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Vierteljählrich erscheint eine neue Weltempfänger-Bestenliste, aus der die Geschäftsleiterin von Litprom, Anita Djafari, ihren favorisierten Buchtitel auswählt und den Faust-Lesern vorstellt.

Der neue Roman der jungen Israelin Ayelet Gundar-Goshen handelt von Etan, dessen vermeintlich wohlgeordnetes Leben plötzlich auf den Kopf gestellt wird. Der Autorin gelingt es hervorragend, eine spannende Geschichte mit ständig neuen unerwarteten Wendungen zu erzählen, meint Anita Djafari.

Anita Djafaris Buchtipp

Ayelet Gundar-Goshen »Löwen wecken«

Weltempfänger Nr. 26 – Platz 2

Ich bin begeistert vom Roman der jungen Israelin Ayelet Gundar-Goshen „Löwen wecken“, auf Platz 2 des aktuellen Weltempfängers.

Etan, ein angesehener Neurochirurg, verheiratet, zwei gesunde Kinder, schönes Haus, mit ein paar „normalen“ Problemen, dreht eines Nachts nach einem anstrengenden Dienst noch eine Runde mit seinem SUV, um sich abzureagieren und überfährt einen Eritreer, einen illegalen Flüchtling. Sehr schnell erkennt er, dass er ihm nicht mehr helfen kann, sehr wohl aber sich selbst: Er begeht Fahrerflucht. Am nächsten Morgen steht eine Afrikanerin vor seiner Tür mit seinem Pass in der Hand und sagt: „Er war mein Mann.“ Sie macht Etan einen ungewöhnlichen Vorschlag, auf den er eingeht, weil ihm nichts anderes übrig zu bleiben scheint.

Es ist dieser Moment, der ein vermeintlich wohlgeordnetes Leben plötzlich auf den Kopf stellt. Etan kann es seiner Frau nicht sagen, obwohl er es gerne täte. Aber wie steht er dann da? Vor sich selbst, vor seiner Familie. Er wäre, er ist nicht mehr der, der er (für sie) war. Zudem ist seine Frau als Kriminalkommissarin mit dem Fall betraut, sie unterhalten sich im Wohnzimmer darüber. Und er lässt sich von der Afrikanerin erpressen, die ihn zwingt, Nacht für Nacht illegale Flüchtlinge zu behandeln. Zuhause erzählt er etwas von zusätzlichen Schichten in der Klinik und erklärt damit seine Müdigkeit und häufige Abwesenheit.

Der Autorin gelingt es hervorragend, eine spannende Geschichte zu erzählen mit ständig neuen unerwarteten Wendungen. Die Figuren sind alle differenziert ausgeleuchtet, es gibt kein eindeutiges gut oder böse, schuldig oder nicht schuldig, schwarz oder weiß. Sobald man ein Klischee zu entdecken glaubt, ist es auch schon wieder aufgelöst. Ständig wird der Leser überrascht, bis hin zu einem völlig unerwarteten Ende.

Der Roman spielt in Israel, aber das Drama, das sich hier abspielt, könnte überall und jedem von uns passieren. Und die Fragen, die es aufwirft, gehen uns alle an. Vielleicht hallt dieses Buch deshalb so lange in mir nach.

Die Autorin ist übrigens gerade in Deutschland auf Lesereise, u. a. nächste Woche auf der Leipziger Buchmesse zu sehen.

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erstellt am 04.3.2015

Ayelet Gundar-Goshen, Foto: omanut.ch
Ayelet Gundar-Goshen, Foto: omanut.ch

Ayelet Gundar-Goshen
Löwen wecken
Roman. Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama
Hardcover, 432 Seiten
ISBN: 978-3-0369-5714-2
Kein & Aber, Zürich 2015

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