Der österreichische Philosoph Peter Strasser appelliert an die Menschlichkeit und spricht gegen den Hass, der sich gegen Flüchtlinge richtet und sich in Form von Hasspostings seit Wochen im Netz sichtbar macht. Darin fordert er die politisch Verantwortlichen dazu auf, dem privaten Engagement administrativ entgegenzukommen. Ein Kommentar, in dem die Parallelen zu Deutschland unverkennbar sind.

Kommentar

Elektronische Rampensäue? Umdrehen und Gutes tun!

Von Peter Strasser

Dass die Welt, was immer sie sonst sein mag, „The Devil’s Party“ ist, ein Ort, an dem sich der Teufel vergnügt, hat mir eigentlich schon immer eingeleuchtet. Was in den Herzen und Hirnen vieler Menschen vorgeht, ist anders gar nicht zu erklären.

Es kommen Flüchtlinge zu uns aus Ländern, die unter dem Würgegriff politisch Ruchloser und religiöser Fanatiker ein höllisch lebensgefährlicher Trümmerhaufen geworden sind. Diese Ärmsten der Armen, die mit ihrem nackten Leben gerade noch Entronnenen, suchen bei uns Schutz – bei uns Österreichern, die wir unter Übergewicht, Langeweile, Karriereburnout und anderen Wohlstandsmiseren leiden. Sie kommen zu uns, in ein christliches Land, und flehen uns an, ihnen zu helfen, irgendwann auch ein menschenwürdiges Leben führen zu dürfen.

Und was machen wir? Wir machen Zeltlager und lassen Kinder und Mütter nachts im Freien schlafen – denn: Wie kommen wir eigentlich dazu, das ganze Elend, das am besten zu Hause geblieben und dort gestorben wäre, nun bei uns zu haben …? Was sich in den letzten Monaten und Wochen an innenministerieller Hilflosigkeit und landesfürstlicher Abwehrarroganz gezeigt hat, war geeignet, Öl ins Feuer des Fremdenhasses zu gießen, der im Internet lodert, als wären wir nicht eine zivilisierte Bildungsnation, sondern ein Land wortverbrecherischer Psychopathen. Das Ausleben bestenfalls dummer, schlimmstenfalls nazistischer Phantasien und Parolen gegenüber „den Asylanten“ füllt die elektronischen Kommentarseiten. Was tun?

Da eine große Zahl an Mitfühlenden gerne helfen möchte, schlage ich vor, statt sich auf die Hetzcommunity in den diversen Foren zu konzentrieren, die politisch Verantwortlichen mit Nachdruck aufzufordern, dem privaten Engagement administrativ entgegenzukommen: Wo kann man umstandslos Geld, Lebensmittel, Unterkünfte, wie kann man kostenlos Zeit für dringend benötigte Hilfestellungen amtlicher, medizinischer, pädagogischer und sprachlicher Art zur Verfügung stellen? Mögen die Idioten, Paranoiker und Sozialsadisten doch im Netz weitertoben. Falls es schwerfällt, sie auszufiltern, dann sollte man ihnen wenigstens nicht die Genugtuung verschaffen, beachtet zu werden.

Dass die Mobber das nächste Mal vorwiegend wieder jene Partei der Rampensäue wählen werden, die erst kürzlich den Unsinns-Slogan „Mehr Wohnungen statt mehr Moscheen“ erfand – dagegen ist kein Kraut des gesunden Menschenverstandes und erst recht keines der Menschlichkeit gewachsen. Aber weil das so ist, sollten wir die Hasspostings denen überlassen, die sich, Möchtegern-Rampensäue, gerne in ihrem eigenen Wortschlamm wälzen. Es gibt nämlich Menschlicheres zu tun, man nennt es „Caritas“, und die meisten von uns haben es nicht vergessen!

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erstellt am 08.9.2015

Peter Strasser