Ricardo Domeneck, Herausgeber von Hilda und Lyriker zwischen Brasilien und Berlin, nähert sich mit angemessener Vorsicht einem Feld, das viel zu lange als ausschließlich portugiesisches beschrieben worden ist. Aber Brasilien ist älter und jünger als die Geschichte portugiesischer Kolonisierung, vor allem ist dessen Lyrik pluralistischer. Diese Vielfalt verfolgt der Autor im ersten Teil seines Beitrags, der die Reihe Babelsprech.International unter der Betreuung von Max Czollek und Max Oravin fortsetzt.

Lyrik

Zeitgenössische brasilianische Dichtung

Erster Teil

Von Ricardo Domeneck

“We shall eat your dead father, the Maï repeated and repeated.
They shall cook me in a stone pot, the Maï said.
They shall eat me once again in the inside-out sky, they said.”
“Song of the blossoming chestnut tree”, gesungen von Kãñïpaye-ro,
Dichterschamane der Araweté, aufgezeichnet von Eduardo Viveiros de Castro.
Meine Fassung, nach Castros portugiesischer Übersetzung.
Die Maï sind Gottheiten der Araweté.

Artikel dieser Art beginnen oft mit einer Reihe von Klauseln, Versuchen, seinen Auswahlvorgang zu verteidigen, der stets gewaltsam ist. Wer mit der Vergangenheit arbeitet, kann Zuflucht in den kanonischen Entscheidungen vergangener Generationen finden. Die Praxis seiner Zeitgenossen abzuhandeln bedeutet jedoch, unsteten Grund zu betreten, zwischen tektonischen Platten zu balancieren.

Eines der großen Probleme einer solchen Aufgabe ist, dass Brasilien, ein Land von kontinentalen Ausmaßen, von uns selbst und von anderen gerne als „Einheit” gesehen wird. Eine Sprache, eine Kultur, ganz in der Art, in der wir auf andere kontinentengroße Länder wie Russland oder China schauen, die Unzahl von „unbedeutenden” Sprachen vergessend, ungeschützt vom offiziellen Status, die „Anderstradition” verbergend, wenn man mir das seltsame Sprachkonstrukt erlaubt.

Das scheint mir besonders in meiner gegenwärtigen Aufgabe unerträglich zu sein, wenn ich an Brasilien denke, ein Territorium, in dem niemand so effizient ist wie die Bewahrer des Status Quo. Anders als das in eine Vielzahl von Republiken zerbrochene hispanische Amerika ist Brasilien ein Nationalstaat, der in seinem Territorium nach der Unabhängigkeit von Portugal einheitlich geblieben ist, denn jeder einzelne Aufstand und jede einzelne Revolution wurde von einer zentralisierten Regierung gnadenlos niedergeschlagen. Wenn man mich in Diskussionen außerhalb des Landes fragt, warum Brasilien ein solches Bild von Frieden genießt, wo ich doch selbst fortwährend von seiner Gewalt spreche, sage ich für gewöhnlich, dass dieses Phänomen deshalb besteht, da nach jedem Fall von Rebellion niemand am Leben geblieben ist, davon zu erzählen.

Ich habe einmal über dasselbe Thema geschrieben, dass man der Gefahr nicht erliegen darf, zeitgenössische brasilianische Dichtung auf eine Weise zu diskutieren, als hätten „zeitgenössisch”, „brasilianisch”, und „Dichtung” eine Art von quidditas, eine gegebene Essenz, auf die sich alle einigen können. Nur um dieses fiktive „Brasilianischsein” zu erwähnen: Mário de Andrade, ein wichtiger modernistischer Dichter und Theoretiker aus São Paulo in Südbrasilien, hat einmal ein Gedicht über einen Mann geschrieben, der im Norden lebt und gerade von der Arbeit nachhause gekommen ist. Das Gedicht mit dem Namen „Discovery” endet mit der Zeile: “This man is as Brazilian as I am”. Aber ist jede Erfahrung im Territorium gleich brasilianisch wie die andere? Carlos Drummond de Andrade (1902 – 1987) hatte das bereits in einem Gedicht namens “National Anthem” aus seinem ersten Buch hinterfragt. Er schreibt in den letzten Zeilen:

“Our Brazil is in another world. This is not Brazil.
No Brazil exists. Would Brazilians however exist?”

Und wenn sie existieren, wann haben sie damit begonnen? Nimm ein beliebiges Schulbuch über brasilianische Literatur und die Antwort wird 1500 sein, das Jahr der „Ankunft” der Portugiesen, die ich hier gerne als Invasion der Portugiesen verstanden wissen möchte. Diese Wahl ist politisch und eindeutig: Brasilien und die Brasilianer, und demnach brasilianische Dichtung, entstehen auf Portugiesisch und drücken sich in Portugiesisch aus.

Aber das bringt uns zurück zum Problem einiger Stimmen inmitten des großen Schweigens. Entweder behandeln wir die brasilianische Literaturtradition als im Jahr 1822 beginnend, als das Land von Portugal unabhängig wurde, oder wir müssen die Zeichenproduktion in diesem Territorium bis zu ihrem Anfang zurückverfolgen. Immerhin beginnt deutsche Dichtung nicht im Jahr 1871. Erneut sind wir mit einer Entscheidung konfrontiert, die nicht nur literarisch ist, sondern auch politisch.

Megalomanisch? Vielleicht – aber als politische Entscheidung

“This is not literary criticism, Ricardo. This is anthropology.”
ein brasilianischer Dichterfreund als Reaktion auf die erste Fassung dieses Artikels.

Das, was Jerome Rothenberg in seinem kritischen Werk in den Vereinigten Staaten Ethnopoetics genannt hat, hat in Brasilien erst in den letzten Jahrzehnten Nachfolger gefunden. In Anthologien wie “Technicians of the Sacred” (1968) und “Shaking the Pumpkin” (1972) sammelte Rothenberg Dichtung alter Kulturen wie den Maya und den Ägyptern neben Dichtung der indigenen Kulturen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts und erzeugte Parallelen zwischen deren Sprachkunstpraktiken und jenen unsere historischen Avantgarde, was uns die wahre Bedeutung dessen, was Tradition jenseits unserer romantischen Vorstellungen des „Nationalen” sein kann, ebenso aufzeigte wie das, was wahre historische Synchronizität für unsere literarischen Studien bedeuten kann.

Es ist wichtig, dies zu erwähnen, denn wenn immer ich beginne, einige der portugiesischsprachien Dichter und dichterischen Praktiken im heutigen Brasilien zu diskutieren, muss klar sein, dass einige Traditionen indigener Sprachen noch aktiv sind, ums Überleben kämpfend, und dieser Artikel hat sie alle zum Schweigen gebracht.

Zeichen am Land

“La nature est un temple où de vivants piliers
Laissent parfois sortir de confuses paroles
L’homme y passe à travers des forêts de symboles
Qui l’observent avec des regards familiers.”
Charles Baudelaire, “Correspondances”

Das Territorium, das wir heute als Brasilien kennen, ist seit mindestens 10.000 Jahren bewohnt. Die ältesten menschlichen Knochenfunde im Land gehörten zu einer Frau, genannt Luzia, datiert auf ein Alter von rund 11.000 Jahren.

Diese frühen und ursprünglichen Bewohner haben uns erste „Zeichen” hinterlassen, ins Territorium eingeschrieben. Einer meiner persönlichen Favoriten dieser frühen Zeichen ist ein Bild in Serra da Capivara, das Romantiker (wie ich es einer bin) den „Kuss” genannt haben.

Urne der Marajoara-Zivilisation, 1000-1250 AD, American Museum of Natural History.
Urne der Marajoara-Zivilisation, 1000-1250 AD

Auf der Insel Marajó entwickelte sich die Marajoara-Zivilisation irgendwann zwischen den Jahren 800 und 1200 und ließ kunstvolle Artefakte zurück, bevor sie verschwand. Wir wissen sehr wenig über sie.

In den 1980ern wurden, durch rapide Entwaldung im Amazonas, hunderte Geoglyphen sichtbar, die jahrhundertelang unter den Bäumen verborgen geblieben waren. An Baudelaires Zitat denkend könnte man sie, anstatt von einem „Zeichenwald”, von „Zeichen unter dem Wald” sprechen. Einige wurden auf ein Alter von 2000 Jahren datiert, und niemand konnte bislang sicher sagen, welche Kultur sie hervorgebracht hat oder welchen Zweck sie erfüllten.

Diese Geoglyphen sind nicht nur angemessene Bilder für die verborgenen früheren Traditionen im brasilianischen Territorium, sondern auch für die verborgenen Traditionen unserer Zeit.

Zur Zeit der portugiesischen Invasion im Jahr 1500 wurden hunderte Sprachen im Territorium gesprochen, jede mit ihrer eigenen Dichtung und Kosmogonie. Heute haben etwa 250 dieser Sprachen überlebt, die jedoch zu den bedrohtesten der Welt gehören. Einige werden nur noch von einer Handvoll Überlebender gesprochen.

Diese Traditionen jedoch, verborgen in den autochthonen Sprachen des Landes, sind sogar uns selbst verborgen, hauptsächlich aufgrund unserer historischen Mangels an Interesse und Respekt für diese Kulturen.

Einige Fragmente der Ruinen, die wir ihnen abgerungen haben

Erst seit kurzem haben wir besseren Zugriff auf die dichterische Tradition einiger weniger autochthoner Kulturen. Wenn ich meine Diskussion gegenwärtiger brasilianischer Dichtung mit diesen Texten beginne, heißt das nicht, dass ich sie als „präkolumbianische” Kunst, als „vor-dem-Jetzt” verstanden wissen möchte. Diese Gedichte und Lieder wurden in den letzten dreißig Jahren gesammelt, gesungen von Dichtern, die unsere Zeitgenossen sind.

Auch will ich nicht mit der gefährlichen assimilatorischen Mentalität arbeiten, die so verheerend für die autochthonen Bewohner des Territoriums gewesen ist, eine offizielle Herangehensweise, die glaubt, die brasilianische Urbevölkerung sollte in die „allgemeine” brasilianische Kultur assimiliert werden, um schließlich zu verschwinden. Mein Zugang ist es, etwas aus der Vielfalt eines Landes zu zeigen, das sich in Trennungen verschanzt.

Und alles, was ich hier tun kann, ist, einigen Übersetzungen Anerkennung auszusprechen, die uns ein paar dieser Traditionen nähergebracht haben. Ein für mich wichtiger Text ist das Lied, aus dem ich das Epigraph dieses Artikels entnommen habe, gesungen von Kãñïpaye-ro, einem Dichter der Araweté, aufgezeichnet von Eduardo Viveiros de Castro in den 1980ern. Viveiros de Castro behandelt die Sprache und Kosmogonie der Araweté in seinem Buch “From the Enemy’s Point of View: Humanity and Divinity in an Amazonian Society”. Der brasilianische Dichter Antônio Risério, eine wichtige Gestalt für brasilianische Ethnopoesie, behandelt die Poetik des Liedes ausführlich in einem Artikel namens “Cannibal Words”: besonders seine Polyphonie, die als Fundament für unsere Poetik in den polyphonen Werken einiger Avantgardeschriftsteller wahrgenommen werden kann. Es findet eine stete Verschiebung der Stimmen statt, zeitweise vom Dichter gesprochen, zeitweise von den Göttern, zeitweise von toten Familienmitgliedern des Dichters.

Charles Bicalho hat an Liedern der Maxakali gearbeitet und diese übersetzt, wie etwa den “Sacred Song of the Leaf”, der mit einer enormen Ökonomie der Mittel komponiert ist. Das Liedgedicht, das die Maxakali in ihrer Sprache yãmîy nennen, verschmilzt seine Rhythmen mit den Bewegungen der Natur selbst, in einem Zyklus steter Erneuerung und Wiederholung. Die Bewegungen des Blattes und des Gedichts sind miteinander verbunden:

hu yu yux
hu yu yux

leaf comes
flying with
yãmîy comes
falling with

leaf comes
flying with
yãmîy comes
falling with

hu yu yux
hu yu yux

Andere unschätzbare Bemühungen beinhalten die Arbeit von Pedro Cesarino, der kürzlich eine Übersetzung des “Yawa shõka”, oder “Song to attract wild pigs” der Marubo.

Bruna Franchetto arbeitet derzeit an Übersetzungen der weiblichen Lieder der Kuikuru, und Douglas Diegues, ein bedeutender brasilianischer Dichter, der nahe der Grenze von Brasilien und Paraguay lebt, wo die Guaranisprache noch von einem bedeutenden Teil der Bevölkerung gesprochen wird, hat kürzlich seine Übersetzung des “Ayvu Rapyta” veröffentlicht, eines langen und wortgewaltigen Gedichtes der Mbya Guarani.

Brasilianische Dichtung hat sich diesen Traditionen nicht völlig verschlossen. Der bedeutendste brasilianische Dichter des 19. Jahrhunderts, Joaquim de Sousândrade (1832 – 1902), vertiefte sich in die amerindianischen Kosmogonien, um sein Epos “O Guesa” (1884) zu schreiben, dessen berühmtester Gesang das höchst experimentelle “Wall Streets Inferno” mit seiner babylonischen Sprachpolyphonie ist.

The Wall Street Inferno (1884)excerpts
Joaquim de Sousândrade, translated by Odile Cisneros.

1.
(Guesa, having traversed the West Indies, believes himself rid
of the Xeques and penetrates the New-York-Stock-Exchange;
the Voice, from the wilderness:)
– Orpheus, Dante, Aeneas, to hell
Descended; the Inca shall ascend
= Ogni sp’ranza lasciate,
Che entrate…
– Swedenborg, does fate new worlds portend?

2.
(Smiling Xeques appear disguised as Railroad-managers,
Stockjobbers, Pimpbrokers, etc., etc., crying out:)
– Harlem! Erie! Central! Pennsylvania!
= Million! Hundred million!! Billions!! Pelf!!!
– Young is Grant! Jackson,
Atkinson!
Vanderbilts, Jay Goulds like elves!

109.
(At the roar of Jericho, Hendrick Hudson runs aground; the
Indians sell the haunted island of Manhattan
to the Dutch:)
– The Half-Moon, prow toward China
Is careening in Tappan-Zee…
Hoogh moghende Heeren…
Take then
For sixty guilders … Yeah! Yeah!

110.
(Photophone-stylographs  sacred right to self-defense:)
– In the light the humanitarian voice:
Not hate; rather conscience, intellection;
Not pornography
Isaiah’s prophecy
In Biblical vivisection!

118.
(Apocalyptic visions… slanderous ones:)
– For, ‘the Beast having bear’s feet,’
In God we trust is the Dragon
And the false prophets
Bennetts
Tone, th’ Evolutionist and Theologian!

175.
(Practical swindlers doing their business; self-help Atta-Troll:)
Let the foreigner fall helpless,
As usury won’t pay, the pagan!
= An ear to the bears a feast,
Caressing beasts,
Mahmmuhmmah, mahmmuhmmah, Mammon.

Diese Versuche eines Dialogs haben ihre Spur auch in den Werken von Raul Bopp (1898 – 1984) und Oswald de Andrade (1890 – 1954) hinterlassen, zwei bedeutenden Modernisten aus der Gruppe von 1922. Unter zeitgenössischen Dichtern hat, außer Douglas Diegues (geb. 1965), auch Sérgio Medeiros (geb. 1959) mit diesen Traditionen in seiner Dichtung gearbeitet, wie etwa in seinem Buch “Totens” (2012) und in seiner Übersetzung des “Popol Vuh” der Maya. Das Wort „Totem” hat einen mächtigen Klang in brasilianischen Poetiken, zurückgehend auf Oswald de Andrade, der in seinem “Anthropophagic Manifesto” geschrieben hat:

“The permanent transformation of tabus into totems”

André Vallias scheint dem kürzlich in seinem Klang- und Bildgedicht “Totem” gefolgt zu sein, das die zahlreichen Stämme aufzählt, die gegenwärtig in Brasilien ums Überleben kämpfen, gegen die genozidhaften Industrialisierungspläne der brasilianischen Regierung.

Die heutigen Verbrechen der brasilianischen Regierung gegen die indigene Bevölkerung haben einige Intellektuelle und Schriftsteller auf deren Traditionen aufmerksam gemacht. In einer kürzlich erschienen Anthologie wurde zum erstem Mal eine Reihe amerindianischer Lieder neben anderen brasilianischen Dichtern gesammelt, unter anderem Texte der Araweté, der Bororo, der Kashinawá, der Marubo, der Mbya Guarani und der Maxakali. Aber es gibt mit Sicherheit noch viel zu tun.

Stimmen heben sich inmitten des Völkermords

Während es emsig den von den Portugiesen begonnenen Genozid an den Amerindianern fortführte, begann Brasilien bereits sein nächstes genozidales Unternehmen und wurde zum Land, das weltweit die meisten Afrikaner entführte und versklavte. Kein amerikanisches Land hatte eine größere Sklavenpopulation: Statistiken sprechen von einer Anzahl von drei bis fünf Millionen Männern und Frauen. Die Vereinigten Staaten zum Beispiel entführten und versklavten eine halbe Million. Diese Afrikaner, aus verschiedenen Völkern stammend, brachten ihre Sprachen, ihre Dichtung, Tänze und Götter mit sich. Es ist ihnen zu verdanken, dass unter der monotheistischen Oberfläche des Landes noch immer der Polytheismus ihrer Vorfahren gärt.

Inmitten der Schrecken der Sklaverei gaben sie dem Land nicht nur einige seiner stärksten volkstümlichen Traditionen, sondern hinterließen ihre Spur – bereits im 19. Jahrhundert – in der Literatur, wie in den Gedichten von Cruz e Sousa (1861 – 1898), eines Sklavensohns, aus dem einer unserer bedeutendsten symbolistischen Dichter wurde, vergleichbar zu seiner Zeit nur mit Sousândrade; und im großartigen Machado de Assis (1839 – 1908), für viele der bedeutendste Schriftsteller, der je in Brasilien geboren wurde – ein Enkel von Sklaven.

Die gesungene Dichtung Brasiliens ist ohne ihren Beitrag undenkbar. Einige der kulturellen Ausdrücke, die heute am engsten mit dem Land assoziiert werden, entstammen aus ihrer Erfahrung – die Religion des Candomblé, die verschiedenen Musikstile wie Samba and Choro. Und doch waren die meisten dieser dichterischen und kosmogonischen Ausdrucksformen bis in die 1930er-Jahre in Brasilien gesetzlich verboten. Die Sambadichter, wie wir sie nennen, gaben uns eine moderne mündliche Tradition, die bis heute unsere Poetik belebt. Ich muss hier drei von ihnen erwähnen: Noel Rosa (1910 – 1937, ein Weißer), und den großen Angenor de Oliveira (1908 – 1980), besser bekannt als Cartola; und Antonio Candeia (1935 – 1978), besser bekannt als Candeia, die nicht nur große Musiker waren, sondern auch mündliche Dichter mit Raffinesse, Ironie und Perfektion.

Cartola, “O Mundo é um Moinho/The World is a Mill”

It is still early, love
You have not yet begun to know life
And you announce it´s departure time
Not knowing what path will guide you
Heed my words, darling
Though I know you made up your mind
In every corner falls a little of your life
And soon you shall not be who you are
Pay attention, dear
The world is a grinding mill
It will crush your petty dreams
Reduce your illusions to smithereens
Pay attention, my sweetheart
From each love you shall inherit just cynicism
Before you know it, you will face the abyss
An abyss you carved with your own feet

In den gegenwärtigen Praktiken spürt man das Erbe der afrikanischen poetischen Tradition unter anderem in den Werken dreier Dichter: Ricardo Aleixo (geb. 1960), Edimilson de Almeida Pereira (geb. 1963) und Leo Gonçalves (geb. 1975).

Aleixo ist einer der bedeutendsten Performance- und Sounddichter im heutigen Brasilien, der sowohl aus der Konkreten Dichtung der 1950er als auch der Avantgarde der internationalen Soundpoesie schöpft, worin er in den letzten Jahren seine Sensibilisierung für die afrobrasilianischen Traditionen von Performance und mündlicher Textschaffung gewebt hat. Das Ergebnis ist für mich eines der stärksten Beispiele der Synchronizität, die sich durch die verschiedenen Traditionen bewegt: durch die Körper der Dichter. In “Poemanto/Poemantle” performt er, gekleidet in einem Mantel, den er selbst mit Wörtern seiner Texte  genäht hat, ein Ritual, das brasilianische Dichtung sowohl mit den afrikanischen Traditionen als auch den avantgardistischen Performancepraktiken der 1960 wiederverbindet. Das verbindet ihn auch mit dem großen brasilianischen Künstler Arthur Bispo do Rosário (1925 – 1989).

Schlangenkopf
Ricardo Aleixo

die schlange verschlingt den eigenen schwanz. die schlange denkt, sie verschlinge den eigenen schwanz. die schlange denkt ja nur, dass sie den eigenen schwanz verschlingt. die schlange verschlingt den eigenen schwanz, der denkt. die schlange ver­schlingt den eigenen schwebenden schwanz. die schlange denkt, der eigne schwanz schlingt. die schlange denkt mit dem eigenen kopf. die schlange träumt, sie simu­liere ihr eigenes zischeln. die schlange träumt, eine andre schlange zu sein, die den eig­nen traum und das zischeln nur simuliert. die schlange denkt und zischelt hinein in den dschungel. die schlange träumt, sie denke, und denke im traum, dass schlangen träumen. die schlan­ge denkt, sie träume und im traum denkt sie, dass schlangen denken. die schlange verschlingt, ohne zu denken, das, was ihr gelingt. die schlange denkt, sie verschlingt ihre eigene ur­sache. die schlange denkt und schlingt in eigener sa­che. die schlange verschlingt nur, was sie denkt. die schlange denkt, dass sie denkt, und verschlingt, was sie denkt. die schlange verschlingt, was sie denkt und verschlingt. die schlan­ge denkt, was die schlange denkt. solange denkt sich die schlange als schlan­ge. die schlange denkt sich, so­lange sie ist, was sie denkt. die schlange denkt, was schlan­gen denken. die schlange verschlingt, was die schlange denkt. die schlange verschlingt, was schlangen verschlingen. die schlange ver­schlingt, was ihr gelingt. die schlange denkt, sich zu ver­schlingen. die schlange schlingt ohne zu denken, was ihr gelingt. die schlange verschlingt ohne zu denken, was sie ver­schlingt oder was ihr gelingt. die schlange verschlingt, was sie verschlingt. die schlange schlingt, solang es ihr gelingt. die schlange denkt nur das wort schlange nicht. die schlange schluckt das wort schlange nur nicht. der schlange gelingt, was ihr gelingt, ohne worte. die schlange verschlingt, was ihr gelingt, ohne angemesse­ne worte. die schlange misst von hinten bis vorn den eigenen kopf. die schlange vollstreckt das eigene ur­teil. die schlange verschlingt den eigenen kopf.

(Deutsche Fassung von Barbara Köhler. Die Übersetzung entstand im Rahmen des Übersetzungsworkshops Versschmuggel des Poesiefestivals Berlin 2012)

Edimilson de Almeida Pereira ist einer der bedeutendsten Professoren und Erforscher der afrobrasilianischen Dichtungstradition, und sein Werk, in dem er sowohl aus dieser Tradition als auch aus den Melopea-basierenden Praktiken des zwanzigsten Jahrhunderts schöpft, gehört zum stärksten im Land.

Gedichte von Edimilson de Almeida Pereira:

Visitation

The horse of all questioning will bend my body
to the ground. Perhaps your reason and sadness
will comfort me. Once the sun burned; now
it murmurs a lament of flame and cloud. Your life
is no longer and forever settled on the beginning
of the world. I am the horse and also its negation.
Your peace leaves me apprehensive. Your head
spins, your baggage of changeable mirrors: you
didn’t even come out, O know one on speaking legs.

Destinations

Time dealt the cards on the policemen’s ribs. No, there
is no truth – only hypocrisy and violate clay. I turned
myself into a dog in the red dawns. And there I felt
the misery of the impossible forms. Demons are as
impersonal as masks of ash. I will turn into mercy
first, and then into reckless abandon. Destiny amuses
me, my feather of sunflowers lacerates me.

Praying Mantis

The hunter prays for the visceras’s innocence. Prays
to me, creator of the world, bruising and adored prince.
For whom sacrifices are little comfort. The piece of the
last vegetable request your prayers – the last piece,
remember. My thirst is the promise: O hunter! O hunter!
Are you not my sacrifice? Give me your suffering. The
lit bones of purification.

Circle of singers

To hear in your whirling and return the force that speaks to us:
only one was lost; this is how we came.

Who else? The rhythm recovers us; the one which is the most
behind will be the one least absent. Your other life rolls in
this brief one. Your body over our soul dances until it bursts.

The dancer

Time above the banners.
What remains is the fire and shining,
always a risk.

The pain does not threaten the body.
The sweat is old, and life
advances toward the morning.

Time and its heel
are mysterious the way my steps
are my body’s celebration.

I recite the religion of calluses.

Leo Gonçalves, geboren 1975 (alle drei Dichter wurden im Bundesstaat Minas Geiras geboren), führt diese Tradition in meiner Generation fort, indem er Text-, Performance- und Sounddichtung produziert, nebst einem wachsenden Korpus an Übersetzungen ins Portugiesische von Dichtern wie Aimé Césaire, Edouard Glissant, Birago Diop und Tchicaya U Tam’si.

Language of Aruanda
Leo Gonçalves

my grandmother who was the daughter of a daughter
my grandmother who was the grandma of a grandma
stuttered and sang as a young girl
a song lost in the farthest away
a song that I myself still sing by heart
not knowing what it means
unsure if I sing it right
I know that when I sing
my body hums
my blood flows
and there isn’t an evil eye that survives
this ancient song
that my ancestors carved in the echo
of my grandparents’ voices

(übersetzt von Dan Hanrahan)

Performance: Stimme und Körper, Präsenz und Video

Da die Wurzeln der Performance brasilianischer Dichter in den Herzen unterworfener Völker liegen, der Amerindianer und der Afrikaner, mag es nicht überraschen, dass sie eine Kraft im Untergrund der gegenwärtigen Praktik verbleibt. Unterstützt von der iberischen Tradition der Troubadours hat sie eine der lebendigsten mündlichen Traditionen in den Amerikas erschaffen, von der Repentista-Tradition im Nordosten zu den Sambadichtern Rio de Janeiros, Belo Horizontes, Salvadors and São Paulos reichend. Debatten darüber, ob die gesungene Dichtung des Landes als „Literatur” verstanden werden sollen, langweilen uns bis heute zu Tode. Doch mit dem Aufkommen des Internets ändert sich die Lage deutlich. Ricardo Aleixo und Leo Gonçalves, im vorigen Abschnitt erwähnt, arbeiten in diesem Bereich. Marcelo Sahea (geb. 1971) ist ein weiteres Beispiel eines Dichters, der das Textfeld durch Sound und Performance bearbeitet hat. Dichter, die in den 1980ern geboren sind, verbünden sich langsam mit diesen anderen Stimmen und markieren einen klaren kritischen Sprung in der dichterischen Praxis und Wahrnehmung. Brasilianische Videokünstler aus den 1960ern und 1970ern werden wiederentdeckt und zum Referenzpunkt für die Dichter, wie im Fall von Letícia Parente (1930 – 1991) und Geraldo Anhaia Mello (1955 – 2010).

Dichter wie Marília Garcia (geb. 1979), Érica Zíngano (geb. 1978), Reuben da Cunha Rocha (geb. 1984), Tazio Zambi (geb. 1985), Luca Argel (geb. 1988) und Victor Heringer (geb. 1988) haben mündliche Dichtung mit Videounterstützung hervorgebracht. Dichtung als Genre wird in einigen Fällen zunehmend unbestimmbar. Ihre Praktiken reichen von der Vokalisierung von dem, was ich „analytischen Lyrizismus” nennen möchte, wie bei Garcia und Zíngano, bis hin zu konzeptuellen Gedichten wie “Ficção” von Luca Argel.

[Caliban:]
In the midst of a tempest, on the top of a mountain, Shakespeare created the word “dream.”
Before him, men dedicated time to interpreting them, the dreams, not the word “dream.”
Men also used to incubate dreams to foresee the future – men´s future, not of dreams nor of the word “dream.”
Some say Shakespeare made things even more confusing by inventing the word “dream.”
Some say the opposite.

If men had foreseen the future of the word “dream,” they would have seen
the lottery,
the jackpot,
the sweepstakes,
the Hot Lotto,
the MegaDollars,
the gambling in Vegas: a probable tempest.
And they would say: thus is the life of men, not the life of dreams nor of the word “dream.”

The word “dream” when read in a specific frequency, sounds like this: Sound of the word “dream” as interpreted by a program converting image into sound (Pause) It is clear that the word “dream” (not the dreams or men) does not sound good. Nobody using the word “dream” nowadays goes unpunished. Some say it is kitsch. Books and poems with the word “dream” in their title sell badly. To survive, their authors try the lottery, the jackpot, the sweepstakes, the Hot Lotto, the MegaDollars, gambling in Vegas. The candy called Dream sells well because it is edible.

[Choir]
Mom used to read the future in sugar.
Mom ate mud.
How beautiful our mountain was!
Caliban wants to know why men applaud the sunset
and change the course of rivers.
(…)

z) since the invention of trains things have been far ahead of words:
no + use calling them by name <<< to grasp sm thng in the sea of
transgenic gello of the real it would be necessary to give up vanity
which is labeling stamping cardboard boxes in alphabetical order <<<
instead look at what they are how they smell function these
terrestrial bodies territories tumults in each rotation out of thmslvs
<<< see thngs as they are: forever unknown <<< that christian marclay
track made solely of vinyl crackling processed eletrnkll <<< in “more
encores” he manipulates vinyls e.g. from strauss chopin john zorn
louis armstrong jimi hendrix maria callas and overlays instigatingly
2ways of hearing causing the listener to oscillate <<< fluctuations in
perception´s tone <<< to hear how the bee´s thousand eyes see <<<
octopus vibrations <<< to tell the truth, i spent years listening to
alva noto (the german visual/sound artist) thinking it was japanese
electronic music <<< 1day i heard him say he had run out of working
material and decided to experiment with sounds: not a matter of music
but to find 1new code to create 1 knows not what <<< what about the
textualities of a wooden splinter a cutter a hairy cloud of 1 cunt?
<<< inhuman doses of electronic music have kept me for years
suspicious of any type of identitary proposals <<< for me it became a
matter of discovering inscriptions and not sitting writing wanting to
grasp too stable categories poet writer even artist <<< i prefer djs:
who scratched the vinyl till they came up with turntablism, ethereal
vinyl sculpture, 1art on the margins of hip-hop etc. <<< or e. e.
cunnilingus cummings acrobat with typewriter and ink <<< alva noto
sculpts the wave´s design directly into the computer (non musical
mediation for his art of music making) sound sculpture / science <<<
allen ginsberg made all of “the fall of america” on a taperecorder
while traveling by car train plane through the 1970´s usa <<< exu of
the seven crossroads <<< when josé agrippino de paula looked for jorge
bodanzky to make “III world hitler” he (agrippino) said “i have 1
movie in my mind but i know shit about technical apparatuses” <<<
which means knowing nothing about cinema: and yet <<< the pixadores
are the only contemporary artists (apart from hackers and skaters) who
maintain their status as criminals but they could only gain from
knowing who josé roberto aguilar is <<< transmedia pixo <<< archaic
imagination´s futurism <<< bodanzky already worked with cinema every
end of the month he would take agrippino filmroll leftovers <<< they
would leave with pieces of film to improvise with actors <<< the codes
of each art proliferate as in rabbits breeding, which makes me doubt
the possibility to keep saying e.g. photography theater poetry <<<
genre is a ghost as is the newspaper <<< many creators are far ahead
of the categories in contemporary art <<< how would you like to define
yourself in case you were björk oiticica dj spooky? to tell the truth
i wouldn´t even like to have a name <<< z in zero

it’s a love story and it’s about an accident
by Marília Garcia, as translated by Hilary Kaplan

at first, a frozen scene
a finger lands on the glass,
the screen trills.
do you remember
what you said then? did you yell? did it hurt?
do you remember what happened?
the bend, the rain, bright bang.

(then she ended,
sent to belfast)

do you remember what you said
as the car skidded?
three hours waiting in the rain,
the bend, the blast, remember?
you between the steel frames
asking what happened.

(but that was an accident
about a love story.)

love, you say, is a special effect
you think you’ve seen it all
but when the lights come on
the blind spots spread:
an ocean trench, a cloud
away and a city called Glass
or Vertex
Volpi or Verdi

love is someone getting into
your hand’s geometry

just then you cross the corridor
this is no longer between us
from where the labored timbre of your voice

(inside the poem
you feel the laboring effect
and all the whys echo
in a conch shell)

that’s love, you say,
not a crow but a red raincoat
hanging on a window, come from another poem
to play on your screen.

it’s you eating the yellow left
after the blast.

love is a look that stains
the retina in an emergency
a grey eye that trembles
when you cross hemispheres.

“it’s hard to look
directly at
things” they are too
bright or too dark.

two-thirds of this country is made out of water
every time you turn around, a
drowning.
just a dive,
said the image. let’s see the desert,
walk around the center of the universe?

but this is a dictionary
and it’s about a love story.

love story, a-z

a finger lands on the glass
a grey eye that trembles
about a love story
after the blast
an ocean trench
and all the whys
and it’s about a love story
as the car skidded
asking what happened
at first
away
bright
but that was an accident
but this is a dictionary
but when the lights come on
do you remember
do you remember what happened
do you remember what you said
directly
drowning
every time you turn around
from where the labored timbre of your voice
hanging on a window
in a conch shell
inside the poem
it’s hard to look
it’s you eating
just a dive
just then you cross the corridor
love, you say, is a special effect
love is a look
love is someone getting into
not a crow but a red raincoat
or vertex
said the image
sent to belfast
that’s love, you say
the bend, the blast, remember
the bend, the rain, bright bang
the blind spots spread
the retina in an emergency
the screen trills
then she ended
things
this is no longer between us
three hours waiting in the rain
to play on your screen
two-thirds of this country is made out of water
volpi or verdi
walk around the center of the universe
what you said then
when you cross hemispheres
you between the steel frames
you feel the laboring effect
you think you’ve seen it all
your hand’s geometry

Ricardo Domeneck, 1977 in São Paulo geboren, lebt seit 2002 in Berlin. Er hat Hans Arp, H.C. Artmann und Thomas Brasch ins Portugiesische übersetzt.

Aus dem Englischen von Max Oravin

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erstellt am 16.2.2015

Das Projekt Babelsprech ist ein zweijähriges, selbstorganisiertes und durch öffentliche Gelder finanziertes Projekt, dem es um die Vernetzung junger LyrikerInnen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich geht. Nach einem ersten Treffen junger LyrikerInnen im September 2013 in Lana (Südtirol) finden regelmäßig Live-Lesungen in den drei beteiligten Ländern statt. Das Projekt endet mit der Herausgabe von Lyrik von Jetzt 3 durch die Kuratoren im Wallstein Verlag. Kuratoren sind die Autoren Robert Prosser (Österreich), Max Czollek (Deutschland) und Michael Fehr (Schweiz). Die Plattform www.babelsprech.org dient der öffentlichen Darstellung junger AutorInnen sowie der gemeinsamen Diskussion und gegenseitigen Information.

Die Reihe Babelsprech.International erweitert den babelsprech-Kreis junger deutschsprachiger Dichtung. Sie befasst sich mit der Darstellung von Lyrikszenen in bestimmbaren Orten. Diese können geographisch sein (Brasilien, Finnland, etc.) oder aber Bezogen auf ein bestimmtes Feld (wie z.B. der Gastbeitrag von Fullstop zum lyrischen Ich im Internet zeigt). Diese Erweiterung bilden wir auch organisatorisch ab: das Hilda Magazine, das US-amerikanische Magazin Full Stop und die holländische Seite Samplekanon und die Slowenische Seite I.D.I.O.T. sind Teil einer Kooperation, die sich der internationalen Vernetzung widmet.

Höhlenmalereien in Serra da Capivara, Bundesstaat Piauí, Brasilien
Höhlenmalereien in Serra da Capivara, Bundesstaat Piauí, Brasilien
Höhlenmalerei, „Der Kuss”, Serra da Capivara, Piauí, Brasilien
Höhlenmalerei, „Der Kuss”, Serra da Capivara, Piauí, Brasilien
Geoglyph im Brasilianischen Bundesstaat Acre, im Amazonas
Geoglyph im Brasilianischen Bundesstaat Acre, im Amazonas

André Vallias, “Totem”

“Oriki Orixá”, eine Sammlung von “Orikis”, Yorubálieder, um die Orixás (Yorubagottheiten) herbeizurufen, übersetzt von Antônio Risério
“Oriki Orixá”, eine Sammlung von “Orikis”, Yorubálieder, um die Orixás (Yorubagottheiten) herbeizurufen, übersetzt von Antônio Risério

Ricardo Aleixo, Performance mit dem “Poemantle”.

Ricardo Aleixo, visuelles Gedicht
Ricardo Aleixo, visuelles Gedicht

Letícia Parente, “Registered Trademark” (1975)

Geraldo Anhaia Mello, “The situation” (1978). Der Text ist einfach die Wiederholung “The political, economic, cultural and social situation in Brazil”, während der Künstler sich an Cachaça betrinkt.

Luca Argel, “Ficção/Fiction” (2012)

Victor Heringer, “Mom used to read the future in sugar” (2012)

Reuben da Cunha Rocha, “Nailbox”, performance in England (2012)

“z de zero / z in zero” – Reuben da Cunha Rocha a.k.a. cavaloDADA + Tazio Zambi Text & video: Reuben da Cunha Rocha a.k.a. cavaloDADA / Sound: Tazio Zambi

it’s a love story and it’s about an accident. By Marília Garcia