Wie andere rumänische Künstler vor ihm ist auch der Maler Jules Perahim nach Paris emigriert und hat dort Karriere gemacht. Er galt als „letzter Surrealist“. Stefana Sabin erinnert an Leben und Werk des vor hundert Jahren in Bukarest geborenen Malers.

kunst

Der letzte Surrealist

Zum 100. Geburtstag des rumänischen Malers Jules Perahim

Von Stefana Sabin

Als Iuliş Blumenfeld im Mai 1914 in Bukarest geboren, schloss er sich schon als Siebzehnjähriger den rumänischen Avantgardekreisen an, debütierte in der surrealistischen Zeitschrift Unu (Eins) und wurde unter dem (Künstler-)Namen Jules Perahim (die hebräische Übersetzung seines Familiennamens) zu einem führenden Vertreter der Bukarester Surrealistengruppe. Deren vielleicht skandalträchtigste Aktion war 1931 die Herausgabe einer Zeitschrift unter dem verspielt provozierenden Titel Pulă. Organ Universal (Schwanz. Ein universelles Organ): Nachdem Perahim dem damaligen rumänischen Ministerpräsidenten ein Heft mit Widmung zugeschickt hatte, wurde er unter dem Verdacht festgenommen, Pornografie zu verbreiten – und wurde dadurch in Bukarest auch jenseits der künstlerischen Kreise berühmt. Nur wenig später erhielt er seine erste Einzelausstellung in Bukarest. Perahim arbeitete als Graphiker für die progressiven rumänischen Zeitschriften und fing zu malen an. Seine Zeichnungen und Gemälde aus diesen Jahren kombinieren expressionistische und surrealistische Elemente, zeigen eine Vorliebe für filigrane Details und evozieren fantastische, ja gespenstische Landschaften.

Nicht nur wegen seiner linken politischen Haltungen, sondern auch als Jude war Perahim nach Rumäniens Allianz mit Nazideutschland und der Einführung der deutschen Rassengesetze 1940 gefährdet, und voller Idealismus floh er in die Sowjetunion, wo er im Kaukasus in der Landwirtschaft arbeitete. In sowjetischer Armeeuniform kehrte er im August 1944 nach Bukarest zurück.

In den späten vierziger und in den fünfziger Jahren war auch in Rumänien der sozialistische Realismus angesagt und stilistische Lockerungsversuche wurden streng geahndet. Perahims Versuch, die systemkonforme Malerei stilistisch doch noch der Moderne anzupassen, fand kein Verständnis. Um der Zensur zu entkommen, wählten Künstler verschiedene Möglichkeiten: die avantgardistische Lyrikerin Nina Cassian schrieb Kinderbücher, der surrealistische Dichter Gellu Naum übersetzte französische Klassiker, und Perahim arbeitete als Buchillustrator und Bühnenbildner. Zwar wurde er damit sehr erfolgreich und erhielt sogar eine Professur am Bukarester Theaterinstitut, doch als er 1969 die Gelegenheit hatte, emigrierte er nach Paris.

In Paris wurde Perahim wieder zu einem surrealistischen Maler. Dort starb er 2008 und wurde in Nachrufen als „letzter Surrealist” gefeiert. Dennoch, und trotz regelmäßiger Ausstellungen in Pariser Galerien, ist er in Vergessenheit geraten.

Anlässlich seines 100. Geburtstags erinnert nun die rumänische Zeitschrift Caietele Avangardei (Die Hefte der Avantgarde) in einer Sonderausgabe an Jules Perahim: an den Maler, der dem europäischen Surrealismus eine eigene Prägung verliehen hat, und an den Theatermann, der die Bukarester Theaterszene in die Moderne geführt hat.

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erstellt am 22.7.2014

Jules Perahim: Pumnalul Spaniol Le Bouquet / Der spanische Dolch Le Bouquet

Jules Perahim (1914-2008)
Jules Perahim (1914-2008)
Sonderheft der rumänischen Zeitschrift „Caietele Avangardei“ zum 100. Geburtstag von Jules Perahim
Sonderheft der rumänischen Zeitschrift „Caietele Avangardei“ zum 100. Geburtstag von Jules Perahim

Jules Perahim: Boabe de frumusete / Kerne der Schönheit