Faust-Kultur gehört als unabhängige, nichtkommerzielle Autoren- und Künstlerplattform zu den wenigen Qualitäts-Portalen im Netz. Trägerin ist die Faust-Kultur-Stiftung. Wir arbeiten daran, dass www.faustkultur.de weiterhin eine »Kultur-Oase« im Internet bleibt. Sie können uns dabei unterstützen. Spenden sind willkommen!

Bankverbindung der Faust-Kultur-Stiftung:
Nassauische Sparkasse, IBAN: DE89 5105 0015 0159 0420 01, BIC: NASSDE55XXX

Ich möchte für Faust-Kultur spenden


Untergegangene Berufe sind das Thema eines in aktualisierter Auflage erschienenen Bandes des Wiener Autors Rudi Palla. Nicht weniger reizvoll als Pallas Beschreibungen sind die Illustrationen, die den Zauber des Anachronistischen, Antiquierten auskosten, meint Thomas Rothschild.

Buch

Von Armbruster bis Wagner

Von Thomas Rothschild

Kürzlich haben wir an dieser Stelle daran erinnert, dass, wenn man sich an der Realität und nicht an seinen Wünschen orientiert, vieles dafür spricht, dass der Journalismus als Beruf ebenso aussterben wird wie andere Berufe zuvor ausgestorben sind. Das Material zum Thema liefert ein schöner Band von Rudi Palla, der jetzt in einer schon zum zweiten Mal erweiterten Auflage erschienen ist.

Da findet man sie beisammen – so banale und doch einst unverzichtbare Berufe wie die Amme, den Flößer, den Köhler, den Seifensieder und exotische Berufe wie den Chagrinmacher oder den Feilenhauer. Manche Berufe sind tatsächlich unwiderruflich ausgestorben, wie etwa der Hofnarr, der Landsknecht oder der Leimsieder. Andere, wie der Hutmacher, der Perückenmacher oder der Nachtwächter führen ein Nischendasein. Ist der Klempner tatsächlich ausgestorben oder nur unauffindbar, wenn man ihn benötigt? Regional nennt man ihn Flaschner oder Installateur, aber es gibt ihn noch. Den Lumpensammler nennt man heute nicht mehr so, aber ihn gibt es ebenfalls noch, wenn auch nicht als Beruf – es sei denn, man würde das Einsammeln von Flaschenpfand als Beruf bezeichnen. Der Sesselträger ist in der Tat ausgestorben, der funktionsähnliche Rikschafahrer aber kommt neuerdings in Mode, wo er bisher keine Tradition hatte. Manche Arbeiten, die einst unverzichtbar waren, dienen heute Liebhabern und Sammlern. Das freilich hat die Kosten (und den Wert?) der Arbeit in die Höhe getrieben.

Rudi Palla ist Wiener, und so fällt die Enzyklopädie anders aus, als wenn sie von einem Hamburger oder einem Leipziger zusammengestellt wäre. Der Bandelkrämer gehört ebenso zur Wiener Folklore wie der Dienstmann, dem Hans Moser ewiges Leben verliehen hat, das Wäschermädel oder das Lavendelweib.

Nicht weniger reizvoll als Rudi Pallas sehr unterschiedlich ausführlichen Beschreibungen sind die zum Teil kolorierten Illustrationen, die, wie etwa in den Büchern von Ror Wolf, nicht zuletzt den Zauber des Anachronistischen, Antiquierten auskosten. Ganz nebenbei macht dieses Nachschlage- und Lesewerk bewusst, wie viele Familiennamen Berufsbezeichnungen sind – von Armbruster bis Wagner, von Bogner bis Wollschläger.

Kommentare

Kommentar eintragen









erstellt am 04.4.2015

Rudi Palla
Verschwundene Arbeit. Das Buch der untergegangenen Berufe
Hardcover , 272 Seiten, ca. 100 Abbildungen
ISBN 978-3-85033-826-4
Brandstätter Verlag, Wien 2014

Buch bestellen