Folkbluessänger, Singer/Songwriter in der Tradition der Beat Generation, brave Crooner. Anhand neu erschienener Aufnahmen von Ry Cooder, Tom Waits und Bobby Vinton zeigt Thomas Rothschild die Vielfalt der amerikanischen Musikszene der sechziger und siebziger Jahre.

cd-kritik

Sounds von gestern

Von Thomas Rothschild

Wer den süffigen Sound des späteren Ry Cooder im Ohr hat, wird über diese Aufnahmen aus dem Jahr 1974 verblüfft sein. Hier begegnet man einem Folk- und Bluessänger und -gitarristen, dessen Vorbilder unüberhörbar Bob Dylan und jene schwarzen Repräsentanten des Folkblues sind, ohne die auch ein Dylan nicht denkbar wäre. Da ist nichts von der schmeichelnden Glätte, mit der sich Ry Cooder in die erste Riege der amerikanischen Gitarristen gespielt hat. Das klingt rau, spröde, erdig. Die Songs erzählen Geschichten, deren Herkunft Cooder zwischendurch erläutert.

Die Aufnahmen von Ry Cooder stammen, technisch leider unbefriedigend, von zwei Radiostationen in Denver und New York. Für zwei Radiosender, in Los Angeles und in Santa Monica, wurden auch die Aufnahmen von Tom Waits „on the scene '73“ gemacht. Den Hauptteil bildet ein Gespräch, das unterbrochen ist von Beispielen, in denen sich Tom Waits auf dem Klavier oder mit der Gitarre begleitet. Tom Waits hat schon 1973 – da war er gerade 23 Jahre alt –, als Songwriter wie als Sänger, seinen Stil gefunden, vielleicht noch nicht ganz so „versoffen“ wie in späteren Jahren, doch deutlich als ein Erbe der Beat Generation – Jack Kerouac erwähnt er an einer Stelle. Tom Waits ist ohne Zweifel ein Kronzeuge der US-amerikanischen (Gegen)Kultur. Interessanterweise nennt er Ray Charles als seinen Lieblingssänger und als Vorbild. Anders als Ry Cooder singt Tom Waits mit einer einzigen Ausnahme eigene Songs.

In den frühen sechziger Jahren lebte die Schnulze in den USA und in England neben dem Rock'n'Roll, der sich durchgesetzt hatte, fort. Aber es gab Schnittmengen. Bobby Vintons Songs waren von vorn bis hinten Schmalz as Schmalz can, aber es finden sich unter ihnen auch welche, die Elvis Presley im Repertoire hatte. Bei Vinton freilich werden sie von herzzerreißenden Streicherarrangements begleitet, und er singt sie mit seiner hohen Teenagerstimme so clean, so frei von Rebellion, dass jede Mutter ihm ihre Tochter anvertraut hätte mit der Gewissheit, dass sie ihre Jungfernschaft bewahren würde. Alle Songs, die Bobby Vinton aufnahm, handeln ausschließlich von der Liebe, schlicht, sentimental und klischeehaft. Das war die Musik zum Petting, für brave Highschool-Parties, nicht für Teddy Boys. Von hier zu Tom Waits ist es ein weiter Weg.

Kommentare

Kommentar eintragen









erstellt am 12.7.2014

Ry Cooder
Down At The Field
Left Field Media/in-akustik LFMCD523

CD bestellen

Tom Waits
On The Scene '73
Smokin'/in-akustik SMCD909

CD bestellen

Bobby Vinton
Roses Are Red + Sings the Big Ones
Jackpot/in-akustik 48746

CD bestellen