Als Entertainer, als Sänger und vor allem als Trompeter war Louis Armstrong eine singuläre Erscheinung, ein Gigant inmitten von Zwergen. Auch der Aufnahmen des Pianisten Thelonious Monk wird man nicht überdrüssig. Thomas Rothschild empfiehlt neu erschienene CDs der beiden Jazzmusiker.

Jazz-CD-Empfehlungen von Thomas Rothschild

CD

Satchmo live in Los Angeles

Bei so manchen, die als Superstar hochgejubelt werden, fragt man sich, worin ihre Einzigartigkeit eigentlich besteht. Sie sind in der Regel eher ein Medien- als ein künstlerisches Ereignis. Nicht so bei Louis Armstrong. Sein anhaltender Ruhm ist tatsächlich berechtigt. Als Entertainer, als Sänger und vor allem als Trompeter war er eine singuläre Erscheinung, ein Gigant inmitten von Zwergen. Als Sänger hat er einen Paradigmenwechsel eingeleitet, ohne den ein Joe Cocker ebenso wenig denkbar wäre wie ein Tom Waits. Ihm verdanken wir es weitgehend, dass „schwarze“ Musik ernst genommen, nicht mehr nur herablassend geduldet wurde. Der Klang seiner Trompete ist unverwechselbar. Jeder Ton scheint zwingend, so und nur so muss er sein. Louis Armstrong war niemals eine Modeerscheinung. Er ist für den Jazz eine feste Größe wie Beethoven für die Klassik oder Shakespeare für das Drama.

Jetzt gibt es eine Box mit 3 CDs, die Aufnahmen von 1955 aus dem Crescendo Club in Los Angeles enthält. Sie liefert einen repräsentativen Überblick über Armstrongs Repertoire, das von unzähligen Revival Bands gecovert wurde, oft sogar Note für Note. Da sind sie beisammen: der „Tin Roof Blues“ und der „Basin Street Blues“, „When It's Sleepy Time Down South“, „Shadrack“, „When The Saints Go Marching In“, „C'est si bon“, „Muskrat Ramble“, „Jeepers Creepers“, „Margie“, „Struttin' With Some Barbecue“ und viele mehr. 18 Bonus Tracks ergänzen die 41 Titel aus dem Crescendo, darunter „When It's Sleepy Time Down South“, mit dem sich Louis Armstrong von seinem Publikum verabschiedete, in mehreren Anläufen, ein Song für einen Film-Soundtrack, der stark an „High Society“ erinnert, und – ein Kuriosum – ein Commercial für ein Bier namens „Rheingold“.

In den fünfziger Jahren galten New Orleans Jazz und Dixieland vielen Jazzfreunden als überholt. Der Traditional Jazz konkurrierte mit dem Modern Jazz. In einem neuen Text zum „Whiffenpoof Song“ spottet Louis Armstrong über Dizzie Gillespie und den Bebop. Ein Paradebeispiel für die Tatsache, dass auch große Künstler verständnislos und mit Ressentiment gegenüber jüngeren Entwicklungen Stellung beziehen können. Gillespie war dem Vernehmen nach gekränkt, reagierte aber großzügig.

Mit Louis Armstrong spielen seine damaligen All Stars: Trummy Young an der Posaune und als Sänger, Barney Bigard an der Klarinette, Billy Kyle am Piano, Arvell Shaw am Bass und Barrett Deems am Schlagzeug. Sie müssen sich merklich abstrampeln, wenn die Sängerin Velma Middleton aus dem Takt gerät. Aber Louis Armstrong rettet sie dann in dem als Duett vorgetragenen Hillbilly-Song „Don't Fence Me In“ von Cole Porter, den Bing Crosby und die Andrews Sistern populär gemacht haben. Einmal schieben Armstrong und die Bläser eine Pause ein, um Billy Kyle und der Rhythmusgruppe für eine sensationelle Version des „St. Louis Blues“ das Podium zu überlassen. Barney Bigards Klarinette kommt in einer eigenwilligen Version von „Tea For Two“ in einem Dialog mit dem Schlagzeug, aufgenommen 1954 im New Yorker Basin Street Club für die NBC, zum Zuge.

Die technische Qualität der aufbereiteten Aufnahmen ist hervorragend. Nichts trübt das Vergnügen.

CD

Thelonious

Thelonious Monk hat die Dissonanz in den Jazz gebracht. Wahrscheinlich ist das der Grund, dass man seiner Aufnahmen nicht überdrüssig wird. Die Dissonanzen verleihen ihnen eine Reibefläche, machen sie interessant, stellen ein Irritationspotential bereit, das sich nicht verbraucht. Schon Monks Kompositionen, die auch den Großteil der Titel auf der vorliegenden CD ausmachen, sind zwar sofort identifizierbar, verweigern sich aber einer gefälligen Eingängigkeit. Dabei verfügt Monks Spiel über die typischen Ingredienzen des Jazz, über Swing und akzentuierte Rhythmik. Seine Innovationen liegen im Bereich der Harmonien.

Es gibt Berührungspunkte zwischen der Musik von Thelonious Monk und den Neutönern in der E-Musik. Wie sie, musste auch Monk unverdient lange auf den verdienten Erfolg warten. Er hat seine Zeitgenossen überfordert. Seinen Stellenwert in der Jazzgeschichte hat erst die Nachwelt so recht begriffen. Viele Freiheiten, die er sich seinerzeit nahm und mit denen er gegen die etablierten Regeln verstieß, wurden später im Jazz zu Selbstverständlichkeiten.

Die CD enthält ausschließlich Trios, in denen sich Art Blakey und Max Roach am Schlagzeug abwechseln. Nur auf drei 1958 beim Newport Jazz Festival aufgenommenen Bonus Tracks sitzt Roy Haynes an den Drums. Am Kontrabass konkurrieren Gary Mapp, Percy Heath, Al McKibbon, Nelson Boyd und Henry Grimes. Einige der berühmten Monk-Titel, die längst ins Repertoire des Modern Jazz eingegangen sind, findet man hier: „'Round Midnight“, „Well You Needn't“, „Monks Dream“, „Nutty“ sowie „Ask Me Now“ und „Blue Monk“ in je zwei Versionen. Den Schlager „Just A Gigolo“ spielt Thelonious Monk als Solo. Gerade mit dieser bekannten Melodie kann er vorzüglich demonstrieren, worin seine Eigenart besteht.

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erstellt am 06.12.2014

Louis Armstrong
Louis Armstrong

Louis Armstrong at The Crescendo 1955
3 CD
Essential Jazz Classics/in-akustik EJC55657

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Thelonious Monk Trio
Essential Jazz Classics/in-akustik EJC55658

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