich für einen Künstler seiner Zeit gehörte, unternahm auch er eine Italienreise, die er detailgenau festhielt – und die Faust-Kultur als Vorabdruck vorstellt.

Originaltext

Italienreise

Von Ludwig Emil Grimm

Es war schon sehr dämmrig, wie wir in die große Stadt einfuhren, und es ging durch eine lange Straße in die andere, bis wir nach langem Fahren den Himmel freier sahen und an einem großen Gasthaus, Grande Bretagne, stillhielten und in den 6ten Stock gebracht wurden, wo jeder ein großes Zimmer bekam und ich vor Mu?digkeit bald einschlief. Es mochte wohl der 16. Juli (richtig: 2. oder 3. Juli) gewesen sein. (Es träumte mir so natu?rlich, ich gehe mit meiner lieben Schwester Lotte in Kassel auf der Bellevue und unter und auf dem Weinberg spazieren, und allerlei meist von Kassel.) Wie ich morgens, es war schon heller Tag, erwache, steht ein Mönch vor meinem Bett und reicht mir ein Körbchen mit prachtvollen Blumen, herrliche Nelken, Orangenblu?ten, Goldlack und Jasmin. Ich gab ihm dafu?r eine Kleinigkeit in Geld, und er geht, mich segnend und sich bedankend, mit lauter Bu?cklingen wieder ab. Ich betrachte den herrlichen Strauß , wie gerne hätte ich ihn in 3 Teile geteilt und ihn mit dem Wunschhu?tchen an Ort und Stelle geschafft. – Ich betrachtete noch eine Weile den herrlich duftenden Strauß, dann sah ich mich in meinem Zimmer um, wo freilich nur 1 Tisch, 2 Stu?hle und mein Bett standen. Die Stube war mit roten Backsteinen belegt. Die ganze Wand hing von oben bis unten voll großer und kleiner Gemälde in goldnen Rahmen, lauter Kopien, mitunter gar nicht schlecht. Ich richtete mich im Bett auf und hatte durchs Fenster die herrliche Aussicht aufs Meer und die Insel Capri. Vor meinen 2 Fenstern waren Balkons, wie fast vor jedem Fenster des ungeheuer großen und hohen Hauses. Auf dem Balkon war eine Aussicht, kein Kaiser und König konnte sie schöner haben. Unten ging die breite, große Straße vorbei, und daran stieß der große Königliche Lustgarten, der bis unmittelbar ans Meer ging. Das Meer ging etwas hoch, es war ein wundervoller Anblick. Die unzähligen großen und kleinen Schiffe darauf. Bald fuhr eins mit 3 aufgeblasenen Segeln voru?ber, bald verschwanden mehrere, dann erschienen dort wieder welche, jede Minute Abwechslung. Zu Mittag speisten wir in der Trattoria Sta. Lucia, ein offner Saal, der etwas ins Meer geht. Es war da wie unter einem Zelt, und die angenehme Meeresluft fächelte einem die Wangen (wie die Dichter sagen). Alle Fremden speisten da meist, die Aussicht war da beinahe noch köstlicher. Gegenu?ber etwas links der sehr stark rauchende und große Feuerschlacken auswerfende Vesuv, die Spitze schwarz; etwas rechts Pompeji und die Calabreser Gebirge, links zur Seite der Leuchtturm und Hafen von Neapel mit Tausenden von Schiffen, rechts zur Seite das weit ins Meer ragende Castellamare. Man bestellte beim Kellner, was man essen wollte; er nannte einem ganz schnell die Speisen her oder gab einem einen Zettel, worauf sie standen. 2 Speisen haben mir besonders gut geschmeckt: Reissuppe mit gru?nen Erbsen und eine Meermuschelsuppe, wo die ganzen Muscheln noch (so groß wie welsche Nußschalen) in der Schu?ssel lagen; auf letztere rieten die Leute guten roten Wein zu trinken. Das Essen war nicht so gut wie in Rom. Dabei bekam man sehr köstlichen roten und weißen Wein, der in einem Gefäß mit Stu?cken Eis neben dem Tisch stand, und jedes Mal noch einen Teller mit Eisstu?cken auf den Tisch. Das war sehr angenehm bei einer Hitze von 32 Grad im Schatten. An jeder Weinflasche waren 3 Striche mit weißer Ölfarbe, und so viele Striche, als man trinken wollte, hatte man nur zu bezahlen. Da haben es unsere deutschen Wirte besser, ein ó Glas daraus getrunken, und sie lassen sich die ganze Bouteille bezahlen. Ich glaube, der Wein wird in Neapel wenig oder gar nicht beim Essen mitgerechnet. Ist man fertig, bringt der Kellner die Rechnung wie folgende:

pane          4
vino           5
zuppa      10
vitello      16
piselli      15
beignet   15
crema     10
caffe         8
__________
               83

(Brot, Wein, Suppe, Kalbfleisch, Erbsen, Windbeutel, Schlagsahne, Kaffee)

Wegen der Gesellschaft und der herrlichen Aussicht haben wir meist in der Trattoria Sta. Lucia gespeist. Wolff (Baumeister, jetzt Professor bei der Akademie) war auch nach Neapel gekommen und noch mehrere Deutsche, Gabriel aus Stuttgart, Huber aus Breslau, Hild aus Pest, noch Gelehrte usw.; die Genannten waren meist Architekten. Auch fanden wir da die Herrn von Gemmingen und von Kronstern. Auf der Ru?ckseite der Trattoria kommt man auf den Markt, wo die Frutti del mare verkauft werden. Das ist höchst merkwu?rdig; diese Muscheln und Seetiere liegen alle auf Meergras aufgehäuft, Mißgestalten, Unformen, wie wahres Teufelszeug steht es aus. Von dem Zeug kochen und braten die Leute, die Verkäufer schreien dabei entsetzlich und preisen die ihrigen als die besten an.

Ich wu?rde gar nicht fertig werden, wollte ich ein Bild von Neapel entwerfen, wie ich es gesehn habe. Nicht weit von diesem Marktplatz ist das Königliche Residenzschloß entfernt, und nur einen Tag mit zuzusehn, wie es da zugeht, gibt schon ein Bild. Bald fährt ein königlicher Wagen im Staat voru?ber, bald kreuzen sich Kabrioletts im stärksten Trabe, auch wohl Galopp; die Fu?hrer schreien garula, gurrala (Stoll vermutet, dass es »Guarda, a Miézo!« heißen mu?sste: »Aufgepasst! Aus dem Weg!«) Auf dem Kabriolett sitzt eine, höchstens 2 Personen. Darauf sieht man einen Abbé mit Gitarre oder eine Dame in Federhut oder einen feisten Mönch oder einen Offizier, einen Engländer, Bu?rgersleute, Matrosen, einen gepuderten Herrn und so fort und so fort. Dann marschieren wieder durchs Gedränge Soldaten. Da kommt eine vornehme Dame, Herzogin oder Gräfin, mit 3 bis 4 Lakaien in buntem Putz. Der eine hält ihr den Schirm u?ber, sie geht sehr vornehm und macht ein maliziöses Gesicht, wird von 10 bis 15 Bettlern verfolgt, Weibern, Mädchen, Buben, Männern, alle zerlumpt und halbnackt. Dort stehn ein paar Lazzaroni (Bezeichnung fu?r Menschen ohne feste Wohnung und Arbeit in Neapel), braun von Farbe, meist vortrefflich gewachsen, herrliche Modelle, ziehen ihre Hemden oder Lumpen ganz aus und wieder an. Dort ist ein kleines Feuer auf der mitten Straße. Darum sitzt eine in Lumpen gehu?llte Familie und kocht in einem eisernen Topf Welschkorn (Mais) oder Stu?cke von großen Gurken. Die kleinen und großen Kinder klauben die gekochten Welschkornkörner aus den Stauden und essen sie. Dabei wieder eine Gruppe, wo eine alte Frau ihre 16jährige schwarzhaarige und schwarzäugige Tochter im Schoß liegen hat und sucht ihr die Läuse. – Da geht wieder eine vornehme Dame und hat zwei infame, kleine, boshafte Hu?ndchen auf dem Arm, den Fächer dabei in der Hand. Ein paar kleine Hu?ndchen, die nachlaufen, heulen und schreien, weil sie vermutlich Tritte bekommen haben. Da geht wieder ein Geistlicher mit dem Sakristan (Kirchendiener), um jemandem die letzte Ölung zu geben. Hier zanken sich ein paar Mohren, Matrosen, mit einem andern, da kommen Lastträger und schreien »aus dem Weg«. Da werden einem schöne Blumen angeboten, hier liegen die Leute auf den Knien und beten Rosenkränze. Ein Kapuziner steht etwas erhöht, hat das Kruzifix in der Hand, predigt und schreit gewaltig. Dabei schlafen 3 bis 4 halbnackte Lazzaroni. Da ist wieder ein Feuer, ein Weib bratet Stu?cke Fleisch und verkauft davon, Essende stehn herum. Da kommen abgemagerte Pferde an einer Schleife (Schlittenartiges Gestell, auf dem Lasten fortgeschleppt werden), worauf Fässer und Ballen liegen, geistliche Herrn, die ihr schwarzseiden Mäntelchen im Arm tragen, gehn ihr aus dem Weg. Da tragen 2 Kerls eine Portechaise (Tragsessel, Sänfte), die Vorhänge sind beinahe zu, nur eine Nase und ein Aug kann man als sehn. Auf einmal fährt eine Batterie (Kleine militärische Einheit mit Geschu?tzen) aus dem Zeughaus, das ist am Schloß, dies Rumpeln kommt noch zum u?brigen Schreien und Lärmen. Alte Weiber und Männer sitzen an den Häusern und Treppen und beten den ganzen Morgen Rosenkränze; Kinder liegen hier und dort bei den Alten auf der Erde eingeschlafen. Oben in den Häusern hört man von Zeit zu Zeit Gesang, mit der Gitarre begleitet. Kleine Buben spielen mit ausgesogenen Apfelsinen, und u?berall sieht man Schalen davon herumliegen. Da steht wieder ein geputzter, reinlich angezogener Mann bei einer Maschine, wo er aus gepreßten Zitronen Trinkwasser zurechtmacht. Leute stehn dabei und trinken, er sieht mit den Augen an den Himmel und schreit fu?rchterlich, was er zu verkaufen hat. Immer dazwischen durchgehend Damen mit schwarzen Hu?ten, schwarzen Federn und Schleier, mit Fächer, sprechen im Gehn mit Herrn. Da sprechen Mädchen mit Soldaten oder Matrosen. Da kommt ein Offizier geritten, da ein Mönch auf einem Maulesel, wieder ein Kabriolett, worin ein geistlicher Herr und eine junge geputzte Dame, deren Federn im Wind flattern; er hat einen Blumenstrauß in der Hand. Da spricht ein junger Herr mit einer Dame im 2ten Stock, sie macht ihm Zeichen mit der Hand. – Wo man sich hinstellt, wird man von Bettlern umringt. Da sitzt auf der Treppe ein Mann, stellt sich krank; je nachdem jemand an ihm voru?bergeht, der vornehm oder gering aussieht, fängt er am ganzen Leib mehr oder weniger an zu zittern. Daneben macht sich ein Paar Liebeserklärungen. Ein Weib mit bloßen Bru?sten und ein klein nackend Kind daran, das trinkt, bettelt ein paar Herrn an. Da ein Lager mit Orangen, die Buben stehlen welche davon und laufen ins Gedränge. Da kommt ein bis auf die Hu?ften nackter Kerl und hat auf dem Ru?cken wie Seiler Makkaroni hängen, die gekocht werden sollen. Hier wieder eine Gruppe von jungen Mädchen, Weibern und Kindern, die meisten haben nichts als eine Art zerrissenen, schmutzigen Teppich als Rock an und sind in braunen, schmutzigen Hemden, ein paar davon suchen sich die Läuse, die andern fangen sich die Flöhe und sind dabei bis aus den Leib und die Hu?ften nackend. An diesen schönen Gruppen geht die ganze Welt, alt und jung, vornehm und gering, voru?ber. Die alten Weiber sehn scheußlich aus, die jungen sind gut gebaut. Einige davon essen gemeinschaftlich aus einer Scherbe lange Makkaroni, die ganz grau aussehen. Da wird ein Toter, dem die Backen hu?bsch rot angestrichen sind, voru?bergetragen. Der Geistliche geht voraus, die Chorbuben lachten, der eine suggelte an einer Orange. Da sprach ein österreichischer Offizier mit einem englischen, der letzte hatte einen runden weißen Strohhut auf. Lahme, Bucklige, Blinde, Weiber und Männer kamen zum Vorschein; der ewige Engländer war auch da wieder und besah sich das Schloß. Dann zog die Schloßwache mit klingendem Spiel aus. So ging das Gedränge der Menge, alle paar Minuten gestaltete sich das Bild anders. Auch in der großen Sonnenhitze wurden die Straßen nicht leer. Gegen 6 Uhr abends fing das Gewu?hl und Gedränge wieder an, und es war in der ungeheuer langen Straße Toledo (ich glaube der Korso) so voll, daß man sprichwörtlich fu?r keinen Apfel mehr Platz finden konnte.

In dieser großen Straße sind zu ebener Erde sehr viele prachtvoll aufgeputzte Konditoreien, wo in der Mitte des Zimmers Pyramiden stehn mit Hunderten von zierlichen Gläschen mit Eis, ein kleiner, ich glaube bronzner Löffel steckt darin. Oben an der Pyramide steht mit goldnen Buchstaben, was es fu?r Eis ist, ob von Ananas, Himbeeren, Schokolade usw. Die Zimmer mit den schönsten Blumen ausgeschmu?ckt, Eis essende Herrn und Damen stehn und sitzen, andere kommen und gehn. So dauert dieser Spektakel und Gewu?hl bis 1 auch 2 Uhr nachts, und das jeden Tag so. Hier mag ein gutes Feld fu?r Diebe sein. Ich erinnere mich, einmal als wir abends nach Haus kamen, daß keiner von uns ein Taschentuch mehr hatte. Zum Glu?ck hatte ich ein paar Dukaten in der Brusttasche, wo nicht beizukommen war. Wir hatten gleich einen Lohnbedienten mit Namen Carlo angenommen, ein großer, magerer, steifer Kerl, große glotzige, schwarze Augen, wie ein Uhu sah er aus. Ich habe nie gesehn, daß der Kerl gelacht hat; er sah aus, als habe er ein paar Monate im Rauch gehangen. Er verstand aber seinen Dienst gut und hat uns u?berall herumgebracht. An manchen Orten bin ich ganz allein gewesen; ich kann besser beobachten, spreche nicht gern viel und mag nicht gern hunderttausend Sachen auf einmal sehn. Oft stundenlang habe ich im Hafen beim Leuchtturm gesessen und habe das Gewu?hl und die Bewegungen der Masten, Segel und Schiffe mit angesehn, die verschiedenen Menschengesichter und Beschäftigungen. Der Geruch vom Teeren der Schiffe, der Meeresgeruch. Ich brauchte mich nur herumzusetzen, so hatte ich das hochgehende Meer, worin sich der blaue Himmel und die Sonnenstrahlen abspiegelten. Gegenu?ber der du?stere, rauchende Vesuv und rechts die blauen Gebirge, am Horizont des Meers die Insel Capri in blauem Purpurduft. Die Meereswellen kamen wie Gebirgsketten auf mich zu und schlugen wildschäumend unmittelbar zu meinen Fu?.en an die massive Hafenmauer. Es war mir alles wie ein wachender Traum. Niemand sah ich, der herumging oder stillstand, um die Aussicht zu sehn. Diejenigen, die mit den Schiffen nicht beschäftigt waren, schliefen, rauchten und spielten. Ganze Schiffe mit Apfelsinen wurden ausgeladen. Fu?r ein kleines Geldstu?ck, ungefähr einen Groschen, gab man mir 12 Stu?ck. Ich machte es wie die andern Leute, dru?ckte ein Loch hinein, hielt sie an den Mund und trank den Saft. Sie waren köstlich, hatte aber mit der 4ten meine Lust gestillt und verschenkte die andern den ersten besten.

Den andern Tag gingen wir zur Grotta di Posillipo, ein in einen ungeheuren Felsen gehauener, hoher, breiter gewölbter Gang, in der Mitte beinahe ganz dunkel, abends erleuchtet. Mehrere Wagen können nebeneinander darin fahren. Ist man durch, kommt man an einen kleinen See, wo Leute Flachs heraus- und hineinzulegen beschäftigt waren, und der bekannte nicht angenehme Geruch war sehr stark. Wie wir den dunklen, langen Felsengang herauskamen, fu?hrte uns Carlo an die Grotta di cane, eine kleine Höhle, vielleicht 6 Fuß hoch, darin war ein zwei Fuß hoher blauer Dunst. Ein Kerl mit einem kleinen Hu?ndchen war schon bei der Hand, da schob er das Hu?ndchen dem Gitter hinein; der Hund lief einige Mal in dem Dunst herum, dann stand er schon still, fing an zu zittern und war dem Umfallen nahe, da riß ihn der Mann schnell heraus, legte ihn auf den Boden, und nach ein paar Minuten sprang er wieder munter herum. Wie oft muß wohl der arme Hund die Todesangst ausstehn. Bleibt er einige Minuten länger in dem Dunst, so ist er tot (bei Pyrmont ist eine ähnliche Grotte). Wir erstiegen u?ber der Grotta di Posillipo das Grab des Vergil. Da steht man auf einer einsamen, kleinen, von hohen Felsen umgebenen Stelle, wild zugewachsen von allerlei Pflanzen, Bu?schen, Blumen, Aloe, Rankengewächsen. Die kleine Durchsicht ging auf ein paar Häuser der Straße, wo wir wohnten. Oben in der Höhe sah man ein Stu?ck vom Castello S. Elmo und ein wenig blauen Himmel. Die Hauptsache ist, daß man sich da denkt, was man will.

Einen andern Tag bestiegen wir das Castello S. Elmo. Der Weg fu?hrt zwischenMauern, Weinbergen an Landhäusern vorbei. Oft hatte man das Gefu?hl, als wenn die ganze Gegend und der Berg hohl wie ein Keller seien, so klangen die Tritte; auch kam zwischen der Erde Schwefeldampf heraus, und in der Gegend sind auch die beru?hmten Schwefelbäder. Im Castello S. Elmo oben angekommen, fu?hrte uns ein höflicher österreichischer Feldwebel hin, wo wir hin wollten. Dazu trug freilich unser Deutschsprechen, besonders meine Uniform viel dazu bei. Wegen der Geburt einer königlichen Prinzeß wurden die Kanonen gelöst. Die Aussicht da oben ist wieder herrlich.

Nun hatten wir eine interessante Partie vor, auf den Vesuv. Von Neapel aus sah man ihn alle 4 Minuten sein Wesen treiben. Erst kam eine dunkle, große, schwarze Dampfwolke aus dem Krater, der eine ungeheure Feuersäule folgte. Hoch in der Luft warf die Säule rechts und links ihre glu?henden Schlacken herum. Aus dem Krater strömte die Lava rotglu?hend, wohl 8 Fuß im Durchschnitt und in der Höhe, sie schob sehr langsam. Dies alles konnte man bequem mit bloßen Augen in Neapel sehn.

Aus: Ludwig Emil Grimm – Lebenserinnerungen des Malerbruders, S. 182-187.
Mit freundlicher Genehmigung © Die Andere Bibliothek, Berlin 2015

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erstellt am 14.9.2015

Ludwig Emil Grimm, Selbstporträt, 1813

Illustration von Albert Schindehütte aus dem Band »Ludwig Emil Grimm – Lebenserinnerungen des Malerbruders«

Illustration aus dem Band »Ludwig Emil Grimm – Lebenserinnerungen des Malerbruders«

Abbildungen aus dem Band »Ludwig Emil Grimm – Lebenserinnerungen des Malerbruders«

Ludwig Emil Grimm
Lebenserinnerungen des Malerbruders
Ediert von Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz, begleitet von Albert Schindehütte.
Mit Zeichnungen von Ludwig Emil Grimm
Halbleinen-Einband, 500 Seiten
ISBN: 9783847700166
Die Andere Bibliothek, Berlin 2015

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