Familiär und dennoch international, nichtinstitutionell und dennoch anspruchsvoll: Das Frankfurter Ausstellungsprojekt Platform Sarai versucht einen nicht immer einfachen Spagat. Eugen El stellt das Projekt vor.

porträt

Wie bei guten Freunden

Ein außergewöhnlicher Kunstort in Frankfurt feiert sein zehnjähriges Bestehen

Von Eugen El

Es ist einer der Ausstellungsorte in Frankfurt, die man erst auf den zweiten Blick entdeckt. In einem unscheinbaren Hinterhaus in der Schweizer Straße des Stadtteils Sachsenhausen befindet sich die Platform Sarai. Gegründet wurde sie im Jahr 2004 vom Filmemacher Anatoli Skatchkov und seiner Frau Ira Kublin. Sie leben seit 1997 in Deutschland. „Sarai“ steht im Russischen für ein einfaches Haus beziehungsweise eine Werkstatt im Hof. Genau so ein Haus bewohnt seit nunmehr zehn Jahren die Familie Skatchkov. Die Ausstellungsfläche ist Teil ihrer Wohnung. Die Gründung eines solchen alternativen Kunstortes lag für die Skatchkovs nahe, da sie auch in Russland ein offenes Haus pflegten.

Nur einige Gehminuten entfernt liegt die Städelschule, Frankfurts international angesehene Kunsthochschule. Von dort stammen die meisten der ausstellenden Künstler. Aber auch aus dem Umfeld der Offenbacher Hochschule für Gestaltung kommen einige Beiträge. Bei den Ausstellungseröffnungen geht es sehr international und dennoch familiär zu.

Bei der Platform Sarai proben die meist jungen Künstler ihren künstlerischen Auftritt jenseits des Hochschulateliers. Skatchkov und Kublin haben den Anspruch, dafür einen nichtkommerziellen und nichtinstitutionellen Ausstellungsort anzubieten. So entfällt zwar der für die Künstler manchmal nötige Druck. Die Atmosphäre ist dennoch anregend, schließlich zeigt man seine Arbeiten einem informierten und anspruchsvollen Publikum.

Bis zum 9. Februar 2014 sind in den Räumen der Platform Sarai mit Lena Philipp, Sabine Rak und Anna-Lisa Theisen drei malerische Positionen aus der Städelschule zu sehen. Alle drei Künstlerinnen haben bei der mittlerweile pensionierten Professorin Christa Näher studiert. Theisen setzt ihr Studium bei Nähers Nachfolgerin Monika Baer fort, Philipp ist mittlerweile in der Klasse von Michael Krebber.

Lena Philipp zeigt verspielte, in einer Mischtechnik aus Tusche, Aquarell und Öl ausgeführte Blätter, die figurative Elemente ebenso enthalten wie auch narrative Spuren und dennoch abstrakt bleiben, jenseits jeder illustrativen Absicht. Eine gewisse Naivität ist den Blättern eigen. Sie ermöglicht eine spielerische künstlerische Dynamik. Sabine Raks figurative Gemälde zeichnen sich durch Strenge und Sachlichkeit aus. Sie zeigen konstruierte Innenräume, farblich und kompositorisch auf das Wesentliche reduziert. Von Raks Bildern geht eine enorme Spannung aus, sie sind im besten Sinne fordernd. Ihre Arbeiten zeugen von einer hohen malerischen Sensibilität und Disziplin zugleich. Eine Gruppe von „Eisbergspitzen“ zeigt Anna-Lisa Theisen. Die gefürchtete Monumentalität dieser Gebilde konterkariert Theisen durch die Wahl des Materials. Aus Porzellan gefertigt, wirken die Eisberge poetisch und zerbrechlich. Von einer gewissen Zerbrechlichkeit sind auch die Falter, deren sich Theisen als Motiv angenommen hat. Durch die ungewöhnliche Technik wirken sie wie mit Aquarell auf die Leinwand aufgetragen.

Bei der nächsten Ausstellung handelt es sich um ein Gastspiel. Während des diesjährigen, Mitte Februar stattfindenden Rundgangs wird die Architekturklasse der Städelschule ihre Entwürfe bei der Platform Sarai präsentieren. Skatchkov pflegt gute Kontakte dorthin und schätzt die seiner Ansicht nach exzellente Ausbildung in der Städelschule Architecture Class. Wer die Ausstellungen bei der Platform Sarai nach der Eröffnung sehen möchte, muss sich übrigens nur kurz per Telefon ankündigen: wie für einen Besuch bei guten Freunden.

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erstellt am 21.1.2014

Ausstellungseröffnung bei Platform Sarai am 15. Januar 2014

Platform Sarai , Schweizer Straße 23 HH, Frankfurt am Main

Besuch nach telefonischer Vereinbarung:
+49 (0) 176 96894479

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Lena Philipp: “the cupboard where the ideas come from”, 2013, Tusche, Aquarell, Öl auf Papier. Ausstellungsansicht Platform Sarai

Sabine Rak: “Aggressiv im Mai” (2013), Öl auf Leinwand (links); “Zwischen Licht und Schatten”, 2013, Öl auf Leinwand (rechts). Ausstellungsansicht Platform Sarai

Anna-Lisa Theisen: “Eisbergspitzen”, 2014, Porzellan. Ausstellungsansicht Platform Sarai

Platform Sarai-Mitbegründer Anatoli Skatchkov. Foto: Eugen El
Platform Sarai-Mitbegründer Anatoli Skatchkov. Foto: Eugen El