Bildkräftig und fern aller Idylle sind die Gedichte des kroatischen Schriftstellers Marko Pogačar, die in dem 2015 erschienenen, zweisprachigen Band „Schwarzes Land“ versammelt sind. Zweisprachig werden sie auch hier, mit allen Bedeutungsverschiebungen, wiedergegeben: Das Licht ist das Maß aller Dinge.

Originaltext

Schwarzes Land

Von Marko Pogačar

Kleine Blutkrusten

Der Nachmittag verfault auf seinen schwankenden Beinen,
taut auf, ein Kalb, das es nicht zum Metzger schaffen wird,
die Weide vom Muhen durchflutet, alles sammelt sich
in irgendeinem abendlichen Bewusstsein, das trübe
und alleingelassen ist: Mutterkuchen auf den unteren Ästen,
Blut auf der Grashalmschneide, Hörner bloß
in Spuren, wie ein alltägliches Gift;
Zähne verstreut in gefährlicher Mundnachbarschaft.

ich überprüfe die Logik der winzigen Verschiebungen,
beobachte: das Licht ist das Maß aller Dinge.
Die Kürbisse kunstgerecht ausgehöhlt,
Konserven geöffnet für die Unendlichkeit der Begegnung,
belegt mit dem Rost, der Türklinken überzieht, einen Blick auf die
Mechanismen der Erde gewährt, ihre kleinen Blutkrusten,
aufgereiht auf dem Fenstersims.

es ist schwer zu sagen, was beginnt. das Licht kriecht von innen
die Wände entlang und legt stille Aprilschatten ab,
die Kürbisse blühen, der Rost bröckelt: kann der Winter mit seinen
Zähnen die Staubblätter ausrotten, und die Weide taut unter den Hufen;
das Kalb steht auf, schüttelt den Schleim ab, seine Schnauze
saugt feuchte Luft ein; die Fäulnis, so scheint es, nimmt doch ein Ende.

jetzt steigt tatsächlich aus einer staubigen Schrift die Nacht
zum Himmel herab: er streift sie über wie Lieblingsschuhe.
zuerst den linken, dann den rechten, dann die Schuhbänder, und die Nacht
ist endlich stabil. sie ist endlich im eigenen Haus, am Himmel,
im Hals des Kalbes: das Dunkel rauscht in meinen Ohren,
im Rauschen der Baumkronen, die sich allzu innig über uns beugen –
drückt das Gewicht der Nacht; das Siegel, mit dem die Schrift signiert wird.

Festtag

Ein Paar winzige dunkle Augen, schwarze Löcher – schwarze
Inselpfefferkörner; das Ohr – ein vertrocknetes Lorbeerblatt, das man einem Faschisten
abgeschnitten hat, die Schnauze, die ich so gern haben würde.
auch die Fledermaus hat es kapiert: im Topf wird ein Kaninchen geschmort.
unter ihm die Flamme, die den Körper zum Wahnsinn treibt, ihn weich macht,
seine Rundungen langsam verschwinden lässt. darüber ein schwerer Deckel aus Gusseisen.
die Wärme lässt diesen Hut, den letzten, den es tragen wird, hüpfen,
wie ein Bällchen auf einem nackten Hasenschädel.
das Wasser drängt sich um die Knöchel, umfasst die Haut und
spannt das Fleisch wie die Liebe. es zieht sich zu einer Idee zusammen und geht.
es passiert noch einiges in diesem leeren Raum. die Pflaumen haben abgegeben,
was sie abzugeben hatten. die Zähne haben in den Winter rundherum gebissen,
in die Leere, und im Hals sind Sterne stecken geblieben. niemand ist da,
um all das aufzuhalten; das Feuer zieht aus allem das Beste heraus.
von allen Seiten drängt Überfluss heran wie Vertriebene, und das Kaninchen
weiß seit der Morgendämmerung: die Hand, die das Feuer schürt, löscht den großen Hunger.
am Ende hockt am Topfboden Sattheit, jene allzu kurze Rache an der Welt;
ein Späher in der Stellung der Nacht. der Tod, Heilmittel für das Gewicht der Knochen.

Aus: Marko Pogačar, Schwarzes Land. Gedichte, Kroatisch/Deutsch, übersetzt von Alida Bermer. Buch bestellen
Mit freundlicher Genehmigung der Edition Korrespondenzen, Wien 2015

Marko Pogačar, geb. 1984 in Split, studierte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Zagreb. Er ist Redakteur der Literaturzeitschrift Quorum und des Kulturmagazins Zarez. Seit 2005 veröffentlichte er vier Gedichtbände, drei Essaysammlungen und ein Buch mit Kurzgeschichten.

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erstellt am 18.8.2015

Marko Pogačar

Krastice

Popodne trune na svojim klimavim nogama,
kopni, tele koje neće dospjeti k mesaru,
pašnjak okupan mûkom, sve se
u nekoj večernjoj svijesti sabire, mutnoj
i sebi pripuštenoj: posteljice na niskim granama,
krv na oštrici trave, rogovi tek
u tragovima, poput svakodnevnog otrova;
zubi rasuti opasnim susjedstvom usta.

iskušavam logiku sitnih pomaka,
promatram: svjetlost je mjera svih stvari.
tikve izrezbarene na pravi način,
konzerve otvorene beskonačnosti susreta,
obložene hrđom koja okiva kvake, nudi
pogled na mehanizam zemlje, njezine krastice,
poslagane po prozorskoj dasci.

teško je reći što započinje. svjetlost koja iznutra
puzi zidovima liježe tihe travanjske sjene
tikve cvjetaju, hrđa se runi: može li zima svojim
zubima zatrti prašnike, i pašnjak kopni pod kopitima;
tele ustaje, otresa sa sebe slinu, njegova njuška
upija mokri zrak; s truleži je, čini se, ipak svršeno.

sada zaista, iz nekog prašnjavog spisa,
na nebo silazi noć: ono je oblači kao najdraže cipele.
prvo lijevu pa desnu, zatim vezice, i noć je
napokon stabilna. konačno ona je u svojoj kući, na nebu,
u grlu teleta: tama šumi u mojim ušima,
u šumu krošanja koje se nad nas suviše prisno naginju–
pritišće težina noći; pečat koji potpisuje spis.

Praznik

Par sitnih i tamnih očiju, crne rupe od crnog
otočkog papra; uho uveli lovorov list odsječen
nekom fašistu, njuška, koju bih tako volio imati.
i slijepom mišu je jasno: kunić se kuha u loncu.
pod njim plamen od kojeg tijelo poludi, mekša,
polako gubi oblinu. nad njim teški kovani poklopac.
toplina čini da taj, posljednji šešir što će ga nositi,
poskakuje, poput loptice, na goloj zečjoj lubanji.
voda stiješnjena oko gležnjeva uokviruje kožu i
nalik ljubavi, napinje meso. zbija se u ideju i odlazi.
još se svašta u tom praznom prostoru dešava. šljive
su predale što su imale. zubi zagrizli okolnu zimu,
onu prazninu, u grlu zapele zvijezde. nema nikog
tko bi sve to zaustavio; vatra iz svega izvlači najbolje.
sa svih strana, poput prognanih, pristiže višak i kunić
od zore zna: ruka koja pojačava vatru briše golemu glad.
na dnu lonca na kraju čuči sitost, suviše kratka osveta svijetu;
izviđač na položajima noći. smrt, lijek za težinu kostiju.