Von heute aus gesehen wird man Theodor Lessing (1872-1933), der ein äußerst umfangreiches Werk hinterlassen hat, am ehesten als einen Kulturwissenschaftler und Moralisten bezeichnen können. In ihrem Essay entfaltet Ria Endres Lessings Leben und Werk im Spiegel der Zeit.

Porträt

»Und so ward grau die Welt«

Theodor Lessing und sein Kampf gegen die unheilvolle Geschichte

Von Ria Endres

Als Goetz George als Darsteller des Serienmörders Fritz Haarmann im Dokumentarfilm „Der Totmacher“ von 1995 seinen schauspielerischen Triumph feierte, konnte der Regisseur Romuald Karmaker nicht nur auf die Verhörprotokolle des Gerichtspsychiaters zurückgreifen, sondern auch auch auf das Buch „Haarmann, die Geschichte eines Werwolfs“. Theodor Lessing hatte es 1925 als Prozessbeobachter veröffentlicht, nachdem er von den Verhandlungen ausgeschlossen worden war, weil er sich für den Verbrechenshintergrund interessierte und in der Presse von „bürgerlicher Heuchelei“ schrieb. Sein einzelgängerisches Engagement hatte, wie schon öfter, Folgen, und die Hetze gegen ihn endete nicht mehr bis zu seiner Ermordung durch sudetendeutsche Nazis in Marienbad.

Wer war dieser Theodor Lessing? Willi Winkler schreibt 1995 in der „ZEIT“:
„Eine kleine Nanosekunde lang sollten wir uns an diesen großen Mann erinnern, der in seiner Heimatstadt Hannover vergeblich als denkender Mensch zu wirken suchte, bis er schließlich vertrieben wurde, erst von der Universität, dann ganz und gar hinaus aus der Stadt mit diesem Verbrecher (Haarmann), weil er sich unterstanden hatte, den Prozess und Fall Haarmann mit dem Plädoyer zu resümieren: ‚Unser aller Schuld.‘“

Man nannte Theodor Lessing einen Essayisten, Polemiker, Mediziner, Freigeist, Chronisten, Intellektuellen, Phänomenologen, Feuilletonisten, Dichter, Privatdozenten, Reformpädagogen, Oppositionellen, Volkshochschulgründer, politischen Schriftsteller, Sozialisten, Lebensphilosophen, Juden, Zionisten, Feministen, Querulanten, Kläffer, Reklamewicht, Rüpel, „ein moralisch minderwertiges Individuum“ und „ein Schreckbeispiel schlechter jüdischer Rasse“. Lessing selber sah sich als vereinzelten Weltbürger, der mit der Stimme einer Kassandra sprechen musste.

Von heute aus gesehen wird man Theodor Lessing, der ein äußerst umfangreiches Werk hinterlassen hat, wohl am ehesten als einen Kulturwissenschaftler und Moralisten bezeichnen können. Als der Germanist Rainer Marwedel 2006 das Buch: „Theodor Lessing, Nachtkritiken“ veröffentlichte, in dem er auf 629 Seiten die oft satirischen Theaterkritiken Lessings von 1906 zusammenstellte, zeigt sich schon dessen überbordende Produktivität. Aber weitere, mehr als fünfhundert Artikel, Glossen und Feuilletonbeiträge sind bis heute noch nicht richtig erschlossen. In seinem bekanntesten Werk „Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen“, das 1916 zum ersten Mal erschienen ist und vom „Verlag Matthes und Seitz“ 1983 wieder herausgegeben wurde, beschäftigt sich Lessing mit den geschichtsphilosophischen Voraussetzungen des historischen Gedächtnisses. Im Zentrum seines Interesses steht die Frage, ob man geschichtliche Tatbestände ästhetisch oder moralisch beurteilt. Wer sich indes für das komplizierte Leben Lessings interessiert, wird die brillante Biographie von Rainer Marwedel von 1987 mit größtem Gewinn lesen, vor allem, weil er die Darstellung seines widersprüchlichen Lebens auch als Einführung in die Katastrophengeschichte unseres Landes versteht.

Theodor Lessing wurde 1872 in ein assimiliertes jüdisches Elternhaus hineingeboren. Der Vater war in Hannover ein bekannter Modearzt, die Mutter eine Bankierstochter. Sein Erinnerungsbuch „Einmal und nicht wieder“ von 1928, das Hans Mayer mit dem Bildungsroman „Anton Reiser“ von Karl Philipp Moritz vergleicht, gibt detaillierten Aufschluss über seine Erziehung in einem Bürgerhaus der Kaiserzeit am Ende des 19. Jahrhunderts. Das Kind wurde in einer völlig vergifteten Atmosphäre zwischen den Eltern von Angestellten überwacht. Noch in der Erinnerung erscheint Theodor Lessing sein Kinderleben höllenartig. Er berichtet:

„Es geschah, daß der Vater zur Mutter sagte: ‚Ich kann eure Gesichter nicht mehr sehn. Nimm den Jungen und verlaß mit ihm das Haus.‘ Dann nahm die Mutter weinend mich zur Seite und prägte mir ein: ‚Geh zu Papa und bitte, daß er uns nicht verstößt.‘ (…) So furchtbar auch die Erinnerungen an den Vater sind, schlimmer ist für mich das Andenken der Mutter. Sie war träge, sinnlich, vergnügungssüchtig; spielte immer den Vogel Strauß; fand immer ein Mausloch. ‚Du willst heute abend ins Theater?‘ fragte (der Vater) in Mißlaune. ‚Ja ich dachte daran.‘ ‚Du dachtest; ich aber wünsche, daß du zu Hause bleibst. Kümmre dich um den Haushalt.‘ Sie schwieg. Sie wußte, daß seine Stimmungen bald umschlagen. Nachmittags, wenn er ausgeschlafen hatte, klopfte sie bescheiden an seine Tür. (…) ‚Ich bringe den Kaffee und möchte um Verzeihung bitten. ( … Ich hab) dir die Stimmung verdorben.‘ (…) Wochenlang lebten sie getrennt von Tisch und Bett. ‚Ich kann dich nicht riechen. Pack deinen Kram und zieh aufs Fremdenzimmer.‘ (…) Solche Demütigungen steckte sie geduldig ein, aber würdelos war, wie sie sich rächte, sobald einmal der Mann wehrlos wurde. Folgende Szene sehe ich vor mir. Mama liegt auf der Chaiselongue und liest einen Roman. Nebenan im ‚blauen Kabinett‘ ist mein Vater bei einer Operation. Er ruft in den Flur hinaus: ‚Schnell, heißes Wasser!‘ Aber die Dienstboten sind zufällig abwesend. Mama rührt sich nicht. Er stürzt ins Zimmer. ‚Ich kann nicht warten, hol heißes Wasser, der Patient verblutet.‘ Das ist ein Augenblick, wo sie sich rächen kann. ‚Das ist Sache der Domestiken. Ich bin keine Magd‘. So vergifteten sie einander.“

Das ungeliebte Kind ist fast hilflos dieser Beziehungshölle ausgesetzt. Die Eltern ekeln ihn an, aber er kann mit niemandem darüber reden. Er flüchtet in eine kindliche Traumwelt, spricht mit Blumen und Tieren und beobachtet Wasser, Feuer und Wolken. Die Schule wird für den kleinen Theodor die zweite Hölle. Sie verstärkt seine psychische Labilität. Er verweigert sich dem trockenen Unterrichtsstoff, bekommt Nachhilfeunterricht, und der Schuldirektor schreibt an seinen Vater folgenden Brief:

„Sehr geehrter Herr Doktor! Nach gewissenhafter Erwägung hat das Lehrerkollegium der Klasse II b einstimmig beschlossen, dem Schüler Theodor Lessing die Reife für II a nur unter der Bedingung zuzubilligen, daß derselbe von der Schule genommen wird. Die körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Schülers lassen sein Fortkommen in den höheren Klassen zweifelhaft erscheinen (…) Persönlich möchte ich dazu raten, Ihren Sohn ein einfaches Handwerk erlernen zu lassen, da er für geistige Betätigung lebenslänglich unfähig bleiben wird.“

Wie tief die Verunsicherung durch diese Beurteilung reicht, kann man nur erahnen. Aber Lessing träumt noch lange von den Folterqualen der Schulzeit und von einem Vater, der ihn hasst und niemals unterstützt. Sein früher Biograph Ekkehard Hieronimus weist darauf hin, dass dem Kind und Jugendlichen als Gegenreaktion jeder Ehrgeiz abgeht. Trotzdem macht Lessing 1892 in Hameln das Abitur. Seine gekränkte Psyche lässt ihn später oft übertrieben reagieren, er arbeitet sich an väterlichen Systemen ab und gerät in ein gefährliches Außenseitertum. Ganz isoliert war der Schüler jedoch nicht. In seinem Erinnerungsbuch nimmt die Freundschaft zu Ludwig Klages, der mit ihm das Gymnasium in Hannover besucht hat, einen großen, fast schwärmerischen Raum ein. Lessing zitiert aus einem seiner frühen Tagebücher:

„Ludwig Klages, der Freund, gut geboren und gut geborgen, Du darfst in den Himmel der Metaphysik entfliehen. Ich darf es nicht. Ich werde wandern müssen auf allen Straßen der Welt. Und wenn er der umfassendere Geist wird, so werde ich der gerechtere Revolutionär sein. Ich möchte die Stimme werden für die Bedrängten und Unbekannten, die Verachteten und Verschmähten. Ein Kampfmensch, der nicht fragt: Was tut mir not? Sondern: Wem bin ich nötig?“

Nach dem Abitur begann der junge Mann in München sein Medizinstudium, aber er beschäftigte sich mehr mit Philosophie, Geschichte, Psychologie und Dichtung. Das ausufernde Interesse an so unterschiedlichen Wissensgebieten macht sein späteres Schreiben so vielfältig. Sein erstes literarisches Jugendwerk „Comödie“, bezeichnet er später selber als missglückt, aber es gelang ihm zeitlebens nie so ganz, seine dichterischen Versuche selbstkritisch zu betrachten. Sogar in den theoretischen Werken setzt er am Anfang eines Kapitels oft ein kleines, ungeschicktes Gedicht, das aber Aufschluss gibt über seine innerpsychische, verletzliche Seite. Lessings großes Wissensbedürfnis, seine frühe geistige Schulung an Schopenhauer und Nietzsche und die Neugierde nach medizinischen Erkenntnissen trifft auf seine große Unsicherheit in eigenen Gefühlsdingen. Entweder zieht sich der junge Lessing weit in sein Schneckenhaus zurück oder er hängt sich zu weit aus dem Fenster.

Noch bevor er von der akademischen Welt als Außenseiter beschmunzelt wird, verkehrt er in der literarischen Gesellschaft „Krokodile“ in München und bekommt wegen seiner Spottlust die ersten Feinde, unter ihnen die Dichter Otto Julius Bierbaum und Max Halbe. 1895 fällt er zum ersten Mal in der Öffentlichkeit auf, als er mit einem Pamphlet Partei für Oskar Panizza ergreift, der mit seinem Theaterstück „Das Liebeskonzil“ vor Gericht stand. Die Quintessenz dieses Pamphlets ist: Fragen der Kunst gehören nicht vor bürgerliche Gerichte.

In München trifft Lessing seinen Jugendfreund Ludwig Klages wieder, aber die Freundschaft lässt sich nicht aufrechterhalten. Klages hatte sich inzwischen dem George-Kreis genähert, umschwärmte den Hohen Priester George und geriet in eine immer offenere Konfliktsituation mit seinem Jugendfreund Lessing. Dieser lehnte Stefan George, der von Walter Benjamin als Vollender der Dekadenzdichtung bezeichnet worden ist, allein schon wegen seiner übertrieben ästhetischen Haltung in Alltagsdingen ab. In seinem Erinnerungsbuch „Einmal und nicht wieder“ beschreibt Lessing das Zusammentreffen mit George und Klages im Café Luitpold:

„Ich saß zeitschriftenlesend im ‚Luitpold‘, als durch den Säulengang in der Mitte George daherstolzt, begleitet von seinem unabtrennlichen Schatten, Karl Wolfskehl. Alsbald storcht auch mein Klages durch die Halle, in großem Mißbehagen bemerkend, daß die zwei einander abstoßenden Pole seiner Freundschaft an benachbarten Tischen platzgenommen haben, und er nun, zwischen beiden stehend, keinem von beiden wehe tun möchte. Er begrüßt mich also mit dem Vorschlag: ‚Komm mit zu den andern‘, worauf grillig die Antwort lautet: ‚Ihr könnt ja auch an meinen Tisch kommen.‘ Alsbald geht Klages zu ‚den andern‘, aber Wolfskehl erscheint als Friedensbote und wiederholt die Einladung, worauf wieder die Antwort kommt: ‚Der Weg von Herrn George zu mir ist nicht weiter, als der von mir zu Herrn George.‘ Und nun wird die Sache ernst. Denn George hält die Zumutung, den Tisch zu wechseln, für geschmacklos, ja frech. Und ich glaube mir etwas zu vergeben, wenn ich mich nachgiebig zeige. Klages aber pendelt zwischen den zwei eifersüchtelnden Hohepriestern her und hin und beschwört: ‚Mensch, laß doch mir zu liebe nicht das Schönste scheitern an deiner Albernheit.‘ Worauf ich aufbegehre, dies sei keine Albernheit, es sei Symbol. Wolfskehl kommt und belehrt, unter Symbolen verstehe man was anderes. Klages weiß nicht, ob und wo er sich setzen soll. Schließlich wird der Ausweg vereinbart, daß weder George noch ich sich fügen müssen, sondern gleichzeitig beide aufstehn, bis zur Mitte des Säulengangs einander entgegengehn und daß dann alle vier gemeinsam an einem größeren Tisch platznehmen sollen. Und so geschah’s. Schwerernst, mit der Feierlichkeit großer Geschichtsereignisse. Wir schüttelten einander die Hände und sagten: ‚Sehr erfreut‘ und nahmen dann, er den Wolfskehl, ich den Klages zur Seite, an dem dritten Tische Platz. Und nun hätte ein Geistespalaver beginnen können, aber ich erinnere nicht mehr viel davon, außer daß von einem Wolfskehl-Aufsatz über Goethes Drama ‚Die natürliche Tochter‘ die Rede war und daß eifersüchtig und verworren, ich mich verschloß gegen alle Tugenden und Feinheiten. (…) George war zu der Zeit, da wir ihn kannten, ein junger melancholischer Prinz im Exil, herrisch und verhärmt. Um seine knochigen Schultern wehte der römische Mantel und auf dem dunkel schimmernden, im Nacken mit sogenanntem Polkaschnitt grad gezirkelten Gelock thronte statt einer Krone der bürgerliche Zylinderhut. Stolz das junge fordernde Haupt zurückgeworfen, ging, nein schritt er durch das Café, wie der Bischof durch die Mitte von Sankt Peter. Gleichzeitig wunderlich und bedeutend, gleichzeitig närrisch und achtunggebietend. Denn blieb er erfolglos, so war er eben einer von den vielen, durch lange Mähne und schöne Schlipse gekennzeichneten verkannten Genies, die damals rudelweise in Schwabing Tee tranken. Setzte er sich aber durch (wie das Idiotenwort lautet), dann wurde aus Zylinder, Gelock und priesterlicher Haltung der nächste ästhetische Stil. – Er legte Wert auf Form und Kleid. Band sich, wofür wir Leichtfüßigen keine Neigung hatten, sorgsam vor dem Spiegel eine Halskrause, blickte in die Modemagazine, betrachtete neue Schmuckformen, lobte Tuche und Seiden, bespiegelte aufmerksam im Glase die gute Ordnung seiner Krawatte. Kurz, er war ein gehaltener Herr, während wir kunstzigeunernde Jungen waren. Selbst hinterm Maßkrug bewahrte der Hohepriester eine so würdige Haltung, daß mein Hohn ihn den Weihestefan nannte.“

Aus der Konfliktbeschreibung im Caféhaus wird aber nicht klar, warum der spätere Lebensphilosoph Ludwig Klages die Freundschaft zu seinem Jugendfreund abbrach. Er wollte jedoch seinen immer größer werdenden Hass auf Juden nicht mehr verbergen. Dieser Hass äußerte sich auch in den Ausfällen gegen den Juden Wolfskehl. Theodor Lessing war für Klages bald nur noch ein ekelhafter, zudringlicher Jude. Man muss sich also nicht mehr über seine rassistischen Artikel nach 1933 wundern.

Obwohl sich Theodor Lessing seine eigenen Wege sucht, bleibt sein Verhältnis zu Klages eine offene Wunde. Denken und Handeln entwickeln sich zwar auseinander, Klages ist mehr ein Systematiker, Lessing sprunghaft und assoziativ, aber beide sehen den europäischen Geist als Prinzip eines falschen Lebens und einer falschen Philosophie. Das Hauptwerk von Klages trägt den Titel: „Der Geist als Widersacher der Seele“ und eines der wichtigsten Bücher Lessings heißt: „Untergang der Erde am Geist“. Hans Dieter Hüsgen, der sich 1961 mit der Geschichtsphilosophie Lessings auseinandergesetzt hat, kommt zum Kern der Auseinandersetzung der beiden Freunde. Er schreibt:

„Klages sieht im Judentum den Schöpfer des Monotheismus und den Zerstörer jener Vielfalt göttlicher Wesen in der heidnischen Welt. Das Judentum hat im Menschen das Abhängigkeitsgefühl von Gott hervorgerufen (…) Lessing dagegen verteidigt das Judentum. Seiner Meinung nach sucht Klages nach einem Sündenbock für die kulturelle Fehlentwicklung.“

Theodor Lessing löst sich nur langsam von den intellektuellen Moden der Schwabinger Szene. Er übersetzt die Tagebücher der russischen Malerin Maria Bashkirtseff, die von Theodor W. Adorno als Schutzheilige des Fin du siècle bezeichnet wurde. Lessing denkt sich tief in die widersprüchliche, frühreife Frau hinein, die vor allem damit beschäftigt war, ihre Stimmungen festzuhalten. Ihn faszinieren die psychischen Dramen dieser Exzentrikerin, die schon mit 24 Jahren gestorben ist. Lessing sieht, dass ihr Gefühlsüberschwang nur gespielt ist und ihre Gefühle in Wirklichkeit „vereist“ sind. Ohne einen moralischen Zeigefinger zu erheben, versteht er ihre Tagebücher als Fundorte ungelebter Weiblichkeit und der künstlichen Natur ihres Innenlebens. Für manche Kritiker sieht es allmählich so aus, als würde er sich den Weibern andienen, denn er tritt immer offensiver für die Gleichberechtigung der Frau ein. Er kann aber gar nicht anders, als sich die Geschlechterfrage neu zu stellen. So schreibt er in seinem Buch: „Schopenhauer, Wagner, Nietzsche“ im Jahre 1906:

„Man konstatiert, (…) daß der Mann logischer, die Frau instinktiver, der Mann bewußter, das Weib unbewußter sei, daß dem einen Staat, Wissenschaft, äußere Welt gezieme, der anderen Liebe, Haus und innere Welt. Man sagt: so ist es! Aber dahinter steckt doch nur das Wertgefühl: So sollte es sein! (…) Diese differenzielle Geschlechterpsychologie ist falsch! Es bedarf auf diesem Gebiet(…) einer radikalen Umwertung aller Werte(…) Und nicht das Weib, sondern der Mann ist der primitive, von Gefühl und Instinkt abhängigere,(…) egozentrische und primitive Teil.“

Seit der Zeit seines Bruches mit Klages wird die intensive Zuwendung Lessings zum Zionismus ein Hauptbestandteil der geistigen und realen Beschäftigung in seinem Leben. Er nimmt eine Lehrerstelle im Landeserziehungsheim Haubinda an und protestiert dagegen, dass nur höchst selten ausländische und jüdische Kinder aufgenommen werden. Sein Engagement für soziale Arbeit dehnt sich aus. Er hält Unterrichtskurse für das Proletariat, setzt sich in seinen Artikeln für friedliche Völkerverständigung ein und betrachtet seine Arbeit immer mehr als Philosophie der Tat.

Zur gleichen Zeit interessierten ihn Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens. Er gründet einen Antilärmverein, dem auch der sensible Hugo von Hofmannsthal beitritt. Besonders das Vereinsorgan: Der „Antirüpel“ wurde aber in der Öffentlichkeit belächelt. 1907 verfasst er eine Kampfschrift gegen den wachsenden Lärm. Seine Klage richtet sich natürlich gegen die übermäßige Reizung des Hörorgans, dem Lärmempfindliche in den lauten Metropolen ausgesetzt sind. Er spricht sich gegen das Klopfen von Teppichen, gegen Glockenlärm, Peitschenknallen, Autogeräusche und anderen Lärm aus und trifft das Problem der Foltergeräusche gerade auch des heutigen Lebens. Lärm ist für den geistigen Arbeiter Lessing ein Reizmittel wie Alkohol und dient dazu, die intellektuellen Funktionen zu dämpfen. Wenn für ihn die Kultur eine Entwicklung zur Stille hin ist, so sieht sich Lessing mit einer wachsenden, immer nervöser machenden Lärmkulisse konfrontiert:

„Lärm ist das primitivste und plumpeste, zugleich aber das allgemeinste und verbreitetste Mittel der Bewußtseinssteuerung. ( …) Die Hämmer dröhnen, die Maschinen rasseln. Fleischerwägen und Bäckerkarren rollen früh vor Tag am Hause vorüber. Unaufhörlich läuten zahllose Glocken. Tausend Türen schlagen auf und zu. Tausend hungrige Menschen, rücksichtslos gierig nach Macht, Erfolg, Befriedigung ihrer Eitelkeit oder roher Instinkte, feilschen und schreien, schreien und streiten vor unseren Ohren und erfüllen alle Gassen der Städte mit dem Interesse ihrer Händel und ihres Erwerbs. Nun läutet das Telephon. Nun kündet die Hupe ein Automobil. Nun rasselt ein elektrischer Wagen vorüber. Ein Bahnzug fährt über die eiserne Brücke. Quer über unser schmerzendes Haupt, quer durch unsere besten Gedanken. Das Heraufholen und Verfolgen objektiver Werte wird zur Tortur.“

Die Schrift endet mit der paradoxen Erkenntnis, dass derjenige, der sich gegen den Lärm wehren will, Lärm schlagen muss. Von akademischen Kreisen bekommt er den Beinamen: „Lärmprofessor“. Der Lärmverein wird lächerlich gemacht und geht im Getöse des Ersten Weltkriegs unter. Erst in den zwanziger Jahren begann die Lärmforschung, und die Messeinheit „Phon“ wurde 1926 eingeführt. Die Anerkennung von Gehörschäden konnte zum ersten Mal arbeitsmedizinisch 1929 durchgesetzt werden.

Im Jahre 1907 waren Lessings Wanderjahre, die ihn mit seinen philosophischen Vorträgen sogar in Wartehallen von Bahnhöfen verschlagen hat, zu Ende. Der begabte und unbequeme Denker habilitierte sich nach einigen missglückten Versuchen an der Technischen Universität Hannover, obwohl ihn Edmund Husserl als Gutachter einen „Charakter von ungewöhnlicher Niedrigkeit“ genannt hatte. Der gedemütigte Lessing wurde also wieder ein ungeratener Sohn und blieb immer nur Privatdozent, der allein schon durch seine Pamphlete viel zu wenig professorale Seriosität ausstrahlte. Vier Jahre später verwickelte er sich in eine Affäre, die heute noch vage bekannt ist, vor allem bei von „Thomas-Mann-Kennern“. Den Anlass gab eine Satire über den jüdischen Kritiker Samuel Lublinski und dessen Buch: „Bilanz der Moderne“. Die Boshaftigkeit Lessings, der Lublinksi als „verfetteten Espritjuden“ karikiert hatte, ist aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbar. Doch dann greift Thomas Mann, dessen Roman „Buddenbrooks“ von Lublinski sehr gut beurteilt worden war, zur Feder:

„Herr Lublinski ist kein schöner Mann, und er ist Jude. Aber ich kenne auch Herrn Lessing (wer kann für seine Bekanntschaften!) und ich sage nur soviel, daß, wer einem Lichtalben oder das Urbild arischer Männlichkeit in ihm zu sehen angäbe, der Schwärmerei geziehen werden müßte (…) Es ist nicht zu sagen, wo überall Herrn Lessings Wiege gestanden haben könnte, gesetzt, daß er eine gehabt hat (…) Im Stile des wild gewordenen Provinz-Feuilletons über den espritjüdischen Typus zu satirisieren, steht prächtig dem zu Gesicht, der selber in aller Welt nichts weiter als das schäbigste Exemplar dieses in einigen Fällen doch wohl bewunderswürdigen Typus vorzustellen vermag. Nachdem er als Mediziner, als Schullehrer falliert, als Lyriker, Dramatiker und in jenen von ihm so dringlich empfohlenen philosophischen Werken seine weichliche Unfähigkeit erwiesen, hat unser Held sich (…) in München als Zionist und Conferencier für Damen versucht;(…) er wird neuerdings, als alternder Nichtsnutz, vom Politechnikum zu Hannover als Privatdozent geduldet und gibt dortselbst das Organ des viel beachteten Anti-Lärmvereins (…) heraus, – eine Notbeschäftigung, die man ihm sympathisch gewähren lassen könnte, wenn nicht gar zu viel dabei von dem köstlichen Nervensystem des Herrn Lessing die Rede wäre. Woher aber nimmt dieser benachteiligte Zwerg, der froh sein sollte, daß auch ihn die Sonne bescheint, (…) dieser ewig namenlose Schlucker, der sich als Schreckbeispiel schlechter jüdischer Rasse durchs Leben duckt, die Lust, das innere Recht zur Aggressivität (…)?“

Theodor Lessing antwortet. Er weiß, dass er antisemitisch diffamiert worden ist und verteidigt sein Pamphlet, indem er nochmals betont, dass er Lublinski nicht für den „berufenen Richter unserer Zeit“ hält. Er geht wieder in die Offensive:

„Aber auch Sie, Tomi, mein liebes, gutes Moralgroßmäulchen, so sittlich-rachsüchtig und dabei so friseurfein-schick, auch Sie, Tomi, werd ich immer nur lieb haben (…) Nein, Thomas Mann, Sie sind kein Dichter! Nur ein hochgezüchtet Marzipan-Mann aus Lübeck. Ich liebe tief Ihre wehmütig süßen Raffinements. Aber Sie tanzen mir zu schlecht … Wenn in Deutschland Kulturschulmeister von Gottes Gnaden Zensuren der Geister austeilen, naiv befindend, wer bedeutend, bedeutender, am bedeutendsten ist,(…) dann wird das Lachen zur notwendigen Tat. Um so befreiender, je bedeutender der Literaturpapst ist! … Ihr seid die Scharfrichter, ich bin nur ein Karikaturenzeichner. Warum ihr mich diffamiert? Weil ihr herausfühlt, daß ich euch nicht hasse. Am unbegreiflichsten ist den Menschen, daß man über sich und andere spotten kann ohne Galle.“

Und noch einmal antwortet Thomas Mann, der doch für für sein feines, zurückhaltendes Benehmen bekannt war, in merkwürdiger Rage:
„Muß ich sagen, daß mich die Atemnähe dieses Mannes ekelt, daß ich nichts mit ihm zu schaffen haben will (…) Möge er fortfahren, zu kämpfen. Möge er sich spreizen, Kußhände werfen und um sich schlagen, bis man ihn einsteckt (…)“

Die Lublinski-Äffäre wirbelte in der Presse großen Staub auf. Schon meldeten sich Stimmen, die den „scheinbaren Sonderling“, so Hans Mayer, als „Wanze“ bezeichneten und mit einer Revolverkugel sein Maul stopfen wollten.

Lessing ist als Privatdozent niemals staatlich angestellt worden und verdiente mit vielen Vorträgen und Feuilletons, sogenannten Nebentätigkeiten sein Geld. Trotzdem beendete er 1916 sein wohl wichtigstes Buch: „Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen“. Die Militärzensur verhinderte drei Jahre lang das Erscheinen, weil er darin Stimmung gegen den Ersten Weltkrieg machte. Mit diesem Werk steht er in völligem Gegensatz zum Fortschrittsglauben der damaligen Zeit.

Das Verhältnis zur Geschichte, die natürlich die Geschichte des Patriarchats ist, sieht Lessing als das Verhältnis der jeweiligen Macht zu ihren Taten. Diese werden seiner Überzeugung nach in ein einfaches Schema gezwängt, nämlich in das des Erfolgs. Der Erfolg wiederum wird zur Sittlichkeit erhoben und die historischen Persönlichkeiten der Geschichtsepochen sind nicht die wertvolleren Menschen, sondern diejenigen, die symbolische Machtfiguren darstellen. Lessing stellt die Frage:

„Was wäre wohl in der deutschen Geschichte die Gestalt Friedrichs des Großen, wenn dieser den siebenjährigen Krieg letztendlich verloren und Preußen zerrüttet und zerstört hätte. Man sähe ihn heute sicher als einen für deutsches Wesen völlig unempfänglichen, zur Organisation unfähigen, unsoldatischen, kauzigen alten Sonderling an, der zum Unglück der Welt Soldat, statt Privatgelehrter und ein König, statt ein Hofnarr geworden ist … Die edelsten und heiligsten Helden und Märtyrer nennt die Geschichte nicht und die sie nennt, sind vielleicht die Geringsten unter denen, die vergessen werden.“

Für Rita Bischof gehört Lessings Erkenntnis, dass die Geschichte von menschlichen Wunschvorstellungen geschrieben wird, zum Beeindruckendsten seiner Gedankenwelt, und Günter Kunert vergleicht das Buch mit Montaignes Schreiben, weil man immer wieder, wie bei jenem großen Essayisten, in diesem Buch blättern kann und stets neue Gedanken findet. Hüsgen hat darauf hingewiesen, dass Lessing angewidert gewesen sein muss von der Komödie der Geschichte, die den Zufall nachträglich mit Sinngebung ausstattet. Er schreibt:

„Die verbreitetste und wirksamste Illusion über den wahren Charakter der Geschichte ist für Lessing die Lehre vom Fortschritt(…) Wenn nämlich Geschichte den Fortschritt verbürgt, dann kann jede zur Herrschaft gelangte Macht ruhig sich auf dem Glauben schlafen legen, zeitweiliger Gipfel des Naturprozesses zu sein und somit ihre Gewalt als auch ihr Recht genießen. Fortschritt, Kultur, Entwicklung von Staat, Volk und Vaterland, das sind bekannte Redensarten, hinter denen gar nichts steckt als die Selbstrechtfertigung für Macht- und Erfolgswilligkeit herrschender Gruppen.“

Diese Thesen richten sich ganz konkret gegen den Nationalismus und Imperialismus, die Lessing immer bekämpfte. Als geistiges Rüstzeug für die herrschende, patriarchale Geschichte gilt für ihn Hegels Philosophie, die eine Legitimation für den Machtwillen gegeben hat. Der Geschichtsentwicklung mit ihrem Fortschrittsziel wird, so Lessing, jene Anlage des Menschen geopfert, die ihn an seine Natur bindet. Lessing beobachtet den leistungsbeflissenen, verlogenen Untertanengeist, der sich in Amtsstuben besonders wohl fühlt und allein schon durch die Insignien der Macht Urteile über jene fällt, die sich nicht im beamteten Leben aufhalten:

„Sobald die Menschen in die Bannweite ihrer Amtshäuser und Geschäftssäle geraten, an grünen Tischen, (…) auf Kanzeln oder Vortragspulten Platz nehmen, Togen und Talare angetan haben und sich nun im Beruf, im Amt, im Geschäft, kurz: öffentlich zu fühlen beginnen, (…) so kommt es denn dahin, daß die öffentlich gespielte Sittlichkeit und die einzelne Lebenshaltung weiter auseinander klaffen. Die öffentliche Meinung erheuchelt von Stunde zu Stunde Grundsätze, nach denen überhaupt nicht gelebt werden kann.“

Die Geschichtskritik Lessings ist immer auch eine Kulturkritik. Was der Kulturmensch leistet, ist ihm fragwürdig, weil er sich immer mehr von seiner ursprünglichen Gestalt entfernt. Naivität und Unschuld werden für ihn auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten zerstört, wo jeder jeden belauert, um irgendwelche Wirkung zu erschinden oder um Überlegenheitsgefühle zur Schau zu stellen.

Lessing hat seit seiner Jugend zur Natur ein geradezu mystisches Verhältnis. Hüsgen bezeichnet ihn als Naturidylliker. Dieser spricht von der „Kindheit der Natur“, wohl wissend, dass es sie im alten Europa nicht mehr gibt. Aber aus dem Spannungsverhältnis zwischen der ursprünglichen Natur und der destruktiv bearbeiteten Kultur entwickelt er seine Kulturkritik. Seine Sehnsucht richtet sich nach der unberührten Natur, aber er registriert schreckliche kulturelle Veränderung und Hüsgen analysiert seine Ethik folgendermaßen:

„Den schärfsten Widerspruch des Ethikers Lessing hat die Unfähigkeit des europäischen Menschen zum Mitleid hervorgerufen. Die Ethik der Rennbahn gereicht immer den Menschen zum Vorteil, deren Ethik sich am schnellsten und gründlichsten den Erfordernissen des Konkurrenzkampfes anpassen kann: den klugen Rechnern, den geschickten Organisatoren und den rücksichtslosen Managern. Die empfindsamen Seelen geraten unter die Räder, wenn allein der Erfolg entscheidet. Mit leidenschaftlichem Pathos schildert Lessing die ungeheuren Leiden der hungrigen Menschen in Indien und Rußland und konfrontiert dies mit dem Schlemmen und Wohlleben der Nutznießer der Gesellschaft.“

Die „Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen“ ist zur gleichen Zeit geschrieben worden, wie sein Aufruf gegen den Krieg. Aber niemand wollte ihn im Kriegslärm wahrhaben. Lessing selber hatte einen großen Horror vor der Front, ließ sich Gutachten für seine Untauglichkeit schreiben und wurde dann Hilfsarzt in vier Lazaretten. Aus eigener Anschauung ist der Vernichtungswille der Menschen für ihn offensichtlich, aber es fällt ihm schwer zu glauben, dass Frauen, Friedensfreunde, Sozialisten und Christen nicht genauso gegen den Krieg sind wie er. Der Moralist Lessing sieht sich immer mehr als Außenseiter. Inzwischen ist er zwar kein Unbekannter mehr, aber einer im gesellschaftlichen Abseits. Er vertieft sich immer mehr in die Wissensgebiete der europäischen und asiatischen Philosophie, aber gerade deshalb wächst seine Abneigung gegen jede Fachphilosophie. Der Gebildete ist für ihn der größte „Seelenbarbar“. Als Geschichtszweifler, der seine Erkenntnisse und düsteren Analysen aus dem Ersten Weltkrieg schon bald als Gerichtsreporter im Haarmannprozess anwenden wird, stellt er fest:

„Und so ward grau die Welt.“

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erstellt am 10.3.2014

Theodor Lessing
Theodor Lessing, Fotografie: Uni Oldenburg
Theodor Lessing
Theodor Lessing (Zeichnung von 1925)

Literatur von Theodor Lessing

Maria Bashkirtseff, Leipzig 1899

Schopenhauer, Wagner, Nietzsche. Einführung in moderne deutsche Philosophie, München 1906

Der Lärm. Eine Kampfschrift gegen die Geräusche unseres Lebens, Wiesbaden 1908

Samuel zieht die Bilanz und Tomi melkt die Moralkuh oder zweier Könige Sturz, Hannover 1910

Philosophie als Tat, Göttingen 1914

Europa und Asien, Berlin 1918

Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen, München 1919 und Matthes und Seitz Verlag 1983

Die verfluchte Kultur. Gedanken über den Gegensatz von Leben und Geist, München 1921

Haarmann, Die Geschichte eines Werwolfs, München 1963 Rogner und Bernhard

Hindenburg, Berlin 1925

Blumen, Berlin 1928 und Matthes und Seitz 2004

Einmal und nie wieder, Lebenserinnerungen, Prag 1935 und Bertelsmann o.J.

Sekundärliteratur

Broder, Henryk M.: „Es ist möglich, daß alles, was ich lehre, mit mir selber untergeht“, in: Frankfurter Rundschau 1982

Huesgen, Hans Dieter: Geschichtsphilosophie und Kulturkritik Theodor Lessings, Mainz 1961

Hieronimus, Ekkehard: Theodor Lessing, Otto Meyerhof, Leonhard Nelson. Bedeutende Juden in Niedersachsen, Hannover 1964

Mayer, Hans: Der unzeitgemäße Theodor Lessing, in: Einmal und nie wieder, a. a. O.

Lenk, Elisabeth: Fortschritt ist wachsender Tod: Der Unheilsprophet Theodor Lessing, in: Die verfluchte Kultur, a. a. O.

Marwedel, Rainer: Theodor Lessing 1987

Marwedel, Rainer: Theodor Lessing, Nachtkritiken, 2006

Winkler, Willi: Wolf unter Wölfen, in: DIE ZEIT 1995