Katholiken, Protestanten, Juden und Agnostiker singen im Interreligiösen Chor Frankfurt, geleitet von der evangelischen Kantorin Bettina Strübel und dem Vorbeter des Egalitären Minjan, Daniel Kempin.

Psalmen im Dialog

Interreligiöser Chor Frankfurt

Daniel Kempin und Bettina Strübel

Es ist ein Chor, in dem Katholiken, Protestanten, Juden und Agnostiker zusammen singen: ein interreligiöses Projekt, wie die beiden Leiter, die evangelische Kantorin Bettina Strübel und der Vorbeter des Egalitären Minjan in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Daniel Kempin betonen. Seit zwei Jahren schon tritt dieser Interreligiöse Chor Frankfurt auf. Jedes Mal ist das Konzert um einen Psalm herum konzipiert – beim nächsten Konzert am 11. November steht der Psalm 130 im Mittelpunkt des Abends, der Vertonungen jüdischer und christlicher Komponisten – Schütz und Gluck, Bach und Mendelssohn-Bartholdy, Lewandowski und Rubin – ebenso wie exegetische Einschübe verschiedener Traditionen vorsieht, die die liberale Rabbinerin Elisa Klapheck und die evangelische Theologin Melanie Köhlmoos dazu beitragen. Etwa fünfzig Laiensänger, die aus reiner Freude mitmachen, dazu professionelle Solisten sind daran beteiligt. Die Aufgabe des Chors sei nicht zuletzt der Austausch zwischen den Konfessionen, der Abbau religiöser Vorurteile, das Erwecken der Neugier gegenüber anderen Bräuchen, meinen Strübel und Kempin, die bei der musikalischen Vorbereitung der Konzerte auch immer wieder eine Art Kulturarbeit leisten, wenn sie die Besonderheiten der jeweiligen Religionen beschreiben und so Gemeinsamkeiten und Unterschiede ins Bewusstsein rücken. Ausdrücklich wollen sie den Austausch zwischen den Religionen voranbringen – und laden auch Muslime, trotz oder gerade wegen der anderen musikalischen Tradition, zur Teilnahme ein. Proben und Aufführungen finden immer in neutralen Räumen statt, betont Kempin, der den Gesang im Interreligiösen Chor fast schon als Gebet sieht. Und Bettina Strübel betont – in guter protestantischer Manier – die Bedeutung des Textes und der Auseinandersetzung damit. Vielleicht auch deshalb stößt der Interreligiöse Chor Frankfurt zwar auf Interesse und Wohlwollen von vielen Seiten, aber bezieht die finanzielle Unterstützung vor allem von evangelischen Stiftungen und Institutionen. Allerdings seien seitens der Jüdischen Gemeinde die Berührungsängste zurückgegangen, so Kempin, der auf eine Aufführung 2015 im Großen Saal des Jüdischen Gemeindezentrums hofft. Zuerst aber wird im Großen Saal im Dominikanerkloster am 11. November gesungen.

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erstellt am 02.11.2014

Interreligiöser Chor Frankfurt