Alle Freunde von Johann Nepomuk Nestroy, dem großen österreichischen Theatermann, den man auch in Deutschland immer mehr schätzt, haben nun freien Zugang zu seinen sämtlichen Werken. Thomas Rothschild zeigt, wo sie zu finden sind.

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Nestroy für alle

Es kommt ja nicht oft vor, dass einem etwas geschenkt wird, wofür man normalerweise teures Geld bezahlen muss. Alle Freunde von Johann Nepomuk Nestroy, dem großen österreichischen Theatermann, den man auch in Deutschland zunehmend als den vielleicht genialsten deutschsprachigen Komödienautor überhaupt erkennt, können sich nun so ein Geschenk abholen. Sie müssen nur http://www.nestroy-werke.at/ in die Adressleiste ihres Computers eingeben, und schon haben sie Zugriff zu sämtlichen Werken Nestroys. Es sind die eindrucksvollen 79 Theaterstücke und 230 Briefe der 56-bändigen Historisch-kritischen Ausgabe, die nach 23 Jahren im Jahr 2010 vollendet wurde. Aber mehr als das: mit den Suchfunktionen können sie nun mühelos Stellen auffinden, nach denen sie an Hand der Buchausgaben stundenlang fahnden mussten. Wer zum Beispiel in der Wörterbuchsuche „schmafu“ eingibt, das wienerisch verballhornte französische „je m'en fous“ („ist mir wurscht“), findet 8 Stellen. Wenn er das Wort groß schreibt, stößt er auf 523 Stellen. Denn Nestroy hat dieses längst ausgestorbene Wort auch in zwei Stücken als Eigenname eingesetzt. Bei dieser Gelegenheit stolpert der Benutzer auch über so aparte Zusammensetzungen wie „Schmafugesicht“ oder „Schmafurenommee“, wobei das Programm unterschiedliche Schreibweisen überlistet. Bei Nestroy heißt es nämlich „Schmafu-Renomée“.

Wer sagt da, was nichts kostet, könne nichts wert sein. Dieser Online-Nestroy ist eine Fundgrube und eine Spielwiese, auf der sich besser tummeln lässt als mit Solitaire.

Thomas Rothschild

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erstellt am 07.6.2014

Johann Nestroy, Lithographie von Josef Kriehuber, 1839
Johann Nestroy, Lithographie von Josef Kriehuber, 1839