Kafkas Romane zählen zu den meistadaptieren Erzählwerken der Weltliteratur. Nun hat auch Philip Glass aus dem „Prozess“ eine Kammeroper gemacht. Dass sich Magdeburg – abseits vom üblichen Operntrampelpfad – zu dieser Produktion entschlossen hat, verdient Hochachtung, meint Thomas Rothschild.

Oper

Kurzer Prozess

Von Thomas Rothschild

Nach den Romanen Dostojewskis dürften Kafkas Romane die meist bearbeiteten und adaptieren Erzählwerke der Weltliteratur sein. Ihre Attraktivität für die Bühne hat zugenommen, seit man in Kafka einen Vorläufer und Verwandten des so genannten absurden Theaters entdeckt hat. Nun hat auch der fleißige Philip Glass aus dem „Prozess“ eine Kammeroper gemacht.

Zur Musik lässt sich wenig Neues sagen. Es ist jene repetitive, im Tonalen verweilende „Minimal Music“ mit gelegentlichen Anklängen an den Jazz, die inzwischen fast Schlagerstatus erlangt hat und die man mögen kann, aber nicht muss. Glass kümmert sich wenig um seine Stoffe. Wovon immer sie handeln, wie immer sie sich sprachlich realisieren – die Musik klingt stets vertraut. Lediglich bei der berühmten Binnenerzählung „Vor dem Gesetz“ gewinnt die Komposition fast den Charakter einer konventionellen Arie.

Das Libretto der inklusive Pause zweistündigen Oper von Christopher Hampton folgt Kafkas Roman sehr eng. Er wird in Szenen unterteilt, die wie Sequenzen eines Films, unterbrochen von einer kurzen Pause, aufeinander folgen. In der Koproduktion des Theaters Magdeburg mit dem Music Theatre Wales, der Royal Opera London und der Scottish Opera hat sich der Bühnenbildner Simon Banham offenbar von den überlieferten Skizzen von Kafka selbst inspirieren lassen. Gespielt wird das Auftragswerk in einem kleinen, Klaustrophobie erzeugenden Raum, in dem die handelnden Personen ständig unter Beobachtung zu stehen scheinen.

Der beengten Bühnenwirklichkeit entspricht das kleine Orchester unter Leitung von Hermann Dukek, in dem die Blechbläser den Klang bestimmen. Die Sängerinnen und Sänger übernehmen – außer Johnny Herford als Josef K. – in der Regie von Michael McCarthy mehrere Rollen. Wenn man sich an die aufwendigen Glass-Inszenierungen von Robert Wilson oder Achim Freyer erinnert, so bildet diese Kammeroper das genaue Gegenstück dazu. Selbst diese nicht allzu kostenintensive Arbeit ließ sich offenbar nur als Koproduktion realisieren. Dass sich Magdeburg, abseits vom üblichen Operntrampelpfad, dazu entschlossen hat, verdient Hochachtung.

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erstellt am 24.5.2015

»Der Prozess«. Foto: Theater Magdeburg

Oper in Magdeburg

Der Prozess

Kammeroper in zwei Akten von Philip Glass
Libretto von Christopher Hampton nach Franz Kafka

Theater Magdeburg

»Der Prozess«. Foto: Theater Magdeburg