Peter Heusch war Schauspieler, Regisseur und Autor. Vor allem aber war er Vorleser. Öffentlich las er die gesamte »Suche nach der verlorenen Zeit« von Marcel Proust und viele andere Klassiker, zuletzt aus den Tagebüchern von Erich Mühsam. Im Frankfurter Literaturforum war er die professionelle Stimme der Literatur. Dessen Leiter Harry Oberländer nimmt Abschied vom Sprechkünstler Heusch.

Zum Tod von Peter Heusch (9. März 1938, † 13. April 2014)

Weit draußen auf dem blauen Meer erklingt ein Lied von Wiederkehr…

Ach, Peter. Warum so schnell? Wohin jetzt mit unseren Plänen? Warum denke ich immer, so ein junger Mann, der Peter Heusch. 76 Jahre alt, jung geblieben bis ans Ende und voll von Ideen, Vorschlägen und Geschichten. Im September wollten wir Dich und Monika und Michael Bornhak wieder hören und sehen, mit Anna Blume von Kurt Schwitters. Danach wollten wir eine Version von Karl Kraus „Die letzten Tage der Menschheit“ erarbeiten. Schwierig, sagtest Du, ganz und gar nicht einfach, aber eben darum sagtest Du ja! Es sollte der zweite Teil eines Projekts zum ersten Weltkrieg werden, weitere Folgen wären möglich gewesen.

So wurde „Irrsinn ringsum“ Dein letzter Auftritt bei uns im Literaturforum am 20.März 2014, die Lesung aus den Tagebüchern Erich Mühsams. Es war eine grandiose Lesung. Nun weiß ich, daß es Dein Abschied war. Nach den Jahren der Marathons mit Marcel Proust und Laurence Sterne im Literaturhaus und mit Thomas Bernhards autobiographischen Büchern bei uns, nach Rabelais und Jean Paul nun Mühsams Tagebücher aus der Zeit des ersten Weltkriegs. Ein Risiko, einen Autor vorzulesen, von dem die meisten nur die Ballade vom Lampenputzer kennen. Er war auch für Dich eine Entdeckung, der Tagebuchschreiber Erich Mühsam, seine präzise Beobachtungsgabe, sein eleganter Stil, seine hohe Bildung, seine Bohèmeexistenz in Schwabinger Kneipen, seine immerwährende Verwicklung in amouröse Abenteuer. So hast Du ihn dir zu eigen gemacht und er, Mühsam, hatte wieder eine Stimme, deine, seine Stimme, 100 Jahre nach dem Massensterben im Weltkrieg, achtzig Jahre nach seiner Ermordung im KZ Oranienburg.

Von Dir bleiben mir Erinnerungen, die weit in neunziger Jahre zurückreichen: Deine gemeinsamen Lesungen mit Paulus Böhmer, Deine ebenso großen wie intimen Auftritte im Literaturhaus, aber auch im Neuen Theater Höchst, Deine Seminare für Autoren zum Thema „authentisches Lesen“ bei uns im Literaturforum. Ich habe bei Dir wirklich gelernt, vorzulesen.
Und es bleiben Aufnahmen. Die CD mit Schwitters’ Anna Blume zum Beispiel, die Du mir schenktest, die CD mit einer Böhmers- Kaddish-Lesung, produziert im Mousonturm und das Video mit der Aufführung „Leuchte, Lenz, Leuchte“ vom 17.Oktober 2013. Diese Produktion zum Büchnerjubiläum mit dem oulipoetischen Text Barbara Fahrners lag Dir besonders am Herzen. Ach Peter, warum so schnell? Wohin jetzt mit unsern Plänen?

Leuchte, Lenz, Leuchte!

© Corinna Hackel, Faust-Kultur

Georg Büchner hatte ein heißes Herz und einen kalten Blick. Den schizophrenen Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz hat er in seinem Erzählfragment »Lenz« als hoffnungslose Figur gezeichnet. Es wurde im Hessischen Literaturforum im Mousonturm von Monika und Peter Heusch gelesen und mit oulipotischen Permutationen der Künstlerin Barbara Fahrner versetzt.

Hessisches Literaturforum

Kommentare


Jannik Kiesgen - ( 19-05-2014 04:37:37 )
Wolltest du nicht Verstärkung holen?

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erstellt am 15.4.2014

Peter Heusch, Foto: Wolfgang Becker
Peter Heusch, Foto: Wolfgang Becker

Peter Heusch, Foto: Wolfgang Becker