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Bruce Holberts Debütroman „Einsame Tiere“ spielt im US-Bundesstaat Washington Anfang der dreißiger Jahre. Holbert gelingt es, das Westerngenre zu modernisieren – mit Elementen des Serienkillerthrillers, großer Wortgewalt und ebenso poetischen wie entsetzlichen Bildern, meint Kirsten Reimers.

Buchkritik

»Geschichte. Ein Wort, viele Möglichkeiten, oder?«

Bruce Holbert: »Einsame Tiere«

Von Kirsten Reimers

Okanogan County im US-Bundesstaat Washington Anfang der dreißiger Jahre: Im Columbia River lässt Präsident F. D. Roosevelt im Rahmen des New Deal die Grand-Coulee-Talsperre bauen. Die Natur wird begradigt und bereinigt, instrumentalisiert und funktionalisiert. Nicht viel anders ergeht es den Arbeitern, deren knapper Lohn gerade zum Überleben reicht. Funktionale Rädchen. Nicht viel anders den ansässigen Indianern, deren Geschichte nivelliert, deren Traditionen und Kultur verboten werden.

In diese Zeit fällt eine Reihe von brutalen Ritualmorden an Indianern. Die Männer werden nicht einfach nur getötet: Ihre Leichname werden verstümmelt und bizarr hergerichtet – offenbar ein Serienmörder, dem es darum geht, aufzufallen, eine Geschichte zu erzählen, einen Mythos zu schaffen.

Sinnstiftende Gewalt

Der ehemalige Sheriff Russel Strawl wird auf den Täter angesetzt. Strawl, alt, mit zitternden Händen, aber unverwüstlich zäh, war zu seiner Zeit gefürchtet und angstvoll geachtet als erbarmungslos gewalttätig: „ein gemeingefährlicher Köter, den nichts im Zaum halten konnte“. Allerdings wurde seine Aggression kanalisiert durch sein Amt, war also legitim und gesellschaftsstabilisierend.

Ihm gegenüber steht ein Täter, der seine Aggression nutzt, um aufzurühren und Unruhe zu stiften. Dessen Morde sinnlos erscheinen, da die Opfer offenbar willkürlich gewählt wurden: „Der Mörder war diesem diffusen Gewühle [den Arbeiten an der Talsperre, der Funktionalisierung der Natur] entsprungen, während Strawl all jene getötet oder verhaftet hatte, die Sand im Getriebe hätten sein können.“

Bruce Holberns Debütroman „Einsame Tiere“ ist alles andere als ein weiterer sinnbefreiter Serienkillerthriller. Ganz im Gegenteil: Er aktualisiert das Westerngenre und versetzt es hoch produktiv mit Motiven des Serienkillerkonzepts, die sehr bewusst und sinnstiftend eingefügt werden. Mit großer Wortgewalt, Dialogen von subtilen Witz und poetischer Kraft, mit entsetzlichen wie wunderschönen Bildern schafft er einen modernen Western über die Macht der Sprache und die sinnstiftende Gewalt und Schöpfungskraft von Geschichten und Mythen jenseits einer normativen Moral.

Kommentare


peter torberg - ( 19-01-2015 08:14:30 )
Bitte nenen Sie die Übersetzer, die Übersetzerinnen!

Auch für ein Gespräch/Literatur sicher ein ergiebiges Thema!

Ihr PT

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erstellt am 28.9.2014

Bruce Holbert
Einsame Tiere
Aus dem Englischen von Peter Torberg
Gebunden, 320 Seiten
ISBN 978-3-95438-034-3
Verlagsbuchhandlung Liebeskind, München 2014

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