Nachdem der Kapitän Bontekoe van Hoorn im Alter seine Erlebnisse dieser „denkwürdigen Reise“ aufgeschrieben hatte, wurde er bekannt wie eine bunte Kuh. Viele Zeitgenossen spannen aus den Erlebnissen ihrer langen Reise in die fernen Kolonien ein buntes Seemannsgarn. Bontekoe erzählt dagegen von den tatsächlichen Siegen und Niederlagen dieser abenteuerlichen Handelsreise. Vor allem sind es Katastrophen, die der mutige Kapitän zu bewältigen hat. Und die überwindet er „mit Gottes Hilfe“, aber vor allem durch seine Kenntnisse der Navigation, gepaart mit Geistesgegenwart, Überlebenswillen und Ideenreichtum. Die niederländischen Schiffer der damaligen Zeit nannten sich „Schiffer nebst Gott“. Aus diesem Selbstverständnis heraus dankt Bontekoe Gott für jede rettende Wendung in der Katastrophenfülle. Letztlich war es dann auch Gottes Wille, dass einem unachtsamen Maat am Anfang der Reise eine Kerze in den verschütteten Branntwein fiel und das ganze Schiff in Brand setzte. Übrig blieben ein Boot und eine Schaluppe, in die sich der Kapitän und ein Teil der Mannschaft retteten.

Clair Lüdenbach

Fünfter Reisebericht

Willem Bontekoe van Hoorn: Journal der ostindischen Reise

Logbücher holländischer Seefahrer im 17. Jahrhundert – 1596-1630

Herausgegeben, übertragen und kommentiert von M.R.C. Fuhrmann-Plemp van Duiveland

Fünftes Kapitel

Kampf ums Überleben

Nach einer Weile sagte ich zu meinem Maat: »Harmen, es scheint, dass unsere Hoffnung hier verloren ist, denn es ist spät, die Sonne geht unter. Die Schaluppe und das Boot sind so weit weg, dass man sie kaum noch sehen kann. Das Schiff ist in Trümmern, und hier auf dem Wrack werden wir es kaum lange aushalten. Darum lass uns Gott den Allmächtigen um ein gnädiges Ende bitten.« Also taten wir und baten Gott gar ernstlich um ein gutes Ende. Das bekamen wir, denn als wir wieder aufblickten, da waren sowohl die Schaluppe als auch das Boot uns ganz nahe, worüber wir hoch erfreut waren. Ich rief sofort: »Bergt den Kapitän! Bergt den Kapitän!« Als sie dies hörten, waren sie von Herzen froh und riefen: »Der Kapitän lebt noch, der Kapitän lebt noch!« – Sie ruderten daraufhin ganz nahe an das Wrack heran und blieben dort liegen mit der Schaluppe und dem Boot. Sie trauten sich nicht, zu uns zu kommen, weil sie fürchteten, ein Stück vom Wrack könnte durch die Schaluppe oder das Boot hindurchstoßen.

Der Jungmann Harmen van Kniphuysen hatte noch so viel Schneid, dass er sich vom Wrack wegbegab und an das Boot heranschwamm. Er war vom Hochfliegen nur wenig verletzt worden, ich aber rief: »Wollt ihr mich haben, so müsst ihr mich holen, denn ich bin so zerschlagen, dass ich nicht schwimmen kann.« Da sprang der Trompeter aus dem Boot über Bord mit einer Lotleine und brachte mir das eine Ende. Ich machte es um meine Hüfte fest, und sie zogen mich an das Boot heran, und so kam ich – der Herr sei gelobt! – ins Boot. Im Boot kam ich achtern zu Heyn Rol, zu Willem van Galen und dem Untersteuermann mit Namen Meyndert Krijnszoon van Hoorn, die alle staunten, dass ich noch am Leben war.

Achtern im Boot hatte ich seinerzeit, quer über das Boot, ein kleines Dach machen lassen, worunter wohl einige Mann Platz hatten. Da kroch ich hinein und dachte: »Ich möchte einiges überlegen.« Denn ich mutmaßte, dass ich nicht mehr lange zu leben hätte, wegen der Verletzungen im Rücken und der beiden Löcher im Kopf. Gleichwohl sagte ich zu Heyn Rol und den anderen: »Bleibt zur Nacht beim Wrack. Morgen, wenn’s Tag ist, werden wir wohl einiges an Lebensmitteln bergen und möglicherweise noch einen Kompass auftreiben, damit wir das Land finden.« Denn in der Schaluppe wie im Boot waren weder Kompass noch Karte oder Bogen, kaum etwas zu essen und nichts zu trinken: In solch kopfloser Hast waren sie vom Schiff weggefahren. Sie sagten, der Steuermann, Jan Piet van Hoorn, hätte die Kompasse aus dem Nachthaus genommen. Er schien wohl gefürchtet zu haben, dass manche das Schiff verlassen würden, was gleichwohl geschah.

Während ich nun dalag in jenem Roof, hieß der Kaufmann das Volk die Riemen auslegen und ließ sie rudern, so als ob er, wenn es nur erst Tag wäre, Land zu finden vermeinte.

Da es aber tagte, waren wir sowohl vom Wrack als auch vom Land fort. Alle waren nun gänzlich missmutig. Sie kamen und schauten ins Roof, in dem ich lag, ob ich wohl noch lebte. Als sie sahen, dass ich noch lebte, sprachen sie: »Ach lieber Kapitän! Was sollen wir tun? Wir sind weg vom Wrack und sehen kein Land, haben weder Essen noch Trinken, weder Bogen noch Karte noch Kompass! Welchen Rat gebt Ihr uns?« Darauf sagte ich: »Maats, ihr solltet auf mich gehört haben, als ich gestern Abend sagte, dass ihr über Nacht beim Wrack bleiben solltet. Wir hätten wohl Nahrung bekommen, denn Fleisch und Speck und Käse trieben mir nur so um die Beine, dass ich kaum durchkommen konnte.« Sie sagten: »Lieber Kapitän, kommt da heraus!« Ich sagte: »Ich bin so lahm, dass ich mich kaum rühren kann. Wollt ihr mich hier heraus haben, so müsst ihr mir helfen.« Da kamen sie und halfen mir heraus, und ich setzte mich auf und überblickte die Leute, und sie ruderten. Ich fragte gleich: »Leute, was habt ihr zu essen im Boot?« Sie brachten ungefähr sieben bis acht Pfund Brot zusammen, alle Mann miteinander. Wir hatten zwei leere Fässchen, dahinein legten wir das Brot. Ich sagte weiter: »Leute, zieht die Riemen ein, es muss anders kommen. Denn ihr werdet müde werden, und wir haben kein Essen zu vergeben. Zieht die Riemen ein!« Da sagten sie: »Was sollen wir denn tun?« Ich sagte: »Zieht eure Hemden aus und macht sie zu Segeln.« Sie sagten: »Wir haben kein Segelgarn!« Ich sagte: »Nehmt die Fender vom Boot und zupft sie zu Werg und dreht Segelgarn daraus. Und vom Band macht das Tauwerk für die Segel.« Daraufhin zogen sich alle das Hemd aus und stoppelten sie zusammen zu Segeln. Das Gleiche taten sie auch in der Schaluppe. Wir zählten dann unser Volk und befanden 46 Mann im Boot und 26 in der Schaluppe, macht im ganzen 72 Mann.

Da waren eine blaue Joppe und ein Kissen im Boot. Diese wurden mir gegeben. Die Joppe zog ich an, und das Kissen legte ich mir auf den Kopf, weil ich, wie berichtet, zwei Löcher im Kopf hatte. Zwar hatten wir den Barbier mit im Boot, aber er hatte keinerlei Medikamente. Ich zerkaute jedoch etwas Brot und legte es auf die Wunden, sodass ich durch Gottes Gnade geheilt wurde. Ich schlug vor, mein Hemd ebenfalls auszuziehen, aber davon wollten sie nichts hören. Sie trugen noch Sorge um mich, damit ich am Leben bliebe. Wir ließen uns den ganzen Tag treiben, während die Leute dabei waren, die Segel zu fertigen. Abends waren sie klar, wir setzten sie bei und begannen zu segeln. Dies war am 20. Tag des Novembers 1619. Wir begannen unseren Kurs nach den Sternen, denn wir wussten gut Bescheid, wo die Sterne auf- und unterzugehen hatten. Nachts richteten wir danach unseren Kurs.

Nachts war es so kalt, dass wir mit den Zähnen klapperten, und am Tage so heiß, dass wir vor Hitze schier vergingen. Denn die Sonne war meist direkt über uns.

Am 21., 22. und 23. praktizierten wir einen Gradbogen, um Höhe zu nehmen. Wir schlugen einen Quadranten auf der Plicht und fertigten dazu einen Stab mit gekreuztem Querholz. Wir hatten den Kästner Teunis Ijsbrantszoon van Hoorn bei uns im Boot. Der hatte einen Zirkel. Er kannte sich auch ein wenig aus, wie man einen Stab zeichnet, sodass wir miteinander so einen Gradbogen ausstachen und unterteilten, mit dem wir die Höhe maßen. Ich schnitt auch eine Passkarte achtern an Bord und legte die Insel Sumatra mitsamt der Insel Java da hinein mit der Straße von Sunda, die zwischen den beiden Inseln hindurchläuft.

Und am Nachmittag desselben Tages, da wir das Schiff verloren, hatte ich noch die Höhe der See gemessen und einen Standort fünfeinhalb Grad südlicher Breite befunden. Nach dem letzten Besteck auf der Karte standen wir noch etwa 90 Meilen vom Land entfernt.

Ich schnitt auch eine Kompassrose in die Karte hinein, koppelte dann täglich mit dem Zirkel aufs Geratewohl und steckte einen Kurs ab, der 70 Meilen seitwärts vom Gatt oder nördlich darüber lag, damit wir, falls wir Land in Sicht bekämen, desto besser wüssten, in welche Richtung wir fahren sollten. So segelten wir zu guter Letzt auf gut Glück nach unserem Gradbogen und mit unserem Zirkel.

Von den sieben bis acht Pfund Brot gab ich jedem täglich seine Ration, solange es reichen wollte. Doch waren wir bald damit zu Ende. Jeder erhielt pro Tag ein Stückchen, das etwa so groß war wie ein Fingerglied. Zu trinken hatten wir nichts. Darum holten wir, wenn es regnete, unsere Segel nieder und legten sie quer übers Boot. So fingen wir das Wasser darin auf und sammelten es in unsere beiden Fässchen. Wenn diese gefüllt waren, setzten wir sie auf die Seite, bis dass ein trockener Tag kam, an dem es nicht regnete. Ich schnitt die Spitze von einem Schuh zurecht, und ein jeder trat an das Fässchen, schöpfte eine Spitze voll daraus und trank. Dann ging er wieder an seinen Platz, an dem er zuvor gesessen hatte. Und wenngleich wir in einer solchen Bedrängnis waren, sagte die Mannschaft: »Kapitän, nehmt doch so viel, wie Ihr mögt, denn uns allesamt ist es ja doch zu nichts nütze.« Da ich ihre Herzensfreundlichkeit sah, wollte ich nicht mehr haben als sie. Als wir so mit der Schaluppe und dem Boot dahingesegelt waren, baten die in der Schaluppe, als sie in unsere Nähe kamen, ob sie wohl zu uns ins Boot hinüberkommen dürften, weil das Boot schneller segle als die Schaluppe und niemand in der Schaluppe sich auf Navigation verstehe. Sie sagten: »Lieber Kapitän, nehmt uns doch herüber, damit wir zusammenbleiben dürfen.« Denn sie hatten Furcht, von uns abzukommen. Aber die Leute im Boot waren dagegen und sagten: »Kapitän, wenn wir sie herübernehmen, so kostet es uns alle miteinander den Hals. Denn das Boot kann nicht alle tragen!« Deshalb mussten sie sich wieder vom Boot absetzen.

Das Elend unter uns war groß. Wir hatten kein Brot mehr und bekamen kein Land in Sicht. Ich machte den Leuten immerzu vor, dass wir in Landnähe seien, damit sie guten Mut behielten. Aber sie murrten bereits dagegen und sprachen untereinander: »Der Kapitän mag zwar daherreden, dass wir Land ansegeln, aber möglicherweise segeln wir gerade vom Land weg.«

Eines Tages, als es den Anschein hatte, wir würden ohne Essen nicht mehr durchhalten, fügte es der Allmächtige, dass Möwen über das Boot flogen, als wollten sie von uns gefangen werden. Denn sie flogen uns fast in die Hände und ließen sich greifen. Wir rupften ihnen die Federn aus und zerschnitten sie. Ein jeder bekam seinen Teil. Wir aßen sie roh, und es schmeckte mir so köstlich, ja es schmeckte so süß, wie mir nur je etwas in meinem Leben geschmeckt hatte – wie wenn mir Honig in Mund und Hals steckte. Hätten wir nur etwas mehr gehabt! Es war knapp so viel, dass wir am Leben bleiben konnten – mehr nicht.

Und indes das Land immer noch nicht auftauchte, wurden wir gefügig gemacht. Als die in der Schaluppe uns von Neuem baten, hinüberkommen zu dürfen, beschlossen wir, sie zu übernehmen. Denn da war immer noch keine Aussicht auf Land. Wir fürchteten, vor Hunger und Durst sterben zu müssen, und wenn wir schon sterben müssten, so wollten wir doch noch lieber mit- und beieinander sterben. Wir übernahmen daraufhin die Leute aus der Schaluppe ins Boot, dazu sämtliche Riemen aus der Schaluppe mitsamt den Segeln, die wir im Boot mit beisetzten. So hatten wir dann im Boot ein kleines Vorsegel, eine Fock, ein Großsegel und einen Besan. Wir hatten nun auch zirka 30 Riemen, diese legten wir über die Ruderbänke wie einen Überlauf. Das Boot war so hohl, dass das Volk unterhalb der Riemen bequem auf seinen Allerwertesten sitzen konnte. So setzten wir die eine Hälfte der Leute unter die Riemen und die andere Hälfte über die Riemen. Somit konnten wir alle gut unterbringen. Wir waren jetzt alle miteinander 72 Personen im Boot und sahen uns mit traurigen Augen an. Hatten wir doch weder zu essen noch zu trinken. Weder war da Brot, noch kamen Möwen geflogen, und regnen wollte es auch nicht.

Als es gerade am allerwenigsten danach aussah, dass wir das Leben behalten würden, geschah es durch des Herrn Barmherzigkeit, dass unversehens aus dem Meer eine Partie fliegender Fische aufbrach, von denen ein jeder so groß war wie ein großer Stint. Ganz in der Weise wie ein Schwarm Sperlinge flogen sie in das Boot. Das war ein Grapschen! Alle taten, was sie konnten, um welche zu bekommen. Wir verteilten sie untereinander und aßen sie roh, und sie schmeckten wie Honig. Es würde uns aber nur wenig nutzen. Gleichwohl stärkte es uns etwas und half so viel, mit Gott, dass keiner starb, worüber man sich freilich wundern musste, denn die Leute begannen schon, Salzwasser zu trinken, meinen Warnungen zum Trotz. Ich sprach zu ihnen: »Leute, trinkt nur kein Salzwasser, denn es wird euch den Durst nicht nehmen! Ihr werdet den Durchmarsch davon bekommen und daran sterben.« Andere wiederum zerkauten Gewehr- und Musketenkugeln; wieder andere tranken ihr eigenes Wasser. Ich trank mein Wasser, solange es noch gut war. Denn hernach wurde es zum Trinken ungeeignet.

Die Bedrängnis wurde immer schwerer und größer, und das Volk begann sich gegenseitig derart verzweifelt, missmutig und grausam zu mustern, dass es aussah, als wollten sie einander umbringen und sich essen. Ja, sie sprachen untereinander darüber und einigten sich dahin, dass sie zunächst die Jungs verspeisen wollten. Wenn diese gegessen wären, wollten sie würfeln, wer als Nächster dran wäre. Dadurch wurde ich in meinem Geist zutiefst erschüttert und betete aus großer Bedrängnis zu dem Allmächtigen, sein väterliches Erbarmen möchte es so weit nicht kommen lassen und er möge uns nicht über unsere Kraft versuchen, da er doch wisse, aus welchem Holz wir sind. Ich kann unmöglich sagen, wie bange mir ums Herz war bei diesem Vorschlag, um so mehr da ich wohl etliche erblickte, denen durchaus zuzutrauen war, dass sie die Jungs töteten. Doch überredete ich sie mit Gottes Hilfe und bat für die Jungs und sagte: »Männer, lasst uns das ja nicht tun! Gott wird einen Ausweg zeigen, denn wir können nicht mehr weit vom Land weg sein, da wir doch täglich messen und zirkeln.« Sie antworteten: »Das habt Ihr schon oft gesagt, und wir bekommen kein Land, ja wir segeln vielleicht vom Land weg.« Sie waren unzufrieden und stellten mir eine Frist von drei Tagen. Wenn wir in dieser Zeit kein Land ansegelten, wollten sie die Jungs essen. Fürwahr ein desperates Vorhaben! Ich betete darüber zu Gott in feurigem Ernst, er möge seine gnädigen Augen auf uns herniedersenken und uns in dieser Zeit zum Land geleiten, damit wir keine Gräuel begingen vor seinen Augen.

Die Zeit verging, und die Not war so groß, dass wir es nicht länger aushalten konnten. Oft dachten wir: Wären wir nur an Land und dürften Gras essen, eine solche Not war. Ich ermahnte die Maats unter so vielen trostreichen Reden, wie ich sie nur immer zu jener Zeit zusammenbrachte. Ich sagte, sie sollten doch guten Mutes sein. Der Herr werde für uns sorgen. Ich war aber selbst kleinmütig, sollte andere trösten und war selbst des Trostes bedürftig. So sprach ich manches Wort über das eigene Herz hinaus. Also trugen und litten wir denn miteinander und wurden so müde und matt, dass wir kaum mehr die Kraft hatten aufzustehen. Heyn Rol, der Kaufmann, war schon so weit: Dort wo er saß, da saß er eben. Er konnte sich nicht mehr von der Stelle rühren. Ich selbst war noch so tüchtig, dass ich im Boot von achtern bis nach vorn gelangen konnte.

So trieben wir herum auf Gottes Gnade bis zum 2. Dezember 1619, dem 13. Tag, nachdem wir das Schiff verloren hatten. Da wurde der Himmel grau mit Regen und ohne Wind. Wir holten die Segel nieder, spannten sie quer übers Boot, krochen alle miteinander unter die Segel und ließen unsere Fässchen volllaufen. Die Leute hatten kaum Kleider, da sie ja so eilig abgefahren waren, und ihre Hemden waren zu Segeln gemacht, wie berichtet. Die meisten hatten nicht mehr an als Leinenhöschen, mit nacktem Oberkörper. So krochen sie unter die Segel, um sich zu wärmen. Mittlerweile stand ich am Ruder und vermutete, dass wir in Landnähe waren. Ich hoffte, es würde aufklaren, während ich am Ruder stand. Es blieb aber immer gleich neblig, ohne dass es aufklaren wollte. Mir wurde in Nebel und Regen so kalt, dass ich am Ruder nicht länger ausharren konnte. Ich rief darum eine der Wachen herbei und sagte: »Komm her und löse mich mal ab am Ruder, ich kann es nicht länger verkraften.« Da kam er und löste mich ab. Ich kroch mitten unter die Leute, um wieder Wärme zu bekommen.

Sechstes Kapitel

Endlich Land

Noch keine Stunde hatte die Wache am Ruder gestanden, da begann es schon aufzuklaren. Er schaute und sah sofort Land. Da rief er in großer Freude: »Maats, kommt heraus, das Land liegt vor uns! Land! Land!« – Das solltet ihr gesehen haben, wie rasch wir unter dem Segel hervorkamen! Wir hissten die Segel wieder und segelten auf das Land zu. Am selben Tages noch kamen wir an Land. Der Allmächtige sei gelobt und gepriesen, der unsere Gebete und unser Flehen erhört. Denn wir sprachen morgens und abends unser Gebet in inniger Andacht zu Gott und sangen auch vor und nach dem Gebet einen Psalm, denn wir hatten noch einige Psalter bei uns. Die meiste Zeit war ich hierin Vorsänger, als aber der Prediger aus der Schaluppe in unser Boot kam, tat er es selbst…….

Aus: Willem Bontekoe van Horn, Journal der Ostindischen Reise. Logbücher holländischer Seefahrer im 17. Jahrhundert 1596-1630
Mit freundlicher Genehmigung © Edition Erdmann, Wiesbaden

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erstellt am 22.8.2014

Sie mussten mit Löwen kämpfen, litten unter unbekannten Krankheiten mit ungewissem Ausgang, sahen ungeahnte Wunder, gerieten immer wieder in Lebensgefahr, erlebten Unglaubliches, hungerten, verdursteten fast und wurden Gäste großherziger Herrscher: die reisenden Entdecker zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert.
Die Reihe mit Fundstücken aus diesen Reisebeschreibungen in Faust-Kultur versammelt, bewahrt frühe Erfahrung des Fremden und gerettete kulturelle Erkenntnisse. Das ergibt ein beträchtliches Lesevergnügen.

Die Wortwahl der Dokumente entspricht nicht in allen Fällen dem derzeitigen Stand politischer Korrektheit (Anm. d. Red.).

Willem Bontekoe van Horn
Journal der Ostindischen Reise. Logbücher holländischer Seefahrer im 17. Jahrhundert 1596-1630
Leinen mit Schutzumschlag, 384 Seiten
EAN: 978-3-86539-859-8
Edition Erdmann, Wiesbaden 2013

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