1919 drehte der Stummfilm-Pionier D.W. Griffith das Melodram „True Heart Susie“. Griffiths Bilder, das Schauspielerensemble und die unterlegte Musik machen diesen Film auch heute noch sehenswert, findet Thomas Rothschild.

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Melodramatiker Griffith

Von Thomas Rothschild

Der Pionier des frühen Stummfilms D.W. Griffith ist vor allem für seine in jeder Hinsicht großen Filmepen „The Birth of a Nation“ und „Intolerance“ von 1915 und 1916 bekannt. 1919 drehte er das Melodram „True Heart Susie“. Es ist die ziemlich schematische Geschichte von dem schlichten Landmädchen Susie, das seinen Jugendfreund William liebt, dem es anonym das Studium finanziert hat, und zusehen muss, wie der Arrivierte einer von den geschminkten und gepuderten Frauen, die es nur auf sein Geld abgesehen haben, den Vorzug gibt. Es ist ein Drama des schmerzlichen Verzichts, das aber glücklich endet.

Die Dramaturgie folgt jenem narrativen Modell, das bis heute für den Großteil des Mainstream-Kinos verbindlich ist. Aber wie Griffith diese eher banale Geschichte in Bilder umsetzt, wie er die Einstellungsgrößen wählt und mit der Großaufnahme virtuos ausdrückt, was im Tonfilm oft in Geschwätz untergeht – das ist bis heute sehenswert, wenn man für den Stummfilm jene Geduld aufbringt, die viele Musikenthusiasten für den Originalklang haben.

In der Titelrolle bezaubert die legendäre Lillian Gish. Sie spielt erstaunlich „modern“, nimmt sich zurück, deutet mimisch und mit Körperhaltung und Gängen an, wo man ansonsten im Stummfilm eher auf die überdeutliche Geste setzt. Aber auch das übrige Ensemble lässt sehr schnell vergessen, dass dieser Film immerhin fast ein Jahrhundert auf dem Buckel hat.

Das Vergnügen wird gesteigert durch die vorbildliche technische Aufbereitung für die DVD. Auch die Musik, die dem Film unterlegt ist, kommt der historischen Stummfilmbegleitung sehr nahe.

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erstellt am 08.2.2014

True Heart Susie
Stummfilm, USA 1919
DVD
absolut MEDIEN/arte EDITION 3004

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