Zum Auftakt des neuen Ausstellungsformat 'Depotschau' widmet sich das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt dem Thema 'Essen und Trinken' und zeigt eine Auswahl aus seiner Sammlung an Servier- und Essgefäße für Suppe: Dekorative, skurille und edle Stücke.

ausstellung in frankfurt

Depotschau: Essen & Trinken | Suppe

Beim neuen Ausstellungsformat „Depotschau“ des Museums Angewandte Kunst werden in Anlehnung an das Prinzip eines Schaudepots Einblicke in die Sammlungsbestände des Museums gewährt und auch Stücke gezeigt, die bisher noch nie zu sehen waren. Gleichzeitig, und über ein reines Schaudepot hinaus, wird eine thematische Auswahl getroffen, eine Konstellation von Objekten gezielt konzipiert und präsentiert.

Zum Auftakt wendet sich die Präsentation dem Themenkreis „Essen und Trinken“ zu und betrachtet unter dem Titel „Suppe“ zuerst die Darreichungsformen einer Ur-Speise, deren Erfindung mit der Nutzung des Feuers und eines entsprechenden Behältnisses zusammenhängt. Mit Salz und Brot gehört die Suppe zu den elementaren Speisen. Sie avancierte von einem einfachen Gericht, einem Alltagsessen, zum Entrée eines höfischen Festmahles und ist auch heute wieder in Mode gekommen.

Das Museum Angewandte Kunst konzentriert sich auf die gestalterische Auseinandersetzung mit dem Gefäß, im dem die Suppe gereicht wird. Rund 150 Suppengefäße aus allen Sammlungsgebieten des Museums, aus unterschiedlichen Zeiten, Kontexten und Materialien, zeigen ein nahezu unerschöpfliches Vokabular an Formen. Dekoration und Formgebung spiegeln in allen Details – wie die Komposition der Suppe selbst – kulturelle Zusammenhänge und deren Wandel. Schale, Prunkterrine oder Kochtopf, in den Sammlungen des Museums sind vor allem Werke greifbar, welche außergewöhnliche Momente des Lebens bezeichnen. Entsprechend gewählt sind sie in Ausdruck und Material gestaltet: Silber, Zinn oder Edelstahl, Fayence, Porzellan, mit Voluten- oder Tierfüßen, mit Ohrengriffen, Maskarons oder plastischen Blumen; goldgefasst, bunt staffiert, façonniert; von opulent oder tierisch, bunt oder monochrom bis schlicht und klar. Mit Genuss stellen wir anhand der Museumsbestände die Formvielfalt, Erfindungen und gestalterische Höhepunkte vergangener und gegenwärtiger Zeiten zur Schau und Diskussion.

Im Zentrum der Depotschau stehen außergewöhnlich gestaltete Terrinen, beeindruckende Höhenflüge in den Formerfindungen, die an der höfischen Tafel das Festmahl eröffneten. Viele mittlere bis kleine Terrinenvariationen bis zu Cremetöpfchen leiten über zum Zeitalter der Verbürgerlichung und Demokratisierung, zu der auch der Brotkorb in Silber oder Porzellan auftritt.

Einen Sonderblickwinkel eröffnen Beispiele aus den ostasiatischen Sammlungen des MAK. 4000 Jahre alte Irdenware mit Pressdekoren aus dem China des Neolithikums oder 2000 Jahre alte Grabfunde weisen in archaische Zeiten und den Ausgangspunkt der Suppenkultur im dreifüßigen Kochtopf. Beispiele aus China, Korea und Japan belegen die weit zurückreichende Kultivierung in der Darreichung von Speisen, zu denen Suppen (Ramen) zentral zu zählen sind. Gleichzeitig mit der Form und deren unterschiedlicher Ausgestaltung belegen sie deren Multifunktionalität, die für den asiatischen Kulturraum und die Rezeption asiatischer Esstradition in der westlichen Welt bis heute charakteristisch ist.

Sabine Runde ist Kuratorin am Museum Angewandte Kunst Frankfurt

erstellt am 03.3.2014

Löwenterrine, Porzellan, Meißen 1740, Foto: Museum Angewandte Kunst Frankfurt

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Depotschau: Essen & Trinken | Suppe

Bis 11. Mai 2014

Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17, Frankfurt am Main

Deckelterrine in Form eines Eberkopfes, Fayence, Muffelmelerei, Höchst 1748–1753. Foto: Museum Angewandte Kunst Frankfurt

Deckelgefäß, Porzellan, China, Quingzeit, um 1900, Foto: Museum Angewandte Kunst Frankfurt