Emil M. Cioran © Suhrkamp Verlag
Emil M. Cioran © Suhrkamp Verlag

Der erste Teil von Alexandru Bulucz' Beitrag zum Problem der Entschleunigung im Werk E. M. Ciorans ist eine Auseinandersetzung mit der Eigentümlichkeit seiner Aphorismen und der Kritik an seinen philosophischen Mitstreitern.

Essay

Cioran reloaded: Entschleunigung und Transparenz

Teil I: Magie des nichtrealisierten Künstlers

Von Alexandru Bulucz

In seiner Monographie über die Poetik des Nicht(s)tuns stellt Leonard Fuest fest, dass sich Ciorans „Poesie des Nicht(s)tuns […] auf einer inbrünstigen Inszenierung des Aporetischen“ gründet. (1) Reiner Ruffing notiert: „Wie im Buddhismus sind für Cioran Ruhe und Langsamkeit wichtige Werte“. (2) Sein Gespräch mit Cioran betitelt François Bondy mit „Der untätigste Mensch in Paris“. (3) Solche Berührungen des Problems der Entschleunigung im Werk Ciorans findet man zwar zuhauf, aber eine systematische Erörterung dieses Phänomens, das in Ciorans Schriften viele Namen trägt, fehlt bisher.

Das Buch von E. M. Cioran, dem sich diese kurze Studie widmet und an dem das Problem der Entschleunigung verdeutlicht werden soll, trägt den Titel Syllogismen der Bitterkeit (4) und erschien zum ersten Mal im Jahr 1952 in französischer Sprache.

Syllogismen – Aristoteles bespricht sie auch in seiner Metaphysik (1078b) (5) – sind Deduktionsbeweise und als solche widerspruchsfrei. Einer der in der Forschungsliteratur am häufigsten herangezogenen Syllogismen lautet: Alle Menschen sind sterblich. Sokrates ist ein Mensch. Also ist Sokrates sterblich. Anhand dieses Beispiels kann man sehr deutlich den Aufbau eines Syllogismus zeigen: Die conclusio (Also ist Sokrates sterblich.) wird aus dem Allgemeinen, das aus zwei Thesen besteht, deduziert: aus der praemissa maior (Alle Menschen sind sterblich.) und aus der praemissa minor (Sokrates ist ein Mensch.). Dieses Beispiel verdankt seine Eindeutigkeit dem Umstand, dass die Sterblichkeit dem Menschen notwendigerweise zukommt. (6) Es dürfte wenig verwundern, dass Cioran nicht nach dieser strengen Dreischrittregel verfährt oder dass er nicht auf apriorische Eigenschaften von Menschen oder Sachverhalten aus ist. Seinen so genannten Syllogismen fehlen jegliche Notwendigkeit, jegliche Verifizierbarkeit, jegliche Gewissheit und jeglicher Anspruch auf Gültigkeit. Aber das heißt nicht, dass sie nicht streng logisch argumentierten, sondern im Gegenteil. Darüber hinaus ist die Art und Weise, wie Cioran den Tod in seinen Texten thematisiert und behandelt, nicht an den Fakt gebunden, dass jeder Mensch einst körperlich sterben wird.

Syllogismen der Bitterkeit ist als Titel ein an ausgezeichneter Stelle platzierter Wortkomplex. In dem Maße, in dem er absichtsvoll Logik und Gefühl, Vernunft und Sinnlichkeit, Philosophie und Poesie aneinanderträgt und ihnen einen Ort vorbehält, der deren Abhängigkeitsverhältnis exponiert, ist er eine Demonstration ohnegleichen. Denn was sind Syllogismen der Bitterkeit? Sind sie bittere, aus der Bitterkeit her gesprochene Syllogismen? Bitter kann die Schokolade sein, die Marmelade, die Medizin, die Ironie, eine Orange, eine Enttäuschung; verbittert kann ein Gemüt sein, ein Leben, eine Philosophie usw. Aber ist eine verbitterte Philosophie noch Philosophie im nüchternen Sinne des Begriffs ‚Philosophie‘? In der Verneinung dieser Frage verortet Cioran die Möglichkeit seines Schaffens, seines Tonfalls, seiner Gangart, seines Stils. Anders gesagt: Ciorans verbitterte Philosophie, seine aufgeregte und erregte Philosophie ist keine Philosophie im strengen Sinne des Begriffs ‚Philosophie‘, sondern eine Philologie weniger aus der Liebe, sondern vielmehr aus der Bitterkeit zum Wort. Dabei ist laut Cioran diese so hergeleitete Philologie ein Fall für die Psychiatrie: „sich regen heißt die Vernunft verlieren, heißt die Zwangsjacke riskieren“ (SB, S. 74). Der Philologe ist ein Verrückter am Werk: „Was ein Werk dauern läßt, was verhindert, daß es überholt wird, ist seine Wildheit.“ (SB, S. 12) Er ist ein Verrückter, der aus den sozialen Normen, zu denen auch die Rationalisierung von Raum und Zeit gehört, herausspringt. Das heißt, die Regungen, die der Philologe erfährt und ihn in einen Verrückten transformieren, müssen übermächtigende Regungen sein, seine Sprache eine göttliche: „In jeder Ohnmacht, in jedem Bewußtseinsverlust erlebt man so etwas wie eine letzte Gefühlsregung – mitten in Gott.“ (SB, S. 83) Jedes schriftliche Bruchstück ist ein verrücktes, dem Bewußtseinsverlust entspringendes, göttliches Zeugnis: ein Stück Gott, ein göttlicher Restbestand, eine letzte Gefühlsregung. Nur der Philologe, dem wesenseigen ist, verrückt zu sein, würde von sich preisgeben: „Ich träume von einer Welt, wo man für ein Komma sterben könnte.“ (SB, S. 7)

Philologie als Bitterkeit zum Wort. Ciorans Kritik der philosophischen Fachsprache

Was hat es mit Ciorans Schreibstil auf sich? Worin besteht für ihn die Notwenigkeit des Aphorismus als „des Fragmentarischen und des Fragilen“ (SB, S. 7)? Weshalb neigt man dazu als Leser seiner Aphorismen und „folgenlosen Anwandlungen“ (SB, S. 7), und vielleicht als Leser von Aphorismen überhaupt, einzelne Aphorismen aus ihrer Einbettung herauszulösen, um sie pragmatisch, sozusagen spontan, beispielsweise als Autoritätsbeweise für oder gegen etwas anzuführen? Mit welchem Recht isoliert und vereinzelt man einen Aphorismus, behandelt man ihn unabhängig von den anderen Aphorismen? Müsste man in diesem Fall nicht vielmehr von einer Misshandlung des Fragmentarischen sprechen, schließlich wird nicht je ein Aphorismus veröffentlicht, sondern in der Regel eine ganze Aphorismenreihe, die dann, als Buch verpackt, zu kaufen ist? Diese Fragen beantworten sich zum Teil selbst. Nur schwer nämlich lässt sich von der Einbettung oder Kontextualisierung eines Aphorismus in ein Buch sprechen, denn Aphorismen sind im Grunde lose und lockere Textbruchstücke. Die besagte Neigung des Aphorismenlesers rührt daher, dass der Aphorismus sich selbst als Eingebettetes und Kontextualisiertes antizipiert. Er selbst drängt auf seine Einbettung und Kontextualisierung in andere Kontexte als das Buch, dem er beigegeben ist. Man könnte vielleicht sagen, dass es sich mit einem Aphorismusbuch gar nicht anders verhält als mit einem bereits gepflügten Acker. Sowohl dieses als auch jenes drängt auf seine Bestellung: hier mit einer Feldfrucht, dort mit einer Ergänzung. So kann man getrost vom Bedürfnis des Aphorismus sprechen, was bedeutet, dass er einerseits ergänzend, andererseits zu ergänzen ist. Aber das Ressentiment des Aphorismus gegen – pleonastisch ausgedrückt – die Werk-Gänze ist widersprüchlicher Natur, denn obwohl der Aphorismus auf seine Vervollkommnung drängt, weigert er sich ihrer. Macht nicht dieser Widerspruch die Fragilität des Aphorismus aus, von der Cioran so emphatisch spricht und welche in der Antizipation seines Gelingens wie auch in seinem vollkommenen Misslingen besteht? „Magie des nichtrealisierten Künstlers …“ (SB, S. 7)

Aber der gewichtigere Grund für die besagte Neigung des Aphorismenlesers, – wobei dies vielleicht nur auf Ciorans Aphorismen zutrifft, also: – des Cioran-Lesers scheint ein anderer zu sein: nämlich deren Verstehbarkeit. Es scheint, als würden Ciorans Aphorismen sofort einleuchten. Natürlich muss man diesbezüglich skeptisch bleiben. Zweifelsohne kann man sagen, dass Ciorans Stil eine bittere oder allgemeiner formuliert: eine affektive Reaktion auf die poetische und philosophische Stilistik oder Mode seiner Zeit ist. Bereits im ersten Aphorismus seiner Aphorismenreihe finden wir folgende Beobachtung: „Wir wenden unsere Aufmerksamkeit dem zu, was ein Schriftsteller verschwiegen hat, dem, was er hätte sagen können, seinen stummen Tiefen. Hinterlässt er ein Werk, expliziert er sich, dann kann er sicher sein, von uns vergessen zu werden.“ (SB, S. 7) Trifft das nicht auch auf Hermann Hesse zu? Hat nicht auch er sich expliziert, so dass wir ihn, ihn belächelnd, vergessen? Wie dem auch sei, Cioran unterstellt den Poeten und den Philosophen seiner Zeit, absichtsvoll Sachen zu verschweigen. Dies steht insofern nicht im Widerspruch zum Aphorismus, dessen Fragmentcharakter gerade darin besteht, Sachen verschweigen und nicht alles sagen zu müssen. Cioran ist als Aphoristiker fein raus, könnte man jetzt einwenden, aber dieser Einwand ist nicht berechtigt, denn Cioran versucht, all dasjenige herauszustellen und ans Licht zu bringen, was eben herauszustellen und ans Licht zu bringen ist. Wo sein Stil scheitert, scheitern das Denken und die Verstehbarkeit überhaupt; wo das Fragment abbricht, stellen sich das Denken und das Verstehen überhaupt als fragil dar. Umso mehr Hoffnung setzt man in die Antwort auf die Frage, warum Cioran aphoristisch und nicht anders schreibe, eine Antwort, die im Grunde zeigen müsste, dass Ciorans Aphorismen astilistisch sind, denn wären sie stilistisch, folgten sie einem gewissen Zeitgeschehen und einer gewissen Mode; stünden sie als Reaktion auf die Stilistik der Zeitgenossen im Widerspruch zu ihr, wären sie immer noch von ihr bestimmt. Die Antwort auf die Frage, warum Cioran aphoristisch schreibe, müsste in der Tat zeigen, dass seine Aphorismen sich nicht einer Mode widersetzen.

Wie jede Stilistik oder Mode hat auch diejenige Stilistik oder Mode, die Cioran kritisiert, ihre Notwendigkeit, und über diese Notwendigkeit sprechen heißt vielleicht, nur in psychologischen Begriffen über sie sprechen zu können, denn sie besteht, wenn man so will, in der Verneinung der Einsicht, dass die Wahrheiten nicht mehr tragbar sind: „Die ‚Wahrheiten‘ –, wir wollen ihr Gewicht nicht mehr ertragen, nicht länger ihre Opfer oder Mitschuldigen sein.“ (SB, S. 7) Diese Verneinung und das Verschweigen der Einsicht, dass die Wahrheiten nicht mehr tragbar sind, führen zu einer sprachlichen Verkleidung des vermeintlich Wahren, zu einer sprachlichen Verkleidung, die nichts anderes ist als eine Mythologisierung. Aber was ist das vermeintlich Wahre, das Dahinter, das Jenseits? Für Cioran ist es nicht etwas, sondern vielmehr nichts: „Die Literatur von ihrer Schminke befreien, ihr wahres Gesicht zu sehen, ist ebenso gefährlich wie die Philosophie ihrer Geheimniskrämerei zu berauben. Sollten die Schöpfungen des Geistes sich auf die Verklärung von Belanglosigkeiten zurückführen lassen? Und gäbe es nur jenseits des artikulierten Ausdrucks einige Substanz –: im Feixen oder im Kampf?“ (SB, S. 10) Ihres Schweigens entkleidet wären die Literatur und die Philosophie – Ciorans Wirken dürfte weder als rein literarisch noch als rein philosophisch betrachtet werden – in Wirklichkeit vielleicht nichts anderes als nackte und dumm feixende Körper. Zu ihrer Körperlichkeit zurückgekehrt wären die Literatur und die Philosophie in Wirklichkeit vielleicht nichts anderes als Kampf oder allgemeiner: nichts anderes als Handlung. Sollte es sich bei diesem Gedanken um Ciorans Begehren handeln, zur Eigentlichkeit des Lebens zurückzukehren, würde er eine offensichtliche Nähe zu Heideggers Begriff des Seins aufweisen, wonach das Sein nichts ist.

In den folgenden Aphorismen bezeichnet Cioran diese Wahrheiten als Gewissheiten und Ideen: „Mit Gewißheiten kann man keinen Stil machen. Die Sorgfalt des sprachlichen Ausdrucks ist das Privileg jener Menschen, die in keinem Glauben Ruhe finden. Mangels einer soliden Stütze klammern sie sich an die Worte – an diese Scheinwirklichkeiten –; während die andern, die sich durch ihre Überzeugungen gesichert fühlen, solches Blendwerk verachten und in behaglichen Improvisationen plätschern. / Mißtraue denen, die der Liebe, dem Ehrgeiz, der Gesellschaft den Rücken kehren. Sie werden sich dafür rächen, darauf verzichtet zu haben. Die Geschichte der Ideen ist die Geschichte der Ranküne der Einsamen.“ (SB, S. 8) Gewiss muss man auch Cioran eine Sorgfalt des sprachlichen Ausdrucks attestieren: Die Aphorismenreihe Syllogismen der Bitterkeit [Syllogismes de l’amertume] ist, wie bereits erwähnt, zuerst auf Französisch erschienen (1952); schon drei Jahre zuvor erschien Die Lehre vom Zerfall [Précis de décomposition] [ Dt. von Paul Celan] auf Französisch, ein Buch, das Cioran viermal hat schreiben müssen. (7) Was bedeutet dieses Sichklammern an die Worte – an diese Scheinwirklichkeiten im Bewusstsein der Sprache als Schein? Auch das dürfte im Falle Cioran keine Abkürzung sein, bedenkt man, dass die Sprache für ihn nicht ein Glaube ist, sondern Pflege und Sorgfalt, was sie auf jeden Fall als Ruhestätte, nicht aber als einen angestrebten Ausdruck von Leichtigkeit und Einfachheit ausschließt. Für ihn ist die Sprache unbequem und ungesichert: „Den Aphorismus kultivieren nur diejenigen, die das Bangen inmitten der Worte kennengelernt haben, jenes Bangen, mit allen Worten zusammen einzustürzen.“ (SB, S. 10) So kann nur sprechen, wer sich weigert, sich irgendetwas unterzuordnen; wer sich sogar weigert, sich seinen eigenen Erkenntnissen und seiner eigenen Sprache unterzuordnen.

Trotz Ciorans Nähe zu Heidegger, die in seinen Schriften zuweilen durchscheint, adressiert dessen Stilkritik im höchsten Maße Heideggers Sprache und die von ihm vor allem in Frankreich angestoßene Denktradition: „Die Jagd nach dem Zeichen auf Kosten der bezeichneten Sache; die Sprache als Selbstzweck angesehen, als Konkurrenz der ‚Wirklichkeit‘, die verbale Manie sogar bei den Philosophen; das Bedürfnis, sich auf der Ebene der Erscheinungswelt zu erneuern; – Merkmale einer Zivilisation, in der die Syntax dem Absoluten und der Grammatiker dem Weisen den Rang abläuft.“ (SB, S. 13) Bezeichnet Cioran Heideggers Sprache als Selbstzweck – konkret tut er das zwar nicht, aber seine Ansprache scheint Heidegger zu gelten –, wirft er ihm Dogmatismus vor. Es ist eine andere Frage, ob dies in der Tat auf Heidegger zutrifft; hier interessiert, dass mit jedem Dogmatismus, jedem Selbstzweck oder jedem Willen zur Selbsterhaltung eine ungeheure Entfremdung (und wenn eine Botschaft sich hinter dem Dogmatismus verstecken sollte, dann auch eine sprachliche Überfrachtung) derer einhergeht, gegen die Cioran verständlicherweise protestiert. Einer der dichtesten, komödiantischsten und zugleich ernsthaftesten Aphorismen Ciorans lautet: „Das Seiende verursacht mir Asthma.“ (SB, S. 25) Seltsamerweise bestreitet und leugnet Cioran das Sein, das Seiende, die Wahrheit, das Wesen, die Seele etc. nicht, und dennoch betrifft seine Heidegger-Kritik genau diese „Fachsprache“ (SB, S. 48). Von dem Wort ‚Seele‘ sagt Cioran: „In keiner Sprache gibt es ein unanständigeres Wort.“ (SB, S. 12)

Es dürfte deutlich geworden sein, wem Cioran nähersteht: Viel näher als an Heidegger ist er an den mit der Wertphilosophie sympathisierenden Philosophen Nietzsche und Husserl, die nicht primär um die philosophische Sprache bemüht waren, sondern um das, was sie zu bezeichnen im Stande ist. Somit ist die Kritik durchaus berechtigt, denn im Mittelpunkt des Denkens Ciorans wie auch der zwei zuletzt Genannten steht verstärkt das ausdrückbare phänomenologische Verhältnis zur Welt, zur ganzen Welt – die phänomenologische Intentionalität –, und nicht das nackte Denken, was dasjenige des Seins ja durch und durch ist. Der Impuls zu einer solchen Kritik könnte darin bestehen, dass Heidegger, obwohl er den Umschlag der aletheia in eine Wertphilosophie der orthotes als eines „Richtigerwerden[s] des Blickens“ wie kein anderer wahrnimmt, (8) sich trotz guter Argumente für Letzteres gegen es entscheidet, was den Eindruck entstehen lassen könnte, er verwalte eine Art Philosophie des nackten Seins, die als solche (sprachlich) unerschöpflich ist.

1 Leonard Fuest: Poetik des Nicht(s)tuns. Verweigerungsstrategien in der Literatur seit 1800, München 2008, S. 260.

2 Reiner Ruffing: Einführung in die Philosophie der Gegenwart, Paderborn 2005, S. 71.

3 François Bondy: „Der untätigste Mensch in Paris. Besuch bei einem radikalen Pessimisten“, in: Die Zeit, Nr. 15, 10.04.1970, S. 68. François Bondy hat u. a. auch ein Buch von Cioran ins Deutsche übertragen: E. M. Cioran: Über das reaktionäre Denken. Zwei Essays, Frankfurt am Main 1980.

4 Im Folgenden zitiert nach E. M. Cioran: Syllogismen der Bitterkeit , aus dem Französischen von Kurt Leonhard, Frankfurt am Main 1980. [Abk.: SB]

5 Vgl. dazu Jürgen Sprute: „Topos und Enthymem in der aristotelischen Rhetorik“, in: Hermes 103 (1975), S. 68-90. Unter Berücksichtigung auch der Analytik und der Rhetorik untersucht Jürgen Sprute die von Aristoteles definierten syllogistischen Strukturen im Hinblick auf deren Anwendungs und Gültigkeitsbereiche.

6 Ebd., S. 73: „Eigenschaft [..], die einem Menschen an sich und damit notwendigerweise zukommt“.

7 Vgl. Jason Weiss: “An interview with Cioran”, in: Grand Street Vol. 5, Nr. 3 (Spring 1986), S. 105-140, hier: S. 116: “When I came to France in 1937, I was twenty-six and, instead of settling down to write in French, I wrote in Romanian until 1947, though without yet publishing anything. I wrote lots of things. Then I was in a village in Normandy in 1947 and I was translating Mallarme into Rumanian. All of a sudden it struck me that it made no sense. I'm in France, I'm not a poet to begin with, I translate poorly, why am I doing this? I didn't want to go back to my own country, and that was a sort of illumination. I said to myself, “You have to renounce your native tongue.” I came back to Paris with the idea of writing in French, and set about to do it. But, it was much more difficult than I thought. It was even very difficult. I thought I'd just start writing like that. I wrote about one hundred or one hundred fifty pages and showed them to a friend, who said, “That's not right, you'll have to do it all over.” I was furious, but that made me become serious about it. And I threw myself into the French language like a madman, surrounded by dictionaries and everything. I did an enormous amount of work. I wrote the first book four times.”

8 Martin Heidegger: „Platons Lehre von der Wahrheit (1931/ 32, 1940)“, in: Ders.: Gesamtausgabe. I. Abteilung: Veröffentlichte Schriften 1914-1970. Bd. 9. Wegmarken, S. 203-239, hier S. 230: „Der Übergang von einer Lage in die andere besteht in dem Richtigerwerden des Blickens. An der ὀρθότης, der Richtigkeit des Blickens, hängt alles.“

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erstellt am 27.8.2014

»Fragt mich nicht nach meinem Programm: Atmen, ist das keines?«

Cioran (Syllogismen der Bitterkeit)

Ciorans verbitterte Philosophie ist keine Philosophie im strengen Sinne des Begriffs ‚Philosophie‘, sondern eine Philologie weniger aus der Liebe, sondern vielmehr aus der Bitterkeit zum Wort.

Nur der Philologe, dem wesenseigen ist, verrückt zu sein, würde von sich preisgeben: „Ich träume von einer Welt, wo man für ein Komma sterben könnte.“

Cioran versucht, all dasjenige herauszustellen und ans Licht zu bringen, was eben herauszustellen und ans Licht zu bringen ist. Wo sein Stil scheitert, scheitern das Denken und die Verstehbarkeit überhaupt; wo das Fragment abbricht, stellen sich das Denken und das Verstehen überhaupt als fragil dar.

Für Cioran ist die Sprache nicht ein Glaube, sondern Pflege und Sorgfalt, was sie auf jeden Fall als Ruhestätte, nicht aber als einen angestrebten Ausdruck von Leichtigkeit und Einfachheit ausschließt.

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Die Quarto-Ausgabe enthält sämtliche Werke Ciorans, die in Buchgestalt auf deutsch (in den Verlagen Suhrkamp und Klett-Cotta) erschienen sind.
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