Gene Vincent beherrschte den lupenreinen Rock'n'Roll, Rockabilly, Pop-Rock, die Schnulze, den vom Jazz geprägten Song. Frankie Lymons Doo Wop-Repertoire fand vor den Augen strenger Kritiker keine Gnade. Gene Pitney ist ein Schlagersänger, bei dem man den Rock'n'Roll kaum mehr ahnen kann. Thomas Rothschild stellt ihre in neuer digitaler Bearbeitung erschienenen CDs vor.

CD

Doo Wop und Rock'n'Roll

Von Thomas Rothschild

Gene Vincent beherrschte alle Varianten der Popmusik, die zu seiner Zeit, in den fünfziger Jahren, die Teenagerherzen höher schlagen ließen: den lupenreinen Rock'n'Roll, Rockabilly, Pop-Rock, die Schnulze, den vom Jazz geprägten Song. Gene Vincent ist 1971 gestorben. Er wäre heute 80. Aber wenn sein Geist beim Eurovision Song Contest aufträte, würde er die dortige Versammlung ganz schön alt aussehen lassen.

Vor den Augen oder vielmehr den Ohren strenger Kritiker fand Frankie Lymon keine Gnade. Sein Doo Wop-Repertoire, mit dem er die Szene betrat, sei etwas für Minderjährige, primitiver Kitsch, den man nicht ernst nehmen könne. Mag sein, muss man aber auch nicht. Mit ein wenig Humor kann man diesen Songs schon etwas abgewinnen, der hohen Mädchenstimme des dreizehnjährigen Lymon, den Arrangements seiner Background-Sänger. Sie sind innerhalb der Popmusik, was ein Well Made Play innerhalb der Dramatik ist: routinierte Unterhaltung. Immerhin hat ein Bob Dylan in seiner „Theme Time Radio Hour“ auch Frankie Lymons bekanntesten Song „Why Do Fools Fall In Love“ neben Muddy Waters, Louis Armstrong und Duke Ellington gewürdigt.

Auf seiner zwei Jahre später, 1958 erschienenen LP bewies Frankie Lymon dann, dass er auch ein veritabler Rock'n'Roller ist. Seine Coverversionen von Elvis Presleys „Jailhouse Rock“ oder von „Wake Up Little Susie“ von den Everly Brothers, aber auch von Hits wie Paul Ankas „Diana“ haben nichts von ihrem Reiz verloren. „Short Fat Fannie“ von Larry Williams deutet auf die Tradition, in der sich Frankie Lymon hier sieht: der Text besteht aus den Titeln von Rock'n'Roll-Klassikern von „Long Tall Sally“ über „Heartbreak Hotel“, „Hound Dog“ und „Blue Suede Shoes“ bis „Tutti Frutti“. Auf einer CD sind die beiden so unterschiedlichen LPs und dazu sechs Bonus Tracks enthalten. Frankie Lymon wurde nur 25 Jahre alt. Er gehört zu den ersten Drogentoten der Rockgeschichte. Wer sich für biographische Details interessiert, wird in den Beiheften zu den CDs von Gene Vincent und Frankie Lymon gut bedient (in englischer Sprache, versteht sich).

Mit Teenage-Kitsch lassen sich am ehesten die Songs von Gene Pitney kennzeichnen. Überarrangierte Instrumentalbegleitung, sentimentale, honigsüße Melodien – das ist sein Markenzeichen. Als typisch kann ein Text wie dieser gelten: “There's nothing like going to church on Sunday with the girl you love”. Seinem Erfolg konnte das nichts anhaben. Und das ein paar Jahre nach Gene Vincent und Frankie Lymon, als sich bereits die Beatles und die Rolling Stones ankündigten. Von hier nach Sanremo führt ein gerader Weg. Als Gene Pitney bei diesem Wettbewerb reüssierte, hatten sich die Wege von Pop und Rock getrennt. Gene Pitney ist ein Schlagersänger. Den Rock'n'Roll kann man bei ihm kaum mehr ahnen. Immerhin sind ihm mit Songs wie „Mr. Moon, Mr. Cupid And I“ oder dem sehr schlichten „Hello Mary Lou“ ein paar Ohrwürmer gelungen, auch mit dem effektvollen „Every Breath I Take“, das ihm gelegentlich zugeschrieben wird, das aber von Carole King und Gerry Goffin stammt.

Kommentare

Kommentar eintragen









erstellt am 15.3.2015

Gene Vincent
The Crazy Beat Of Gene Vincent
CD
Hoodoo/in-akustik 263509

CD bestellen

Frankie Lymon & The Teenagers plus Rock'n'Roll
CD
Hoodoo/in-akustik 263512

CD bestellen

Gene Pitney
Only Love Can Break A Heart plus The Many Sides of Gene Pitney
CD
Hoodoo/in-akustik 263508

CD bestellen