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»Das Buch hat keine Eile, es ist keine Nachricht, es ist kein Event.«
Rainald Goetz

Christian J. Grothaus

Friedrich von Borries: RLF

Gibt es Auswege aus der Einförmigkeit unserer globalisierten Gegenwart? Die alte Frage der Studentenbewegung nach dem richtigen Leben im falschen greift der Hamburger Kunstprofessor Friedrich von Borries in seinem neuen Roman “RLF” auf und liefert eine überraschende Antwort. Christian J. Grothaus stellt das Buch vor. mehr

Bernd Leukert

Die gesammelten Verse von Wilhelm Klemm

Jorge Luis Borges übertrug 1920 mehrere seiner Gedichte ins Spanische. Er kannte Apollinaire, Hofmannsthal, Carl Einstein und Kurt Schwitters: Wilhelm Klemm war ein äußerst produktiver Dichter, dessen »Gesammelte Verse« Bernd Leukert hier vorstellt. mehr

Eugen El

Liebe in Zeiten der Diktatur

Wie schreibt man die Geschichte einer Familie, die erfahren musste, dass das Streben nach einem selbstbestimmten Leben unter den Bedingungen einer Diktatur zum Scheitern verurteilt ist? Dieser Frage geht Lena Goreliks neuer Roman nach, den Eugen El für Faust Kultur gelesen hat. mehr

Otto A. Böhmer

Für andere wird auch eine Sonne scheinen

Schon sein Buch über die deutsche Romantik ist auf ein enormes Interesse gestoßen. Nun hat Rüdiger Safranski mit seiner Biographie des Weimarer Dichterfürsten die Reihe seiner profunden literarischen Lebensbeschreibungen gekrönt. »Goethe – Kunstwerk des Lebens« ist ein umfangreiches, aber sehr gefragtes Werk. Otto A. Böhmer beschreibt die Gründe dafür. mehr

Romanauszug

Jan Cornelius: Narrenstück

Das »Narrenstück«, das der Übersetzer und Journalist Jan Cornelius veröffentlicht hat, ist eine literarische Montage aus autobiographischen und fiktionalen Skizzen, in denen er die Wirklichkeit mit scharfer Feder beschreibt. Der besonderer Reiz des Romans entsteht aus der Mischung aus verzweifeltem Humor und komischem Realismus. mehr

Romanauszug

Matthias Göritz: Träumer und Sünder

Der Lyriker, Übersetzer und Romancier Matthias Göritz hat einen neuen Roman vorgelegt. Im Mittelpunkt steht der alte und kranke Filmproduzent Helmut Erlenberg, der im Interview mit dem Ich-Erzähler Details über sein neues Film-Projekt »Gleiwitz« erzählen soll, dabei aber sein eigenes Spiel spielt. Ein Kapitel aus diesem Buch verrät mehr.

Hans-Martin Lohmann

Der Briefwechsel zwischen Jacob Taubes und Carl Schmitt

Es war der Rabbiner und Religionswissenschaftler Jacob Taubes, der die ›unmögliche Beziehung‹ zu dem katholischen Antisemiten und Staatsrechtler Carl Schmitt suchte. Aus welchen Motiven dies geschah, ist in ihrem Briefwechsel nachzulesen, den Hans-Martin Lohmann kommentiert. mehr

Peter Henning

Raymond Carvers literarische Essays und letzte Gedichte

Worte finden angesichts des nahenden Todes: Raymond Carvers letzte Gedichte zeugen von seinem Vertrauen in das Schreiben. Eine Buchkritik von Peter Henning. mehr

Bruno Laberthier

Back to the Future of 1985

Noch einmal neunzehn sein. Noch einmal im Jahr 1985 leben. Am Tag des Live-AID-Konzerts noch einmal die Chance bekommen, das Leben in die richtigen Bahnen zu lenken. Bruno Laberthier über Ralf Friedrichs' Zeitreise-Roman „The Lesson Today“. mehr

Wend Kässens

Otto A. Böhmers Roman „Nächster Halt Himmelreich“

Nähe und Distanz, emotionaler Ernst und mitleidloser Witz sind ihm geläufig. Otto A. Böhmer ist beides: erzählender Philosoph und philosophischer Erzähler. In beiden Fällen ist er auf hohem Niveau unterhaltsam. Seinen neuen Roman “Nächster Halt Himmelreich” nennt Wend Kässens ein literarisches Ereignis. mehr

Alexandru Bulucz

Zu Max Sessners Gedichtband "Warum gerade heute"

Max Sessner ist ein Dichter, der immerzu Fragen stellt. Doch sind diese nicht so leicht auszumachen. Alexandru Bulucz hat sich der Trauer, dem Existentialismus, dem Zweifel, der Nostalgie und der Melancholie Sessners ausgesetzt. mehr

Stefana Sabin

Schuberts Lieder: Text, Musik, Bild

In ihrem neuen Buch stellt die Musikwissenschaftlerin Ute Jung-Kaiser die Korrespondenzen her zwischen den Gedichttexten, die Schubert in seinen Liedern vertont hat, und den Bildern, die diese wiederum hervorgebracht haben. Eine Buchvorstellung von Stefana Sabin und ein Textauszug. mehr

Rainer Weiss

Erinnerungen an Thomas Brasch

Mit „Die nennen das Schrei“ liegen nun die gesammelten Gedichte von Thomas Brasch vor. Dieses fabelhaft editierte, gewaltige Buch nimmt der Verleger Rainer Weiss zum Anlass, an den vor zwölf Jahren verstorbenen Schriftsteller zu erinnern. mehr

Jamal Tuschick

Die Wiederauferstehung eines Dichters aus dem Archiv

Nach dreijähriger gemeinsamer Arbeit haben Martina Hanf, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Berliner Akademie der Künste und die Literaturwissenschaftlerin Kristin Schulz Thomas Braschs gesammelte Gedichte unter dem Titel „Die nennen das Schrei“ herausgegeben. Jamal Tuschick hat mit den Herausgeberinnen gesprochen. mehr

Eugen El

Channah Trzebiner: Die Enkelin

Mit ihrem literarischen Debüt „Die Enkelin“ bringt uns Channah Trzebiner das Leben einer jungen Jüdin in Deutschland, wo die Vergangenheit immer noch die Gegenwart prägt, näher. Eine Buchkritik von Eugen El. mehr

Bernd Leukert

Es könnte manchmal so einfach sein

Seiner Bündner Trilogie hat der Schweizer Schriftsteller Arno Camenisch das Gespräch zweier Freunde hinterher geschickt: Fred und Franz. Der Tonfall, den der Autor so unverwechselbar etabliert hatte, ist darin in eine neue Fassung gebracht. mehr

Ruthard Stäblein

Sam Byers: Idiopathie

Vom Leben der Mittdreißiger im ostenglischen Norwich erzählt Sam Byers' Debütroman „Idiopathie“. Mit sarkastischem Humor umschreibt der Autor den Narzissmus seiner Figuren. Eine Buchkritik von Ruthard Stäblein. mehr

Jan Wilm

Sylvia Plath: „Die Glasglocke“

Vor fünfzig Jahren erschien der Roman „Die Glasglocke“ der amerikanischen Dichterin Sylvia Plath. Zum Jubiläum legt Suhrkamp eine Neuauflage vor. Jan Wilm nähert sich Plaths Werk und fragt nach der Legitimität einer biographischen Lesart des Romans. mehr

Stefan Geyer

Gretchen – der neue Roman von einzlkind

Vor drei Jahren erschien unter dem Pseudonym einzlkind im Berliner Verlag Edition Tiamat der Roman “Harold”. Wilde Spekulationen schossen ins Kraut wer sich hinter einzlkind wohl verbergen möge. Jetzt wird wieder spekuliert werden, denn kürzlich ist der zweite Roman von einzlkind erschienen, “Gretchen”. mehr

Jürgen Lentes

Edmondo de Amicis: Liebe und Gymnastik

Von einer Liebe in Zeiten der Körperertüchtigung handelt Edmondo de Amicis’ Kurzroman „Liebe und Gymnastik“. Nach einer ersten, unbeachteten deutschen Übersetzung Ende des 19. Jahrhunderts liegt diese Komödie, ein Kleinod komischer Literatur nun in Neuübersetzung vor. mehr

Malte Kleinjung

Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren

Mit seiner Novelle „Frühling der Barbaren“ weckt Jonas Lüscher nicht nur ein Gespür für Ambivalenzen und die Komplexität sozialer Phänomene, er unterhält auch. Mehr kann man von einem 125 Seiten umfassenden Text nicht erwarten. mehr

Bruno Laberthier

Reisen nach Timbuktu

Es herrscht Krieg in der afrikanischen Wüstenstadt mit dem sagenhaften Namen und den unschätzbaren Schriftzeugnissen. Die Tagesaktualität liefert zwar keinen zwingenden Grund, aber doch einen Anlass, sich den beiden Timbuktu-Textern René Caillié und Thomas Stangl zuzuwenden. mehr

Bernd Leukert

Wolfram Ette: »Kritik der Tragödie«

Blitzgescheit und glasklar führt uns Wolfram Ette die Stationen seiner Tragödiengeschichte vor Augen – und das durchaus wortgewandt und elegant. Mit seiner umfangreichen Studie zur »Kritik der Tragödie« hat er ein grandioses Werk vorgelegt. mehr

Detlev Claussen

Missglückte Reprise

Der Teufel glaubt an Gott. Er braucht ihn sogar. Und umgekehrt. Dieses Abhängigkeitsverhältnis spiegelt sich im Verhältnis des bösen Menschen zum Helden, an das zu glauben wohl immer noch ein Bedürfnis besteht. Christian Y. Schmidt hat mit seinem Buch »Wir sind die Wahnsinnigen – Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang« dieses Bedürfnis bedient. mehr

Bernd Leukert

Der Sang der Zikaden

Gabriele D’Annunzio, Principe di Montenevoso, war ein italienischer Symbolist, Dramatiker, Kriegshasardeur und Frauenheld. In Italien sind seine Verse in den Sprachschatz übergegangen; und nun, nach Erscheinen des zweisprachigen Alcyone, können auch wir den Dichter D’Annunzio entdecken. Bernd Leukert empfiehlt das Werk allen, die gute Dichtung schätzen. mehr

Thomas Rothschild

Der Intellektuelle

Anlässlich der Veröffentlichung der Frankfurter Poetikvorlesungen »Theorie der Erzählung« von Alexander Kluge auf DVD? hat Thomas Rothschild diesen großen Intellektuellen unserer Tage porträtiert.

Peter Eisenhardt

»Blitzkrach«

Der Jesuit und Sozialethiker Friedhelm Hengsbach hat in seinem Buch »Die Zeit gehört uns« die Informationstechnik für die lebensfeindliche Beschleunigung verantwortlich gemacht. Der Philosoph Peter Eisenhardt hat die Zeit-Schrift kritisch gesichtet. mehr

Detlev Claussen

Drei Historiker

Die Gespräche über das 20. Jahrhundert, die der Historiker Tony Judt und sein jüngerer Yale-Kollege Timothy Snyder im Verlauf des Jahres 2009 führten, sind nun, drei Jahre nach Judts Tod, in einem umfangreichen Band versammelt. Detlev Claussen hat ihn gelesen. mehr mehr

Peter Kapp

Helle Momente

Auffällig ist, wie Martina Webers Gedichte mal mehr, mal weniger lichtdurchlässig sind. Licht ist eines der entscheidenden Grundmotive ihrer Lyrik. mehr

Stefana Sabin

Sprache zwischen Welt und Zeichen

Schon lange gilt das Hauptinteresse des Sprachwissenschaftlers Jürgen Trabant dem Denken Wilhelm von Humboldts – sein neues Buch Weltansichten zeugt von einer „Geduld zur Sache“, die seit Adorno zum Merkmal des Gelehrten gehört. mehr

Clair Lüdenbach

Opium fürs Volk

Der freie Handel ist ein ökonomisches Kräftemessen, daran hat sich bis heute nichts geändert. Im 18. Und 19. Jahrhundert war ganz Europa verrückt nach den Kostbarkeiten aus China. Im Gegenzug schickten indische und englische Händler Opium aus Indien nach China. Von der Sucht nach Reichtum und dem Elend der Opiumsucht mit all seinen Folgen für China handelt Amitav Ghoshs Roman »Der rauchblaue Fluss«. mehr

Bernd Zegowitz

Vorhölle des Lebens

Die Erzählung »Kalkwerk«, die Thomas Bernhard 1970 veröffentlichte, wurde bearbeitet, erweitert, überschrieben und vom Komponisten Helmut Oehring mit Musik versehen. Albert Lang und Irene Rudolph haben im Korrektur Verlag eine Art Arbeitsbuch herausgebracht. mehr

Franziska Lüdtke

Wsewolod Petrow: Die Manon Lescaut von Turdej

1946 schrieb der eben aus dem Krieg heimgekehrte Leningrader Kunstwissenschaftler Wsewolod Petrow (1912 – 1979) eine Novelle mit dem Titel Die Manon Lescaut von Turdej. Petrow versuchte zeitlebens nie, das Manuskript einem Verlag anzubieten, holte es aber gelegentlich aus der Schublade, um Freunden daraus vorzulesen. mehr

Bernd Leukert

Nancy Hünger: Halt dich fern

Wer von „verwahrlosten Gedanken“ schreibt und von „zerträumten Plätzen“, hat sich schon vom Allgemeinen entfernt. „Halt dich fern“ sollte also nicht als Anweisung für Leser aufgefasst werden. Im Gegenteil. Aber es ist vielleicht dienlich zu wissen, dass es um ein poetisches Buch geht, dessen Schönheiten diesen Lesern geradezu vor die Füße geschüttet werden. mehr

Stefana Sabin

Die Dialektik der Geschichte

Der Fall Tulajew ist ein Roman des belgisch-russischen Schriftstellers Victor Serge über die stalinistischen Säuberungen – es ist aber auch ein Roman über die universelle Feigheit, die totalitäre Systeme möglich macht. Nun ist dieser Roman, der 1948 postum erschienen war, wiederzuentdecken. mehr

Jan Wilm

Dino Buzzati »Die Tatarenwüste«

Möchte man das Buch als eine Allegorie der Diktatur lesen, so liegt Mussolinis Italien natürlich nah, doch die eigentliche Diktatur des Buches ist die Zeit. mehr

Jannis Plastargias

Lütfiye Güzel »LET´S GO GÜZEL!«

Jannis Plastargias neigt dazu, die Texte in Lütfiye Güzels neuem Kurzgeschichten- und Gedicht-Band mit dem Begriff Social Beat zu beschreiben. mehr

Bruno Laberthier

Epigonalität und Alphabetentum

Der Darmstädter Künstler Horst Dieter Bürkle wird zum Autobiografieren gedrängt, präsentiert gekonnt seine drei künstlerischen Spielwiesen und überzeugt auch auf einer vierten. mehr

Stefana Sabin

Vladimir Jabotinsky: Die Fünf

Eine Familientragödie. Der Roman hat zwei narrative Fäden: den nostalgischen Rückblick auf eine Zeit, da Odessa eine vitale multikulturelle Metropole am Schwarzen Meer war – die Epoche von Jabotiskys eigener Jugend! – und den Verfall der Familie Milgrom, der à la Schalom Alejchem erzählt wird. mehr

Thomas Rothschild

Peter Zadek und seine Bühnenbildner

Eine Publikation der Berliner Akademie der Künste richtet den Blick auf die Bühnenbildner des wohl genialsten deutschen Theaterregisseurs der vergangenen Jahrzehnte. Elisabeth Plessen, die Schriftstellerin und Frau Peter Zadeks, ist Herausgeberin des großformatige Bands. mehr

Detlev Claussen

Anything Goa

Er hat schon über Schamanen und Mystiker, über Kultur und Psyche, über Kamasutra und die Liebe geschrieben – nun schreibt der indische Psychoanalytiker Sudhir Kakar über sich. In seiner Autobiographie beschreibt Kakar seinen polypragmatischen Wechsel zwischen Indien und dem Westen und stellt sich selbst als Guru dar. mehr

Thomas Rothschild

Eine Monographie über Hanns Eisler

Horst Webers in jeder Hinsicht gewichtige Arbeit über die amerikanischen Jahre Hanns Eislers schafft, was nur selten gelingt: Sie vereint nicht bloß eine breit angelegte biographische Darstellung mit einer genauen Analyse einzelner Werke, sie genügt auch jedem wissenschaftlichen Anspruch, ohne auf Lesbarkeit – auch und gerade für den Laien – zu verzichten. mehr

Faust-Glosse von Claudia Schmölders

Sibylle Lewitscharoff: 
Blumenberg

Was hat man nicht alles über den blitzenden Löwenroman von Sibylle Lewitscharoff geschrieben, wie genial hat sie doch das Erlebnis ihres Freundes Mosebach, der vor Jahren einen leibhaftigen Löwen in einem Londoner Antiquariat angetroffen haben will, in Denkprosa umgesetzt! mehr

faust-empfehlung

Ustrinkata

Auf unverkennbar eigenwillige Art beschließt der Schweizer Schriftsteller Arno Camenisch mit »Ustrinkata« nach »Sez Ner« und »Hinter dem Bahnhof« seine Bündner Trilogie – es geht alles zu Ende, aber so lange einer noch erzählt, ist das letzte Glas nicht ausgetrunken. mehr

Thomas Rothschild

Der Polnische Film

Es gab Zeiten, da waren umfangreiche Monographien über nationale Filmkulturen keine Seltenheit. Wer aber käme heute auf die Idee, 562 Seiten mit der Geschichte des polnischen Films zu füllen? Schüren hat das Wagnis unternommen. mehr

Thomas Rothschild

Lieder aus dem Ruhrgebiet

Heute bringt der Stöpsel im Ohr die Musik, und das Naturbedürfnis wird vorwiegend vom Reformhaus befriedigt. Da kommt denn ein querformatiges „Liederbuch Ruhr“ in der Größe eines Ziegels heraus. mehr

Wolfgang Geiger

Zwischen Urteil und Vorurteil

Im allgemeinen historischen Bewusstsein und in Schulbüchern wird die jüdische Geschichte so sehr auf die Verfolgungsgeschichte seit dem Mittelalter verengt, dass sie damit fast nur noch als Vorgeschichte des Holocaust erscheint. Einführung und Auszug hier

Thomas Rothschild

Rueprecht/Funk: Staatsgewalt

Was dieses Buch vor vergleichbaren Publikationen auszeichnet, ist dies: Es ist hervorragend geschrieben. Es liest sich wie ein Roman, und man ertappt sich dabei, wie man erschrickt über die Erkenntnis, dass das hier Beschriebene wahr ist und keine Fiktion. Die österreichische Realität übertrifft jede literarische Fantasie. mehr

Thomas Rothschild

Deix and beyond

Wie groß die Vielfalt der österreichischen Talente auf dem Gebiet der Karikatur ist, dokumentiert ein schöner Band aus dem Molden Verlag (ja, den gibt es noch). Eine Abteilung der Sammlung ist „Porträts & Köpfen“ gewidmet. Dass sie den Karikierten schmeicheln würden, wäre gelogen. mehr

Thomas Scholz

Aleš Šteger: Buch der Körper

Fünfundzwanzig mal fünf verdichtete Prosablöcke verschachteln sich hier zu labyrinthartigen Räumen. Šteger lockt durch einen scheinbar harmlosen Eingang in dieses reizvollen Irrgarten. mehr

Stefana Sabin

Ingo Schulzes Dresdner Rede

In seiner Dresdner Rede kritisiert der Schriftsteller Ingo Schulze politisches Denken und Handeln, dessen Ziel nicht das Gemeinwohl, sondern das Wohl der Finanzmärkte ist. mehr

Stefana Sabin

Das Buch der jüdischen Küche

Claudia Rordens in der englischsprachigen Welt als Standardwerk gefeiertes Buch über die jüdische Küche ist nun ins Deutsche übersetzt worden. mehr

Jannis Plastargias

Pilgerreise

„Pilgerreise“ von Michael Stauffer, im wunderbaren Verlag Voland & Quist erschienen, ist ein fantasievolles Buch, eines, das emotional trifft, auf die eine oder andere Weise – niemand wird dieses Buch unberührt lesen können. mehr

Bernd Leukert

Oleg Jurjew: In zwei Spiegeln

Der Sprachartist Oleg Jurjew, der bei der lesenden Bevölkerung Russlands in hohem Ansehen steht, muss als Lyriker bei uns erst noch entdeckt werden – auf eine gründlichere Weise. mehr

Bruno Laberthier

Heiner Marlowe auf Dope

Paul-Hermann Gruner begeistert mit seinem ersten Roman Wunderlich und die Logik, einem Crossover aus Gattungen, Intertexten und Bewusstseinszuständen mehr

Martin Lüdke

Annegret Held: »Apollonia«

Es ist die Lebensgeschichte ihrer Großmutter Apollonia, die uns von ihrer Enkelin Marie erzählt wird. Sie deckt fast das ganze vergangene Jahrhundert ab. Ein Leben auf dem Land, mitten im tiefsten Westerwald, der hier freilich, in diesem Buch, zur Welt wird. mehr

Clair Lüdenbach

Die Statisten

Kiran Nagarkars neues Buch ist ein Bollywood-Film über zwei junge Männer, die langsam dahin kommen, wo letztlich ihre Musik gespielt wird. Ein bisschen ist es auch ein Reiseführer durch das Bombay der 70er Jahre, wobei vieles noch heute seine Gültigkeit hat. Wer die Hindi-Filmschinken mit ihrem ganzen Pathos liebt, der hat auch ein Herz für „Die Statisten“. mehr

Martin Lüdke

Nicht nur die Köche zittern

Immer, wenn der Herbst zu Ende geht, der November sich von seiner besten Seite zeigt, mit kurzen, ekelhaft nasskalt grauen Tagen und oft auch bewundernswert konstantem Nieselregen, immer dann kommen die führenden Restaurantführer, Gault Millau und Guide Michelin Deutschland auf den Markt. mehr

Martin Lüdke über

Dirk Brauns: »Im Inneren des Landes«

Der erste (mir bekannte) Roman, der sich ausführlich mit den totalitären Strukturen in der Nationale Volksarmee, NVA, befasst, wurde in diesem Herbst von dem 1968 in Ost-Berlin geborenen Journalisten Dirk Brauns vorgelegt. mehr

Martin Lüdke

Die Töchter des Zeus

Zeitschrift »die horen« präsentiert »Dichter über Dichter«
Schwerpunkt des Heftes Nummer 246 „‘Die eigene Rede des andern …‘ Dichter über Dichter“, zusammengestellt von Jürgen Krätzer und der Dichterin Kerstin Preiwuss. mehr

Jannis Plastargias

»Fleischwölfe« und »0 – Eine Noirvelle«

Guido Rohm kann auf eine Weise erzählen, die einen das Buch nicht weglegen lässt. Kurze Sätze, prägnant, kantig, völlig im Gegensatz zu der üblichen Erzählweise des Genres, das sonst auf detailreiche Schilderungen von Bildern und entbehrliche Dialoge setzt. mehr

Alban Nikolai Herbst

A.L. Kennedy: Das Blaue Buch

A.L. Kennedys nur anfangs ein bißchen naiv wirkender Roman, auch das schon ist Täuschung, ist eine aus Außen- und Innenperspektive, Erzählung und Monologen höchst virtuos gebaute Geschichte, die eigentlich die Lösung gar nicht nötig hätte, mit der sie schließlich aufwartet: diese bittere Pointe des Schlusses, das Geständnis, das in dem Blauen Buch gebeichtet ist. mehr

Jan Wilm

Teju Cole: »Open City«

Coles Roman erzählt die Geschichte von Julius, einem jungen deutsch-nigerianischen Psychotherapeuten, der durch die offene Stadt New York wandert und versucht, in die Geschichten der Großstadt und ihrer Menschen einzutauchen. mehr

Jan Wilm

Tim Parks: »Sex ist verboten«

In seinen Memoiren „Die Kunst stillzusitzen: Ein Skeptiker auf der Suche nach Gesundheit und Heilung“ (2010), beschreibt Tim Parks, wie buddhistische Meditation ihm geholfen hat, krisenhafte Zustände und chronische Schmerzen zu überwinden. Nun lässt er seinen neue Roman in einer buddhistischen spirituellen Zentrum spielen, wo die Hauptfigur nach seelischer Heilung sucht. mehr

Martin Lüdke

Britta Schröder: »Zwölfender«

Es war früh am Morgen. Der Anruf eines Freundes aus Kolumbien erreichte sie in Chile. Er fragte, wie es ihr gehe. Sie antwortete: »Gut. Stabile Schieflage«. Eine treffende Beschreibung ihrer Situation, und mehr noch: auch ihrer Person. mehr

Stefana Sabin

Arthur Schnitzler: »Träume«

Zum 150. Geburtstag von Arthur Schnitzler ist eine sorgfältig edierte Ausgabe seines Traumtagebuchs erschienen.
„Ich träumte heute Nacht,“ notiert am 23. Oktober 1875 der dreizehjährige Arthur Schnitzler. Damit fängt eine besondere Art Tagebuch an: ein Traumtagebuch, an dem er sein Leben lang weiterschreiben wird und das Bestandteil der Autobiographie ist. mehr

Ruthard Stäblein

Sybille Berg: Vielen Dank für das Leben

Toto steht für alles und nichts. Toto ist ein Niemand, eine „persona“ im Sinne von Fernando Pessoa, also eine Maske und Unperson, ein reiner Spiegel, ein „thumber Thor“, ein Sonderling, ein fragwürdiges, irgendwie gefälschtes Wesen. Sonderbar ist schon die Herkunft der Hauptfigur in Bergs Roman. mehr

Jannis Plastargias

Uferwechsel von Sunil Mann

KRIMI: Es ist sehr früh am Morgen, gemeinsam mit einem Freund, dem Redakteur eines Zürcher Stadtmagazins, gelangt der Privatdetektiv indischer Herkunft an einen Tatort. In dem Waldstück nahe des Zürcher Flughafens wird eine Leiche geborgen: Ein junger Mann ausländischen Aussehens, der trotz des kalten Winters nur halb bekleidet ist.
mehr

Jannis Plastargias

Graphic Novel: »Rosa Winkel«

Die Graphic Novel »Rosa Winkel« begleitet Andreas in seinen härtesten Zeiten: Michel Dufranne schafft es ein Szenario zu erschaffen, das die wichtigsten Eckpunkte in wenige Worte fasst, Milorad Vicanovic (MAZA) illustriert die Geschichte mit feinen, präzisen und vor allem sehr detailreichen Zeichnungen. mehr

Andrea Pollmeier

Samar Yazbek »Der Schrei nach Freiheit«

Wie fühlt ein Mensch, der jetzt in Syrien lebt und über Kämpfe in Homs, Aleppo und Damaskus nicht aus der Ferne erfährt, sondern selbst zu den Verfolgten zählt? Die syrische Autorin Samar Yazbek hat in ihrem Augenzeugenbericht über die Anfangsphase der syrischen Revolution diese Empfindungen mit eindrucksvoller sprachlicher Kraft nachvollziehbar gemacht. mehr

Jannis Plastargias

Charles Burns »Die Kolonie«

Charles Burns beruft sich in „Die Kolonie“ auf diese Cutup-Methode, um gegenwärtige und vergangene Realität, Drogenvisionen, Träume und Fantasien miteinander zu vermengen. Welche Szenen Charles Burns nebeneinander stellt, scheint dabei auf den ersten Blick willkürlich. mehr

Thomas Scholz

Die Welt ist ein Konstrukt

Die Welt ist ein Konstrukt. Aber das macht nichts. Schon gar nicht, wenn man die lyrischen Werkzeuge, die Tools, hat, um selbst zu konstruieren, dekonstruieren und rekonstruieren, um Unteilbares zu spalten und dann (recht-)zeitig zum Knall zu bringen. Matthias Göritz bewerkstelligt dies in seinem dritten Gedichtband, der die »Tools« als Titel trägt. mehr

Franziska Lüdtke

Lisa Kränzlers Debütroman »Export A«

Wenn deutsche Bildungsbürgereltern ihre 16- bis 17 jährigen Sprößlinge für ein Jahr nach Übersee schicken, tun sie das, weil Auslandserfahrung sich im Lebenslauf gut macht, und weil ausgezeichente Englischkenntnisse inzwischen eine Minimalanforderung für Leitungspositionen aller Art sind. mehr

Malte Kleinjung

Der Russe ist einer, der Birken liebt

Olga Grjasnowas Romandebüt setzt ein an einem Sommermorgen in Frankfurt gegen Ende der Nullerjahre. Es ist ein Anfang unter Protest, ein Erzählen gegen einen inneren Widerstand: »Ich wollte nicht, dass dieser Tag begann«. mehr

Stefana Sabin

»Was kann die Welt denn schon?«

Denn die polnische Schriftstellerin Hanna Krall, am 20. Mai 1935 in Warschau geboren und seit den 80er Jahren auch im deutschsprachigen Raum für ihre literarischen Reportagen und ihre Romane bekannt, hat keine Autobiographie geschrieben, sondern einen narrativen Versuch unternommen, wie eine Autobiographie geschrieben werden könnte … mehr

Ruthard Stäblein

Die Schöne des Herrn

Als einer der großen Liebesromane des 20. Jahrhunderts wird diese »Schöne des Herrn« angepriesen. Der Roman erschien erstmals 1968, im Jahr der sexuellen Befreiung. Aber das glaubt man nicht, wenn man den Anfang liest. mehr

Jannis Plastargias

Graphic Novel von Guy Delisle

Was macht das Lese-Erlebnis aus? Zunächst einmal schafft es Guy Delisle den Leser ab der ersten Seite mitzureißen und ihn einzuladen, sich mit ihm zu identifizieren. Er ist ein sympathischer Typ, mit dem man gerne einmal einen Wein oder mehr trinken möchte. mehr

Stefan Geyer

Der Roman der Namenlosen

Es wimmelt von Prominenten in diesem Roman der Namenlosen, alle hinreichend entschlüsselt in den zahlreichen Rezensionen, die dieses Buch erfahren hat. Der Roman heißt »Ab jetzt ist Ruhe« und ist das Debüt der Radiomoderatorin Marion Brasch. mehr

Jannis Plastargias

Charles Burns »X«

Kein leichter Anfang, fürchte ich, ist die Graphic Novel „X“ von Charles Burns – und doch ist es am Ende das erste Buch seit Jahren, dessen Fortsetzung mich tatsächlich brennend interessiert. mehr

Martin Lüdke

Sten Nadolny: »Weitlings Sommerfrische«

Der große TUNIX-Kongreß, 1978 an der Berliner FU veranstaltet, dürfte heute nur noch von wenigen Veteranen einer alt gewordenen Jugendbewegung erinnert werden. Es war die letzte große Hauptversammlung der Aussteiger und Verweigerer, die sich konsequent den Forderungen einer an Leistung und Effizienz orientierten Konsumgesellschaft entziehen wollten. mehr

Jannis Plastargias

Guido Rohm: »Die Sorgen der Killer«

»Jeder Mensch kann zum Mörder werden«, sagt der ehemalige Ermittler der Münchner Mordkommission Josef Wilfling, der in seinem Ruhestand nun Kriminalromane schreibt. Entscheidend sind die Motive, die situativen Umstände, die einen „normalen unbescholtenen Bürger“ zum Mörder machen können. Der amerikanische Neurowissenschaftler David Eagleman würde dem vielleicht. mehr

Stefana Sabin

Bram Stoker: »Dracula«

Zum 100. Todestag seines Erschaffers ist Dracula, der Vampir aller Vampire, in zwei neuen Übersetzungen auferstanden. mehr

Clair Lüdenbach

»Türkische Tagebücher« von Klaus Reichert

Tagebücher versprechen oftmals intime Details, die in diesen Aufzeichnungen bei drei Pantoffelpaaren unter einem Doppelbett enden. Denn nicht die Gefühle stehen im Mittelpunkt dieses Buches. Der Name Klaus Reichert, Anglist und Hebraistiker, verspricht eher eine linguistische, biblische und historische Webarbeit, ähnlich einem anatolischen Kelim. mehr

Thomas Rothschild

Vladimir Vertlib: »Schimons Schweigen«

Man kann ja darüber streiten, ob Israel in der öffentlichen Wahrnehmung eher idealisiert oder eher diffamiert wird. In der Belletristik jedenfalls kommt dieses Land mitsamt seiner Politik gut weg. Romane und Erzählungen, die sich um die Perspektive von Palästinensern bemühen, muss man mit der Lupe suchen. mehr

Jutta Piveckova

Ein Sog in Sagos Welt

Phyllis Kiehl hat im Verlag der Kulturmaschinen den Roman »Fettberg« veröffentlicht und wenn das Buch keinen Prolog hätte, sondern anfinge mit dem ersten Kapitel, das so anfängt: »Ich heiße Ebba Korff und ich bin fett. Fragen Sie nicht, wie viel ich wiege. Fragen Sie mich das nie. Besser noch, Sie kennen mich nicht: Wir wollen mit Leuten unter hundertzwanzig Kilo nichts zu tun haben.…« mehr

Franziska Lüdtke

Lady Earl Grey

Hanns Zischler ist bekannt für seine Vielseitigkeit als Schauspieler, Übersetzer, Dramaturg, Hörbuchsprecher und Autor. In seinen bisherigen Büchern beschäftigte er sich mit Kafka, James Joyce und dem Geografen Arnold Schultze und seinem vergessenen Koffer kolumbianischer Schmetterlinge. Jetzt hat er mit Lady Earl Grey ein verspieltes, hintersinniges Märchen geschrieben. (Mit Textauszug und Illustrationen) mehr

Ruthard Stäblein

Alan Pauls: »Geschichte der Haare«

Der Kampf geht weiter auf dem argentinischen »Schlachtfeld der Empfindsamkeit«. Alan Pauls hat seine Beschreibung auf drei Bände angelegt und auf den Begriff der Historie gebracht. Der 1. Band trägt den Titel »Geschichte der Tränen« (Klett-Cotta 2010). Der dritte soll »Historie der Haut« heißen. mehr

Jamal Tuschick

Hesses Frauen

»Drei Frauen« heißt ein Band von Robert Musil, an den zu erinnern, mir bei dieser Gelegenheit ein Vergnügen ist. Drei Frauen brachten es im Weiteren fertig, mit Hermann Hesse verheiratet zu sein. Ihnen widmet sich Bärbel Reetz in biografischen Annäherungen. Unter dem Titel „Hesses Frauen“ sind diese Intimitäten im Insel Verlag erschienen. Hesse war privat gern mal ein unangenehmer Patron … mehr

Detlev Claussen

Rudi Assauers verblassende Erinnerungen

An meine erste und einzige direkte Begegnung mit Rudi Assauer kann ich mich gut erinnern: Es war am 1. Juni 2008, dem Tag meines ersten Herzinfarkts. Es war ein brütend heißer Sonntagvormittag, wir waren beide im Vorfeld der Europameisterschaft zu einem Gespräch im WDR eingeladen. mehr

Martin Lüdke

Ulla Lenze: »Der kleine Rest des Todes«

Alles ist klar, auch wenn erstmal vieles unklar bleibt. Ariane, eine junge Frau, dreiunddreißig Jahre alt, Doktorandin, hatte sich wohl auch zu Studienzwecken sechs Monate in einem Zen-buddhistischen Kloster in Indien aufgehalten und war erst vor wenigen Tagen nach Deutschland zurückgekehrt. mehr

Stefana Sabin

Der narkoleptische Polizist

Wie der hierzulande berühmtere Amos Oz gehört auch Jehoschua Kenaz zu jener Generation israelischer Schriftsteller, die die Gründung des Staates und seine Entwicklung miterlebt haben – entsprechend werden sie als »dor ha’medina«, Generation des Staates, bezeichnet. mehr

Franziska Lüdtke

Dinge von früher

Olga Martynovas Roman »Sogar Papageien überleben uns« ist mit gerademal 200 Seiten ein ziemlich kurzer, aber ungeheuer dichter Roman, dessen Reiz sich vernünftigen Beschreibungen entzieht. mehr

Matthias Biskupek

»Keiner mochte dem Minister das Maul leihen«

Volker Braun mischt in »Die hellen Haufen« reale Dokumente, sowie kühne An- und Aussprüche
Wer die Erzählung von Braun liest, tut gut daran, sich etwas in Literatur und mitteldeutscher, sprich thüringischer Geschichte umzutun: Braun ist Kenner, Zitator und vor allem Aphoristiker vor dem Herrn. »Die hellen Haufen« spielt schon im Titel auf halbmilitärische Formationen an. mehr

Detlev Claussen

Die Schrecken der Geistesgeschichte

Nimmt man den Untertitel von „Aufklärung. Das europäische Projekt“ ernst, ahnt man schon Böses. Hätte der Autor Manfred Geier sich bloß auf die von ihm im Vorwort angegebene Periode von 1689 bis 1789 beschränkt, könnte man sich fragen, ob das überhaupt geht – etwas über Aufklärung schreiben ohne Bacon und Spinoza, ohne Lichtenberg und Heine, nur weil sie aus der selbst gewählten Zeit fallen? mehr

Olga Martynova

Das zweite Debüt

Zwischen dem ersten Roman des 1970 geborenen Österreichers Richard Obermayr, »Der gefälschte Himmel«, der von der Kritik als ein glänzendes Debüt gefeiert wurde, und dem zweiten, bei Jung und Jung erschienenen, »Das Fenster«, liegen 12 Jahre. Vielleicht darf man sogar von einem zweiten Debüt sprechen. Obermayr blieb genauso sprach- und bilderbesessen, wie er war, und sein Buch ist wieder ein Lesespaß für fortgeschrittene Leser. mehr

Stefana Sabin

Die diffizile Ehe von Iris Meyer und Peter von Roten

Es ist vor allem die Lebensatmosphäre, die der Schweizer Historiker Wilfried Meichtry in einer gerade veröffentlichten Doppelbiographie nachzeichnet und dabei ein sozialpolitisches Bild der Schweizer Gesellschaft in den Jahrzehnten vor und nach dem Zweiten Weltkrieg skizziert. mehr

Martin Lüdke

Weisheit und Kalkül

Es sind genaue Beobachtungen und die sich daran anschließenden Reflexionen, die Marías’ Roman wenigstens in seiner ersten Hälfte weit über das übliche Thriller-Niveau hinaus heben. Auch, etwa, Überlegungen über den Unterschied zwischen Liebe und Verliebtheit. mehr

Martin Lüdke

Peter Nadas’ Jahrhundertroman »Parallelgeschichten«

Nadas ist da. Endlich. Das Erscheinen der deutschen Ausgabe dieser „Parallelgeschichten“ darf als europäisches Ereignis gefeiert werden. Das Gerücht war dem Roman vorausgeeilt. Jetzt stehen wir vor der Sensation. Das ungarische Original, bereits 2005 erschienen, hatte dem Autor zwar kräftige Lobenshymnen von seinen Kollegen und den ungarischen Intellektuellen, aber auch mächtige Schwierigkeiten von der aufgebrachten „ Stimme des Volkes“ eingebracht. Die „Parallelgeschichten“ waren und sind eine Provokation nicht nur für das reaktionäre Ungarn eines Viktor Orbàn, sondern, das wird sich vielleicht auch bei uns erweisen, für den gesunden Menschenverstand überhaupt und den (klein-)bürgerlichen Biedersinn verklemmter Kleriker dazu. mehr

Kommentar zu einer Kritk

Snob, Dandy oder ›neuer Rechter‹?

Das Studium der Literaturwissenschaften wird gern, und nicht von ungefähr, als brotlose Kunst bezeichnet. Was es nützen kann, zeigt sich jetzt in den Auseindersetzungen um den in dieser Woche erschienenen, neuen Roman von Christian Kracht »Imperium«.
Dabei handelt es sich um ein brillant geschriebenes, nicht nur bemerkenswertes Buch des schweizers Schriftstellers; das Beste, was wir in diesem Frühjahr erwarten dürfen. mehr

Bernd Leukert

Monsieur Teste ist wieder da

Kein Wunder, dass Thomas Bernhard, den die französische Literatur sonst gar nicht interessierte, das Buch immer wieder kaufen musste, weil er es immer wieder zerlas. Es geht ein säulenheiliger Anspruch von diesen beschreibend-reflektierenden Texten aus, der auf ein paradoxes Ziel hinausläuft: Monsieur Teste ist unmöglich. Seine Art, sich und die Welt zu analysieren, ist eine Art zu sterben. Es ist „Der fremde Blick auf die Dinge, der Blick eines Menschen, der nicht versteht, der außerhalb dieser Welt steht, Auge an der Grenze zwischen Sein und Nichtsein – es ist der des Denkers.mehr

Martin Lüdke

Martin Walser: Über Rechtfertigung

Die Spötter sind schnell zur Stelle. Wenn einer, wie Martin Walser, Kämpfertyp seit frühester Jugend, zwischenzeitlich sogar für umstürzlerische Aktivitäten verantwortlich gemacht, jetzt, im hohen Alter, das heißt pünktlich zu seinem immerhin fünfundachtzigsten Geburtstag, sich mit einem „Versuch“ präsentiert, „das Religiöse vor dem Vergessen zu bewahren“, dann liegt Hohn und Spott wahrlich nicht so fern. mehr

Bernd Leukert

Gerhard Ruiss' Nachdichtung des Oswald von Wolkenstein

Der österreichische Autor, Kulturpublizist, Aktionist, Musiker, Schauspieler, Entertainer, Regisseur, Moderator, Universitätslehrer und Vortragsreisender Gerhard Ruiss hat den dritten Band seiner Wolkensteinübertragung abgeschlossen. Ruiss ist selbst Dichter, der eine Vielzahl von Büchern mit aphoristischen Sammlungen und dramatischen Kurztexten veröffentlicht hat. mehr

Raimund Fellinger

Briefwechsel: Joseph Roth und Stefan Zweig

In welchem Zustand muss jemand sich befinden, unter welchen materiellen Umständen muss jemand leben, der einem Kollegen, Schriftsteller wie er selbst, einen solchen Brief (siehe unten) schreibt? mehr

Martin Lüdke

Steve Sam-Sandbergs: »Die Elenden von Lodz«

Es gibt Situationen, die dem Menschen die Sprache verschlagen. Es gibt auch Situationen, vor denen die Sprache versagt. Und es gibt die Literatur, die auch das Verstummen beschreiben kann. Zum Beispiel den Roman eines schwedischen Journalisten, der Schriftsteller geworden ist. mehr

Stefana Sabin

Dante: »Commedia«

Mit einer neuen Prosaübersetzung lädt der Mediävist Kurt Flasch zur Dante-Lektüre ein und zeigt, dass das Jenseits das Diesseits ist. mehr

Martin Lüdke

Im Koffer die Bombe und im Kopf die Revolution

Bahman Nirumand, ein Mann, der unser Land verändert hat

Mit seinem Buch »Persien. Modell eines Entwicklungslandes« hat er die Proteste gegen den Besuch des Schahs initiiert. Dabei wurde am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg erschossen. Danach und dadurch kam die Bewegung von 1968 richtig in Schwung. mehr

Martin Lüdke

Gault Millau und Guide Michelin 2012

Die beiden großen Restaurantführer Gault Millau und Guide Michelin für das Jahr 2012 sind erschienen. Der Michelin bewertet 4.200 Hotels und über 2.150 Restaurants. Im Gault Millau werden über 1.000 Restaurants getestet und kommentiert und einige hundert Hotels beschrieben. Es gibt im Großen und Ganzen bemerkenswerte Übereinstimmungen, aber auch erhebliche Differenzen. weiter

Bernd Leukert

Und täglich wird der Müll geleert

Der kleine, rührige, in Berlin ansässige Elfenbein Verlag, der sich der europäischen Literatur widmet und in diesem Jahr allein acht Neuerscheinungen deutscher Literatur produzierte, hat 2009 für Tobias Herolds ersten Gedichtband Kruste wohl große Anerkennung erfahren. Der zweite Band mit Gedichten von Tobias Herold, der jetzt bei Elfenbein herauskam, trägt den Titel Ausfahrt. weiter

Stefana Sabin

Rettungswiderstand

Arno Lustiger legt eine umfassende Dokumentation über die Judenretter während des Holocaust vor.
Noch in Häftlingskleidern klopfte er an eine Tür und bat um Essen, und tatsächlich gab ihm der Wehrmachtsoffizier, der zu seinem Schrecken die Tür aufmachte, ein Stück Brot und ließ ihn gehen, ohne ihn als entflohenen KZ-Häftling zu denunzieren. So überlebte Arno Lustiger – und wurde zum berühmtesten Laienhistoriker der Bundesrepublik. weiter

Raimund Fellinger

Die Chronik der Lektoren

Sie haben eine Gelegenheit verpasst und ein Buch verpatzt: Die ehemaligen Lektoren Karlheinz Braun, Klaus Reichert, Peter Urban und Urs Widmer hatten die Absicht, in einer eigenen Publikation den von ihnen (zusammen mit drei inzwischen verstorbenen Kollegen) zwischen September und November 1968 gestarteten Versuch zu beschreiben und zu erklären, die Entscheidungsstrukturen im Suhrkamp und Insel Verlag grundlegend zu ändern. weiter

Stefana Sabin

Umberto Eco: Der Friedhof in Prag

Immer wieder kommen Verschwörungstheoretiker und Verschwörungsphantasien in den Romanen von Umberto Eco vor, so in »Das Foucaultsche Pendel« (1988) und in »Baudolino« (2000). In dem neuen Roman, Anfang dieses Jahres in Italien und jetzt auch auf Deutsch erschienen, ist das Aushecken von Verschwörungen das Movens der Hauptfigur. weiter

Anita Djafaris Buchtipp

Ngugi wa Thiong’o: Herr der Krähen

Gleich vorweg: Keine Angst vor knapp 1000 Seiten, es handelt sich um durchweg vergnügliche Lektüre. Der Roman „Herr der Krähen“ ist eine köstliche Satire, eine epische Burleske, es ist das Opus magnum des kenianischen Autors Ngugi wa Thiong’o, der (hierzulande zwar eher unbekannt) zu den bedeutendsten afrikanischen Autoren zählt. weiter

Andrea Gremels

Trotzki und sein Mörder

Der kubanische Autor Leonardo Padura ist vor allem bekannt durch Kriminalromane wie das „Havanna-Quartett“ und dessen originelle, tragikomische Ermittlerfigur Mario Conde. Padura-Leser dürften darum überrascht sein, wenn ihnen nun dieser umfangreiche historische Roman Der Mann, der Hunde liebte in Händen liegt. weiter

Otto A. Böhmer

Paul Valéry und seine verborgenen Cahiers

Ein Meister philosophisch-literarischer Prosa, in der das Staunen überwiegt, obwohl sie eine Vielzahl pointierter Einsichten anzubieten hat, war der anfangs noch unbekannte, später jedoch hochgeehrte französische Dichter Paul Valéry (1871 – 1945), dem auch namhafte deutsche Kollegen wie Rilke, Jünger (u.a.) ihre Referenz erwiesen. weiter

Stefana Sabin

Eine Klavierschule für alle

Wenn Hänschen nicht klavierüben mochte, hat Hans jetzt eine neue Chance. Der Frankfurter Klavier­pro­fessor Eike Wernhard hat den ersten Band einer Klavierschule tastsinn vorgelegt, die auf die musiktechnischen und intellektuellen Ansprüche Jugendlicher ebenso wie Erwachsener eingestellt ist. weiter

Peter Henning

Guðrún Eva Mínervudóttir: Der Schöpfer

Die isländische Autorin Guðrún Eva Mínervudóttir und ihr wunderbar eigenwilliger Liebesroman „Der Schöpfer“ – Romane musste sie schreiben, ehe sie nun endlich von sich behaupten kann, was jede Schriftstellerin nur zu gerne von sich sagen können möchte: „Ich bin eine Bestsellerautorin!“ Im Gespräch tut sie es langsam und hörbar nachdenklich. Und keineswegs wie eine, die sich von Verkaufszahlen blenden lässt. weiter

Peter Henning

Wells Tower: »Alles zerstört, alles verbrannt«

Eines haben die zehn „Stories“ des 1973 in Vancouver geborenen kanadischen Shootingstars Wells Tower gemein: allesamt folgen sie Ernest Hemingways Credo, wonach ein guter Kurzgeschichtenautor jeweils immer nur eine Scheibe vom Brot des Lebens abschneidet, um den Leser zwar kurz zu sättigen, ihn aber schon bald wieder hungrig zu machen auf mehr. weiter

Raimund Fellinger

Briefwechsel: Einar und Gertrud Schleef

Nein, um Kunst, um Malerei, Theater und Romane, geht es im zweiten Band des Briefwechsels zwischen Einar Schleef und seiner Mutter Gertrud Schleef nicht, allenfalls am Rande. Auch als Zeitdokument, das den Niederschlag politischer und sozialer Ereignisse im Alltag festhält, ist diese Korrespondenz nicht zu lesen. Wer, mit der üblichen Erwartung an Privatbriefe, hofft, hier werde das Allerinnerste von Mutter und Sohn und ihrer Beziehung öffentlich, wird enttäuscht. weiter

Otto A. Böhmer

Hannelore Schlaffer: Die intellektuelle Ehe

Die Liebe, so heißt es, ist eine Himmelsmacht. Dementsprechend hält sie uns bis heute auf Trab, versüßt uns den Alltag, blockiert unsere Gedanken, macht uns glücklich oder unglücklich. Die Liebe kommt und geht; welche Ziele sie dabei verfolgt, bleibt uns weitgehend verborgen. Das ist gut so … weiter

Miriam Shabafrouz

Gott im Reiskorn

Mariam Kühsel-Husseini, 24 Jahre jung, ist ein Werk gelungen, das Wahrnehmungen verschiebt und erweitert. Sie erzählt darin die bemerkenswerte und traurige Geschichte ihrer Familie in Kabul, beginnend mit jener ihres Großvaters, eines virtuosen Kalligraphen, der sogar auf winzigen Reiskörnern in schönster Schrift Gedichte und Koransuren verewigen konnte. weiter

Martin Lüdke

Joseph Zoderer: »Die Farben der Grausamkeit«

Kennen wir. Ein Mann zwischen zwei Frauen. Auf der einen Seite: die Macht der Gewohnheit, Frau, zwei Kinder, Arbeit, Alltag. Auf der anderen: Verlangen, eine verrückte Liebe, Leidenschaft, in einer Zeit der großen politischen Veränderungen.
Kennen wir? Ja, aber so nicht! weiter

Buchkritik von Bernd Leukert

Jan Volker Röhnert: Notes from Sofia

Jan Volker Röhnert , der 1976 in Gera geboren wurde und mindestens fünf Gedichtbände veröffentlich hatte, bevor er 2007 mit dem Buch Metropolen, das in der Edition Lyrik Kabinett bei Hanser erschien, bekannt wurde. 2008 bis 2010 arbeitet der Literaturwissenschaftler als DAAD-Lektor an der Universität Sofia. weiter

Karl-Markus Gauß

Boualem Sansal: Das Dorf des Deutschen

Vor fünfzehn Jahren waren die Islamisten in Algerien nahe daran, den Staat zu erobern und über die Gesellschaft ihre Zwangsordnung zu verhängen. Doch die Generäle, die seit 1962 das Land als ihre Domäne verwalteten, haben sie in einem von beiden Seiten mit ungeheurer Brutalität geführten Krieg zurückgeschlagen. Vor die Alternative gestellt, es entweder mit religiös motivierten Terroristen oder einer korrupten Militärmacht zu halten, hat sich der Westen für die Militärs und dafür entschieden, diesen die Verletzung der Menschenrechte großmütig nachzusehen. Immerhin verfügt Algerien über interessante Energiereserven, sodass dem Regime des Präsidenten Bouteflika 2008 sowohl die deutsche Kanzlerin als auch der französische Präsident die Aufwartung machte. weiter

Martin Lüdke

Magriet de Moor: »Der Maler und das Mädchen«

Ein Künstlerroman, sicher. Aber nicht einer von der üblichen Sorte, sondern ein großer. Hier wird nicht das Genie, durch Einfühlung, auf ein verständliches Mittelmaß reduziert. Magriet de Moor geht ein hohes Risiko ein – und gewinnt. mehr

Peter Henning

»Das Gewicht der Welt«

Schwarz funkelnde Prosadiamanten: Molly McCloskeys fabelhafter Geschichtenband »Liebe«
Die seit 1889 in Dublin lebende Amerikanerin Molly McCloskey ist trotz ihrer beiden, seit 2008 auch auf deutsch vorliegenden fabelhaften Romane „Wie wir leben“ und „Schöne Veränderungen“ hierzulande unerklärlicherweise noch immer wenig bekannt. weiter

Andrea Pollmeier

Yanick Lahens: »Und plötzlich tut sich der Boden auf«

Nach dem schweren Erdbeben vom 12. Januar 2010 verharrte die haitianische Autorin Yanick Lahens zunächst in Sprachlosigkeit. Doch als sie die Berichte der internationalen Medien las, rührte sich in ihr Widerstand: typische Haiti-Klischees hatten sich bereits über die Bilder von Trümmern und Leichen geschoben. mehr

Martin Lüdke

Paul Léautaud: »Kriegstagebuch 1939 – 1945«

Léautaud „Kriegstagebuch“ bietet einen Grundkurs für politisch unkorrektes Verhalten. Das heißt Aufklärung in dem Sinne, sich seines Verstandes zu bedienen.
Das Buch bietet also die einmalige Möglichkeit eine der originellsten Figuren der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts (wieder) zu entdecken. Léautaud war sicher kein angenehmer Mensch. Aber ein großer Schriftsteller. mehr

Andrea Pollmeier

Edwidge Danticat: »Der verlorene Vater«

„Mein Vater ist verschwunden“. Schon die ersten vier Worte geben den Schreck wieder, der in neun aufeinander folgenden Geschichten Ton angebend bleibt. Nüchtern, nahezu abweisend distanziert nähert sich die haitianische Autorin Edwidge Danticat auf diese Art einer Frage, die Nachkommen tyrannischer Herrschaft oft nur insgeheim an ihre Vorfahren richten: „Was hast Du in dieser Zeit getan?“. weiter

Feindliche Landnahme

Ein israelischer Roman über die zionistische Besiedlung Palästinas

Von Stefana Sabin | Seit den späten achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts haben die israelischen „Neuen Historiker“ um Benny Morris und Ilan Pappe das zionistische Narrativ hinterfragt und die etablierte Geschichtsschreibung entmystifiziert. Dass die palästinensische Bevölkerung nicht freiwillig ausgewandert sei, sondern vertrieben wurde, ist eine Kernthese der Neuen Historiker. weiter

Stefana Sabin

Matt Rees und sein palästinensischer Detektiv Omar Jussuf

In inzwischen vier Krimis hat Rees die unheimliche Verquickung von politischem Taktieren, manipulativem Nationalismus und religiöser Einschüchterung, die den Alltag in den palästinensischen Gebieten bestimmt, als Kulisse für kriminalistische Geschichten benutzt und den ersten palästinensischen Detektiv der Kriminalliteratur erfunden: Omar Jussuf, ein „Lehrer, der die bedauernswerten Kinder aus dem Flüchtlingslager Dehaischa in Geschichte unterrichtet.“ mehr

Jürgen Lentes

Karl-Markus Gauß: Im Wald der Metropolen

Für den 1954 in Salzburg geborenen Schriftsteller, Essayisten und Kritiker Karl-Markus Gauß bedeutet Europa mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit etwas anderes als das Europa der Brüsseler Bürokraten, der Regulierungsfanatiker und großen Einebner. Gauß’ lesend und damit mit ihm auf Reisen durch dieses andere Europa zu gehen, das ist ein ungleich anregenderes und früchtebringenderes Unterfangen weiter

Peter Henning

Albert Camus in Bildern & Dokumenten

Bislang kannte man vor allem die wenigen längst ikonographischen, auf Plakaten und Buchumschlägen regelmäßig wiederkehrenden Aufnahmen jenes reinen, unerschütterlichen Moralisten weiter

Otto A. Böhmer

Friederike Roth – Abendlandnovelle

Friederike Roths Abendlandnovelle ist ein knappes, von leiser Ironie getragenes Befindlichkeitsprotokoll, das seiner Autorin die letzten Illusionen nimmt, den Leser aber nicht ganz mutlos zurücklässt. Schließlich blitzt doch immer wieder das Schöne auf, und sei es nur, um uns eine weiteres Mal an die große Vergänglichkeit zu erinnern. mehr

Doris Stickler

José Casanova: Europas Angst vor der Religion

Fundamentalistisch, rückwärtsgewandt, frauenfeindlich und menschenrechtsverletzend. Derlei Eigenschaften schreibt man gegenwärtig vor allem den Muslimen zu. weiter

Jürgen Lentes

Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele

Alexander Pechmanns kleine Enzyklopädie Das Haus des Bücherdiebs erzählt von Lust und Fluch des Büchersammelns mehr

Otto A. Böhmer

Die Unentwegten

Historische Romane erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, was auch daran liegen mag, dass der Leser von ihnen in eine Geschichte hineingezogen wird, die nicht mehr abstrakt anmutet, sondern von Menschen betrieben wird, denen, selbst wenn sie sich in abgelegenen Zeiten tummeln, gewisse Ähnlichkeiten mit lebenden Personen nicht abzusprechen sind. mehr

Otto A. Böhmer

Neues von und über Peter Handke

Der Dichter Peter Handke (Jg. 1942) liebt die Gegenwehr, auch wenn er nicht angegriffen wird. Er gilt als schwierig; an diesem Ruf arbeitet er nicht mehr, er hat ihn längst verinnerlicht. Handke hat auf einer eigens für ihn errichteten Aussichtsterrasse Platz genommen, die den Blick freigibt aufs Höhere. weiter

Jürgen Roth

Raddatz rockt

Kulturbetriebsnudelsalat: Nachdem im September die Tagebücher des Fritz J. Raddatz aus den Jahren 1982–2001 erschienen waren, brach in den Feuilletons der Republik, wie abermals kaum zu erwarten gewesen war, jener Sturm der Begeisterung respektive Entrüstung los … weiter

Martin Lüdke

Gault Millau und Guide Michelin

Beide Restaurantführer sind 2010 erschienen und versprechen den Feinschmeckern eine appetitliche Lektüre. Gault Millau und Guide Michelin beschreiben Frankfurt-Rhein-Main als kulinarische Metropole. mehr

Jürgen Lentes

Günter Brus berichtet von dem guten alten West-Berlin

Der „Wiener Aktionismus“ machte in den 1960er und 70er Jahren mit radikaler Kunst von sich reden. Das Happening und die Fluxus-Bewegung weiterentwickelnd, sorgten Otto Muehl, Herrmann Nitsch, Oswald Schwarzkogler und Günter Brus für reichlich Skandal. Vor allem Brus setzte seinen Körper radikal als Objekt ein, von Selbstbemalungsaktionen bis zur Selbstverstümmelung reichte das Repertoire. mehr

Ruthard Stäblein

Jean-Philippe Toussaints Romane mit Marie

Kein Umschlag, kein Klappentext, keine Farben, kein Foto, das auf den Titel aufmerksam machen oder den Autor ausweisen würde. Jean-Philippe Toussaint veröffentlicht seine Romane im französischen Original beim kleinen, aber feinen Verlag „éditions de minuit“, der durch seine zurückhaltende, ja geradezu karge Aufmachung auffällt. Immer nur der gleiche weiße Paperback-Einband mit einem einzigen dunkelblauen Rahmen. weiter

Stefana Sabin

Lesen und lesen lassen

Von der Plastizität der Neuronen und der Vergänglichkeit der Datenträger bei Stanislas Dehaene: „Lesen. Die größte Erfindung der Menschheit und was dabei in unseren Köpfen passiert“ und Umberto Eco/ Jean-Claude Carrière: „Die grosse Zukunft des Buches“. mehr

Stefana Sabin

Doron Rabinovici: Andernorts

In seinem neuen Roman entwirft Doron Rabinovici eine amüsante Geschichte um ungeahnte Verwandtschaftsverhältnisse. mehr

Peter Henning

Joshua Ferris: Ins Freie

Es ist eine moderne Forrest Gump-Geschichte, die der 1974 im amerikanischen Illinois geborene Joshua Ferris in seinem zweiten, jetzt auf deutsch vorliegenden Roman „Ins Freie“ erzählt. mehr

Martin Lüdke über

Siegfried Unseld: Chronik Suhrkamp 1970

Nur weil er seinen Feldherrn in der Unterhose gesehen hat, begreife ein Diener noch lange nicht die Tragweite der Entscheidungen seines Herrn. mehr

Peter Henning

Jonathan Franzen: Freiheit

Neun Jahre nach seinem Welterfolg „Die Korrekturen“ hat der Amerikaner Jonathan Franzen sich mit seinem neuen Roman „Freiheit“ selbst überboten. mehr

Peter Henning

Tom Rachman: Die Unperfekten

Ein Fall von früher Meisterschaft: Der Brit-Kanadier Tom Rachman und sein Roman „Die Unperfekten“. mehr

Martin Lüdke

Fritz J. Raddatz: Tagebücher (1982 – 2001)

Ob diese Erinnerung hierher gehört? Ich war mit dem deutsch-amerikanischen Schriftsteller Reinhard Lettau (1929 bis 1996) befreundet. Fast immer, wenn Lettau bei Fritz J. Raddatz eingeladen war, schwärmte er danach so überschwänglich wie begeistert von dem stilvollen Arrangement dieser in allen Details bedacht komponierten Essen. mehr

Andrea Pollmeier

Oleg Jurjew: Russische Fracht

Oleg Jurjew zählt zu den originellsten Sprachvirtuosen der modernen russischen Literatur. Seine Romane fordern die Experimentierfreude des Lesers heraus mehr

Marc Peschke

Ramune Pigagaite: Menschen meiner Stadt

Ein Fotobuch. Die Schneiderin, eine ganz und gar resolute, voluminöse Person im Blumenkleid, hat ein Bügeleisen in ihrer rechten Hand, eine Schere in der linken – und um den Hals, wie es sich gehört, ein Maßband. mehr

Andrea Pollmeier

Mo Yan: Der Überdruss

Zwei Jahre hat Ximen Nao in den Folterkammern der Hölle geschmort. Dann erlaubt Yama, der Fürst der Unterwelt, dem hingerichteten Grundbesitzer die Rückkehr in sein Heimatdorf. Der reiche chinesische Bauer wird hier im Jahr 1950 jedoch nicht als Mensch, sondern – zunächst – als Esel wiedergeboren. mehr

erstellt am 01.1.2035