In Indien ist Anushka Ravishankar bei Eltern und Kindern längst ein klangvoller Name. Nun ist ihr Buch „Ein Gerücht geht um in Baddbaddpur“ auch ins Deutsche übersetzt worden. Was in der Gerüchteküche des Dorfes so alles angerichtet wurde, kann man gleich in vier Sprachen nachlesen, wobei jede der indischen Sprachen auch noch eigene Schriftzeichen hat. Zusammen mit den farbkräftigen Zeichnungen von Kanyika Kini eröffnet das polyglotte Bilderbuch den Kindern aus dem Westen ganz neue Dimensionen.

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Ein Gerücht geht um in Baddbaddpur

Von Clair Lüdenbach

In Indien ist es passiert. In einem Dorf mit Namen Baddbaddpur, was soviel wie Gerüchtestadt heißt. Und es geht ein Gerücht um in Baddbaddpur, das phantastische Ausmaße annimmt. Ein Kinderbuch aus Indien ist selbst schon eine phantastische Geschichte. Darüber hinaus erscheint der vorliegende Band in der deutschen Übersetzung gleich zweimal, zusammen mit drei weiteren Sprachen, nämlich den nordindischen Sprachen Hindi, Urdu, Bengalisch und Englisch, sowie den südindischen Sprachen Malayalam und Tamil. Weil zu jeder indischen Sprache noch eine eigene Schrift gehört, gibt es viel zu entdecken und zu verstehen von Indien und dem Dorf Baddbaddpur.
Bei einem Kinderbuch aus Indien denkt man am ehesten an exotische Prinzessinnen mit Fußglöckchen im Glitzergewand und Prinzen in buntscheckiger Kleidung. Doch nichts von alledem gibt es im Dorf Baddbaddpur. Die Zeichnerin Kanyika Kini stellt in kräftigen, bunten Farben das Dorfleben vor. Da gibt es einfache Bauern, die aus Tüchern gewickelte Hosen tragen. Und die Saris der Frauen aus bunten Stoffen reichen gerade bis über die Knie. Manche haben das Kleid auch wie eine Hose gebunden. Das Ende der langen Stoffbahn verdeckt züchtig die langen Haare. Auf dem Kopf tragen manche Frauen irdene Tonkrüge, andere Brennholz. Die Männer kümmern sich offenbar nur um die Kühe oder halten ein Schwätzchen mit den Nachbarn. Doch die Landschaft um Baddbaddpur ist grün, und die Häuser tragen rote Dachschindeln wie irgendwo in Europa. Der Dorfhahn ist bunt, die Henne braun und die Küken gelb, auch die Kuh ist schwarz-weiß gescheckt. Also Baddbaddpur könnte irgendwo sein und doch ist in der Geschichte, die die Autorin Anushka Ravishankar erzählt, alles irgendwie anders. Denn wo hustet man schon eine Feder aus, wenn man sie nicht vorher verschluckt hat. Genau das passiert dem grimmigsten Dorfbewohner, und das setzt die Gerüchteküche in Gang. Dass die Auflösung der Geschichte letztlich auch den grimmigen Mann zum Lachen bringt, ist leicht vorhersehbar. Alle lachen, bis ihnen die Tränen kommen. „Jeder, bis auf einen tauben, alten Mann, der ohne Abendessen zu Bett ging“. Da sollen wir sicher etwas für unser Sozialverhalten lernen.

Dennoch ist für Kinder aus unserer abendländischen Kultur dieses wunderschöne Buch eine vielseitige Entdeckungsreise. Hoffentlich finden viele Eltern den Weg nach Baddbaddpur, wo die Geschichten so versponnen sind, „dass man daraus einen Faden bis zu den Sternen hätte spinnen können.“

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erstellt am 30.8.2014

Anushka Ravishankar (Text) und Kanyika Kini (Illustrationen)
Ein Gerücht geht um in Baddbaddpur
Viersprachiger Text: Hindi – Bengali – Urdu – Deutsch
Oder: Englisch – Tamil – Malayalam – Deutsch
Ab 4 Jahre
ISBN 978-3922825-86-9 oder 978-3922825-87-9
Edition Orient, Berlin 2013

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