»Ich wurde aller Rechte beraubt. Das einzige Recht, das mir geblieben ist, ist das Recht zu sterben«, schreibt Salma Salim. Sie lebt in der Innenstadt von Damaskus, die kaum direktem Beschuss ausgesetzt ist – ein Luxus, den nur wenige Menschen in Syrien genießen. Trotzdem ist das Leben dort das wahre Grauen.

Stimmen aus Syrien

Wohnen im »sicheren« Viertel, in dem die Angst umgeht

Von Salma Salim*

Als ich in meine Wohnung im Herzen von Damaskus zurückkehre, weicht alle Anspannung von mir, die Erschöpfung ist vergessen. Mir ist, als sei ich vom Tod auferstanden. Auf meinem Weg vom Flur ins Schlafzimmer, der mich durchs Wohnzimmer führt, reiße ich mir die Kleider vom Leib. Als ich meinen Büstenhalter zu öffnen beginne, der mir am Körper klebt, sehe ich im Spiegel, dass er rote Spuren auf den Schultern und leichte Blutergüsse am Rücken in der Nähe der Achselhöhle verursacht hat. Wie konnte ich ihn so lange ertragen? Ich betrete das Bad, um die Spuren des zermürbenden Wartens am Checkpoint auszulöschen, den ich heute in der Damaskus-Straße passiert habe.

Es geht auf sieben Uhr abends zu. Um sieben Uhr morgens habe ich das Haus verlassen. Von den zwölf Stunden hat mir das Warten am Checkpoint mindestens fünf Stunden geraubt. Hast du dich immer noch nicht an diese Quälerei gewöhnt?, frage ich mich und spotte gleichzeitig über dieses belanglose Leid, das genauso unbedeutend und genauso wenig erwähnenswert ist wie die Spuren des Büstenhalters auf meinem Körper. Die vom BH verursachten Schmerzen sind einfach nur lästig und bedeuten nichts im Vergleich zur Tragödie Syriens. Wie schändlich, sich darüber zu beschweren – und sei es auch nur in einem Selbstgespräch –, dass wir unser Leben mit Warten vergeuden, dass wir in ständiger Anspannung und Angst vor allem und um alles leben.

Ich gehöre zu den Bewohnern der sicheren Viertel im Herzen von Damaskus, in denen es von Sicherheitskräften und waffenstrotzenden Soldaten nur so wimmelt. Zusammen mit meinen Nachbarn genieße ich den Luxus, mich innerhalb eines militärisch geschützten Bereichs bewegen und einkaufen zu können. Aus diesem Grund haben wir kein Recht, uns über die Qualen zu beklagen! Die landesweite Katastrophe vereinnahmt die privaten Sorgen und katapultiert sie in Schmerzzonen jenseits der Messbarkeit.

Wer in Syrien nicht durch Bombardements oder Verhaftungen seinen gesamten Besitz und einige Familienmitglieder verloren hat, wird in einem Krieg, in dem alles offen und möglich ist, nicht in die Rubrik Unglück eingeordnet. Der „glückliche“ Syrer ist derjenige, der, selbst wenn er seine Wohnung verloren hat, noch immer die Miete für ein Obdach bezahlen kann. Noch glücklicher ist jener, der in der Lage ist, sein täglich Brot ohne Demütigung zu beschaffen und nicht zu den Eingeschlossenen gehört, die nur ein paar Kilometer von der Damaszener Innenstadt entfernt verhungern. Auch kann sich glücklich schätzen, wer sich nicht in Reichweite der Fassbomben sowie der durch Artillerie und Raketenwerfer entstandenen glühenden Asche befindet. Und das Glück ist vollkommen, wenn sich göttliche Fürsorge mit ihm verbündet hat und er einem gewaltsamen Verschwinden oder dem Foltertod entgehen konnte.

Abgesehen davon gibt es keinen Schmerz und kein Leid. Denn das von Gefahren umgebene tägliche Elend ist nichts als eine luxuriöse Variante des ganz großen Unglücks. Es ist möglich, mit der Angst zu leben; man braucht nur Geduld, ein tägliches Training zur Abstumpfung, zur Beherrschung der unwillkürlichen Reaktionen und zur Erstarrung des Gesichtsausdrucks, gleich dem einer Wachsfigur in einem gekühlten Raum, selbst wenn die Hitze der Ereignisse einen mit ihrem Feuer zum Schmelzen bringt. Diese Übung ist nützlich und hat sich bewährt, um die Checkpoints zu passieren und das Verhalten der Soldaten zu ertragen, ob sie nun zornig oder vergnügt oder zum Spaßen aufgelegt sind. Dass die Emotionen abstumpfen, ist geradezu eine Notwendigkeit, um die Schmierereien der Soldaten auf den Mauern der Stadt ertragen zu können, die allesamt Abwandlungen ihres weit verbreiteten Spruches sind: „Assad oder wir brennen das Land nieder!“ Vielleicht auch, um das Gefühl der Angst überdecken zu können, das beim Anblick eines weißen Busses aufkommt, der im Viertel parkt und auf den die Assad-Leute geschrieben haben „Die Bestien des Staatssicherheitsdienstes. Einheit zur Terrorismusbekämpfung 295. Assad und wir brennen das Land nieder!“ Daneben ein Herz mit dem Pfeil Amors und die Worte: „Liebe zu Assad und sonst keinem“.

Wegen dieser tödlichen Liebe versuche ich bei einem solchen Anblick immer, mein Herz daran zu hindern, in Lichtgeschwindigkeit zu schlagen und die Panik vor einer Verhaftungsaktion zu vertreiben, die die Bestien der Staatssicherheit gerade in dem Gebäude durchführen, in dem ich wohne. Denn wer kann schon das Schicksal voraussagen? Vielleicht habe ich aber auch Glück, und die ganze Sache beschränkt sich darauf, dass sie die Wohnung durchsuchen und alles auf den Kopf stellen. Aber wenn es nicht Ziel der Aktion ist, nach einem Verdächtigen zu suchen, sondern Flüchtlinge aus Mietwohnungen in der Innenstadt von Damaskus zu vertreiben, dann ist die Sache nicht so einfach, denn jeder Flüchtling ist suspekt, bis er das Gegenteil beweist. Flüchtlingen steht schließlich nicht das Recht zu, in den Genuss von Sicherheit und Schutz im Grünen Viertel zu kommen.

Bevor ich mich dem Horror ausliefere, muss ich nach Möglichkeiten suchen, die Männer vom Geheimdienst davon zu überzeugen, eine redliche Staatsbürgerin zu sein, die daran glaubt, dass „Syrien Assad ist und Assad Syrien“. Zwei gleichwertige göttliche Personen in der Zweifaltigkeit.

Wenn mir das gelingt, werde ich im von Soldaten umstellten Zentrum von Damaskus bleiben können. Ich werde mich in ein Geschöpf verwandeln, das affirmativ und bewundernd mit dem Kopf nickt, was immer die Bestien auch tun und sagen, selbst wenn sie einen Befehl zum Töten ausgeben!

Vor einigen Tagen sagte mein Nachbar, ein Scherge des Regimes, zu mir, dass das Vergewaltigen der Frauen der „Terroristen“ auf offener Straße erlaubt sei, weil es doch alles brutale Schurken seien! Ich musste mit dem Kopf nicken, obgleich ich aus einer Ortschaft stamme, in der kein Stein mehr auf dem anderen steht. Die Soldaten haben sich dort an den persönlichsten Dingen meiner Familie vergriffen und meine Geschwister heimatlos gemacht. Ich hörte mich selbst kommentieren, dass unser eigentlicher Dschihad darin bestehe, nicht zu Bestien zu werden.

Ich ging weiter und war überzeugt, dass ich seiner Denunziation nicht entgehen und er mich bei der nächsten Geheimdienststelle anschwärzen würde. Schließlich hatte ich ihm nicht beigepflichtet und seiner Brutalität nicht noch eins draufgesetzt, indem ich es für legitim erklärte, die Körper der Revolutionärinnen zu zerstückeln und Hunden und Katzen zum Fraß vorzuwerfen.

Eine tödliche Furcht überkommt mich, wenn ich schwere Schritte auf der Treppe vernehme oder wenn irgendjemand an meine Tür klopft, ein Bettler zum Beispiel, der auf der Straße nichts mehr zu essen findet und sich an die Hausbewohner wendet, oder Mitglieder einer kriminellen Bande, die sich am Krieg bereichern, oder ein alter Nachbar, der um Hilfe bittet, weil er etwas verlegt hat. Die Möglichkeit, dass Männer mit Militärstiefeln – die „Beschützer des Vaterlandes“ (1) – meine Wohnung stürmen könnten, lässt die Angst ins Unermessliche steigen. Ganz plötzlich verknotet sich die Zunge, die ganze Privatsphäre breitet sich vor einem aus. Minuten werden zu Ewigkeiten, in denen man das Gedächtnis danach durchforstet, ob man alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen für diesen Augenblick ergriffen hat. Man beginnt sich selbst zu fragen: Habe ich am Vorabend das offizielle Fernsehprogramm gesehen? Vielleicht schalten sie den Fernseher ein und stellen fest, dass ich einen der „tendenziösen“ Kanäle geschaut habe. Habe ich den Browserverlauf im Laptop und im Mobiltelefon gelöscht sowie die banalen und weniger banalen Chats? Vielleicht werden sie die Geräte untersuchen. Was soll ich sagen, wenn sie unter meinen Freunden jemanden finden, nach dem sie fahnden? Schon oft wurden Bekannte von mir, nur weil sie Freunde unter den Revolutionären hatten, verhaftet und dermaßen geschlagen und getreten, dass ihnen Hören und Sehen verging. Und dies allein aus dem Grund, den Diebstahl eines Handys oder Laptops zu rechtfertigen, das ihnen gefiel. Eine derartige Erniedrigung würde mich garantiert vor Angst sterben lassen. Dieses Gefühl befällt jeden, der öffentlich bekundet, gegen das Töten zu sein.

Nur in Syrien wird derjenige getötet, der das Töten ablehnt. Oder verhaftet. Das ist der Gipfel der Absurdität.

Dies alles sind nichts anderes als momentane Erwägungen, wie sie die Bewohner des Grünen Viertels seit etwa drei Jahren vor sich hinfaseln. Auch ich schwätze solch ein Zeug ohne Unterlass. Ich bin ein Teil meines Denkens geworden. Ich werfe mich auf das Sofa, um einen Kaffee zu trinken, mich von den Qualen eines langen Tages zu erholen und um auf meine überspannte Nachbarin zu warten, die das Gespräch mit der Frage eröffnet: „Nimmst du die Bilder und die Bücher mit, wenn du gehst?“

Ihre Selbstsicherheit provoziert mich, sie scheint mein Fortgehen für eine beschlossene Sache zu halten. „Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass ich bleibe, solange ich es aushalte. Dass ich nicht gehen werde!“, entgegne ich missbilligend. „Oder besser gesagt: Eigentlich weiß ich es gar nicht so genau. Vielleicht wird der Moment kommen, in dem ich ganz plötzlich aufbreche, nur mit den Kleidern auf dem Leib. Genau wie meine Familie vor zwei Jahren ihre kleine Stadt verließ, in der die Kämpfe tobten.“

„Das heißt, Du wirst erst einmal bleiben?“

„Ich habe keine andere Wahl. Hierzubleiben ist meine letzte Möglichkeit, meine Existenz und meine Menschlichkeit zu verteidigen. Ich habe das Recht auf eine Handvoll Erde meiner Heimat, in der mein Körper begraben wird. Alle meine Rechte wurden verletzt, mir ist nur noch das Recht geblieben, hier zu sterben. Ich werde nicht in ein anderes Land gehen, zu dessen Aufbau weder ich noch meine Vorfahren etwas beigetragen haben. Mein wahrer Wert ist hier.“

Sie bedenkt mich mit einem geringschätzigen Blick und schreit mir ins Gesicht: „Von welchem Wert redest du? Der wichtigste Mensch in diesem Land ist so viel wert wie eine Kugel. Jeder durchgedrehte Bewaffnete kann dir ohne Grund das Licht ausblasen. Einer von diesen blutdürstigen Zurückgebliebenen kann jeden Moment Hackfleisch aus dir machen, ohne dass die Welt auch nur mit der Wimper zuckt. Einen Wert haben in diesem Land nur noch die Waffen und das Morden. Fünfzigtausend Fotos von elftausend Inhaftierten, die unter der Folter gestorben sind, wurden veröffentlicht, und das Weltgewissen hat sich nicht gerührt. Es gibt mehr als zweihunderttausend Tote, Millionen von Vertriebenen, zu denen auch deine Familie gehört, und auf der ganzen Welt hat niemand einen Finger krumm gemacht, um das Massaker zu stoppen. Alle wollen, dass es weitergeht. Unser Land ist zu einer Vulkanlandschaft geworden, in der wir seit drei Jahren von Lava verbrannt werden. Hier wohnen keine Lebenden mehr.“

Sie schreit ihren Abscheu weiter hinaus, und ich höre weiter zu, ohne meine Überzeugung zu ändern, obwohl ich eingestehen muss, dass sie recht hat. Paradox wird es, als ich sie, nachdem sie sich beruhigt hat, frage: „Soll ich aus deinen Worten also heraushören, dass du fortgehen wirst?“ „Nein!“, entgegnet sie entschieden. „Ich weiß nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, woanders zu sein als in Damaskus.“

Ihre Antwort bringt mich zum Lachen, und ich stelle mir vor, dass ich, die ich mein Bleiben hier mit aller Heftigkeit verteidige, vielleicht am nächsten Morgen die Stadt verlassen werde! Das Denken und das Verhalten der Menschen im verdorrten Grünen Viertel werden nicht von Logik regiert. Alle sind von einer Art Schizophrenie befallen. Wenn die Zeit stehen bleibt und die Hoffnung auf ein besseres Morgen vergeht, weil das Morgen von Tag zu Tag schrecklicher wird, weiß niemand mehr, was er eigentlich will. Seit drei Jahren wiederholen sich die gleichen Diskussionen, ein jeder verschanzt sich hinter seinen Barrikaden und will sich dem anderen, der ihm – bis auf einige Nuancen – doch so ähnlich ist, nicht annähern. Aber wir müssen über das Morgen hinausschauen und uns die Hoffnung wieder vergegenwärtigen; wir müssen vor uns selbst bekräftigen, dass das, was in Syrien geschieht, eine wahre Revolution ist, vor der es kein Entrinnen gibt. Es ist die Logik der Geschichte, und was wir erleben, sind lediglich schreckliche Geburtswehen. Es wird womöglich lange dauern, die Traumheimat zu gebären. Die Revolution ist nicht besiegt, auch wenn sie in dem allgemeinen Chaos den Blicken entschwunden ist. Sie hat gesiegt, gleich am ersten Tag, als die Kinder von Deraa auf die Mauern gekritzelt haben, das Regime möge stürzen. Sie waren das Gewissen der Gequälten und Unterdrückten. Was danach kam, all das Blutvergießen, ist nichts als ein Detail. Die Geschichte wird sich nur der großen Schlagzeilen erinnern.

Das Dröhnen einer Granate ist zu hören, die von der Artillerie auf dem Kassjun-Berg abgeschossen worden ist, über meinen Kopf hinwegfliegt und im Süden von Damaskus niedergeht. Sie unterbricht meinen Gedankengang. Ich komme wieder zu mir, werde mir wieder der Tatsache bewusst, dass ich jetzt hier bin, innerhalb des Grünen Viertels. Außerhalb ergreifen meine Landsleute, geschwächt durch ihre Wunden, die Flucht. Oder sie sterben unter den Trümmern. Ich erinnere mich an eine Volksweisheit: „Wer die Stockschläge zu spüren bekommt, ist nicht wie der, der sie zählt.“ Seit drei Jahren zählen wir die Detonationen, die Granaten, die Fassbomben, die Toten, bis wir wie die Mitarbeiter der Vereinten Nationen unfähig geworden sind, weiter zu zählen. Bis wir uns nicht mehr um die Granaten kümmern, die vom Kassjun-Berg aufsteigen, um ihre glühende Lava über den Häusern unserer Familien zu verteilen. Der Einschlag einer Mörsergranate oder einer Rakete aus Eigenproduktion innerhalb des Grünen Viertels ist nicht mehr von Bedeutung. Es kümmert uns nicht mehr, ob sie uns tötet oder nicht, denn niemand stirb vor seiner Zeit. Das Leben liegt allein in Gottes Hand. Wir sagen das im Brustton der Überzeugung, ganz ohne Angst, während wir unsere gesamte Vorstellungskraft mobilisieren, sobald wir das Geräusch eines einzigen Schusses vernehmen, der die abendliche Stille durchbricht. Denn das ist außergewöhnlich. Es könnte sich um kämpferische Auseinandersetzungen handeln oder um die Verfolgung eines Verdächtigen. Alles Vorboten einer möglichen Zuspitzung der Situation im Grünen Viertel. Sie lassen Bilder aus meiner noch frischen Erinnerung an die Kämpfe in meinem Heimatort aufsteigen, daran, wie wir zwischen den Zimmern hin und her gekrochen sind, um dem Fernrohr des Scharfschützen auszuweichen, der sein Ziel nicht verfehlt. Daran, wie das Schicksal genau in jenem Augenblick intervenierte, als eine Kugel an meinem Kopf vorbeischoss. An die Belagerung ohne Strom, Wasser und Nahrungsmittel. An die Zerstörung der Häuser und Schulen und die ganze Geschichte des Todes. Vor diesen Erinnerungen rettet mich nur, dass ich mir dessen bewusst werde, jetzt hier zu sein, innerhalb des sicheren Grünen Viertels. Hier, wo in der Regel nur geschossen wird, wenn die Männer an den Checkpoints ihren Enthusiasmus nach einem „göttlichen Sieg“ (2) oder der Rede eines „großartigen Führers“ zum Ausdruck bringen.

Alle diese Gedanken schießen mir in Sekundenschnelle durch den Kopf. Danach spüre ich, wie mir das Blut heiß in den Kopf steigt und ihn fast zum Bersten bringt. Ich versuche, mich wieder meinem Alltag zuzuwenden. Spreche mit einem Freund aus Kindertagen, den ich dafür beglückwünsche, dass er mit seiner Familie heil seinen vierten Zufluchtsort erreicht hat. Beim Plaudern erinnern wir uns an die Gärten seines riesigen Elternhauses, das vollkommen zerstört ist. Und noch bevor die Tränen zu strömen beginnen, erzählt er mir, dass er zusammen mit zwanzig Personen seiner Familie in einem Lehmhaus lebt, das nur aus zwei Räumen besteht und vom Einsturz bedroht ist. Ich versuche, das deprimierende Gespräch in eine andere Richtung zu lenken, und frage ihn nach seinen Kindern, besonders nach seinem geistig behinderten Jungen. Da lacht er und sagt, dass sein siebenjähriger Sohn gerade seine beste Zeit erlebt, weil wir alle geworden sind wie er. Ich falle in sein Lachen ein, bevor wir erneut in Tränen ausbrechen.

Mit diesem schwarzen Humor endet mein Tag. Ich befühle die schmerzenden Stellen, die der Büstenhalter an Schulter und Rücken verursacht hat, und überlege, wie ich ihn am nächsten Tag wieder anziehen soll. Ich berechne die Anzahl der Checkpoints und die Zeit, die ich für den Hin- und Rückweg brauche, um innerhalb des sehr sicheren Viertels, das von Angst und Kanonen beherrscht wird, etwas zum Essen zu organisieren.

1 Anspielung auf die syrische Nationalhymne (A. d. Übers.)

2 Anspielung auf die das Assad-Regime unterstützende libanesische Hisbollah. Ihr Führer, Hassan Nasrallah, hatte den Ausgang des Libanonkriegs 2006 als „göttlichen Sieg“ bezeichnet. (A. d. Übers.)

Aus dem Arabischen von Larissa Bender

siehe auch:

Schwerpunkt Syrien

Kommentare


Anna - ( 31-07-2014 08:24:21 )
Sehr toller Artikel! Danke! Passend dazu hier ein guter Link: Wenn Frauen die Welt regierten würden!
http://www.stern.de/familie/leben/youtube-film-majorite-opprimee-wenn-frauen-die-welt-regierten-wie-maenner-2089375.html

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erstellt am 19.5.2014

Foto: Ziad Homsi

*Salma Salim ist das Pseudonym einer syrischen Schriftstellerin, die in Damaskus lebt.