Stefanie Zweig, die Autorin von »Nirgendwo in Afrika«, ist tot. Geboren 1932, musste sie 1938 mit ihrer Familie nach Kenia fliehen. 1947 kehrten die Zweigs nach Deutschland zurück. Stefanie Zweig arbeitete in Frankfurt als Kulturjournalistin, bevor sie zu schreiben anfing. Viele ihrer Bücher erzählen vom Leben der Frankfurter Juden inmitten historischer Brüche. Alban Nikolai Herbst sprach 2010 mit Stefanie Zweig über »Heimkehr in die Rothschildallee«, den dritten Teil ihrer Sternberg-Saga.

gespräch

»Die ganz einfachen Fragen«

Alban Nikolai Herbst im Gespräch mit Stefanie Zweig

Alban Nikolai Herbst: Liebe Stefanie Zweig, es ist sehr schön, dass Sie Zeit für dieses Gespräch gefunden haben. Mir gehen nach der Lektüre Ihres Romanes natürlich einige Dinge im Kopf herum …

Stefanie Zweig: Ich hoffe vor allem, dass Ihnen das Buch gefallen hat.

Ja, zeitweise sogar sehr. – Es ist ja auch nicht nur dieser Roman, sondern Sie schreiben ganz offensichtlich an einer Familien-Saga: der Sternberg-Saga.

Das ist richtig. Angefangen habe ich damals mit den Afrika-Büchern, weil mir Kenia so fehlte. Aber in Deutschland fehlte mir dann das Deutschland meiner Kindheit, und ich versuchte, es in den Romanen für meine Leser wiedererstehen zu lassen. Mit allen Furchtbarkeiten…

…deretwegen Ihre Familie geflohen ist…

…fliehen musste selbstverständlich.

Ihr neuer Roman, „Das Haus in der Rothschildallee”, endet damit, dass die Familie ihr von den Nationalsozialisten enteignetes Haus wiederbekommt. Das klingt ganz so, als ginge die Romanserie weiter.

Das wird sie. Ich habe das Bedürfnis zu erzählen, weshalb all die Personen überhaupt nach Deutschland zurückgekommen sind … gerade die Geschichte Erwins und seiner Schwester ist mir sehr nah. Und dann ist da noch die Nichte Claudette, die mittlerweile 30 Jahre alt ist und höchstwahrscheinlich schwanger –

… das deuten sie auf den letzten Seiten an…

… und es war je nun nicht alltäglich, dass jüdische Menschen nach Deutschland zurückkommen wollten und wieso sie keine Wurzeln gefasst haben.

Wird es auch einmal ein Palästina-Buch geben?

Nein, gar nicht! Sehen Sie, ich kenne von Palästina nichts.

Aber Ihnen ist die Idee, nach Israel zu gehen, ganz sicher mal durch den Kopf gegangen.

Nein, gar nicht. Israel ist für mich ein völlig fremdes Land. Ich kann schon die Sprache nicht. Beide Male, da ich dort zu Besuch war, hat es mich völlig närrisch gemacht, dass ich noch nicht einmal die Straßenschilder lesen konnte. Also gut, die sind auch in Englisch, aber Iwrith ist für mich eine Fremdsprache. Was aber mich angeht, meine Familie angeht, so sind wir damals nach Afrika ausgewandert. Das wissen Sie. Außerdem will ich meine Leute schon hierhin, nach Deutschland, zurückbringen.

Ich hatte einmal einen jüdischen Mentor, der als kleines Kind nach Frankreich hinausgeschmuggelt worden ist und sich als erwachsener Mann so zurücksehnte, daß er wiederkam, obwohl er fast seine ganze Familie verloren hatte.

Das entspricht meiner eigenen Biografie.

Ich habe ihn damals gefragt: „Herr Soundso, wieso sind Sie wieder zurück?“, und er gab da zur Antwort: „Was man hasst, das liebt man.“ – Könnten Sie dazu was sagen? Was ist das: „kulturelle Identität”?

Das ist etwas ganz Persönliches, nichts Allgemeines, glaube ich. Wir sind ja schon sehr früh aus Kenia zurückgekehrt, wie man aus meinen Büchern weiß. 1947.

Das ist wirklich früh!

Sehr früh. Aber mein Vater hat gesagt: „Entweder, man geht früh in ein Land zurück, oder es klappt nicht mehr, dort jemals wieder Fuß zu fassen.“ Sie müssen außerdem wissen, dass ich ein gehorsames Kind war, das gar nicht fragen konnte „warum?“. Ich war also 14 Jahre alt, und dann war ich einfach hier und eigentlich entwurzelt wie beim ersten Mal. Allerdings hatte die Entscheidung meines Vaters in erster Linie wirtschaftliche Gründe. Er war Jurist und wollte wieder in seinem Beruf arbeiten.

Insofern ist die Geschichte der Familie Sternberg im Roman sehr nah an Ihrer eigenen Geschichte?

Selbstverständlich.

Das ist übrigens die, meine ich, Kraft in Ihrem Buch: dass die lebendige Erfahrung so zu spüren ist.

Ich habe auch den Anwalt, von dem ich erzähle, dass er in Holland überlebt hat, charakterlich ganz eng an meinen Vater angelehnt. Mit keinem anderen Beruf kann ich erzählerisch so gut umgehen wie mit dem eines Juristen. Eben meines Vaters wegen. Auch mein verstorbener Bruder ist Jurist gewesen. Einmal habe ich in einem meiner Bücher über einen Kinderarzt geschrieben und war todunglücklich dabei, einfach, weil ich keine Ahnung hatte, was ein Kinderarzt macht. Deswegen ist der im Buch nie in seiner Praxis anzutreffen.

Hübsch! Man bemerkt Ihre Vorliebe bisweilen auch an Nebenformulierungen, zum Beispiel, wenn da steht: „Besitz, nicht Eigentum.” Ein Laie kennt den Unterschied nicht.

Sehr richtig. Auf solche Kleinigkeiten kommt es mir an.

Doch zurück zum Thema des Romans. Ist das nicht eigentlich ziemlich bizarr, wenn man ein Land wieder mit aufbaut, dessen Zerstörung nicht zuletzt auch eine Folge des furchtbaren Unheils gewesen ist, das einen selbst getroffen hat. Was ist das für ein Gefühl gewesen?

Wissen Sie, man hat ja nicht wirklich gedacht: Jetzt baust du Deutschland wieder auf. Sondern der Kampf ums tägliche Brot war so schwer. „Wie wirst du satt?”: D a s war die eigentliche Frage immer. Wo bekommst du ein Dach übern Kopf? Die anderen, diese ‚großen’ Fragen sind im Grunde an uns vorbeigegangen. Zum Beispiel … das ist ein wunderbares Beispiel: Als am 15. Mai der Staat Israel ausgerufen wurde, war das für die meisten Juden ganz bestimmt eine ungeheure Sache. Ich selbst aber kann mich nicht erinnern, dass das bei uns Zuhause überhaupt zur Sprache kam. Es wurde nicht einmal erwähnt, auch nicht in der Schule. Was für damals sehr typisch ist.

Es gab damals noch viele – sagen wir es vorsichtig – ‚angeschlossene’ Lehrkräfte …

Erstens das. Und zweitens hatten die meisten Leute Angst, überhaupt etwas zu sagen. Aber dass das auch in meiner Familie nicht zur Sprache kam, ist schon eigenartig. Für uns waren die großen Nachrichten: „Es gibt in dieser Woche 500 Gramm Fleisch.” So etwas. Das war für uns die große Nachricht. Oder: „Es gibt auf die Fleischmarken wieder nur Zucker.” Das wurde ja alles erst um 1948 besser, als die Währungsreform kam. Da hat man dann auch angefangen, sich für den Rest der Welt zu interessieren – obwohl dieser Rest der Welt erstmal nur Deutschland war und nicht etwa ein anderes europäisches Land. An Reisen war sowieso nicht zu denken. Die wenigsten Leute hatten Telefon. Die Welt blieb lange Zeit sehr klein für uns.

Das schildert der Roman eindrücklich anhand der für uns Heutige nur kleinen Fahrt Fritz Feuereisens nach Frankfurt. Für ihn war das ein fast undurchführbares Unterfangen.

Natürlich! Als ich das schrieb, musste ich erst einmal lange überlegen, wie das überhaupt gehen sollte. In Züge kam man ja nicht ohne Weiteres. Also es gab zwar schon wieder Züge, als meine Familie zurückkam, aber der Roman spielt ja noch zwei Jahre früher. Da war das alles noch viel komplizierter.

Sie haben das Problem über einen GI-Freund Fritzens gelöst …

StZ: Ganz genau.

… einen schwarzen Soldaten, bei dessen Schilderung Ihre Kenia-Zeit durchblitzt. Wie ein Reflex. Als ich das las, hab ich gedacht: Mensch, sie sucht sich für diesen sehr menschlichen Soldaten ganz bewusst einen Schwarzen aus.

Ganz so war das aber nicht. Zwar habe ich natürlich ein weiches Herz für die Leute mit nichtweißer Hautfarbe, aber damals waren die GIs, die man gesehen hat und die die Süßigkeiten an die Kinder verteilt haben und die immer lachten, wenn sie ein deutsches Kind sahen, tatsächlich alle schwarz. Das war eine Herzlichkeit bei denen, als hätte es diesen Krieg gar nicht gegeben. Wahrscheinlich wussten sie nicht einmal, weshalb es diesen Krieg gegeben hat. Jedenfalls waren die allermeisten Soldaten, die wir damals sahen, dunkelhäutig.

Was mir an Ihrem Roman vor allem aufgefallen ist, ist Ihr zutiefst menschlicher Blick. Am stärksten spürte ich ihn, als sich Fritz in Nürnberg einquartiert, ausgerechnet bei der Witwe einer Nazi-Größe … Hier wird ein fast mitfühlender Blick auf diese Frau geworfen, die auf der einen Seite das Herz am rechten Fleck hat, aber doch auch tief in die deutsche Schuld verstrickt ist. Dieser menschliche Blick ist nicht so sehr der Blick Fritz Feuereisens, sondern vor allem Ihrer, der Autorin, selbst.

Na ja, Fritz ist logischerweise vollkommen ambivalent. Gerade auch bei dieser Liebesgeschichte.

Das gestalten Sie ganz mitreißend. Ich habe gedacht: Mensch, ist das groß!

Ich habe diese Szene sehr bewusst angelegt. Denn ich habe schon früh gelernt, aber es vielleicht auch mit dem beschönigenden Blick meines geliebten Vaters gesehen, dass man nicht einfach sagen kann, die Deutschen haben dies gemacht und die Deutschen haben das gemacht. Man muss ja auch sehen, dass diese Frau nichts dafür kann, dass ihr Mann ein ganz großer Nazi war. Außerdem verliebt auch sie sich …

Und wie!

… dass Fritz aber dabei ein schlechtes Gewissen hat, ist genauso natürlich. Er hat seine Frau unter den Nazis verloren. Deshalb kann aus dieser neuen Verbindung letztlich auch nichts werden. Wie könnte er seiner Tochter unter die Augen treten und ihr sagen, wen er da in Nürnberg kennengelernt hat und dass er ausgerechnet diese Frau …

Das ist alles ebenso klar wie bitter und traurig, ja geradezu schicksalhaft.

Jedenfalls ist das eine sehr heikle Szene.

Eben deshalb gelungen, meine ich. Es gibt dazu übrigens eine Parallelszene, als da ein ganz anderer GI, aber auch ein Schwarzer, der eigentlich mit dem Impuls losgefahren ist: „diese Deutschen, die müssen wir niedermachen“… als der plötzlich so hilflos dasteht und es gar nicht kann, als er die Kinder da sieht …

Der kapiert das alles auch nicht richtig. Auch diese Szene habe ich ganz bewusst angelegt, denn der Mann weiß nicht einmal, was ein Konzentrationslager war. Das ist ein ganz einfacher Mann. Überhaupt hatten viele Amerikaner keinen Durchblick damals. Das hätte man auch gar nicht verlangen können. Das waren alles ganz einfache Leute.

Für viele von ihnen war das Militär die einzige Chance, aus ihrem sozialen Niveau herauszukommen

Eben. Deswegen meldete man sich auch freiwillig.

Jedenfalls ist das ausgesprochen anrührend im Roman geschildert, fast herzrührend.

Danke, dass Sie das sagen.

Ich glaube, dass mich diese Szenen eben deswegen so sehr bewegt haben, weil ich das so noch nie gelesen hatte … weil da plötzlich eine emotionale Widersprüchlichkeit in die Perspektive gerät, der man nicht ausweichen kann. Man kann da nicht sagen: das habe ich schon so oft gelesen. Also das ist das eine, was mich an Ihrem Roman beeindruckt hat. Das andere hat mit Frankfurt am Main zu tun. Ich hab da ja selbst 13 Jahre lang gelebt. Wer Ihr Buch liest, Frau Zweig, der wird nie wieder durch das Frankfurt am Main gehen, an das er gewöhnt ist. Wer von uns Jüngeren kennt denn schon wirklich die Orte, an denen die jüdische Bevölkerung zusammengetrieben worden ist …

Wie Vieh! Darüber wird auch nicht jeden Tag gesprochen.

… und ich kannte diese Orte alle, aber durch Ihr Buch habe ich einen Blick darauf bekommen … also ich bin nach der Lektüre tatsächlich nochmal zu fast allen hingegangen. Für einen Frankfurter ist das eigentlich – so mein Eindruck – ein Buch, das man haben muss.

Ich hoffe, dass das Publikum das auch so sieht. Für mich war das ganz selbstverständlich, dass ich diesen Roman in Frankfurt spielen ließ, wo ich eben selbst seit so langer Zeit wohne. Nur so bekommt man auch das Lokalkolorit hin. Ich bin ja eine typische Bornheimerin … oder Nordend-Bewohnerin – da streiten sich die Weisen. Ich selbst ziehe Bornheim vor, aber weiß schon, dass das nicht ganz korrekt ist. Doch für diese Gegend bin ich sehr typisch. Ich gehe aus meinem Viertel nie gerne hinaus. Es gibt sogar Viertel in Frankfurt, die ich noch niemals betreten habe, ja ich wüsste nicht einmal, wie ich dort hinkommen sollte.

Dabei ist Frankfurt eine so kleine Stadt.

Wie wahr!

Wann werden Sie anfangen, das nächste Buch zu schreiben?

Wahrscheinlich sofort.

Also haben Sie schon Skizzen?

Nein, ich mache nie Skizzen. Aber als ich mit dem jetzigen Roman fertig war, merkte ich, dass mein Kopf einfach nicht aufhören wollte, die Geschichte weiterzuerzählen. Ich konnte nicht mehr abschalten. Und da habe ich gedacht: Gott, wenn du das alles so genau im Kopf hast, dann solltest du es auch niederschreiben. Das hängt natürlich auch mit meinem Beruf als Journalistin zusammen. Alle meine Bücher hören so auf, dass man denkt, jetzt müsse es weitergehen. Schon beim ersten Buch war das so, das ja 1917 aufhört, als der Johann Isidor, der Hausherr, sein uneheliches Kind bringt … da fragte sich dann jeder: Was wird aus diesem Kind? Ich meine, das konnte doch keiner wissen damals, dass Viktoria, die selbst umkommt, ihre Halbnichte vor der Deportation retten würde. Aber da ich vorhatte, ein Kind überleben zu lassen, musste ich mich natürlich fragen, wer es retten konnte.

Haben Sie, einen Überblick über Ihren Leserkreis? Wer liest die Sternberg-Saga?

Ach, das kann man nicht sagen. Zu den Lesungen kommen aber immer sehr viel mehr Frauen als Männer.

Das entspricht der bekannten Statistik. 70 % aller Leser belletristischer Bücher sind Frauen.

Aber ich bekomme oft auch Briefe von männlichen Lesern.

Haben Sie jugendliche Leser?

Das hoffe ich sehr. Ich habe auch schon in Schulen gelesen, obwohl ich dem erst sehr ausgewichen bin. Ich hatte, ganz am Anfang, einmal eine negative Erfahrung damit, in Bremen. Da sind die Kinder herumgetollt wie verrückt, und der Lehrer hat daneben geschlafen. Da hab ich mir gesagt: also für so was bin ich zu alt. Ich verstehe nichts von Pädagogik und bin sowieso nicht dazu da, Kinder zur Ruhe zu bringen. Also lehnte ich Schullesungen immer wieder ab. Das ist ja auch anstrengend. In Hagen, glaube ich, da haben die mal der Einfachheit halber mit mir drei Lesungen direkt hintereinander gebucht. Alles an einem einzigen Vormittag. Am Ende der 6. Stunde war ich völlig fertig. So lange war ich seit dem Abitur nicht mehr in einer Schule gewesen. Doch dann bat man mich an Frankfurter Schulen. Ich hatte nicht das Herz abzulehnen. Und da habe ich erlebt, wie interessiert die Jugendlichen waren.

Ich meine nämlich auch, dass dieses Buch gerade für Jugendliche wichtig ist. Einfach, weil der Plot sehr gerade und einfühlsam erzählt ist. Das zieht hinein, während Jugendliche heute oft, wenn wieder und wieder Hitlerdeutschland im Unterricht behandelt wird, nur noch abwinken.

Das kann ich sehr gut verstehen.

Es ist alles vielleicht auch zu abstrakt, zu viel hohle Beteuerung. Während durch Ihren Roman eine Dimension der Sinnlichkeit dazu kommt, die einen erfasst.

Na ja, es sind oft auch die ganz einfachen Fragen, auf die ich Antworten gebe. Wie hat man gelebt? Was hat man getan, wenn man keinen Kaffee hatte? Man hat die Brennnesseln geröstet. – So was, ja? Da finde ich eben, das gehört dazu. Und wahrscheinlich sind es auch solche Einzelheiten, die das Interesse wach halten.

Nicht nur dieser Hinsicht ist Ihr Roman aufklärerisch. – Sind Bücher von Ihnen, also Teile daraus, in Schulbücher aufgenommen worden?

Ich weiß es nicht genau, aber es gibt in meinen Verlagabrechnungen immer wieder Hinweise darauf. Und im Moment ist da was Großes in Verhandlung. Um darüber zu reden, ist es aber noch zu früh. Allerdings wird mein erstes Buch sehr viel an den Schulen gelesen, „Vivien und ein mundvoll Erde“. Das habe ich ja auch ursprünglich für Jugendliche geschrieben. Es stand damals auf den Auswahllisten zum Hans-Christian-Andersen- und zum Deutschen Jugendbuch-Preis. In der Zeit hab ich unglaublich viele Briefe bekommen, die immer eine wahnsinnige Mühe machten. Oft kamen ganze Kataloge von Fragen, die die Schüler im Unterricht erarbeitet hatten. Das kostet wirklich einen halben Tag, auf so etwas zu antworten. – Aber auch meine Biografie, „Nirgendwo in Afrika“, ist an Schulen viel gelesen worden. Was auch daran liegt, dass die Lehrer mit ihren Schülern einfach ins Kino gehen konnten, um die Geschichte zu sehen. Allerdings hatte diese Verfilmung nicht mehr sehr viel mit meinem Buch zu tun.

Bitte noch einmal zu dem kommenden Roman. Wissen Sie schon ungefähr, bis in welche Jahre die Handlung reichen wird?

Das weiß ich vorher nie. Beim jetzigen Buch hatte ich zum Beispiel vorgehabt, dass die Währungsreform schon eine Rolle spielen würde. Aber so weit bin dann gar nicht gekommen. Das liegt einfach daran, wie genau man seine Zeit darstellt, wie detailliert man ist beim Scheiben. Und dazu verhilft mir meine reiche Erinnerung und dass ich an den Orten bleibe, die ich so gut kenne.

So gesehen ist die Sternberg-Saga auch eine Frankfurt-Saga.

Ja.

Und Sie sind Frankfurterin geblieben.

Nur in guten Momenten.

Was sind Sie in schlechten?

Gar nichts. Da sage ich immer: Der Mensch muss keine Heimat haben. Man kann sich auch an die Heimatlosigkeit gewöhnen.

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erstellt am 21.12.2010

Stefanie Zweig
Stefanie Zweig, fotografiert von Robert Schuler

Stefanie Zweig
Heimkehr in die Rothschild-Allee
Roman
ISBN: 978-3-7844-3240-3
Verlag Langen-Müller, München 2010

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