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Johnnie Ray gehörte in den fünfziger Jahren zu den populärsten Sängern. Rays erste und vierte LP sind jetzt als CD erhältlich. In den Sechzigern setzte sich der amerikanische und überhaupt der englischsprachige Song gegen die internationale Konkurrenz durch. Nun ist ein Schuber mit sieben CDs und insgesamt 105 Hits erschienen, der einen guten Überblick über jene Jahre liefert, berichtet Thomas Rothschild.

CD

Johnnie Ray und die sechziger Jahre

Von Thomas Rothschild

Mehr als zwei Millionen Exemplare der 1951 erschienenen Single „Cry“ von Johnnie Ray wurden verkauft. Sie erreichte Platz 1 der amerikanischen Billboard Charts und blieb 27 Wochen auf der Hitliste. Johnnie Ray hat damit das Heulen als Gesangsstil in die Popgeschichte eingeführt. Paul Anka oder auch Gene Vincent oder Marty Robbins sind ihm später auf einzelnen Aufnahmen gefolgt. Mit viel Hall wurde auf die Tränendrüsen und auch tiefer liegende Organe der Teenager gezielt. Johnnie Rays erste und vierte LP, aufgenommen 1951 und 1956, sind jetzt, ergänzt um sieben Bonus Tracks – darunter auch „Cry“ –, als CD erhältlich. Hier kann man erfahren, woraus sich der Rock'n'Roll entwickelt hat.

Johnnie Ray singt, meist beschleunigt, Blues-Titel wie „Trouble In Mind“ oder „How Long, How Long Blues“, aber er ist kein Bluessänger. Er singt Jazz-Standards wie „All Of Me“ oder den Film-Hit „Walkin' My Baby Back Home“, aber er ist kein Jazzsänger. Er bewegt sich im Bereich zwischen Schlagersänger und Crooner und nähert sich den Anfängen des Rock'n'Roll – zum Beispiel mit „Such A Night“ –, aber auch der Schnulze. Man mag das aus heutiger Sicht kaum verstehen, aber Johnnie Ray gehörte in den fünfziger Jahren zu den populärsten Sängern. Immerhin mögen einem mit dieser Erfahrung Zweifel an der Nachhaltigkeit gegenwärtiger Popmusik kommen.

Johnnie Ray war einer der Vorläufer jener Entwicklung, die die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zum Jahrzehnt der Popmusik machte, wie die dreißiger Jahre das Jahrzehnt des Swing und die vierziger das Jahrzehnt des Bebop waren. In diesem Jahrzehnt setzte sich der amerikanische und überhaupt der englischsprachige Song gegen die internationale Konkurrenz durch, wurde er zum Inbegriff musikalischer Unterhaltung schlechthin. Die Industrie bemächtigte sich schnell des Geschäfts, das da zu machen war, aber die Vielfalt der Stilrichtungen war noch größer als in späteren Jahren. Selbst die Feuilletons der „seriösen“ Presse begannen, diese Musik ernst zu nehmen. Jetzt ist ein Schuber mit sieben CDs und insgesamt 105 Hits erschienen, der einen guten Überblick über jene Jahre liefert. Da findet man solche Songs und Interpreten wie „Under The Boardwalk“ und „Save The Last Dance For Me“ mit den Drifters, „Jambalaya“ mit Fats Domino, „Surfin' USA“ mit den Beach Boys, „Stand My Me“ mit Ben E. King, „Will You Love Me Tomorrow“ mit den Shirelles, „I'm So Lonesome I Could Cry“ mit B.J. Thomas, „Hang On Sloopy“ mit The McCoys, „When A Man Loves A Woman“ mit Percy Sledge, „The Letter“ mit den Box Tops, „Bend Me, Shape Me“ mit The American Breed, „Sheila“ mit Tommy Roe, „Wild Thing“ mit den Troggs, „Shakin' All Over“ mit The Guess Who oder „Ferry Cross The Mersey“ mit Gerry And The Pacemakers. Sie sind gewiss nicht alle Geniestreiche, aber dass sie zum Teil originelle Einfälle in der Melodie, im Arrangement und in der Interpretation hatten, lässt sich nicht leugnen. Wer die Unterhaltungsmusik pauschal gegen den Vorwurf der Anspruchslosigkeit verteidigt, unterschlägt, dass es auch da Unterschiede gibt.

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erstellt am 20.11.2014

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