Francis Drake war Entdecker, Eroberer und Pirat. Wegen seiner Verdienste für das englische Königreich erhob ihn Elisabeth I. in den Adelsstand. Sir Francis war ein treuer Diener seiner Königin. Doch viel zu häufig segelte er auf Abwegen übers Meer, um die verhassten katholischen Spanier zu jagen. Dabei schlug er zwar erfolgreich manche Schlacht für sein Königreich, aber häufig nicht im politisch korrekten Sinne der Diplomatie. Um ihr Gesicht zu wahren, musste die Königin sich von ihrem streitbaren Helfer distanzieren. So diente Sir Francis eine Weile dem Earl of Essex in Irland. Als Drake zu einer Weltumseglung aufbrach, gab es geheime Absprachen über das Ziel der Reise, die bis heute nicht geklärt sind. Aber der Geldadel und die Königin vertrauten Sir Francis und investierten in sein Unternehmen. Nach drei Jahren kam er mit überreicher Beute zurück. Die Geschichte dieser Reise schrieb Drake nicht selbst auf. Das vorliegende Buch „Pirat im Dienst der Queen“, enthält Berichte, Dokumente und Zeugnisse des Seehelden und seiner Zeitgenossen. Die folgenden Auszüge stammen aus einer Beschreibung von Sir Francis Drake, einem gleichnamigen Neffen des Weltumseglers.

Zehnter Reisebericht

Sir Francis Drake: Pirat im Dienst der Queen

….Während dieser langen Überfahrt über das weite Meer, wo nichts außer der See unter und dem Himmel über uns zu sehen war, erblickten unsere Augen die wundervollen Werke Gottes, die ER an seinen Geschöpfen vollbracht hat, die unermessliche Anzahl großer und kleiner Tiere in den großen und weiten Meeren, die ER geschaffen hat. SEINE Güte nährte uns zu allen Zeiten und Orten in solcher Reichhaltigkeit, als hätte ER befohlen und bestimmt, dass die nützlichsten und großartigsten Werke SEINER Hand uns zu Diensten seien, nicht nur zur Befriedigung unserer Bedürfnisse, sondern auch, um uns Freude an der Kontemplation SEINER Güte zu bereiten, bei der Erkenntnis der Vielfalt und Ordnung SEINER Vorsehung, im Bewusstsein SEINER väterlichen Sorge für uns während der ganzen Zeit.

Die Wahrheit ist, dass wir oft widrige Winde und unwillkommene Stürme hatten und für uns zu jener Zeit noch weniger willkommene Windstillen (1), und da wir uns mitten in der heißen Zone befanden, fühlten wir die Auswirkung einer drückenden Schwüle nicht ohne die Schrecken niederzuckender Blitze und häufiger Donnerschläge, und doch nicht ohne entsprechende Entschädigung. Denn wir mussten bemerken, dass wir, da wir nun (in unserem Falle) schlecht mit Trinkwasser versorgt waren (da wir überhaupt nirgendwo auf unserer Reise Wasser in nennenswertem Umfang an Bord nehmen oder auch nur sagen konnten, dass wir in dieser Hinsicht beim Verlassen Englands bessergestellt waren als die ganze Zeit danach, und auch an keinen Ort gekommen waren, wo wir genügend Wasser hätten an Bord nehmen können, bis wir viel später zum Rio de la Plata kamen), ständig, nachdem wir uns am 10. Februar dem Äquator auf vier Grad genähert hatten, bis zum 27. Februar, als wir uns genauso viele Grade südlich des Äquators (2) befanden, keinen Tag ohne Regen hatten, wodurch unser Bedarf an Wasser weitgehend gedeckt wurde.

Bemerkenswert war auch, dass unsere ganze Flotte, die jetzt aus sechs Schiffen bestand, ungeachtet der Unkenntnis der Route und anderer Schwierigkeiten, zum Beispiel des Wetters, zusammenblieb; kein Schiff verlor während dieser ganzen Zeit die Verbindung mit den anderen. Eine Ausnahme machte lediglich einen Tag lang unsere portugiesische Prise, die uns am 28. März verlor, aber am folgenden Tag, dem 29. März, wieder zu uns stieß, zu ihrem und unserem nicht geringen Trost; denn sie hatte 25 unserer Leute an Bord und den besten Teil unserer Getränkevorräte. Ihre kurze Abwesenheit verursachte viel Zweifel und Sorge bei der ganzen Mannschaft, sie hätte uns nicht verloren gehen dürfen, ohne dass gleichzeitig die ganze Reise in Frage gestellt worden wäre. Unter den vielen unbekannten Tieren, die wir sahen, fiel uns besonders eines auf, das wirklich ganz ungewöhnlich war: der fliegende Fisch, ein Fisch von der Größe und den Maßen einer kleineren oder mittleren Sardinenart. Er hat Flossen, die so lang wie sein ganzer Körper sind und von der Körpermitte bis zum Ende des Schwanzes reichen und die die Form und die Funktion von Flügeln bei anderen Tieren haben. Wenn der fliegende Fisch von dem gestreiften Thunfisch, der großen Makrele (die ihrerseits wieder vom Delfin verfolgt wird) gejagt wird und nicht mehr die Kraft hat, schwimmend zu entkommen, erhebt er sich mittels dieser Flossen aus dem Wasser und fliegt in einer erheblichen Höhe, wobei er manchmal in Schiffe oder Barken fällt, die gerade vorbeisegeln. Die Kiele der Flossen sind so wohlproportioniert und so gut zusammengesetzt und mit einem dünnen und feinen Überzug versehen, dass sie für einen viel längeren oder viel höheren Flug geschaffen zu sein scheinen.

Der dünne Überzug an seinen Flossen wird aber nach zehn oder zwölf Flossenschlägen so trocken, dass der Fisch unbedingt wieder in das Wasser muss, um ihn anzufeuchten, da die Flossen sonst steif und bewegungsunfähig würden. Die Vermehrung dieses kleinen und wunderbaren Geschöpfs ist in gewisser Weise unbegrenzt, seine Fischbrut liegt auf der Oberfläche des Wassers in der Hitze der Sonne, wie Staub auf der Oberfläche der Erde. Er hat die Dicke einer Weizenähre und die Länge von etwa einem Zoll. Diese Fische üben sich beständig in ihren beiden von der Natur gegebenen Fähigkeiten. Hätte der Herr ihnen nicht diese Gaben verliehen, dann wären sie längst ausgestorben, da sie eine so begehrte Beute für so viele sind, die ihnen gierig nachstellen und sie zwingen, fliegend zu entweichen, wenn sie im Wasser nicht in Frieden leben können. Auch bei ihrem Fluge sind sie nicht immer frei und außer Gefahr, sondern geraten manchmal, wenn sie einem Feind im Wasser entgangen sind, beim Fliegen in eine ebenso große Gefahr, und zwar durch einen großen und raubgierigen Vogel, der sich hauptsächlich von solchen Fischen ernährt, an die er leicht gelangen kann, wenn sie im seichten Wasser schwimmen oder herausspringen. Er stürzt sich dann augenblicklich mit großer Gewalt auf sie und richtet große Verheerung an, besonders unter den fliegenden Fischen, wenn er auch selbst geringen Nutzen davon hat. …….

……. Als wir uns der Einfahrt in den Pazifik näherten, fanden wir solche engen Durchfahrten nach Norden und so weite und offene Passagen nach Süden vor, dass es ohne nähere Erkundung zweifelhaft war, welchen Kurs wir einschlagen sollten. Aus diesem Grunde ließ unser Befehlshaber seine Flotte bei einer Insel vor Anker gehen und ruderte selbst mit einigen Herren in einem Boot los, um die Möglichkeit einer Durchfahrt zu erkunden. Sie stellten fest, dass die nördliche Fahrtroute hinlänglich gut war. Bei der Rückfahrt zu ihren Schiffen begegnete ihnen an der gleichen Insel, vor der wir vor Anker lagen, ein Kanu mit mehreren Leuten. Dieses Kanu oder Boot war aus der Borke verschiedener Bäume gefertigt. Der Bootsschnabel und das Heck standen empor und waren halbkreisförmig wie aus einem Guss nach innen geneigt, der Bootskörper bildete eine elegante Form und zeugte von großem Ebenmaß und ausgezeichneter Handarbeit. Sowohl unser Befehlshaber als auch wir meinten, es könne niemals ohne ausgetüftelte und fachmännische künstlerische Beratung gebaut worden sein und sei nicht für den Gebrauch durch so unzivilisierte und barbarische Leute bestimmt, sondern zur Lust und Erbauung einer großen und edlen Person, ja eines Herrschers. Die Bespannung wurde an den Nähten nur mit Lederschnüren aus dem Fell eines Seehundes oder eines anderen Tieres zusammengehalten, war jedoch so dicht, dass das Boot wenig oder kein Wasser nahm. Die Eingeborenen sind von mittlerem Wuchs, aber gut gebaut und haben einen kräftigen Körper und starke Glieder. Sie haben viel Freude daran, ihre Gesichter anzumalen, wie die anderen, von denen wir zuvor berichtet haben. Auf der besagten Insel haben sie ein Haus von mittlerer Größe, das aus Pfählen gebaut und mit Tierfellen gedeckt ist. Im Hause haben sie Feuer, Wasser und die Fleischsorten, die gewöhnlich für sie greifbar sind, wie Robben, Muscheln und dergleichen. Die Gefäße, in denen sie ihr Wasser aufbewahren, und die Becher, aus denen sie trinken, sind genauso wie ihr Kanu aus Baumrinde gefertigt, und zwar mit nicht geringerer Geschicklichkeit (wenn man die Größe der Gegenstände bedenkt). Ihre Gebrauchsgegenstände haben eine sehr gelungene Form und zeigen viel Geschmack. Ihre Arbeitswerkzeuge, die sie zum Schnitzen dieser und anderer Gegenstände verwenden, sind Messer, die aus ungeheuer großen Muschelgehäusen gefertigt werden. (Von diesen Muscheln, deren Fleisch sehr würzig und wohlschmeckend ist, dürfte kaum ein Reisender bislang etwas gesehen oder gehört haben.) Die Eingeborenen brechen zunächst die dünne und brüchige Substanz an der Seite der Muschel weg, dann reiben und schleifen sie sie mit Steinen, die sie zu diesem Zwecke haben, bis sie sie so scharf gemacht haben, dass sie selbst das härteste Holz damit schneiden können, wovon wir uns überzeugen konnten. Ja, sie schneiden damit sogar Knochen von größter Härte und machen daraus Harpunen, mit denen sie Fische jagen. Sie haben darin viel Übung und sind sehr gewandt. Am 6. September (1578) (3) hatten wir alle diese beschwerlichen Inseln hinter uns gelassen und hatten den Pazifik, oder das Mare del Zur, erreicht. An dem Kap an der Einfahrt zum Pazifik hatte unser Befehlshaber eigentlich die Absicht gehabt, mit seiner ganzen Mannschaft an Land zu gehen und dort nach einem Gottesdienst zur ewigen Erinnerung eine Gedenktafel mit einer in Metall gravierten Inschrift für Ihre Majestät zu befestigen, die er zu diesem Zwecke bereithielt. Aber weder gab es eine Möglichkeit, dort zu ankern, noch erlaubte uns der Wind einen Aufenthalt……..

…….. Wir kamen am 30. November zu einer Bucht, die den Namen Philipsbucht trägt und etwa auf dem 32. Breitengrad liegt. Wir ankerten dort, bemannten unser Boot und schickten es los, um festzustellen, welche Möglichkeiten der Ort bot, uns mit den Dingen zu versorgen, derer wir dringend bedurften. Die Mannschaft unseres Bootes tat ihr Äußerstes, etwas ausfindig zu machen, konnte aber trotz längerer Fahrt nichts finden und uns weder mit frischen Lebensmitteln noch mit Trinkwasser versorgen. Sie stieß wohl auf riesige Herden wilder Büffel, konnte aber kein Anzeichen eines menschlichen Lebewesens ausmachen. Doch bei ihrer Rückkehr zu uns entdeckte sie in der Bucht einen Indianer mit seinem Kanu, der dort fischte; ihn brachte sie – mit Kanu und all seinen Sachen – an Bord zu unserem Kapitän. Der Indianer war von anmutiger und schöner Gestalt, er trug ein weißes Gewand, das ihm knapp bis zu den Knien reichte; seine Arme und Beine waren unbekleidet, sein Haupthaar war sehr lang; er war bartlos wie alle Indianer. Er schien sehr höflich, freundlich und bescheiden zu sein, sehr daran interessiert, den Sinn und Nutzen aller Dinge zu verstehen, und sehr dankbar für die Geschenke, die unser Kapitän ihm überreichte. Er war für uns ein lebendiges Beispiel für die harmlose Veranlagung dieser Leute und zeigte uns, wie schmerzlich es ist, dass sie so misshandelt werden, wie die Spanier es mit denen machen, die unter ihrer Herrschaft stehen. Nachdem wir diesen Eingeborenen höflich bewirtet und für seine Mühen doppelt belohnt hatten und ihm teilweise durch Zeichensprache, teilweise durch Vorzeigen der Dinge bedeutet hatten, was wir brauchten und mit seiner Hilfe gegen Sachen, die er wünschte, eintauschen wollten, sandten wir ihn mit unserem Boot und seinem Kanu (das aus Rohr geflochten war) weg, auf dass er da lande, wo er wolle. Als er gelandet war und unseren Männern bedeutet hatte, seine Rückkehr abzuwarten, stießen sogleich zwei oder drei seiner Stammesgenossen zu ihm, denen er seine Neuigkeit mitteilte und die Geschenke zeigte, die er erhalten hatte. Diese erregten so sehr ihre Zufriedenheit, dass sie ihn bereitwillig unterstützten. Nachdem unsere Männer einige Stunden dort gewartet hatten, kam der Indianer mit verschiedenen anderen (unter ihnen ihr Anführer oder Häuptling) zurück. Sie führten große Mengen von solchen Dingen bei sich, von denen sie dachten, dass wir sie brauchen könnten: einige Hühner, Eier, ein fettes Schwein und dergleichen. Um unseren Männern zu zeigen, dass sie nichts Böses wollten oder beabsichtigten, sandten sie alles in einem ihrer Kanus zu unserem Boot, das sich bei recht hoch gehender Dünung in geziemendem Abstand vom Ufer befand. Nachdem ihr Anführer sein Pferd zurückgeschickt hatte, begab er sich gutgläubig zu unseren Männern, die doch Fremde für ihn waren, um sich mit ihnen zu unserem Kapitän zu begeben, ohne einen seiner Freunde oder Landsleute mitzunehmen.

Wir erfuhren, dass es kein Mittel und keinen Weg gebe, unsere Bedürfnisse an diesem Ort zu befriedigen; doch er erbot sich, unser Lotse zu sein und uns zu einem Ort und einem guten Hafen zu führen, der nicht weit zurück südwärts liege, dort könnten wir durch Tausch nach Belieben Wasser und andere Dinge, die wir brauchten, bekommen. Unser Kapitän nahm dieses Angebot sehr erfreut an, umso mehr, als der besagte Ort nahe der Stelle lag, die wir als Treffpunkt für unsere Flotte vereinbart hatten. Wir ließen deshalb unsere Absicht fallen, die Büffel zu jagen, von denen zuvor die Rede gewesen ist und von denen wir, wenn möglich, gerne einige getötet hätten. Die gute Nachricht von besserer und leichterer Versorgung lockte uns weg. So brachen wir am 5. Tage nach unserer Ankunft, am 4. Dezember, von dort auf und konnten durch die hilfreiche Führung unseres neuen indianischen Lotsen am nächsten Tage, am 5. Dezember, in dem besagten Hafen vor Anker gehen. Diesen Hafen nennen die Spanier Valparaiso, die daneben liegende Stadt Saint James von Chile. Der Hafen liegt auf einer Breite von 35 Grad und 40 Minuten; unseren Schiffen begegneten wir dort jedoch nicht, noch hörten wir etwas von ihnen. Obwohl der Ort nichts von den Dingen hergab, derer wir im Augenblick so dringend bedurften, bekamen wir dieselben doch im Überfluss: Außer anderen Sachen fanden wir zahlreiche Lagerhäuser mit chilenischen Weinen und im Hafen ein Schiff mit dem Namen CAPTAIN OF MORIALL oder GRAND CAPTAIN OF THE SOUTH, das Flaggschiff von den Salomoninseln (4), das größtenteils mit derselben Art von geistigen Getränken beladen war, nur gab es außerdem eine gewisse Menge Feingold aus Baldinia und ein großes Goldkreuz, das mit Smaragden besetzt und auf das ein Gott aus dem gleichen Metall genagelt war. Wir verbrachten einige Zeit damit, uns zu erfrischen und dieses Schiff von seiner schweren Last zu erleichtern. Nachdem wir uns ausreichend mit allem Lebensnotwendigen wie Wein, Brot, Speck usw. für eine lange Zeit versorgt hatten, hissten wir am 8. Tage des gleichen Monats die Segel und fuhren wieder in Richtung Äquator. Wir nahmen unseren indianischen Lotsen wieder mit, den unser Kapitän reichlich belohnte und mit vielen guten Dingen beschenkte, die ihm außerordentlich gut gefielen. Wir setzten ihn auf dem Wege dort ab, wo er es wollte. Nachdem wir unsere Bedürfnisse so zu unserer Zufriedenheit gestillt hatten, war unsere nächste Sorge, unsere Schiffe, die so lange von uns getrennt waren, (wenn möglich) wiederzufinden. Nichts hätte unseren Kapitän oder uns so befriedigen können wie ein glückliches Wiedertreffen oder eine gute Nachricht von ihnen; (wir ließen deshalb alle anderen Gedanken für den Augenblick beiseite) und richteten unser ganzes Bemühen und unsere ganze Anstrengung darauf, dass keine Gelegenheit sie zu treffen versäumt werde…..

……. Als wir, ständig auf der Suche nach Trinkwasser, die Küste entlang weitersegelten, kamen wir zu einem Ort mit dem Namen Tarapaca. Als wir dort landeten, stießen wir auf einen Spanier, der da lag und schlief. Neben ihm lagen 13 Silberbarren, die ein Gewicht von etwa 4000 spanischen Dukaten hatten. Hätten wir frei wählen können, so hätten wir ihn nicht aus seinem Schlafe geweckt, aber da wir ihm gegen unseren Willen dieses Unrecht antaten, befreiten wir ihn von seiner Bürde, die ihn sonst möglicherweise wach gehalten hätte, und ließen ihm so die Möglichkeit (wenn es ihm gefiele), seinen weiteren Schlaf in größerer Sicherheit zu halten. Wir setzten unsere Suche nach Wasser fort und landeten wieder nicht weit von jener anderen Stelle entfernt. Dort trafen wir einen Spanier mit einem Indianer, der 8 Lämmer (5) oder peruanische Schafe vor sich hertrieb. Jedes Schaf trug zwei Ledersäcke, und in jedem Sack waren 50 Pfund Feinsilber, insgesamt 800 Pfund. Wir konnten nicht zulassen, dass ein spanischer Herr so zum Fuhrmann wurde, deshalb boten wir, ohne dass er uns darum ersuchte, unsere Dienste an und wurden Viehtreiber. Nur seine Richtung stimmte nicht so, dass wir seinen Weg einschlagen konnten; denn fast sogleich, nachdem er sich von uns getrennt hatte, begaben wir uns mit unserer neuen Last zu unseren Booten.

Weiter jenseits des vorher erwähnten Kaps liegen einige indianische Städte. Als wir an ihnen vorbeifuhren, kamen aus ihnen viele Leute in Fischerbooten, die aus Seehundsfellen gebaut waren. Wenn man zwei dieser Felle der Länge nach zusammenfügt, ähneln sie in Art und Form einem Boot. In jedem der Felle befindet sich ein aufgeblasener Tierdarm oder etwas Ähnliches, wodurch das Boot über Wasser gehalten wird. Es lässt sich sehr schnell rudern und kann erhebliche Lasten tragen. Als die Indianer unser Schiff sichteten, brachten sie in diesen Booten viele Fische der verschiedensten Sorten heran, um sie bei uns gegen solche Kleinigkeiten wie Messer, glänzende Glasperlen, Glassachen und dergleichen einzutauschen, über die Männer von 60 oder 70 Jahren sich so freuten, als hätten sie außerordentlich wertvolle Gegenstände erhalten. Diese Leute sind sehr einfach und sehr ehrlich. Wenn man die Kürze der Zeit in Betracht zieht, war es wunderbar, in wie starkem Maße sie Vertrauen zu uns fassten. Nicht weit von dieser Stelle entfernt, auf einer Breite von 22 Grad und 30 Minuten, liegt eine andere große Stadt desselben Volkes. Zwei Spanier üben dort die Herrschaft aus. Mit diesen gedachte unser Kapitän ins Geschäft zu kommen oder zumindest zu versuchen, ob sie uns auf dem Wege des Tausches die Dinge geben würden, die wir brauchten. Deshalb warfen wir am 26. Januar dort Anker. Mehr aus Furcht als aus Zuneigung erwiesen sich die Spanier als umgänglich und so erhielten wir von ihnen auf dem Tauschwege eine Reihe von guten Sachen, die für unsere Zwecke sehr notwendig waren. Unter den Dingen, die wir von ihnen bekamen, waren die Schafe des Landes (die nämlichen, die wir vorher erwähnten, die die Ledersäcke trugen) die bemerkenswertesten. Die Höhe und Größe dieser Tiere entsprechen etwa einer Kuh, und ihre Stärke entspricht oder übertrifft sogar ihre Größe und Gestalt. Auf dem Rücken eines dieser Tiere saßen einmal drei ausgewachsene, große Männer und ein Junge; ihre Füße waren reichlich einen Fuß vom Erdboden entfernt, das Tier stöhnte überhaupt nicht unter seiner Last. Diese Schafe haben Hälse wie Kamele, ihre Köpfe ähneln stark denen anderer Schafe. Sie sind von großem Nutzen für die Spanier. Ihre Wolle ist außerordentlich fein, sie geben gutes Fleisch, vermehren sich normal und ersetzen außerdem die Pferde als Last- oder Reittiere: Ja, sie können phantastische Lasten 300 Meilen über die Berge tragen, wo keine anderen Tiere außer ihnen gehen könnten. Dort, wie auf dem ganzen Wege und im ganzen Gebiet der Provinz Cusco, enthält der Boden überall auf 100 Pfund Erde für 25 Schilling Feinsilber….

…….. Aber wir konnten nicht leicht von der Küste von Sillebis freikommen. Am 20. Januar waren wir gezwungen, eine kleine Insel nicht weit von jenem Kap anzulaufen. Als wir dort unser Boot ein gutes Stück vorausgesandt hatten, um nach einem Ort Ausschau zu halten, an dem wir ankern konnten, gerieten wir plötzlich in keine geringen Gefahren. Es erhob sich ein äußerst heftiger, ja unerträglicher Südweststurm gegen uns, der uns (die wir uns auf der Leeseite zwischen sehr gefährlichen und versteckten Untiefen befanden) das Äußerste befürchten ließ, nicht nur den Untergang unseres Bootes und unserer Männer, sondern auch unseren eigenen, den unseres Schiffes und unserer Habseligkeiten, oder für diejenigen, die Gott verschonen sollte, die Gefangenschaft in der Hand der Ungläubigen. Dieses Unglück hätte durch keine Kraftanstrengung vermieden werden können, hätte nicht die gnädige Güte Gottes (die wütenden Elemente, denen wir ausgesetzt waren, zur Ruhe gebracht und) unsere sofortige Rettung gebracht. Durch Seine unaussprechliche Gnade kehrten auch unsere Männer und unser Boot unerwartet und sicher zurück.

Wir segelten weg, so schnell wir konnten, und setzten unsere Fahrt bis zum 26. Tage (26. Januar) fort. Dann gerieten wir in einen sehr starken West- und Westsüdweststurm, sodass wir bis zum Ablauf jenes Monats kein Segel mehr setzen konnten. Am 1. Februar erblickten wir sehr hoch aufragendes Land, das wohl bewohnt zu sein schien. Wir hätten uns gern um Hilfe dort hingewandt, aber das Wetter war so schlecht, dass wir keinen Hafen finden konnten und uns fürchteten, uns zu nahe zwischen die vielen Gefahren zu wagen, die vor der Küste lauerten. Am dritten Tage sahen wir auch eine kleine Insel, aber da wir keinerlei Segel setzen, sondern nur beigedreht liegen konnten, trieb uns der Sturm von dort hinweg und wir konnten sie nicht erreichen. Am 6. Februar kamen fünf Inseln in Sicht, eine östlich, die vier anderen westlich von uns, eine immer größer als die andere. Bei der größten gingen wir vor Anker und nahmen am nächsten Tag Wasser und Holz an Bord. Nachdem wir von dort wieder abgefahren waren, sichteten wir am 8. Februar zwei Kanus, die uns anscheinend schon zuvor erspäht hatten und deren Besatzung bereitwillig auf uns zuruderte. Sie sprach mit uns und bewog uns unter ihrer Führung zu ihrer nicht weit entfernt liegenden Stadt Barativa zu fahren, die auf einer südlichen Breite von 7 Grad und 13 Minuten liegt.

Die Eingeborenen sind Heiden von schöner und anmutiger Gestalt und höflichem Verhalten, sehr aufrichtig in ihrer Art und aufmerksam zu Fremden. Wir machten diese Erfahrung sehr nachdrücklich, denn sie zeigten sich sehr froh über unser Kommen und waren freudig bereit, unsere Bedürfnisse zu befriedigen und uns mit allem zu versorgen, was ihr Land hervorbrachte. Außer einer Kopfbedeckung und einem Schurz gehen die Männer alle nackt, ein jeder hat das eine oder andere an seinen Ohren hängen. Die Frauen sind von der Taille bis zu den Füßen bekleidet, auf ihren nackten Armen tragen sie Armreifen in großer Anzahl. Manche haben mindestens neun an jedem Arm, die meisten sind aus Horn oder Messing gearbeitet, der leichteste mochte (nach unserer Schätzung) 2 Unzen wiegen. Bei diesen Leuten ist Leintuch (aus dem sie Turbane für ihre Köpfe machen und Gürtel, die sie um ihre Hüften schlingen) die beste Ware, die höchste Wertschätzung genießt. Sie sind auch von Glasperlen (die sie in ihrer Sprache saleta nennen) und von anderen ähnlichen Nichtigkeiten entzückt. Ihre Insel ist sowohl reich als auch fruchtbar, reich an Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Schwefel und anderen Bodenschätzen. Sie sind nicht nur Meister in der Gewinnung, sondern auch in der Bearbeitung dieser Metalle, die sie kunstvoll formen und gestalten, wie es ihnen am besten gefällt. Ihre Früchte sind ebenfalls vielfältig und verschiedenartig, es gibt bei ihnen Muskatnuss, Ingwer, Pfeffer, Zitronen, Gurken, Kokosnüsse, Feigen, Sago und viele andere Früchte. Eine davon, die in Größe, Form und Aussehen ziemlich an die Beere des Lorbeerbaumes erinnert, genossen wir in erheblichen Mengen. Diese Frucht ist hart, aber angenehm im Geschmack, wenn man sie kocht, wird sie weich und bietet ein ergiebiges und angenehmes Mahl. Von allen diesen Früchten erhielten wir so viel wir wollten, um unseren Bedarf zu decken. So bewahrheitete sich das alte Sprichwort: »Nach Sturm kommt Ruhe, nach Krieg Frieden, nach Knappheit Fülle« (so groß war Gottes Güte uns gegenüber). Mit Ausnahme von Terenate hatten wir auf unserer ganzen Reise seit unserer Abfahrt aus unserem Lande keinen Ort gefunden, wo wir größere Annehmlichkeiten und Erholung hatten als an diesem. Wir verbrachten dort zwei Tage, um uns auszuruhen und mit allem Notwendigen zu versehen, und brachen am 10. Februar von dort auf……

1 Die Gegend der Kalmen. »Drake hatte eine langsame und langweilige Überfahrt, und es dauerte über zwei Monate, bevor er wieder Land sichtete. Die Gegend der Kalmen war immer eine mögliche Brutstätte der Meuterei gewesen, und da an Bord ein Mann wie Doughty war und eine Besatzung, die man glauben gemacht hatte, sie führe nur nach Alexandria, ist es kaum überraschend, dass Unruhen ausbrachen. Historiker haben wohl die Tendenz zum Aberglauben in Rechnung gestellt, die bei Drake und seiner Mannschaft herrschte, haben aber leicht die zum Zank führende schiere Langeweile vergessen, die Menschen überkommt, die für endlose Zeit auf kleinen Schiffen zusammengepfercht sind. Winzige persönliche Eigenheiten werden unerträglich, und den Menschen fällt es schwer, irgendetwas Gutes an ihren besten Freunden zu sehen … Nur zu oft gehen moderne Segelexpeditionen, die von England aus um die Welt führen sollen, im Streit auseinander …« Ernle Bradford, Drake, S. 105–6. Bezüglich des Streites, der tatsächlich ausbrach, siehe Cooke, Narrative.

2 »Überquerten den Äquator am zwanzigsten Tage dieses Monats«, Februar 1578. Silva, Logbuch (Nuttall, S. 277).

3 Silvas Logbuch bestätigt dieses Datum und berichtet, dass sie den ganzen September hindurch von einem starken Nordwestwind in südöstliche Richtung getrieben wurden (Nuttall, S. 284). Magellan brauchte 37 Tage, um die Straße zu durchqueren.

4 Die Salomoninseln wurden 1567 von einer spanischen Expedition entdeckt, die von Peru ausging und unter der Führung von Alvar de Mendana und Pedro Sarmiento de Gamboa stand. Der Name versinnbildlicht den Glauben, der damals unter Geografen und Seefahrern weit verbreitet war, dass das Fabelland Ophir, aus dem König Salomon Gold und Juwelen bezog (Erstes Buch der Könige X, 2), im südlichen Pazifik liege und Teil der sagenhaften Terra Australis sei. Siehe E. G. R. Taylor, Tudor Geography, S. 112–115.

5 Lamas. Dieser Vorfall wird von Gamboa bestätigt (Nuttall, S. 68).

Aus: Sir Francis Drake: Pirat im Dienst der Queen. Berichte, Dokumente und Zeugnisse des Seehelden und seiner Zeitgenossen. 1567 – 1596

Mit freundlicher Genehmigung © Edition Erdmann, Wiesbaden

Die Reiseberichte werden ausgesucht und eingeleitet von Clair Lüdenbach

Kommentare

Kommentar eintragen









erstellt am 10.6.2015

Sie mussten mit Löwen kämpfen, litten unter unbekannten Krankheiten mit ungewissem Ausgang, sahen ungeahnte Wunder, gerieten immer wieder in Lebensgefahr, erlebten Unglaubliches, hungerten, verdursteten fast und wurden Gäste großherziger Herrscher: die reisenden Entdecker zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert.
Die Reihe mit Fundstücken aus diesen Reisebeschreibungen in Faust-Kultur versammelt, bewahrt frühe Erfahrung des Fremden und gerettete kulturelle Erkenntnisse. Das ergibt ein beträchtliches Lesevergnügen.

Die Wortwahl der Dokumente entspricht nicht in allen Fällen dem derzeitigen Stand politischer Korrektheit (Anm. d. Red.).

Sir Francis Drake
Sir Francis Drake

Sir Francis Drake
Pirat im Dienst der Queen
Berichte, Dokumente und Zeugnisse des Seehelden und seiner Zeitgenossen. 1567 – 1596
Leinen mit Schutzumschlag, 352 Seiten
EAN: 978-3-86539-812-3
Edition Erdmann, Wiesbaden 2009

Buch bestellen