Integration oder nicht? In Stuttgart steht derzeit der kurdischstämmige Bonner Rapper Xatar wegen schweren Raubes vor Gericht. Auf den ersten Blick erfüllen sein Prozess und er selbst alle Klischees. „Ausweisen“ ist das Urteil, das der Boulevard schon gefällt hat. Doch wie so oft hat alles eine zweite Seite. Xatar ist auch eine nicht untypische deutsche Migrationsgeschichte. Erzählt von der Mutter und der Journalistin Christiane Florin, die Mutter und Sohn schon länger kennt. Eine andere, in doppelter Hinsicht sehr persönliche Geschichte. Und eine Frage: Ist Xatar nun integriert – oder ist er es nicht?

Porträt

»Ich will nicht weg von hier …«

Eine deutsche Migrationsgeschichte

Von Christiane Florin

Als ich ihn zum ersten Mal sehe, sehe ich ihn gar nicht. Aber ich höre ihn Klavier spielen. Irgendetwas von Chopin. Acht Jahre muss Giwar da gewesen sein. Ich bin nicht seinetwegen in der Wohnung am Bonner Stadtrand. Die Geschichte seiner Eltern interessiert mich für eine meiner ersten Geschichten.

Jetzt ist der Junge von damals nicht zu übersehen. Auf vielen hundert Webseiten posiert er im Internet. Breitschultrig, mit blank polierter Glatze, funkelnder Kette und aggressiv blitzenden Augen. Das Shirt legt Muskelberge frei. Ein Koloss. „Guck, wie dein Herz klopft! / Weil jetzt dein Blut tropft! / Xatar fickt jetzt dein Kopf! / Und dich noch umboxt, du Dummkopf! / Weil du mich anguckst und dann noch frech wirst, / liegst du auf dem Boden. / Ich seh zu, wie du Dreck frisst. / Du kriegst jetzt Schiss, / nennst mich Xatar“, spricht er in einem Video. Darunter wummert ein Bass, umspielt von orientalischen Ornamenten.

Doch auch im deutschen Boulevard ist Xatars Bild nicht mehr zu übersehen. Vor einigen Monaten ging es gar als Fahndungsfoto um die Welt, denn der deutsche Gangsta-Rapper wurde wie ein leibhaftiger Gangster international gesucht. Der Bonner soll mit Komplizen im Dezember 2009 einen Goldtransporter in Ludwigsburg überfallen haben. Im Mai letzten Jahres wurde er im Irak gefasst, von der Beute – etwa 1,7 Millionen Euro – fehlt bis heute jede Spur.

Ich suche einen alten Zeitungsartikel vom April 1989 heraus. Es war mein erster großer Text im Rheinischen Merkur, entstanden während eines Praktikums. Bei einer Recherche über Folteropfer hatte ich die iranische Familie kennengelernt. Sie Lehrerin, er Dirigent – das Paar gehörte in seiner Heimat zur Oberschicht, bis die Mullahs die Macht in Teheran eroberten. Die Familie floh in den Irak, glaubte sich dort sicher. Das Land führte zu dieser Zeit Krieg gegen den Nachbarn, und ein Feind des Feindes war vielleicht ein Freund. Sohn Giwar wurde 1981 geboren, nahe der irakisch-iranischen Grenze. Kein Arzt war dabei, die Mutter trennte selbst die Nabelschnur durch.

Als Kurden erwartete die Familie im Land Saddam Husseins kein besseres Leben als in der Heimat. Haft, Folter, schließlich die Ausreise mit Hilfe des Roten Kreuzes. Die Odyssee endete 1985 in einem Hochhausneubau am Rande Bonns. Dort sprachen wir über die Qualen der Inhaftierung, über die Einsamkeit in Deutschland und die Angst, hier nie wirklich heimisch zu werden. Das Zeitungsfoto von damals wirkt dennoch heimelig: Die Familie sitzt um den Tisch, die Mutter füllt dem Sohn den Teller. Der Junge blickt mit großen Augen fragend in Richtung Kamera.

Rund eineinhalb Jahrzehnte später wird er Lieder singen, deren Texte braven Bürgern die Folterinstrumente zeigen. Er, das Flüchtlingskind, wird selbst auf der Flucht sein – vor der Polizei und vor den Medien, die seinen vollen Namen nennen und den Zusatz „mutmaßlich“ vor dem Wort „Täter“ streichen. Er wird wie seine Eltern das Gefängnis von innen kennenlernen, nur dass es diesmal das Gefängnis eines Rechtsstaats ist und nicht das einer Diktatur.
Nach dem Überfall verbreiten Boulevardzeitungen lustvoll die Gangsta-Posen. Journalisten belagern die Wohnung der Mutter und schleichen sich in die Hörsäle der Universität zu Köln, um der Schwester des Rappers ein paar O-Töne abzupressen. „Festnehmen, und dann raus mit ihm“ – das sollten die Leser wohl denken. Für einen wie Xatar gilt die Unschuldsvermutung nicht.

Wie wurde Giwar zu Xatar? Ich erinnere mich an frühere Besuche, an die vielen Fotoalben in den Regalen. Die Bände konnten die vielen Bilder kaum fassen. Die Seiten waren abgegriffen, der Klebstoff brüchig geworden. Geburtstage, Schulaufführungen, Familienfeiern. Momentaufnahmen der Normalität, Gegenbilder zum durchlittenen Ausnahmezustand. Zu jedem Geburtstag gab es eine Torte, sogar in jenem Jahr, als die junge Familie sich in den irakischen Bergen verstecken musste. Eine Kerze, viel Zuckerguss und ein Apfel schmücken Giwars Kuchen zum ersten Geburtstag. Acht oder neun Jahre später feiert Giwar seinen großen Tag in Bonn bei McDonald’s, wieder mit einer Torte, aber auch mit Clown und Hamburger, so wie seine deutschen Klassenkameraden. Mal posiert der Junge an Karneval mit Zepter und Krone, mal in einem Cowboykostüm. Stundenlang blätterte ich durch ein deutsch-iranisches Leben.

Giwar geht als muslimischer Zuwanderer in die deutsche Statistik ein. Doch die Eltern sind Opfer religiösen Terrors; der Islam ist für sie nicht die Religion, an der sie sich in der Fremde wärmen. Sie lernen Weihnachten kennen. Und feiern mit. Nicht unbedingt, weil sie an die Menschwerdung des christlichen Gottes glauben, viel eher, weil sie spüren, dass der Brauch zum deutschen Menschsein gehört. Auf vielen Fotos leuchten die Elektrokerzen am Tannenbaum, davor packen die Kinder Geschenke aus.

Giwar besucht eine katholische Grundschule. Er lernt problemlos lesen, schreiben, rechnen. Mit neun Jahren bekommt er Klavierunterricht, Beethoven, Schumann und Chopin stehen auf seinem Notenpult. Er spielt Theater, rezitiert Goethe-Gedichte und malt gern. Schon im Kindergarten hat er mit bunter Kreide die Weltkarte aus dem Kopf auf die Tafel gemalt. „Das ist viel zu schade zum Wegwischen“, sagte die Kindergärtnerin damals. Weggewischt wurde es trotzdem.

Nach der vierten Klasse wechselt der Junge aufs Gymnasium. Er schafft den Stoff ohne Probleme. Astronomie wird sein Hobby. Nächtelang steht er bibbernd mit dem Teleskop auf dem Balkon und versucht einen Blick auf den Kometen zu erhaschen, den die Nachrichten angekündigt haben.

1995 verlässt der Vater die Familie, auch das kennt Giwar von seinen deutschen Klassenkameraden. Das Geld wird knapp. Ein iranisches Lehramtsstudium wird hier nicht anerkannt, allenfalls als Kinderpflegerin darf die Mutter arbeiten. Sie geht putzen und arbeitet als Kinderfrau, um den Klavierunterricht für Giwar und seine Schwester zu bezahlen. Von „Bildungsferne“ spricht noch niemand, aber denen, die damit gemeint sein könnten, sollen die Geschwister nicht zu nahe kommen. Sie sollen sich integrieren, sollen zu denen gehören, die Kultur haben. Die drei ziehen oft um, von besseren Stadtteilen in schlechtere und umgekehrt.

Immer zieht ein Bild von Mutter Teresa mit. Unter dem Porträt der Ordensfrau steht ein Text: „Das Gute, das du tust, wird morgen vergessen sein. Tue trotzdem Gutes“, heißt es da. Und: „Gib der Welt dein Bestes, und sie schlagen dir die Zähne aus. Gib der Welt trotzdem dein Bestes.“ Giwar liest den Text oft, die gerahmte Weisheit hängt so, dass er sie gut erkennen kann, wenn er in der Küche sitzt und auf das Essen wartet. Giwar soll keiner werden, der anderen die Zähne ausschlägt. Er hört mit elf oder zwölf die erste Rap-CD, „The Chronic“. Auf der Straße prügeln sich die Jungs um die Platte. Er hat sie, und keiner weiß es. Er liebt es trotzdem, an einem schön gedeckten Tisch zu sitzen, mit Kerzen und klassischer Musik im Hintergrund.

Giwar ist kein Stubenhocker am Klavier. Er beginnt, intensiv Basketball zu trainieren. Während die Klassenkameraden die Tasten der Playstation drücken, übt er mit seinem ägyptischen Freund Raed Dribbeln, Passen und Korbleger. Er spielt in der Schulmannschaft des Gymnasiums, gründet ein neues Team, trainiert bei den Telekom Baskets. Er ist besessen davon, an einen Korb heranreichen zu können, der für andere zu hoch hängt. Die Mutter, die Schwester, die Schule – sie sollen stolz auf ihn sein.

Doch manchmal fühlt sich der Heranwachsende mit den Gardemaßen ganz klein. Fußball soll er spielen, herrscht ihn der Sportlehrer an, erst einmal, dann immer wieder. Giwar hat dunkle Haare, einen dunklen Teint und dunkle Augen. Das Wort „Mensch mit Migrationshintergrund“ gehört Mitte der Neunzigerjahre nicht zum deutschen Grundwortschatz. Ein Junge mit kurdischen Wurzeln ist ein Ausländer, das Wort Mensch kommt in dieser Bezeichnung nicht vor.
„Ausländer“ gibt es nicht viele in der zehnten Klasse eines rheinischen Gymnasiums. „Er kommt immer nur mit einem Basketball in die Schule“, beschwert sich der Lehrer bei der Mutter. Auch der Doppelpass „Fördern und fordern“ ist noch keine Standardsituation in der Pädagogik.

Der Konflikt eskaliert. Eine Schulversammlung wird einberufen. „Mit einem Ball in die Schule zu kommen ist besser, als ein Messer im Ranzen zu haben“, sagen Freunde. „Es verstößt gegen die Ordnung“, sagen die Gegner. Weil Giwar nicht nur für das Schulteam spielt, wird er als Verräter beschimpft. Nein, die Schule ist nicht stolz auf ihn. Er darf zwar bleiben, aber etwas zerbricht. Seine Weltkarte wird noch einmal weggewischt. Er verlässt das Gymnasium in der elften Klasse. Später wird er erzählen, dass er in der Schule die größte Diskriminierung seines Lebens erfahren habe.

Die Mutter eröffnet 2005 ein Internet-Café am Brüser Berg, in jenem Stadtteil, in dem ich die Familie kennenlernte. Auf der Soziallandkarte Bonns gilt die Hochhaussiedlung als Brennpunkt. Giwar hilft, die Computer anzuschließen. Im Keller des Cafés hört er Musik. Er legt keine Liebeswalzer von Chopin auf, er schiebt die CDs in den Player, um die sich die Jungs im Viertel schlagen. Mit hämmernden Bässen und Texten, die man auch ohne Abitur versteht. Über die Gesetze der Straße, übers große Geld, über Frauen, die man je nach Hormonhaushalt nimmt und wegwirft. „Schlampe“ gilt unter Rappern noch als eines der freundlicheren Synonyme für weibliche Wesen.

Giwar ist musikalischer als viele Kumpels, nur Hören reicht ihm nicht. Er textet und komponiert selbst. Die jungen Männer spielen die Macker vom Brüser Berg, sie legen sich mit der Polizei an. Die Grenzen zwischen Kunst und Leben verwischen, manches Delikt ist Dichtung, manches Wahrheit. Eines Tages wird Giwar per Haftbefehl wegen Verdachts auf Drogenhandel gesucht, Koks-Koketterien sind ein Muss in der Rapper-Szene. Giwar hält sich zu dieser Zeit bei Verwandten in London auf. Er schafft es, sich dort ohne Abitur für ein Musikmanagementstudium einzuschreiben. Mit einer Security-Firma hält er sich über Wasser. 2007 wird der Haftbefehl gegen ihn aufgehoben. Beschuldigungen gegen einen Konkurrenten gehören zum Rapper-Business, sagen Insider.

Er gründet seine eigene Plattenfirma, „Alles oder nix“. Aus Giwar ist für alle sichtbar Xatar geworden, der Gefährliche. Er legt sich jenen Blick zu, der keine Robert-Schumann-Sozialisation mehr vermuten lässt. Vom Brüser Berg steigt er in die Niederungen des deutschen Privatfernsehens. Es sieht nach einem Aufstieg aus. RTL II engagiert ihn für eines seiner Billigformate. In „Der Bluff“ soll Xatar einen Germanistikstudenten in einen Gangsta-Rapper verwandeln. Der Student scheitert, die Sendung auch. Xatar scheitert nicht, er singt nur davon. Sein erstes eigenes Album explodiert in der Szene, im Internet werden seine Titel millionenfach geklickt und kommentiert, bei MTV rotieren seine Videos. Vor seinem ersten Konzert trinkt er einen Cognac auf ex, so wie sein Vater, der Dirigent, es ihm geraten hat. Er lässt es auf der Bühne krachen. Zu Interviews kommt er schon mal mit einem Ferrari. Sogar Playboy-Chef Hugh Hefner lädt ihn zu einer Party ein. Geld, schnelle Autos, Groupies – Xatar führt das Leben, das er und seine Kumpel früher nur aus den Liedern der anderen kannten.

Ich höre im Sommer 2008 zum ersten Mal von seinem Erfolg und überlege, ob ich etwas über Xatar schreiben soll. Ein Interview wäre leicht zu bekommen. Aber passen Lieder, zu deren Textbausteinen „Kanaken“ und „f …“ gehört, in ein bürgerliches Blatt? Ich schiebe die Antwort auf und schreibe den x-ten Text zur Frage: Was ist konservativ? Und so spricht Xatar also nicht mit dem Rheinischen Merkur, sondern zum Beispiel mit dem kurdischen Fernsehen. Immer häufiger sagt er öffentlich: „Ich bin Kurde.“ Aha, Parallelgesellschaft, macht sich die Konservative in mir ihren eigenen Rapper-Reim.

„Ich will hier nicht weg“, heißt ein Titel aus dieser Zeit, eine Liebeserklärung ans Getto. „Kürzlich wurde bei uns im Haus einem der Kopf abgehackt, und im Hausflur liegen auch immer Spritzen rum“, erzählt Xatar im Interview mit dem Magazin „rap.de“. „Es gibt richtige Drecksecken und da wohnen dann auch nur Kanaken und Russen. Ich will dann aber nicht rappen: ,Hier ist alles scheiße. Angela Merkel, ändere das mal.‘“ Er spricht deutsch, mit rheinischem Zungenschlag, aber es ist die Sprache derer, die sich fremd fühlen. Wie viel Hass aufs System steckt in der Liebe zum Getto?

Nicht nur das bürgerliche Lager, auch Multikulti-Profis haben Probleme mit dem blutgetränkten Jargon. Xatar reicht bei öffentlichen Trägern zwei Kulturprojekte für Jugendliche aus sozialen Brennpunkten ein: „Basket ’n’ Rap“ und „Boxen und Rap“. Bonn sei negativ in die Schlagzeilen geraten, weil zwei junge Männer sich den Taliban angeschlossen hätten, sorgt er sich im ersten Satz ums Image der Bundesstadt. Man müsse Kindern und Jugendlichen eine Perspektive bieten, fordert er. Integration, Gewaltprävention, Konfliktmanagement – das Konzept strotzt vor einschlägigen Vokabeln. Aber es schlägt nicht ein.

Wieder spielte eine Institution seinen Ball nicht zurück. Als eine Mädchenshowgruppe vom Brüser Berg bei einem Stadtfest auf der Bühne nach der Musik von Xatar tanzen will, dreht eine Mitarbeiterin des Jugendamts den Ton ab. Gefördert werden Sprechgesänge mit Bekenntnissen zu Integration und friedlicher Vielfalt der Kulturen, ungefilterter Gangsta-Rap gilt nicht als Sozialarbeit.

Seit vergangenem Jahr läuft vor dem Stuttgarter Landgericht der Prozess gegen Xatar, die Anklage lautet auf „schweren Raub und gemeinschaftlichen räuberischen Angriff auf einen Kraftfahrer“. In der Untersuchungshaft gibt es keine Gelegenheit, das verpasste Interview nachzuholen. Seine Mutter, seine Schwester und seine Verlobte dürfen ihn zweimal im Monat für jeweils eine Dreiviertelstunde sehen.

Raed, der Sportsfreund aus Jugendtagen, ist heute ein gefeierter Basketballer. Giwar sitzt im Knast. Gefeiert wird auch er. „Free Xatar“, schreiben seine Fans in ihre Internet-Kommentare zu seinen Musikvideos. Auf Häuserwänden in Brüser Berg steht „Xatar“. Dort, wo die Kreide verblasst war, hat jemand den Strich nachgezogen.

Xatar – ein Leben in Deutschland. Gescheitert an seinem Weg, sich zu integrieren?

Link zur Website, den Facebook- und MySpace-Accounts:
www.xatar-online.de

erstellt am 03.2.2011

Textauszug

Die Welt gehört dir

Von Xatar (zusammen mit KanaKonda)

Xatar:
Fahr mit mir ne Runde und ich zeig dir die Straße
Bleib mit mir ein Tag und du verstehst warum ich hasse
ich seh, wie du blass wirst
Guck wie wir leben,
Guck wie wir Familie und Straße ehren
Bei uns ist es dunkel auch wenn die Sonne scheint,
weil der Bruder an der Straße dealt und seine Mutter weint,
Warum ist die Hälfte der Leute hier im Knast?
Und wenn sie rauskommen, ist dann die andere Hälfte dran!
Warum gibts Verräter und die werden nicht erwischt?
Warum steht dieses junge Mädchen hier am Strich?
Bitte Gott gib mir deine Kraft,
ich weiß wirklich nicht, ob ich das alleine schaff!
Ich habe Angst davor,
dass mein Traum platzt,
für jeden von uns ist ein Platz reserviert im Knast!
Du darfst nicht leben, wie du willst,
außer du lebst hier!
Bei uns sagt man, die Welt gehört dir!

REFRAIN:
Bei uns sagt man, die Welt gehört dir,
Alles oder nix, du hast nix zu verliern.
Du gehörst nicht der Welt,
die Welt gehört dir, die Welt gehört dir, die Welt gehört dir!
Bei uns sagt man, die Welt gehört dir,
Alles oder nix, du hast nix zu verliern.
Du gehörst nicht der Welt,
die Welt gehört dir, die Welt gehört dir, die Welt gehört dir!

KanaKonda:
Die Welt ist schwer,
weil du sie trägst! (yeah!)
Manchmal tut sie weh.
Jeder macht so gut wie's geht,
krumme Dinge, um an die gewünschte Summe zu gelangen,
Para machen, während Rauch in unsere Lungen dringt.
Es sind immer nur die Scheine, die uns quälen
Nur Geld kann unsere Wunden heilen und wir wählen
das System aus und auf das System
machen wir noch ein System drauf.
Und bauen was fürs Leben
Siehst du diese Typen da draußen?
Sag mir, wer von denen dir keine Tüten verkauft?
Manche Frauen waren schon mit 17 auf dem Strich,
Die Frauen lächeln dich an, obwohl sie traurig sind!
Bruda, was gibt mir noch den Halt?
Es sind 30 Grad draußen, doch mir ist einfach trotzdem kalt!
Also Alles oder Nix, du hast nix zu verliern,
es liegt in deinen Händen, denn die Welt gehört dir!

REFRAIN:
Bei uns sagt man, die Welt gehört dir,
Alles oder nix, du hast nix zu verliern.
Du gehörst nicht der Welt,
die Welt gehört dir, die Welt gehört dir, die Welt gehört dir!
Bei uns sagt man, die Welt gehört dir,
Alles oder nix, du hast nix zu verliern.
Du gehörst nicht der Welt,
die Welt gehört dir, die Welt gehört dir, die Welt gehört dir!

Xatar:
Ich seh bruda, du weisst genau, was ich mein.
Mach so viel Para du kannst oder geh rein.
Scheiß drauf, ich leb nur einmal dieses Leben.
Ich werd mir alles nehmen,
Mutter, du musst mir vergeben!
Glaub mir bruda, was hab ich alles schon versucht,
auf und ab, was zum Teufel hab ich bloß gesucht?
Ich werd weiter kämpfen, möge der Schlechtere verliern,
Du gehörst nicht der Welt, denn die welt gehört dir.

REFRAIN:
Bei uns sagt man, die Welt gehört dir,
Alles oder nix, du hast nix zu verliern.
Du gehörst nicht der Welt,
die Welt gehört dir, die Welt gehört dir, die Welt gehört dir!
Bei uns sagt man, die Welt gehört dir,
Alles oder nix, du hast nix zu verliern.
Du gehörst nicht der Welt,
die Welt gehört dir, die Welt gehört dir, die Welt gehört dir!

Text zu

Eine Geschichte

Von Xatar

Hör gut zu, ich erzähl dir… (Genau so)

Hör gut zu, ich erzähl dir von Anfang an,
dieser Junge kommt zu mir, sein Name ist Ramazan.
Er erzählt von fünf Leuten, mit fünf dicken Autos,
mit scharfen Knarren, ich frag ihn, was kann man rausholen?
Er erzählt weiter von glänzenden Felgen,
den Leuten gehts blendend mit Blut an den Händen.
Er will mir sagen, wie sie ihr ,Para‘ machen.
Was juckt mich das, erzähl mir lieber, wo sie schlafen.
Ich rieche Para in der Luft, also was jetzt los?
Redest du nur Scheiße oder kommst du jetzt zum Punkt?
Er sagt: Xatar, du weißt nicht, worum es geht,
es geht nicht um Para, sondern es geht um dein Leben.
Ich sag: Bruda, was erzählst du für ein Scheiß?
Er sagt: Hör zu, Xatar, ich erzähl dir, was ich weiß.
Ich hör zu.
Er sagt, sie haben gehört, du machst Geld,
egal wie laut man bellt, dass Xatar niemals fällt.
Aber Xatar, diese Jungs wolln an dein Kragen,
alles, was du hast, haben.
Ramazan, ruf den Leichenwagen,
stell mir keine Fragen,
es gibt kein Erbarmen,
sag dem Friedhof Bescheid, sie sollen schon mal fünf Löcher graben.
Jetzt wähl die 112, das ist für sie besser.
Ich seh weinende Mütter und blutende Messer.
Heute regnet es Kugeln in der Nacht,
es wird nie wieder gelacht, ihr habt Xatar sauer gemacht.
Ich pack links mein Schlagring, rechts meine Axt,
ich hör nicht auf, bis ich höre, wie dein Schädelknochen knackst.
Wer macht faxen? Sag mir, wer? Es gibt kein Vergeben,
was wollt ihr noch reden? Ich fick euer Leben.
Ich will kein Wort mehr hören, ihr seid jetzt still,
ich piss auf eure Köpfe, jeden Tag, wie ich will.
Und wenn ihr Knarren habt, dann nimmt sie besser mit,
sonst bereut ihr es, während ich euch auf die Fresse geb.
Ich nimm meine Tasche in die Hand, mach den Motor an,
fahre direkt los, ich will fünf Tote an der Hand.
Ramazan hat mir erzählt, in welches Café
sie gehen, zocken um Para und trinken da Tee.
OK, ich ruf die Jungs jetzt gleich an,
fünf volle Autos heut Nacht am ,Heizan‘.
Wir sind gleich da, Schmuck rein in das Handschuhfach,
Handschuh an, Waffen in die Hand, Sturmmaske an.
Ich frag Ramazan: Kennst du die Gesichter?
Glaub mir, wenn wir fertig sind, erkennst du sie dann nicht mehr.
Ruf mein Anwalt an, sag ihm auf die Schnelle,
heute fließt Blut, vielleicht land ich in der Zelle.
Wir sind am Ziel, heute gibt es kein Entfliehen
Strategien, Pläne, Ramazan redet zu viel.
Scheiß drauf, ich steig jetzt gleich aus,
stell mich vor die Tür, meine Jungs hinter mir, ich hol da Fleisch raus.
Hör meine Jungs Bismillah flüstern, wir stürmen rein,
wer von euch Nutten will mein Feind sein?
Alle sind still, ich seh nur Schweißtropfen,
höre Herzklopfen, sag mir, wer wollte boxen?
Wer wollte mein Geld? Ich bin hier, um zu bezahlen,
aber nicht mit Para, ich bezahle euch mit Narben.
Ramazan, sag mir, wer nicht dabei war,
verpisst euch jetzt raus, der Rest, der bleibt da.
Schließt jetzt die Tür, meine Wut macht mich krank.
Ich will Blut in deinem Mund, ich will Blut an der Wand.
Ich geh drauf, höre nur noch Knochen zerschmettern,
jeder von euch muss jetzt sein Kopf dafür blättern,
spürt, wie eure Knie durch meine Tollwut zerfetzn,
jeder von euch Fotzen braucht ein Rollstuhl von jetzt an.
Ich hör Schüsse, wir hauen jetzt ab,
dass heisst, jemand hat sein Leben gelassen im Blutbad.
Wir flüchten durch die Nacht, die Straßen sind noch leer,
Blaulicht und Sirenen kommen aber immer näher.
Wir parken weit weg und gehen jetzt zu Fuß.
Jeder geht sein Weg, und ich krieg ein Anruf.
Was sagt dieser Junge? „Xatar, kennst du noch Ahmad?“
Klar, mein alter Freund, der sitzt seit Jahren im Knast.
Was ist los, kommt er jetzt bald raus oder was?
„Nein Bruda, sein Cousin wurde gerade umgebracht.“

Anm.: „Para“ steht für „Geld“.