Für seine Filme engagierte Alfred Hitchcock einige der gefragtesten amerikanischen Filmkomponisten. Die nun erschienene CD „Music for Alfred Hitchcock“ enthält konzertante, zum Teil zu Suiten verarbeitete Einspielungen durch ein Symphonieorchester. Darunter findet sich auch das mehr als fünfzehnminütige „Narrative for String Orchestra“ mit der Musik aus „Psycho“, berichtet Thomas Rothschild.

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Hitchcock im Konzertsaal

Von Thomas Rothschild

Mit Filmmusik verhält es sich wie mit Essbesteck: Es kann schön sein, kann ästhetisch erfreuen, aber wenn man damit die Suppe nicht löffeln, das Steak nicht schneiden und den Bissen nicht aufgabeln kann, ist es für die Katz. Filmmusik ist Gebrauchsmusik, und ihr Wert bestimmt sich aus der Leistung, die sie für die Wirkung der Bilder erbringt. Das heißt aber nicht, dass sie nicht auch für sich genommen, losgelöst vom Film, für den sie geschrieben wurde, „funktionieren“ kann.

Es versteht sich fast von selbst, dass ein Regisseur wie Alfred Hitchcock, der so sehr auf Wirkung zielt, der sich wie kaum ein zweiter auf Effekte versteht, auch die Musik mit Verstand einsetzt. Dafür engagierte er einige der gefragtesten amerikanischen Filmkomponisten: Bernard Herrmann, den aus Russland stammenden Dimitri Tiomkin, von dem jeder zumindest den Song aus Fred Zinnemanns „High Noon“ kennt, den deutschen Emigranten Franz Waxman. Eine jetzt erschienene CD enthält nicht die originalen Soundtracks, sondern konzertante, zum Teil zu Suiten verarbeitete Einspielungen durch ein Symphonieorchester, darunter auch das mehr als fünfzehnminütige „Narrative for String Orchestra“ mit der Musik aus „Psycho“. Zu den besonderen Leckerbissen gehört die Kantate „The Storm Clouds“ des Australiers Arthur Benjamin, die, fast zehn Minuten lang, zum Schluss von beiden Versionen des Thrillers „The Man Who Knew Too Much“ im Film auf der Leinwand gespielt und gesungen wird und deren Beckenschlag gegen Ende den vom Zuschauer mit Spannung erwarteten Schuss eines Attentats übertönen soll.

Die Kompositionen zu Hitchcocks Filmen sind eklektisch, aber man merkt, dass ihre Autoren eine solide Ausbildung haben und die Techniken vom Barock bis zur Musik des 20. Jahrhunderts beherrschen. Es ist ihre bewusste Entscheidung, wenn sie neoromantische Klangorgien mit jazzigen Rhythmen mischen, hinter denen man Gershwin oder Cole Porter vermuten könnte, und ab und zu wagen sie sich bis in Bereiche der zeitgenössischen atonalen Musik vor. Wie sie auf Komponisten von Wagner bis Schostakowitsch zurückgreifen, so haben spätere Filmmusikkomponisten wie zum Beispiel Thomas Newman ihrerseits bei ihnen gelernt. Freilich: nicht alle hatten das Glück, einen Regisseur wie Alfred Hitchcock zum Partner zu haben.

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erstellt am 13.9.2014

Alfred Hitchcock
Alfred Hitchcock

Music for Alfred Hitchcock
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Toccata Classics TOCC 0241

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